Wir müssen reden!

Teil II

Am 08. März war Weltfrauentag. Ein interessanter Tag um zu schauen, was denn die Social Media Welt zum Thema Feminismus zu sagen hat. Ich muss zugeben, dass ich nicht besonders überrascht bin. Denn die Leute auf Instagram oder Facebook haben sich wie so oft im Leben in zwei Lager aufgeteilt: Befürworter und Gegner.

Die Gegner

Schauen wir uns mal die Gegner und Gegnerinnen genauer an, um herauszufinden, warum es Frauen in der heutigen Zeit immer noch in vielen Bereichen schwer haben. Ich muss zugeben, diese Leute in eine einzige Schublade zu stecken, ist wirklich mehr als schwierig. Denn es gibt kein typisches Raster, in das die Gegnerinnen und Gegner der Feminismus-Bewegung passen. Deshalb war ich so frei, die Feminismus-Gegner in vier Gruppen einzuteilen.

Fangen wir doch mal beim einfachsten Gegner-Typ an. Typ I. Das ist in den meisten Fällen ein Mann, der fest im Job sitzt, eine Familie hat und generell zufrieden ist im Leben. Der hält Feminismus für Quatsch, weil er sich sicher ist, dass Frauen sowieso schon zu viele Privilegien haben und sich das ganze Gleichberechtigungs-Gedöns nur einbilden. Er hält an typischen Rollenbildern fest und sieht sich als Ernährer der Familie. Kindererziehung und Hausarbeit überlässt er gerne seiner Frau. Von „Die Weiber wollen nur Aufmerksamkeit“ bis hin zu frauenfeindlichen Witzen waren am Weltfrauentag viele böse Kommentare im Internet zu lesen.

Weiter geht es mit Gegner-Typ II, der diesmal ausschließlich von Frauen verkörpert wird. Das sind Frauen, die fröhlich den Mittelfinger in die Kamera halten und behaupten, sie würden vom Weltfrauentag nichts halten. Sie möchten Anerkennung durch eigene Leistungen, besondere Förderung von Frauen lehnen sie kategorisch ab. Meiner Meinung nach steckt hinter diesem Bild aber eigentlich nur der Wunsch nach Aufmerksamkeit. Besonders die Aufmerksamkeit von Männern. Die gehen nämlich auf solche Aussagen ab wie Schmidts Katze und verteilen ordentlich Likes.

Der dritte Gegner-Typ (unabhängig vom Geschlecht) ist auf den ersten Blick besonders kompliziert, entpuppt sich aber relativ schnell als genauso einfach gestrickt wie Typ I. Denn der sieht ein, dass Frauen im Alltag und im Beruf gegenüber Männern oft benachteiligt sind, hat aber an jedem Lösungsvorschlag etwas auszusetzen. Sei es die Frauenquote oder ein neues Abtreibungsgesetz: Immer hat dieser Gegner-Typ etwas zu meckern. „Man müsse das Problem an der Wurzel packen.“ Einen besseren Lösungsvorschlag bekommt man vom Gegner-Typ III allerdings auch nicht.

Der letzte Gegner-Typ (unabhängig vom Geschlecht) ist in der Feminsimus-Debatte übereifrig und eröffnet jedem ständig seine Meinung. Dabei hat er überhaupt nicht verstanden, um was es in der Feminismus-Bewegung eigentlich geht und regt sich deshalb über Toiletten für das Dritte Geschlecht, geschlechtsneutrale Bezeichnungen und sonstige Themen auf. Typ IV ist also nicht besonders im Bilde, gibt aber überall seinen Senf dazu.

Hier ein paar nette Instagram-Impressionen

Sophia Thomalla auf Instagram. Was tut man nicht alles für seine Follower? Ein Fall für Feminismus Gegner-Typ II.

Ein klarer Fall für Feminismus Gegner-Typ I.

Schlechte Quali, wenige Follower. Typisch für Feminismus Gegner-Typ IV.

Das sind aber auch viele Vorurteile…

Richtig. Das sind hauptsächlich Ausschnitte und subjektive Eindrücke. Ich möchte damit aber zeigen, wie wichtig es ist, dass wir uns alle aktiv mit der Feminismus-Debatte auseinandersetzen und uns richtig informieren. Wäre der Feminismus auch hier in der westlichen Gesellschaft nicht relevant, würde er uns wohl kaum überall begegnen. Dennoch wird von vielen behauptet, die feministische Bewegung sei überbewertet und Frauen hätten hier die selben Rechte wie Männer. Dem kann ich jedoch getrost widersprechen. Wer mehr darüber erfahren will, kann sich im ersten Teil dieser Kolumne darüber informieren, warum wir Feministen und Feministinnen auch hier bei uns in Deutschland brauchen.

Zehn Tage Russland

Es gibt Menschen, die möchten eine Woche lang wandern im Harz. Oder die Alpen überqueren bis nach Meran. Und es gibt im Vergleich dazu noch viel mehr Menschen, die möchten sich an der Costa Brava sonnen oder in Venedig Tauben jagen. Und dann gibt es mich. Ich wollte schon immer unbedingt nach Russland. 

Warum ich das möchte? Ich könnte jetzt von den Moskauer Zwiebeltürmen schwärmen oder von richtigem Wodka. Aber das wäre vermutlich alles frech gelogen. Denn in Wahrheit möchte ich mich auf die Spuren eines besonderen Mädchens begeben, um mehr über die Umstände ihres tragischen Schicksals zu lernen. Anastasia.

Meine Mutter sagt, das sei keine anständige Beschäftigung für einen jungen Mann in seinen Zwanzigern. Ich solle doch lieber Sport machen und eine Frau kennenlernen. Dass ich noch nie zuvor eine wirkliche Freundin hatte, störte meine Mutter offensichtlich mehr als es mich selbst störte. Denn ich hatte im Augenblick meine Gedanken bei einer anderen jungen Frau. Als Kind sah ich das erste mal einen Disneyfilm über sie. Seitdem ließ mich ihre Geschichte nicht mehr los. Auch meiner besten Freundin war mein Ausflug nach Russland ein Dorn im Auge. Einem Geist würde ich hinterher jagen, denn das Kind wäre damals mit seiner Familie gestorben, meinte sie. Das sei längst bewiesen.

Mir war klar, dass Anastasia heute längst nicht mehr leben würde, selbst wenn ihr damals eine Flucht geglückt wäre. Dennoch lässt mich die Vorstellung nicht mehr los, wie ich durch die Straßen von Moskau ziehe und ihr in jeder Ecke, in jedem Laden und an jedem U-Bahn-Gleis begegnen könnte. Wie sie aussah wusste ich zwar nicht, aber in meinem Kopf hatte sich längst ein wunderhübsches Gesicht abgezeichnet. So schön und vollkommen, dass jeder unterlassene Versuch sie zu treffen eine Schande gewesen wäre.

Denn dass es für mich hier keine passende Frau gab, war nicht von der Hand zu weisen. Ich war nicht besonders gutaussehend und viele Macken hatte ich obendrein. Die Frauen meiner Fakultät beachteten mich nicht im geringsten und in der Nachbarschaft gab es auch niemanden. Meine beste Freundin war die einzige weibliche Person, die außer meiner Mutter Teil an meinem Leben hatte. Aber mit ihr eine Beziehung zu führen, wäre wahrscheinlich einfach nur lächerlich gewesen. Man kann mit niemanden ein Bett teilen, mit dem man sich schon im Sandkasten um eine Schaufel gestritten hatte. Und man konnte erst recht nicht mit jemanden ein Bett teilen, der wusste, dass man abends vor dem Zähneputzen dreimal blinzeln musste, weil man sonst einen Albtraum befürchtete.

Wir fuhren gemeinsam zum Flughafen. Meine beste Freundin begleitete mich, um sich noch persönlich für die nächsten Tage zu verabschieden. Das Flugzeug könnte ja abstürzen oder ich könnte einem Anschlag zum Opfer fallen. Es wäre möglich, dass wir uns nie wieder sehen würden. Unfug! Das war natürlich alles unbegründet und so versicherte ich ihr, dass ich wohlbehalten zurückkehren würde. Sodann verlies ich die Halle in Richtung meines Terminals.

Als ich zehn Tage später aus Russland heimkehrte, war ich zu einer Erkenntnis gelangt. Es war, als hätte mir jemand endlich die Augen geöffnet. Ich war um den halben Globus geflogen, um eine Person zu finden, die gar nicht existierte. Dabei wartete zu Hause eine andere Frau, die viel schöner war als alle Damen die ich in Russland getroffen hatte. Mit Freude im Herzen rannte ich auf die Ankunftshalle zu, um meine beste Freundin in die Arme zu schließen und ihr zu sagen, dass ich mich wie ein blinder und dummer Hund benommen hatte.

Ich blickte mich um, konnte ich hübsches Gesicht aber nirgends entdecken. In der Halle warteten einige Menschen auf die ankommenden Passagiere, um sie in Empfang zu nehmen. Sie war nicht unter ihnen. Hinter dem Gepäckband traf ich jedoch meine Mutter. Jene schien sich nicht besonders über meine Rückkehr zu freuen, denn ihr Blick war finster und traurig. Als ich Mutter fragte, wo denn meine beste Freundin geblieben sei, zog sie mich in näher zu sich und erzählte mir, dass Anna vor wenigen Tagen bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Flüchtiges Gefühl

Ein kurzer Duft und sanfte Schmerzen,
Ich trage es in meinem Herzen.
Wie Wind der schnell vorüberzieht,
Ein Dieb der vor Bestrafung flieht.
Die Haut fühlt sich wie Seide an, 
Weshalb ich nur dran denken kann.
Ich bin nicht sicher, ist es Liebe?
Sind es vielleicht nur meine Triebe?
In meinem Kopf herrscht ein Gewühl,
Dabei war’s nur ein flüchtiges Gefühl.

Auf der Jagd nach guten Krimis

Jagdtrieb: Ein Kriminalroman
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Die Jagd nach guten Büchern und vor allem Krimis hat mich in den letzten Jahren ziemlich erschöpft. Denn Auswahl gibt es reichlich, aber viele Geschichten sind inhaltlich kaum voneinander zu unterscheiden. Eine Leiche am Anfang und ein erfahrener Kommissar, der herausfindet, woher die Leiche am Anfang kommt und wer dafür verantwortlich ist. Wer auf diesen klassischen Kitsch – wie ich es jetzt einfach mal formuliere – steht, der sollte Jadgtrieb von Hendrik Esch auf keinen Fall lesen. Wer das 0815-Bla-Bla aber so langsam satt hat, der sollte schleunigst auf die Pirsch gehen und sich ein Exemplar sichern.

Kurz zum Inhalt: Paul Colossa ist ein junger Anwalt und ein waschechter Münchner. Aufgrund des Selbstmords seines Onkels verlässt Paul allerdings seine Heimat, um in der bayerischen Provinz Neustadt dessen Kanzlei zu übernehmen. Dort lernt er auch die junge Russin Maja kennen, die von ihrem Ex gestalkt wird und nun um Pauls Hilfe bittet. Paul lässt sich natürlich darauf ein, merkt aber langsam, wie der ganze Fall aus dem Ruder läuft…

Als ich das Buch aufgeschlagen habe und mit den ersten beiden Seiten durch war, dachte ich mir nur: Was zur Hölle habe ich da gerade gelesen? Ich hatte am Anfang tatsächlich Schwierigkeiten, mich an den Schreibstil des Autors zu gewöhnen. Denn der ist wirklich sehr außergewöhnlich. Aber bekanntlich gewöhnt sich der Mensch ja an alles, so auch in diesem Fall. Ich habe also weitergelesen und mit jeder Seite konnte ich mich mehr und mehr in die Figur Paul hineinversetzen und letztendlich feststellen: Man muss so verrückt schreiben, wenn man so eine Geschichte erzählt.

Die Geschichte kommt so erfrischend ironisch daher, dass man bei aller Ernsthaftigkeit des Themas irgendwie trotzdem schmunzeln muss. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ebenfalls erfrischend ist die Tatsache, dass die Hauptfigur so wahnsinnig sympathisch ist. Paul Colossa ist meiner Meinung nach total verunsichert in allen Dingen und versucht das permanent zu verstecken. Er ist also ein echter Mensch mit echten Schwächen. Davon möchte ich in Zukunft gerne mehr lesen. Deswegen bleibt eine Frage offen: Wann gibt es eine Fortsetzung?


Der Brief einer Schwester

Vor wenigen Jahren baten wir Großtante Elfriede darum, ein paar Geschichten über unseren Großvater aufzuschreiben. Wir wollten aus den gesammelten Anekdoten einen Liedtext dichten und diesen dann bei seiner runden Geburtstagsfeier zum besten geben.

Großtante Elfriede reagierte auf unsere Anfrage und setzte einen Brief auf, der so manches Abenteuer beinhaltete. Der zweiseitige Text umfasste von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter viele Etappen, die Opas Leben auf einem Stück Papier beschrieben. Und weil Papier verbrennen, zerreißen oder vergilben kann, möchte ich einige Auszüge hier festhalten:

„Wilhelm ist damals im Alter von drei Jahren alleine mit dem Zug nach Berlin gefahren. Die Mutter war mit ihm zu Bekannten gegangen und er hatte im Garten warten müssen. Wahrscheinlich langweilte er sich und so ging er alleine in Richtung Bahnhof. Da er noch so klein war, folgte er einfach den Erwachsenen durch die Sperre ins Abteil.“

„Jeden Tag spielte Wilhelm mit anderen Kindern Beruf. Mal war er Dachdecker, mal Schornsteinfeger und mal kletterte er deshalb sogar auf das Dach hinauf. Die Nachbarn bekamen jedes Mal einen Schrecken.“

„Nach dem Krieg sangen Wilhelm und ich zusammen in einem Chor. Dort lernten wir viele neue Menschen kennen und verbrachten lustige Abende gemeinsam. Wilhelm hätte auch heute noch das Talent dazu, allerdings weigert er sich, noch einmal vor Publikum aufzutreten.“

„Nachdem Wilhelm eine Anstellung in einer Schreinerei fand, traf er seine große Liebe und wurde in der Nähe von Erlangen sesshaft. Unsere Familie hatte schon damals gute Beziehungen zum Bürgermeister, weshalb sich Wilhelm später auch in der Politik engagierte. Ich höre ihm immer gerne zu, wenn er von damals erzählt.“

„Einen Bruder zu haben ist das schönste auf der Welt. Denn man hat immer einen Verbündeten, mit dem man alles gemeinsam machen kann. Gemeinsam die Hausaufgaben verweigern, gemeinsam im Verein tätig sein und gemeinsam Geburtstag feiern.“

Die Erzählung beruht auf wahren Begebenheiten, wurde aber für den Blogbeitrag inhaltlich leicht abgeändert.

Die Teerose

Die Teerose hat mir sehr gut geschmeckt
(unbezahlte Werbung)

Meine erste Buchempfehlung auf ichlesedas.de liegt mir besonders am Herzen. Denn die Teerose, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, hat eigentlich alles was ein gutes Buch haben muss. Eine mittellose Protagonistin, die sich von niemandem etwas sagen lässt und schließlich zur Großunternehmerin wird. Eine Verliebtheit, bei der es kein happy End gibt. Eine Freundschaft, die stärker ist als alles andere. Und eine Geschichte, die zu Tränen rührt.

Ich muss sagen, dass ich überhaupt kein Fan von vorhersehbaren Geschichten bin. Wenn ich am Anfang des Buchs schon das Ende vorhersehen kann *gähn*. Das war bei der Teerose glücklicherweise zu keiner Zeit der Fall. Ich wurde immer wieder aufs neue von der Geschichte überrascht und habe die Kühnheit der Autorin sehr bewundert. Die Teerose ist der erste Teil einer Trilogie. Die beiden anderen Teile heißen die Winterrose und die Wildrose und sind auf alle Fälle genauso lesenswert. Jedes Buch ist einem Geschwisterteil gewidmet und erzählt dessen Lebensgeschichte. Die Handlungen spielen zu stürmischen Zeiten: Sowohl die Angst vor Jack the Ripper als auch neue Erkenntnisse in der Wissenschaft sorgen für viel Gesprächsstoff auf den Straßen Londons, wo die drei Geschwister zuhause sind. Schauplatz der Bücher sind aber mehrere Länder und Kontinente; Leser bereisen mithilfe der Geschichten also die ganze Welt. Daumen hoch!

ichlesedas und was liest du?


Damit ihr in Zukunft auch büchermäßig nicht unterversorgt seid, werde ich hier regelmäßig verschiedene Buchempfehlungen posten. Aktuell liegen haufenweise ungelesene Bücher auf meinem Schreibtisch, die ich nach der aktuellen Prüfungszeit sofort in Angriff nehmen werde! Auf der Warteliste stehen mitunter Krimis und vor allem historische Romane. Ich bin gespannt und werde euch berichten.

Super schönes Serienwetter!

Na? Immer noch kalt draußen? Immer noch Prüfungszeit? Für alle, die lieber eingekuschelt auf dem Sofa sitzen anstatt zu lernen oder außen durch den Matsch zu laufen, habe ich ein paar tolle Serienempfehlungen vorbereitet. Damit aber auch wirklich keiner zu kurz kommt, stelle ich euch Serien verschiedener Plattformen vor.

Netflix: Der Mord an Gianni Versace

Fangen wir mal gleich mit Netflix an, denn ich denke, dass die meisten von euch hier ihre Serien suchten. Pardon, anschauen. Seit wenigen Tagen ist auf Netflix die zweite Staffel von American Crime Story online. Aber keine Panik, die einzelnen Staffeln der Serie haben eine in sich abgeschlossene Handlung, weshalb ihr die erste also nicht kennen müsst. In der aktuellen Staffel wird der Mord am Star-Designer Gianni Versace nachgestellt. Dieser wurde in den 1990er Jahren vor seiner protzigen Villa in Miami Beach urplötzlich von einem Unbekannten erschossen. Die Hauptrolle hat Versace in der Serie allerdings nicht inne. Dafür aber sein Mörder, ein gewisser Andrew Cunanan, der sich in der Schwulenszene des modernen Amerika einen Namen gemacht hat und neben Versace noch andere Männer auf dem Gewissen hat. Andrews Welt wird dominiert von teuren Klamotten, schicken Autos und eiskaltem Hass. Eine glamouröse Mordserie.

Sky: Sharp Objects

Mit einer Mordserie machen wir gleich weiter, diese ist aber alles andere als elegant. In der Serie Sharp Objects verschwinden im verschlafenen Wind Gap (Missouri) nacheinander zwei junge Mädchen. Die forsche Journalistin Camille, die in Wind Gap ihre Kindheit verbracht hat, wird von ihrem Chef dorthin geschickt, um über die mysteriösen Umstände zu berichten. Camille ist allerdings nicht besonders begeistert, da sie keine wirklich schönen Erinnerungen an ihre Kindheit hat. Dennoch macht sie sich auf den Weg in ihre Heimatstadt. Dort trifft sie auf ihre Mutter. Diese ist eine melancholische Frau im mittleren Alter, die außer ihrem altehrwürdigen Haus und ihrer jüngsten Tochter Amma keinen Sinn im Leben zu haben scheint. Im Laufe der Recherchen kommen immer mehr Grausamkeiten ans Licht. Eine Thriller-Serie, die sowohl Mitleid als auch Entsetzen auslöst.

Amazon Prime: Goliath

Meine letzte Empfehlung ist keine wirkliche Neuerscheinung. Goliath gibt es schon seit 2016 und mittlerweile sind bereits zwei Staffeln erschienen. Dennoch möchte ich euch die Serie vorstellen. Billy McBride ist ein alter und versoffener Kerl, der die beste Zeit seines Lebens bereits hinter sich hat. In seiner Vergangenheit war er ein angesehener Anwalt, jetzt allerdings haust er in einem schäbigen Motel an der Küste Kaliforniens und vertreibt sich die Zeit in einer Kneipe. Zu seiner Überraschung wird er von der gutaussehenden Strafanwältin „Patty“ darum gebeten, ihm bei einer Zivilklage gegen seine frühere Kanzlei zu unterstützen, die eine große Rüstungsfirma vertritt und einen Mord vertuschen will. Billy hat zwar zunächst keine Lust, lässt sich aber auf einen Deal mit Patty ein, da er eigentlich nichts zu verlieren hat. Die Serie hat ihren Namen sicherlich von dem biblischen Showdown zwischen David und Goliath. Ein Alkoholiker und eine Blondine: Haben die beiden überhaupt eine Chance vor Gericht? Eine etwas außergewöhnlichere Anwaltserie.

Also los geht’s! Schnappt euch eine heiße Tasse Kakao, eure Lieblings-Decke und dann ab auf’s Sofa. Und wenn ihr jetzt maßlos enttäuscht seid, weil ihr schon alle Serien gesehen habt, dann solltet ihr vielleicht doch mal an die frische Luft. Mich eingeschlossen.

Wann geht uns ein Licht auf?

Wer von euch kennt Greta? Die 16-Jährige Klimaaktivistin mit Asperger-Syndrom und den zwei geflochtenen Zöpfen? Das Mädchen dessen Video um die Welt geht? Das sich vor verschlafene Regierungsmitglieder verschiedener Länder stellt und versucht sie wachzurütteln? Genau die! Und über die reden wir jetzt. Greta Thunberg hat beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos folgendes gesagt:

Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Dass ihr so handelt als würde euer Haus in Flammen stehen, denn das tut es.

Greta THunberg (VIdeo)

In einem weiteren Interview sagt Greta etwas, das mich fast sprachlos gemacht hat:

Wir müssen erkennen, dass wir in einer akuten Krise stecken. Und in einer Krise handelt und denkt man anders, als man es normalerweise tun würde.

GReta Thunberg (VIDEO)

Und damit trifft Greta den Nagel auf den Kopf. Denn wir Menschen ziehen uns regelmäßig irgendwelche apokalyptischen Blockbuster rein, angefangen bei „I am Legend“ bis hin zu „Bird Box“, und essen dabei unsere Tüte Chips mit einer Seelenruhe, als wären solche Weltuntergangs-Szenarien nur ausgedacht. Nein. Wir befinden uns bereits in so einem Szenario. In einer Krise. Und es ist dieselbe Krise wie im Film. Nur wir checken es einfach nicht. Wir merken es nicht. Wir sehen es nicht. 

Es muss erst ein Teenager um die Ecke kommen, damit wir das verstehen. Wir Menschen haben über die Jahre erstklassiges Wissen über unsere Umwelt gesammelt und dennoch tun wir nichts, um sie zu schützen. Es siegt dann das Zwei-Euro-Fleisch aus dem Discounter. Aber wenn wir wirklich so weitermachen wollen, wenn wir dieses Leben wirklich leben wollen, dann müssen wir uns der Konsequenzen bewusst sein. Wir werden immer mehr Menschen und Ressourcen werden gleichzeitig immer knapper. Haben wir überhaupt noch ein Recht auf diesen wahnsinnigen Konsum?

Ich bin wirklich keine Heilige, auch ich habe meine Klimasünden. Ich fliege alle zwei Jahre in den Urlaub und ich habe ein Auto, das ich auch regelmäßig benutze. Aber ich bin dennoch immer darum bemüht, wenigstens bei den kleinen Dingen im Alltag etwas klimabewusster zu werden. Ich verzichte weitgehend auf Plastik und versuche mein Obst und Gemüse immer regional zu kaufen. Ich kaufe mir keine 45 Cent Milch, sondern gebe dafür gerne mehr Geld aus. 

Ich bin teilweise schockiert, wenn ich sehe was so manche Menschen täglich einkaufen. Abgesehen davon, dass das meiste Zeug wahnsinnig ungesund ist, ist es vor allem doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt. Da frage ich mich: muss das wirklich sein? Ich will hier niemanden angreifen und es ist auch nicht meine Absicht euch zu sagen, wie ihr euer Leben führen sollt. Aber bitte, wenn ihr euch jetzt angesprochen fühlt, dann denkt mal darüber nach warum. Habt gerne ein schlechtes Gewissen.

Und wer glaubt, er könne mit seinem Einkauf sowieso nichts bewirken, denn es seien allein die Produzenten, die sich ändern müssten, den möchte ich kurz aufklären. Denn das Angebot im Supermarkt und darüber hinaus (Autobranche, Stromanbieter etc.) wird durch die Nachfrage der Konsumenten bestimmt. Anbieter richten ihre Produkte an unseren Bedürfnissen aus, um den Absatz zu maximieren. Wenn wir aber verweigern, weiterhin in Plastik gepackte Gurken zu kaufen, dann werden sie auf kurz oder lang aus den Läden verschwinden. Wir Konsumenten haben nämlich mehr Macht, als wir es uns selbst zutrauen. Um es mit Gretas Worten zu sagen: „You are never too small to make a difference“.

Der Junge mit dem Zuckerherz

Wenn man verliebt ist, dann pocht das Herz. Und man bekommt schwitzige Hände und sagt dumme Sachen. Diese Dinge hatte Valentin in einer Zeitschrift für Erwachsene gelesen, welche seine Schwester heimlich unterm Bett aufbewahrte.

Valentin setzte sich auf seinen Schreibtischstuhl und machte eine Liste. Valentin machte immer Listen, denn das hatte er von seinem Opa gelernt. Mit dem Lineal zeichnete er gerade Linien auf das Papier, bis aus den einzelnen Bleistiftstrichen eine Tabelle wurde. Dann trug er alle Merkmale verliebter Menschen darin ein und überprüfte, ob sie auf ihn zutrafen.

Das pochende Herz und die schweißnassen Hände konnte er abhaken. Bei den dummen Sachen, die Verliebte von sich gaben, war er sich nicht so sicher. Denn er überlegte immer ganz genau, bevor er etwas sagte. Das war bei Jule nicht anders. Er war zwar unsterblich in sie verliebt, aber das ließ ihn ja noch lange nicht dumm werden. So was geht ja auch gar nicht, dachte er sich. Entweder man ist immer dumm, oder man ist es eben nicht.

Insgesamt vier der fünf Merkmale der Verliebtheit konnte Valentin abhaken. Dennoch war er nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, denn es war ja schließlich nicht ganz eindeutig. Trotzdem beschloss er, für Jule in den Laden zu fahren und Süßkram in Herzform sowie eine schöne rote Blume zu kaufen. Denn das sollten Verliebte laut der Zeitschrift tun, um dem Gegenüber ihre Zuneigung deutlich zu machen.

Nutzen Sie den Valentinstag als gute Gelegenheit und überraschen Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin mit kleinen Geschenken. So zeigen Sie Ihre romantische Seite und können von sich überzeugen.

Diese Passage aus der Zeitschrift hatte Valentin auswendig gelernt, denn sie war mit Abstand die wichtigste. Da Valentin nie unvorbereitet aus dem Haus ging, steckte er vorsichtshalber eine weitere Liste ein, um die Einzelheiten von Jules Reaktion dokumentieren zu können. Außerdem hatte Valentin bereits sichergestellt, dass die Eltern seiner Auserwählten nicht daheim sein würden. Er wusste, dass die beiden nie vor zwei Uhr Nachmittags die Backstube verließen. Das hatte er beobachtet. Allerdings musste er sich beeilen, denn er hatte nicht mehr viel Zeit. Der Zeiger hatte die Eins bereits überschritten.

Bei ihr angekommen, stellte er sein blaues Fahrrad im tiefen Schnee ab und bereitete alles für das Zusammentreffen vor. Jule wusste zwar nicht, dass er sie besuchen wollte, aber das würde die Überraschung ja umso größer machen. Gerade als Valentin auf die Haustüre zugehen wollte, sah er Jule hinter dem Küchenfenster stehen. Aber sie war nicht alleine, denn sie schien sich mit jemandem zu unterhalten. Das ist bestimmt nur ihre Muttersie muss wohl heute früher nach Hause gekommen sein. Das war Valentins erster Gedanke. Er wusste genau, dass Mütter besser nicht bei einer Liebeserklärung dabei sein sollten. Wenn er Jule später heiraten würde, hätte er ja noch genug Zeit ihre Mutter kennenzulernen.

Leise schlich er sich also hinter einen großen Baum und beschloss, das Mädchen zunächst vorsichtig durch das Küchenfenster zu beobachten. Vielleicht musste ihre Mutter ja nochmal los. Einkaufen? Da die Möglichkeit bestand, entschied sich Valentin noch etwas abzuwarten. Zwar war ihm in seiner dünnen Jacke ein wenig kalt, aber das war es ihm wert. Was tut man nicht alles für die Liebe?

Das Warten sollte allerdings nicht von langer Dauer sein, denn Valentin sah Jule wenige Minuten später lachend aus der Haustüre treten. Wie Valentin richtig vermutet hatte, folgte ihr einige Sekunden später jemand über die Schwelle. Es aber nicht Jules Mutter, die dort mit ihr nach außen ging. Es war ein Junge, etwa in Valentins Alter. Die beiden hatten viel zu scherzen und schienen sich gut zu verstehen. Gerade als Valentin zu den beiden hingehen wollte, machte ihm der fremde Junge einen Strich durch die Rechnung. Denn er holte Süßkram in Herzform und eine rote Rose aus seiner Tasche und überreichte beides dem überraschten Mädchen.

Valentin brauchte keine Liste, um Jules Reaktion richtig schlussfolgern zu können. Sie war an dem Jungen interessiert, das war mehr als eindeutig. Also warf er seine beiden Papierfetzen in den Schnee und schwang sich auf sein altes Fahrrad. Wütend trat Valentin in die Pedale und redete sich ein, gar nicht in Jule verliebt zu sein. Der letzte Punkt auf seiner Liste hatte ja sowieso von Anfang an gefehlt.