Oh Mann!

„Du schreibst so viel über tolle Frauen. Warum machst du nicht mal einen Blogbeitrag über uns?“ Diese Frage hat mir ein Mann letztens gestellt und sie todernst gemeint. Recht hat er auf jeden Fall, denn auf meinem Blog sollte definitiv mehr über Männer geschrieben werden. Großartige Männer. Männer, die unseren Respekt verdienen. Et voila….

Jan Böhmermann

Jan Böhmermann nimmt kein Blatt vor den Mund. Und deswegen mag ich ihn. Er steht gern im Mittelpunkt, aber seine Absichten sind nicht egoistisch. Er vereint Witz und Ernsthaftigkeit mit so einer Leichtigkeit, dass man meinen könnte, er hätte die Satire erfunden. Er ist also für mich mehr als ein komischer Kerl aus dem TV. Er ist der Botschafter der jungen Generation.

Barack Obama

Obama wird weltweit gefeiert wie ein Superstar. Und das obwohl er ein (ehemaliger) Politiker ist. Er hat uns gezeigt, dass man mit Toleranz, Nächstenliebe und Diplomatie Länder zusammenhalten kann. Dass man mit all diesen Eigenschaften Hoffnung unter die Menschen bringt. Er hat uns gezeigt, dass wir Randgruppen aktiv in unseren Alltag integrieren müssen. Dass wir sie hören müssen – und sehen. Seine Familie war aber trotz der stressigen Zeit als Präsident der USA immer an erster Stelle gestanden. Obama ist also nicht nur ein toller Dad, sondern auch ein super Vorbild.

Frank Thelen

Viele kennen Frank aus dem Fernsehen. Die Höhle der Löwen ist eins der erfolgreichsten Formate mit Franks Beteiligung. Der Unternehmer hat sich in seinem vergleichsweise jungen Alter ein großes Business-Netzwerk aufgebaut und liefert durch seine vielen Projekte (besonders Start-Ups) einen wichtigen Beitrag für die deutsche Wirtschaft. Denn besonders soziale, faire oder gesundheitsfördernde Geschäftsideen bringt der 43-Jährige weiter voran. Sein scharfer Sinn für gesellschaftliche Entwicklungen und vorne dran die Digitalisierung machen ihm zum Elon Musk Deutschlands.

Leonardo DiCaprio

Leonardo DiCaprio steht nicht auf dieser Liste, weil er so ein Frauenschwarm ist (Ok, vielleicht ein bisschen). Er steht hier, weil er aktiv und mit viel Herzblut gegen den Klimawandel kämpft. Er unterstützt sämtliche Projekte und Unternehmungen, um nachfolgenden Generationen eine bessere und sauberere Welt zu hinterlassen. Er ruht sich also nicht auf seinem Erfolg aus, sondern motiviert andere Menschen, mehr auf die Umwelt Acht zu geben. Ein echter Superman.

Freddie Mercury

Wer nicht viel auf die Meinung anderer gibt und sein eigenes Ding durchzieht, gelangt an inneren Frieden mit sich selbst. Naja, zumindest glauben das die meisten. Freddie Mercury, der verstorbene Sänger der Band Queen, hat jedoch Zeit seines Lebens mit sich selbst gehadert. Auf der Suche nach der Liebe und dem Sinn des Lebens, hat er aber immer das getan, wonach ihm der Sinn stand und was ihm sein Herz vorgab. Sein musikalisches Superhirn hat darüber hinaus Songs auf den Weg gebracht, die die Jahrzehnte überdauert haben und es weiterhin tun werden. Genie und Vorbild vereint in einer Person.

Alle Männer

Wir Frauen bewundern euch. Ihr seid furchtlos, tapfer aber trotzdem liebenswert. Ihr entsorgt die Spinnen, vor denen wir Angst haben und ihr seid immer da, wenn wir eine starke Schulter brauchen. Ihr richtet uns unsere Smartphones ein, ihr repariert unsere Computer. Ihr fahrt so gut Auto, als hättet ihr nie etwas anderes getan. Für euer räumliches Verständnis und die Mordsgeduld bewundern wir euch. Ihr seid unser Ruhepol, wenn wir zu viel reden. Ihr seid unser Sprachrohr, wenn wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Ihr seid toll. Ihr seid Männer.

Mit der U-Bahn

Wenn ich mit der U-Bahn reise
Über viele U-Bahn-Gleise
Dann schau ich raus
Und sehr nur Grau
Kein buntes Haus.

Und wenn ich in der U-Bahn sitze
In der U-Bahn-Sitze-Ritze
Dann schlaf ich ein
Und seh nur Schwarz
Das soll so sein.

Und wenn ich aus der U-Bahn steige
Auf die U-Bahn-Steige zeige
Dann lauf ich schnell 
Und seh das Licht
Als wärs ganz hell.

Du starkes Stück!

Wir haben über Feminismus geredet. Über Ungerechtigkeit und Missverständnisse. Heute lasse ich die schlechten Vibes mal beiseite und konzentriere mich auf das, was ich wirklich stark finde: Frauen. Berühmte Frauen im Fernsehen, die diesem Hass entgegentreten und normale Frauen im Alltag, die mich schwer beeindrucken. Lasst uns also einen Moment Zeit nehmen, und alle Frauen feiern, die jeden Tag aufs neue ihren Mann stehen.

Palina Rojinski 

Die russisch-deutsche Moderatorin hat es nicht leicht: Oft wird sie – vor allem im Internet – von Fremden angeschmachtet und einzig und allein auf ihr Aussehen reduziert. Auf ihre Brüste, um genau zu sein. Palina hat sich das nicht gefallen lassen und deshalb widerlichen Internet-Trollen einen Streich gespielt: Auf Instagram veröffentlichte die 34-Jährige das Foto eines Männer-Hinterns, der so gut in Szene gesetzt war, dass User ihn für Palinas Oberweite hielten. Den Fake klärte Palina kurze Zeit später auf, mit der Aussage, sie wolle nicht mehr länger nur auf Ihre Oberweite reduziert werden und bekämpfe deshalb „das Perverse mit dem Perversen“. Capeau, Palina!

Meghan, Duchess of Sussex

Auch Meghan hat es nicht leicht. Zwar hat sich die ehemalige Schauspielerin einen der begehrtesten Männer der Welt geangelt und lebt in einem Traumschloss, aber dieses neue Leben wird ihr nicht so recht gegönnt. Meghan sei hinterlistig, Meghan wolle nur im Mittelpunkt stehen, Meghan verderbe Harry. Immer wieder wird sie darüber hinaus mit Kate verglichen: Sei sie doch nicht so anmutig und damenhaft wie ihre Schwägerin. Aber sind wir doch mal ehrlich: Als geschiedene Frau und Tochter einer Afroamerikanerin waren diese Anschuldigungen eigentlich schon vorprogrammiert. Ich finde es stark, dass Meghan weiterhin mit einem wahnsinnigen Selbstbewusstsein zu sich und zu ihrer Liebe mit Harry steht. Eine Prinzessin, die nicht gerettet werden muss.

Bibi

Bianca Heinicke, bekannt als Bibi von „BibisBeautyPalace“, wurde durch ihren Youtube-Kanal quasi über Nacht berühmt. Zunächst veröffentlichte sie Videos zu den Themen Kosmetik, Lifestyle und Mode, später kamen Comedy-Einheiten dazu. Jetzt konzentriert sich Bibi aber auf ihr Familienleben und arbeitet hauptsächlich als Influencerin auf Instagram. Und auch hier – wie sollte es auch anders sein – beginnt der Hate vieler User im Internet. Bibi sei naiv, dumm und vor allem zu jung um schon Mutter zu sein. Woher diese Hasstiraden immer rühren – ich kann es mir nur vage denken. Vielleicht ist es Neid, vielleicht aber auch einfach Frustration. Bianca hat sich mit ihren 26 Jahren wirklich einen Namen gemacht und ist mit dem was sie tut super erfolgreich. Eine junge Unternehmerin, die Baby und Business unter einen Hut bekommt. Meine Bewunderung hat sie!

Greta Thunberg

Greta habe ich bereits einen ganzen Artikel gewidmet, deswegen soll dieser Absatz aber nicht kürzer ausfallen als die anderen. Greta, die erst 16 Jahre alt ist aber bereits eine ganze politische Bewegung ins Leben gerufen hat, ist für mich eine Inspiration. Wir können von ihr wahnsinnig viel lernen. Sie ist geduldig, klug und engagiert. Das sollen die Erwachsenen ihr erst einmal nachmachen. Greta Thunberg ist mittlerweile sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Ich finde es steht außer Frage, dass sie diese Auszeichnung auch verdient hat. Ich bin gespannt, wohin die Reise gehen wird. Aber weit mit Sicherheit: Denn wer tausende junge Menschen mobilisieren kann, der kann noch viel mehr. Fazit: Make The World Greta Again!

Demi Lovato

In der Reihe der inspirierenden Frauen darf eine nicht fehlen: Demi Lovato. Die Amerikanerin trifft zwar nicht ganz meinen Musikgeschmack, aber sie schafft es trotzdem auf die Hit-List der starken Frauen. Die junge Sängerin und Schauspielerin steht offen zu ihrer Mobbing-Vergangenheit und ihren psychischen Problemen. Sie ermutigt andere Prominente, ebenso über ihre schicksalhaften Erlebnisse zu sprechen. Gerade die Hollywood-Welt scheint nach außen unverwundbar und perfekt zu sein. Ich denke, dass es daher besonders schwer ist, in so einer Welt offen seine Schwächen zu zeigen und trotzdem jeden Tag im Rampenlicht zu stehen. Keep on rockin‘, Demi!

Du

Du machst die Wäsche, du gehst einkaufen, du putzt die Wohnung. Du gehst arbeiten, du verdienst Geld, du machst Geschäfte. Du gehst ins Fitnessstudio oder Laufen. Du hilfst alten Menschen und kümmerst dich um die Kinder. Du behauptest dich täglich aufs neue gegenüber der Welt. Du schlichtest Streit, du sorgst für Harmonie. Du planst alles durch von A bis Z oder lässt dich gerne auch mal treiben. Deinen Kalender hast du immer mit dabei, damit du auch nichts vergisst. Du hinterfragst Dinge, du siehst den wahren Charakter der Menschen. Du kaufst dir oft neue Schuhe oder neue Klamotten, aber hast deine Finanzen top im Griff. Du hast morgens Probleme aufzustehen, oder abends Probleme einzuschlafen. Du lächelst, wenn man dich dazu auffordert, aber du liebst es, böse zu gucken. Leute denken du wärst krank, wenn du mal ungeschminkt aus dem Haus gehst. Du bist aber trotzdem immer super gestylt, weil es dir Spaß macht und du dich gerne ausprobierst. Du bist eine Frau. Du bist ein echt starkes Stück!

#girlssupportgirls

Sonnensturm im Sommer

Ein warmer Wind weht durch das Haar,
Die Locken umspielen das zarte Gesicht.
Ich sehe sie vorbeiziehen,
Graziös und leicht,
Entlang der leeren Straße.
Ihre Augen leuchten gefährlich gelb,
Meine Kehle brennt.
Wie ein Sonnensturm im Sommer.

Von kleinen Ängsten und großen Pflichten

Ich sitze auf dem Schlafzimmerboden. Dabei sortiere ich die Socken meiner zwei Töchter. Schön. Ich kann mir wirklich keine bessere Beschäftigung für diesen Ostersonntag vorstellen. Aber als Mutter muss man eben vielen Pflichten nachkommen. Das tun die meisten Mütter auch gern, dazu noch mit unglaublich viel Herzblut. Als Mutter liebt man es, sich um alles zu kümmern. Bei mir ist das nicht anders. Socken sortieren gehört allerdings nicht dazu. Gibt es eine schlimmere, schwerere, ja vielleicht sogar herausforderndere Aufgabe als unsortierte Socken?

Blau – blau, schwarz – schwarz, rosa – rosa. Wo ist die zweite gelbe Socke? Ich bin so versunken in diese anspruchslose Akkordarbeit, dass ich mich beinahe in meinen Gedanken verliere. Das Gebrüll meiner jüngsten Tochter reißt mich schließlich aus meiner Tagträumerei. Mama! Karotta ist tot! Tot, tot, tot.

Der Schock sitzt tief. Die Kinder weinen bitterlich und ich versuche die Situation unter Kontrolle zu behalten. Einen kühlen Kopf zu bewahren. Alles für die Bestattung vorzubereiten. Karotta bekommt zwei Stunden später  eine angemessene Beerdigung, wie es sich für einen Hasen an Ostern eben gehört. Ein alter Schuhkarton dient als kleiner Sarg und die Mädchen haben Blumen gesammelt, um das Grab hübsch zu schmücken. Während ich meine Grabrede zum besten gebe, steht mein Mann nur da und schaut gelangweilt zum Haus unserer Nachbarn. Ich lasse mich davon allerdings nicht ablenken und konzentriere mich stattdessen auf meinen Monolog. Richtig vorbereiten konnte ich diesen ja nicht gerade, weshalb ich mich einfach an eine Trauerrede vor drei Jahren erinnere. Karotta hatte zwar nicht annähernd genauso viel erlebt wie die dahingeschiedene Frau Heinrich, aber sie war dennoch eine mindestens genauso standhafte Persönlichkeit gewesen. Zumindest im Vergleich zu anderen Hasen.

Dennoch ärgert es mich, dass ich mich wieder alleine um das Drama kümmern muss. Mein Mann war zwar nicht gerade für seine Feinfühligkeit bekannt, von einer vermeintlichen Redseligkeit ganz zu schweigen, aber er hätte mich doch ein wenig mehr unterstützen können in dieser unangenehmen Sache. Ja, denn genau das war es. Unangenehm. Der Tod kommt immer unpassend und unbequem, wann es ihm eben passt. Er fragt nicht: „Hallo hübsches Fräulein, wann würd’s denn gehen? Sollen’s lieber die Masern sein nächste Woche oder wollen’s lieber noch a bisserl warten? So beim Segeltörn mit 75?“ Gleiches gilt natürlich auch für Karotta, oder eben jedes andere Haustier. Den Rest des Lebens entscheiden wir aus einem Katalog heraus. Nur der Tod, der ist ganz schön eigen.

Mit dem Ende meiner Rede und dem Verbuddeln des Hasen-Sargs ist das Thema zu meiner Enttäuschung aber noch nicht erledigt. Ist Karotta jetzt im Hasenhimmel? Bekommt sie da gutes Futter? Oder muss sie da Salat essen? Mama, Salat schmeckt nicht. 

Hasenhimmel. Wer hat sich das nur wieder ausgedacht? Der Hase ist jetzt nirgends, außer in unserem Garten und zieht wahrscheinlich dabei noch irgendwelche Viecher an. Es gibt keinen Himmel. Früher war ich davon überzeugt, aus Karotta könnte irgendwann eine Nacktschnecke werden. Oder aus Frau Heinrich der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Diese Hoffnung habe ich aber aufgegeben. Denn wie schon gesagt, da ist nichts. Nichts, außer Dreck und Dunkelheit. Aber das kann man einem fünfjährigen Kind wohl nur schlecht genauso sagen.

Nun ist es meine älteste Tochter, die mich aus meinen Gedanken reißt. Ob es Karotten gibt, müsse sie jetzt dringend wissen. Weil falls nicht, würde sie welche auf das Grab legen. Karotta schmeckt ja sonst nichts. Wie ich sie so ansehe, mit ihren goldenen Locken und ihren kleinen Sommersprossen, kann ich einfach nicht anders. Karotta geht es gut, glaub mir. Sie bekommt jede Menge Karotten. Soviel, dass sie die gar nicht alle alleine essen kann. Aber das macht nichts, denn sie wird im Hasenhimmel ganz schnell Freunde finden, mit denen sie teilen kann. 

Diese Worte klingen seltsam falsch und mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Als meine Töchter jedoch diesen frechen Blick aufsetzen und sich wissend zunicken, werde ich mir einer Sache bewusst: Es sind die Erwachsenen, die Angst haben. Nicht die Kinder. 

Vernebelte Weisheiten

Weisheiten sind schmerzerfüllt,
Sie haben Narben.
Weisheiten sind vernebelt,
Sie geben Erinnerungen.
Weisheiten sind allgegenwärtig,
Sie haben Wissen.
Weisheiten sind liebevoll,
Sie geben ein Stück vom Glück.

Dein Lied

Ich habe dein Lied gehört,
Es war hübsch.
Ich habe dein Lied eingeatmet,
Es gab mir Kraft.
Ich wollte dein Lied behalten,
Aber es war vergänglich.

Zehn Tage Russland

Es gibt Menschen, die möchten eine Woche lang wandern im Harz. Oder die Alpen überqueren bis nach Meran. Und es gibt im Vergleich dazu noch viel mehr Menschen, die möchten sich an der Costa Brava sonnen oder in Venedig Tauben jagen. Und dann gibt es mich. Ich wollte schon immer unbedingt nach Russland. 

Warum ich das möchte? Ich könnte jetzt von den Moskauer Zwiebeltürmen schwärmen oder von richtigem Wodka. Aber das wäre vermutlich alles frech gelogen. Denn in Wahrheit möchte ich mich auf die Spuren eines besonderen Mädchens begeben, um mehr über die Umstände ihres tragischen Schicksals zu lernen. Anastasia.

Meine Mutter sagt, das sei keine anständige Beschäftigung für einen jungen Mann in seinen Zwanzigern. Ich solle doch lieber Sport machen und eine Frau kennenlernen. Dass ich noch nie zuvor eine wirkliche Freundin hatte, störte meine Mutter offensichtlich mehr als es mich selbst störte. Denn ich hatte im Augenblick meine Gedanken bei einer anderen jungen Frau. Als Kind sah ich das erste mal einen Disneyfilm über sie. Seitdem ließ mich ihre Geschichte nicht mehr los. Auch meiner besten Freundin war mein Ausflug nach Russland ein Dorn im Auge. Einem Geist würde ich hinterher jagen, denn das Kind wäre damals mit seiner Familie gestorben, meinte sie. Das sei längst bewiesen.

Mir war klar, dass Anastasia heute längst nicht mehr leben würde, selbst wenn ihr damals eine Flucht geglückt wäre. Dennoch lässt mich die Vorstellung nicht mehr los, wie ich durch die Straßen von Moskau ziehe und ihr in jeder Ecke, in jedem Laden und an jedem U-Bahn-Gleis begegnen könnte. Wie sie aussah wusste ich zwar nicht, aber in meinem Kopf hatte sich längst ein wunderhübsches Gesicht abgezeichnet. So schön und vollkommen, dass jeder unterlassene Versuch sie zu treffen eine Schande gewesen wäre.

Denn dass es für mich hier keine passende Frau gab, war nicht von der Hand zu weisen. Ich war nicht besonders gutaussehend und viele Macken hatte ich obendrein. Die Frauen meiner Fakultät beachteten mich nicht im geringsten und in der Nachbarschaft gab es auch niemanden. Meine beste Freundin war die einzige weibliche Person, die außer meiner Mutter Teil an meinem Leben hatte. Aber mit ihr eine Beziehung zu führen, wäre wahrscheinlich einfach nur lächerlich gewesen. Man kann mit niemanden ein Bett teilen, mit dem man sich schon im Sandkasten um eine Schaufel gestritten hatte. Und man konnte erst recht nicht mit jemanden ein Bett teilen, der wusste, dass man abends vor dem Zähneputzen dreimal blinzeln musste, weil man sonst einen Albtraum befürchtete.

Wir fuhren gemeinsam zum Flughafen. Meine beste Freundin begleitete mich, um sich noch persönlich für die nächsten Tage zu verabschieden. Das Flugzeug könnte ja abstürzen oder ich könnte einem Anschlag zum Opfer fallen. Es wäre möglich, dass wir uns nie wieder sehen würden. Unfug! Das war natürlich alles unbegründet und so versicherte ich ihr, dass ich wohlbehalten zurückkehren würde. Sodann verlies ich die Halle in Richtung meines Terminals.

Als ich zehn Tage später aus Russland heimkehrte, war ich zu einer Erkenntnis gelangt. Es war, als hätte mir jemand endlich die Augen geöffnet. Ich war um den halben Globus geflogen, um eine Person zu finden, die gar nicht existierte. Dabei wartete zu Hause eine andere Frau, die viel schöner war als alle Damen die ich in Russland getroffen hatte. Mit Freude im Herzen rannte ich auf die Ankunftshalle zu, um meine beste Freundin in die Arme zu schließen und ihr zu sagen, dass ich mich wie ein blinder und dummer Hund benommen hatte.

Ich blickte mich um, konnte ich hübsches Gesicht aber nirgends entdecken. In der Halle warteten einige Menschen auf die ankommenden Passagiere, um sie in Empfang zu nehmen. Sie war nicht unter ihnen. Hinter dem Gepäckband traf ich jedoch meine Mutter. Jene schien sich nicht besonders über meine Rückkehr zu freuen, denn ihr Blick war finster und traurig. Als ich Mutter fragte, wo denn meine beste Freundin geblieben sei, zog sie mich in näher zu sich und erzählte mir, dass Anna vor wenigen Tagen bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Flüchtiges Gefühl

Ein kurzer Duft und sanfte Schmerzen,
Ich trage es in meinem Herzen.
Wie Wind der schnell vorüberzieht,
Ein Dieb der vor Bestrafung flieht.
Die Haut fühlt sich wie Seide an, 
Weshalb ich nur dran denken kann.
Ich bin nicht sicher, ist es Liebe?
Sind es vielleicht nur meine Triebe?
In meinem Kopf herrscht ein Gewühl,
Dabei war’s nur ein flüchtiges Gefühl.

Auf der Jagd nach guten Krimis

Jagdtrieb: Ein Kriminalroman
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Die Jagd nach guten Büchern und vor allem Krimis hat mich in den letzten Jahren ziemlich erschöpft. Denn Auswahl gibt es reichlich, aber viele Geschichten sind inhaltlich kaum voneinander zu unterscheiden. Eine Leiche am Anfang und ein erfahrener Kommissar, der herausfindet, woher die Leiche am Anfang kommt und wer dafür verantwortlich ist. Wer auf diesen klassischen Kitsch – wie ich es jetzt einfach mal formuliere – steht, der sollte Jadgtrieb von Hendrik Esch auf keinen Fall lesen. Wer das 0815-Bla-Bla aber so langsam satt hat, der sollte schleunigst auf die Pirsch gehen und sich ein Exemplar sichern.

Kurz zum Inhalt: Paul Colossa ist ein junger Anwalt und ein waschechter Münchner. Aufgrund des Selbstmords seines Onkels verlässt Paul allerdings seine Heimat, um in der bayerischen Provinz Neustadt dessen Kanzlei zu übernehmen. Dort lernt er auch die junge Russin Maja kennen, die von ihrem Ex gestalkt wird und nun um Pauls Hilfe bittet. Paul lässt sich natürlich darauf ein, merkt aber langsam, wie der ganze Fall aus dem Ruder läuft…

Als ich das Buch aufgeschlagen habe und mit den ersten beiden Seiten durch war, dachte ich mir nur: Was zur Hölle habe ich da gerade gelesen? Ich hatte am Anfang tatsächlich Schwierigkeiten, mich an den Schreibstil des Autors zu gewöhnen. Denn der ist wirklich sehr außergewöhnlich. Aber bekanntlich gewöhnt sich der Mensch ja an alles, so auch in diesem Fall. Ich habe also weitergelesen und mit jeder Seite konnte ich mich mehr und mehr in die Figur Paul hineinversetzen und letztendlich feststellen: Man muss so verrückt schreiben, wenn man so eine Geschichte erzählt.

Die Geschichte kommt so erfrischend ironisch daher, dass man bei aller Ernsthaftigkeit des Themas irgendwie trotzdem schmunzeln muss. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ebenfalls erfrischend ist die Tatsache, dass die Hauptfigur so wahnsinnig sympathisch ist. Paul Colossa ist meiner Meinung nach total verunsichert in allen Dingen und versucht das permanent zu verstecken. Er ist also ein echter Mensch mit echten Schwächen. Davon möchte ich in Zukunft gerne mehr lesen. Deswegen bleibt eine Frage offen: Wann gibt es eine Fortsetzung?