Über’s Kinderkriegen

Für die meisten Leute ist es die Wunschvorstellung einer glücklichen Zukunft: Haus, Garten, Hund und zwei Kinder. Am besten noch Junge und Mädchen, damit die stolzen Eltern sowohl beim Fußballtraining als auch beim Tanzunterricht zugucken können. Ein Traum.

Für mich aber nicht. Denn Immobilien sind überteuert, Hunde finde ich total nervig und außerdem habe ich vor längerer Zeit entschieden, dass ich nur ein Kind möchte. Eine Kleinfamilie, quasi. Mein Partner sieht das genauso. Trotzdem machen wir uns schon jetzt darauf gefasst, dass in naher Zukunft Nachfragen zu einem Geschwisterkind auftauchen werden. Fragen wie: „Na, wann kommt denn das Zweite?“ haben wir wahrscheinlich alle schon einmal gestellt und auch ich muss mir da an die eigene Nase fassen. Umso mehr bin ich gespannt, wie man auf unsere Antwort reagiert. Denn die lautet, dass es kein Geschwisterkind geben wird.

Andere wissen’s immer besser

Egal für welchen Lebensweg sich ein Paar entscheidet, oft wird er von Dritten beurteilt und bewertet. Ganz automatisch wissen andere immer besser, welche Option die einzig richtige ist. Daher rechne ich schon jetzt mit einschlägigen Argumenten, die behaupten, dass Einzelkinder immer einsam oder verwöhnt sind und wir unserer Tochter mit der Entscheidung keinen Gefallen tun würden.

Doch nicht nur Paare mit einem Kind bekommen häufig den (nicht ganz so teuren) Rat ihres Umfelds aufgezwungen. Auch Eltern, die mehr als drei Kinder haben, werden nicht selten für ihre Familiensituation kritisiert. „Können die nicht verhüten?“ oder „Haben die keinen anderen Lebensinhalt?“ sind sicher nur zwei Beispiele von Aussagen, die Eltern von Großfamilien ertragen müssen.

Kritisiert werden auch (hauptsächlich) Frauen oder Paare, die sich bewusst gegen das Kinderkriegen entscheiden. Aber nicht jeder braucht Nachwuchs, um ein glückliches Leben führen zu können. Manche Leute haben eben andere Ziele auf ihrer Agenda stehen. Und das ist auch gut so.

Ähnlich (aber deutlich schwieriger) verhält es sich mit Leuten, die ungewollt kinderlos sind. Nicht alle, die ein Kind möchten, können diesen Wunsch wahr werden lassen. Medizinische Gründe oder finanzielle Probleme können einem Kinderwunsch im Weg stehen und Paare sehr belasten. Ständige Nachfragen von Verwandten und Bekannten, wann „es denn endlich soweit sei“, sind für Betroffene sicher verletzend und nur schwer auszuhalten.

Wir bleiben drei

Wir, für unseren Fall, sind perfekt zu dritt. Unser Baby ist ein absolutes Wunschkind und mein Partner und ich sind glücklicher denn je, seit unsere Tochter auf der Welt ist. Trotzdem wollen wir uns beide in naher Zukunft beruflich weiterentwickeln und außerdem einige Länder und Orte bereisen, die noch auf unserer Liste stehen (Slowenien, Schottland, Südamerika…). Alles Dinge, die mit einem Kind zwar kompliziert, aber durchaus machbar sind. Zudem haben wir, ganz salopp gesagt, nicht dauernd Lust auf Kindergeschrei um uns herum.

Natürlich werden wir dafür sorgen, dass unsere Tochter auch ohne Geschwister eine glückliche Kindheit haben wird. Denn wie bei allen anderen Eltern auch, wird unser Kind immer an erster Stelle stehen. Und ich freue mich schon jetzt tierisch darauf, mit meiner Tochter stundenlang Playmobil zu spielen, ihr aus verschiedenen Büchern vorzulesen oder gemeinsam die Natur zu erkunden.

Trotzdem möchte ich in Zukunft genug Zeit haben, um neben meiner Hauptaufgabe als Mama noch in viele andere Rollen schlüpfen zu können. Und wer weiß: Vielleicht haben wir ein paar Jahren ja doch noch Lust, unsere kleine Familie zu erweitern. Das steht momentan aber noch absolut in den Sternen und ist nichts, was Dritte aktuell zu kümmern hat.

Fazit

Ob und wie viele Kinder perfekt zur Lebensplanung passen, muss jeder für sich selbst entscheiden. 1, 2 oder 3 spielt keine Rolle. Denn in dieser Frage gibt es kein richtig oder falsch und schon gar kein Schema F. Wir alle (mich eingeschlossen) sollten daran denken, wenn wir ein Paar oder eine junge Frau das nächste mal zum Thema Familienplanung befragen wollen.

La Réunion

Île de la Réunion (deutsch: „Insel der Zusammenkunft“) ist ein französisches Übersee-Département im Indischen Ozean. Die Insel war unser Urlaubsziel im vergangenen Spätsommer.

Mit dem Mietwagen sind wir insgesamt fünf unterschiedliche Orte angefahren und haben so die vielfältige Natur des kleinen Urlaubsparadieses erleben können. Küsten aus schwarzer Lava, Wasserfälle, Sandstrände und vernebelte Berge: La Réunion ist ein Hingucker und grandioses Reiseziel für alle, die das Wandern und die Natur lieben. Gebucht hatten wir alle Unterkünfte über die Website reunion-urlaub.com und dadurch im Vorfeld eine Menge nützlicher Tipps für unsere Rundreise erhalten (die nachfolgenden Unterkünfte findet ihr alle unter dem oben genannten Link). Ausgestattet mit zwei Backpacking-Rucksäcken haben wir uns dann im September auf die etwa 8.992 Kilometer entfernte Insel begeben…

Unterkunft Nr. 1: Diana Dea Lodge (Hotel)

Die erste Unterkunft lag versteckt in den nordöstlichen Bergen der Insel. Hier sind wir nach einem anstrengenden Flug (von Nürnberg aus insgesamt 15 Stunden) eingekehrt und haben uns kulinarisch richtig verwöhnen lassen. Da ich während unseres Aufenthalts Geburtstag hatte, wollten wir uns etwas Besonderes gönnen. Und so sind wir jeden Abend bei Kaminfeuer beisammen gesessen, haben Schach gespielt, Cocktails geschlürft und Weinbergschnecken auf Blätterteig probiert. Leider aber hatten wir das kühle Klima in den Bergen unterschätzt, weshalb wir frieren und schon am zweiten Tag warme Pullover besorgen mussten.

Unterkunft Nr. 2: Les Mimosas (B&B)

Der zweite Stop unserer Reise hat uns anschließend in das beschauliche Dörfchen Grand Bassin geführt. Dieses liegt friedlich und abgeschottet in einem Talkessel, den man entweder durch einen zweieinhalbstündigen Fußmarsch oder den Helikopter erreicht. Wir haben uns als Touristen natürlich für erstere Variante entschieden und sind, bepackt mit unseren Rucksäcken, den langen Pfad hinab ins Tal gestiefelt. Dort hat uns ein älteres Ehepaar samt Esel herzlich in Empfang genommen. Die beiden, Majo und Michel, leben vom örtlichen Tourismus und stellen auf ihrem Anwesen zwei Gästezimmer zur Verfügung (diese werden grundsätzlich nur an ein Paar/eine Gruppe vergeben, weshalb wir während unseres Aufenthalts die einzigen Gäste waren). Umgeben von Natur und Dschungel konnten wir während unseres Besuchs total zur Ruhe kommen und außerdem allerfeinste regionale Spezialitäten naschen. Gegessen wird bei Majo und Michel nämlich hauptsächlich das, was im Freien wächst. Jeden Abend hat Majo frisch für uns gekocht und das Essen wurde bei familiärer Atmosphäre gemeinsam eingenommen.

Unterkunft Nr. 3: Côté Lagon (B&B)

Nach einem qualvoll langen Aufstieg zurück zum Parkplatz sind wir mit dem Mietwagen weiter in Richtung Süden gefahren. Am Strand von Saint-Pierre haben wir in einem modernen Bed&Breakfast übernachtet. Die Terrasse dort war mit Blick auf das Meer ausgerichtet. Hier sind wir jeden Morgen bei einem reichhaltigen Frühstück in den Tag gestartet und haben Schwimmer und Boote beobachtet. Nachmittags haben wir dann am hauseigenen Pool gelegen und das sonnige Wetter genossen. Außerdem wollten wir die Chance nutzen und den nahegelegenen Piton de la Fournaise besuchen: einen der aktivsten Vulkane unserer Erde. Gegen fünf Uhr morgens sind wir losgefahren, um die Kraterlandschaft bei nebelfreier Sicht bestaunen zu können.

Unterkunft Nr. 4: Kaz Insolite (Bubble Hotel)

Der Vorletzte Halt auf unserer Tour war ein weiteres großes Highlight des Urlaubs. Eine durchsichtige Kugel, mitten im Wald, war unser Quartier für die Nacht. Zum Abendessen gab es ein original französisches Raclette und im Anschluss konnten wir die Planeten unseres Sonnensystems durch ein Teleskop bestaunen. Ein Mitarbeiter des örtlichen Observatoriums hatte das Equipment dafür kostenlos zur Verfügung gestellt. Anschließend sind wir in unserer durchsichtigen Bubble unterm Sternenhimmel eingeschlafen. Jenseits von Lichtverschmutzung und Lärm haben wir hier die Natur in ihrer pursten Schönheit erfahren können.

Unterkunft Nr. 5: Villa de la Plage (B&B)

In der Villa de la Plage konnten wir abschließend noch ein paar ruhige Tage genießen, ehe wir zurück nach Deutschland fliegen mussten. Hier haben auch viele andere deutschsprachige Urlauber übernachtet, mit denen wir über unsere Erlebnisse auf der Insel plaudern konnten. Ansonsten haben wir uns die Zeit am Strand, am Pool oder im Baumhaus der Unterkunft vertrieben. Zwei Bücher habe ich während der drei Tage ausgelesen. Auch die örtlichen Restaurants wurden von uns durchprobiert und für unglaublich gut befunden!

Warum lohnt sich ein Besuch der Insel?

La Réunion ist als Reiseziel noch relativ unbekannt und im Vergleich zu anderen Inseln nicht sehr touristisch. Dennoch lohnt sich ein Besuch. Diese Gründe sprechen dafür, die lange Flugzeit auf sich zu nehmen:

  • La Réunion gehört zu Frankreich. Deshalb kannst du dort mit Euro bezahlen und brauchst für die Einreise keinen Reisepass.
  • Die Insel ist etwa so groß wie das Saarland und bietet dennoch eine mannigfaltige Landschaft. Vulkane, Wasserfälle, Strand und Dschungel: ein Aufenthalt auf dem Übersee-Département fühlt sich an wie ein Urlaub in mehreren Ländern. Denn La Réunion verfügt über mehrere Mikro-Klimata.
  • Für Outdoor-Liebhaber gibt es grandiose Wanderwege und allerhand sportliches Angebot, wie z.B. Canyoning, Hochseilgärten oder Stand Up Paddling. Aber Achtung an Schwimmer und Taucher: im Meer um Réunion gibt es viele Haie!
  • Kulinarisch hat die Insel eine Menge zu bieten und besticht durch ihren Mix aus kreolischen und französischen Spezialitäten

Wir sind happy darüber, dass wir La Réunion im letzten Sommer als Reiseziel ausgewählt haben und können einen Besuch auf dem Insel-Paradies nur weiterempfehlen.

Riverdale: Ein Highschool-Drama für Erwachsene

Es ist ein Highschool-Drama. Gleichzeitig ist es aber auch ein Krimi, ein Musical und gezielte Gesellschaftskritik. Die Rede ist von der Erfolgsserie „Riverdale“ auf Netflix. Nach mittlerweile vier Staffeln hat die Erzählung um ein paar Teenager längst Kultstatus erreicht und fesselt viele Millionen Zuschauer vor ihren Bildschirmen.

Worum geht’s?

Die Kleinstadt Riverdale hat es in sich. Serienmörder, Drogendeals, Gangs sowie gefährliche Sekten stehen an der Tagesordnung und machen Riverdale zu einem ungemütlichen Ort. Die vier Teenager Betty Cooper, Archie Andrews, Jughead Jones und Veronica Lodge versuchen zwischen all den Vorfällen und Intrigen ein normales Highschool-Leben zu führen.

Während Jughead, ein talentierter Nachwuchs-Schriftsteller, die Geschichte um die vier Freunde erzählt, ist der Football-Spieler Archie die eigentliche Hauptfigur der Serie. Denn alle Charaktere der Netflix-Produktion beruhen auf den gleichnamigen Figuren der Archie Comics, die in den 1940er Jahren veröffentlicht wurden und sich um den Teenager Archie drehen.

Dieser besticht durch seine jugendliche Naivität und den Drang, sich ständig beweisen zu müssen. Bei den Frauen kommt das jedoch gut an; so hat Archie gleich in der ersten Staffel ein Verhältnis mit seiner Musiklehrerin. Später folgen Liebeleien mit unterschiedlichen Mädchen seiner Schule. Betty, die seit ihrer Kindheit Tür an Tür mit Archie wohnt, schafft es jedoch nicht, sein Herz zu erobern. Dafür spielt sie eine wesentliche Schlüsselrolle in der Serie: Denn Betty, das brave Kleinstadt-Mädchen, hat eine unheimliche und dunkle Seite, die mit der Zeit ans Licht kommt.

Veronica, die letzte im Bunde, gilt als die ultimative Luxus-Queen der Serie. Sie stammt aus reichem Elternhaus und zieht erst im Highschool-Alter in die Kleinstadt Riverdale. Zuvor lebte sie mit ihren Eltern in New York City. Doch die kleine Familie ist nicht perfekt – schnell stellt sich heraus, dass Veronicas Vater ordentlich Dreck am Stecken hat.

Über Teenager, aber für Erwachsene

Auch, wenn die Hauptfiguren der Erzählung 17-Jährige Teenager sind, die ihren Abschluss machen und heimlich knutschen wollen, ist die Serie nichts für schwache Nerven – oder gar Kinder. Denn in Riverdale wird eiskalt ermordet. Aus Rache, aus Hass oder um mit Drogen oder Organen zu handeln. Oh ja, ihr habt richtig gelesen. Die Story mischt also ordentlich auf. Und genau deswegen mag ich sie so gerne.

Denn zwischen die alltäglichen Highschool-Probleme und grausamen Morde, haben die Produzent/innen auch ordentlich kulturellen Input einfliessen lassen. So finden sich in der Serie Auszüge aus den Off-Broadway-Klassikern Carrie, Heathers und Hedwig And The Angry Inch. Drei Musicals, die sich mit gesellschaftskritischen Themen wie Selbstmord, Mobbing und Identitätsverlust beschäftigen. Wer Riverdale noch nicht kennt, sollte also definitiv mal reinschauen! Aber am besten erst dann, wenn die Kinder schlafen.

Bildquelle: https://www.serieslyawesome.tv/wp-content/uploads/2020/05/Riverdale-Season-4-Titelbild.jpg

Meist dichter als Denker

Puh. Nachdem ich mich heute etwa zehn Minuten lang mit den Kommentaren mancher Social-Media-Nutzer auseinandergesetzt habe, muss ich erstmal Luft holen. Denn die derzeitige Corona-Krise bringt deutschlandweit nicht nur Solidarität und kreative Lösungswege hervor, sondern leider auch viel Dummheit.

Kommentare im Internet: Fluch statt Segen

Auf der Facebook-Seite einer örtlichen Behörde kann man in diesen Tagen vergnügt mitverfolgen, was einige unserer lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger von der Corona-Krise und den damit einhergehenden Schutzmaßnahmen halten: Nämlich nichts.

Ein Nutzer schreibt: „Ich werde definitiv keine tragen und mich kann auch keiner dafür bestrafen. Es reicht wenn sich 90% von euch verarschen lassen seid 5 Wochen und keine Maske und jetzt sowas, nicht mit mir.“ Ein anderer Nutzer kommentiert: „Corona Ausbruch Dez 2019. Maskenpflicht ende Apr.2020 Genau mein Humor“

Wenn ich diese Zeilen lese, kommt mir direkt mein Frühstück wieder hoch. Denn solche vermeintlichen „Argumente“ entziehen sich nicht nur jeder logischen Grundlage, sondern sind grammatikalisch so grauenvoll, dass ich Augenschmerzen bekomme. Denn von einer ordentlichen Rechtschreibung haben manche Nachfahren der einstigen „Dichter und Denker“ anscheinend noch nichts gehört.

Fake News und Verschwörungstheorien

Damit aber nicht genug. Denn während die einen ungefragt ihre Meinung im Netz verbreiten, teilen die anderen dubiose Verschwörungstheorien mit ihren Mitmenschen. Diese Theorien kommen oft daher mit einer Grafik, die eigentlich nichts mit dem Thema zu tun hat, aber professionell aussieht. Hat ja auch irgendein professioneller Typ bei Google gefunden und dann mit einer abstrusen Erklärung und ohne Quellenangabe auf Facebook bereitgestellt.

Klar, dass Annette und Hans-Günther das gut finden. Was wissen denn schon Virologen, Epidemiologen oder andere Experten? Die lügen doch nur und haben sich weltweit gegen uns verschworen. Sie wollen die Wirtschaft kaputt machen! Und unsere Freiheit! Jeder weiß doch, dass die Grippe viel schlimmer ist! Gut, dass es irgendeinen fremden Typen auf Facebook gibt, der die Wahrheit kennt und mit seinen Verschwörungs-Kumpels teilt.

Neben Grafiken, die weder einen genauen Sachbezug haben noch Zusammenhänge aufklären, werden Fake-News-Beiträge häufig mit Überschriften wie „Denkt doch mal nach“ oder „Wacht endlich auf “ begleitet. Erinnert ein bisschen an Propaganda-Geschwafel, oder? Solche Meinungsmacher und Verschwörungstheoretiker provozieren gezielt, indem sie an den Verstand ihrer Mitmenschen appellieren. Und klar, genau das sollte man vom Land der Dichter und Denker auch erwarten können. Sehe ich genauso. Aber schonungslos jede Verschwörungstheorie zu teilen, ohne deren Logik, Glaubwürdigkeit oder Quellenangabe zu hinterfragen, hat leider nur wenig mit Verstand zu tun.

Grundrechte sind kein Freifahrtschein für egoistisches Verhalten

Immer wieder lese ich darüber hinaus von Menschen, die sich über derzeitige Grundrechtseinschränkungen beschweren. Natürlich – das muss auch ich zugeben – sind wir durch das aktuelle Kontaktverbot in wichtigen Rechten eingeschränkt. Denn unter den momentanen Umständen können wir unsere gewohnte Freiheit nicht komplett ausleben. Wer allerdings behauptet, dass der Staat mit den aktuellen Maßnahmen den Bogen überspannt oder die Verfassung missachtet, dem unterstelle ich gerne, das Grundgesetz nie gelesen zu haben. Denn Grundrechte können vom Staat durchaus eingeschränkt werden, wenn dies zum Schutze anderer erforderlich ist.

Unser Rechtsstaat bewegt sich – wie es sich für einen ordentlichen Rechtsstaat eben gehört – auf dem Boden der Verhältnismäßigkeit. Sprich: Maßnahmen müssen immer einen legitimen Zweck verfolgen (= Pandemie bekämpfen), geeignet sein (=Mundschutz tragen schützt andere vor Ansteckung, Kontaktverbot verringert Ansteckungsketten), erforderlich sein (= 154.000 Krankheitsfälle in Deutschland) und außerdem angemessen sein.

Und wenn ich beispielsweise nach Spanien schaue, dann bin ich sicher, dass die deutsche Regierung mehr als angemessen handelt. Denn spanischen Bürgerinnen und Bürgern wird es frühestens ab Anfang Mai wieder gestattet sein, das Haus zu verlassen, um spazieren zu gehen. Die Spanier sitzen also seit mehreren Wochen in ihren Wohnungen fest und dürfen nicht raus. Und in Deutschland beschweren sich Annette und Hans-Günther bei einer Kugel Eis darüber, welch unverhältnismäßige Maßnahmen die Regierung uns nur aufzwingen will.

Fazit

Uns geht es gut. Zu gut, wie mir scheint. Denn dass wir in Deutschland (in Hinblick auf Krankheits- und Todesfälle) relativ glimpflich davonkommen, haben wir nicht nur unserer Politik, sondern auch unserem vorbildlichen Gesundheitswesen zu verdanken. Ich wünschte, das könnten alle sehen und begreifen. Nur leider sind viele (natürlich nicht alle) Bürgerinnen und Bürger in Deutschland so knallhart verwöhnt, dass sie nicht anerkennen können, wie glücklich wir uns für unsere Privilegien schätzen können. Schade eigentlich. Denn dem Land der Dichter und Denker hätte ich etwas mehr Verstand zugetraut.

Ach, übrigens: Weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die irgendwelche Sachen ohne Quellenangabe im Internet verbreiten, hier der Link zu meinem Beitragsbild: https://bilder.bild.de/fotos-skaliert/schiller–und–goethe-die-groesste-bromance-der-literatur-im-check-201186228-63382128/2,c=0,h=720.bild.jpg

Schwangerschaft und Geburt in Zeiten der Corona-Krise

Die Schwangerschaft sollte für werdende Mütter eigentlich eine schöne Zeit sein. Entspannt für das Baby einkaufen, einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen und schließlich gemeinsam mit dem Partner die Entbindung erleben. Was aber, wenn das alles nicht mehr geht? Das neuartige Corona-Virus stellt besonders Schwangere vor viele Herausforderungen. Und Ängste.

Zukunftssorgen und Geburt ohne Partner

Zwar gehören gesunde Schwangere nicht zur Risikogruppe, dennoch gibt es einige Themen, die werdende Mütter in Zeiten von Covid-19 plagen. Denn manche Kliniken verbieten es den werdenden Vätern, bei der Entbindung ihrer Kinder dabei zu sein. Zu groß sei die Gefahr der Ansteckung im Kreißsaal. Auch auf den Wochenstationen ist deutschlandweit derzeit kein oder kaum Besuch gestattet. Doch damit nicht genug. Auch Geburtsvorbereitungs- oder Stillkurse dürfen nicht mehr stattfinden, da Mindestabstände nicht eingehalten werden können und auch hier die Gefahr einer Übertragung des Virus zu hoch ist. Dadurch fühlen sich viele Schwangere alleine gelassen und mit großen Sorgen konfrontiert. Hinzu kommen Ängste über die Zukunft und die Frage, in welche unberechenbare Situation die Kinder geboren werden.

So erlebe ich die Corona-Krise

In einigen Wochen werde ich mein erstes Kind zur Welt bringen. Natürlich plagen mich viele Sorgen in Hinblick auf die momentane Situation, denn eine Geburt ohne meinen Partner kann ich mir nur schwer vorstellen. Außerdem mache ich mir Gedanken darüber, welche langfristigen gesellschaftlichen Folgen die Pandemie haben wird. Stürzen wir wirtschaftlich in eine Rezession? Sind Lebensmittel auf Dauer knapp, wenn Regale ständig leergekauft werden? Ist die Zukunft meines Kindes gesichert?

Trotz aller Ängste versuche ich positiv zu bleiben. Kleine Dinge mehr wertzuschätzen. Und die guten Seiten der momentanen Ausgangsbeschränkungen anzuerkennen. Denn vor der Corona-Krise wollte ich nach der Geburt weitgehend auf Besuch im Krankenhaus verzichten. Jetzt, da mir die Entscheidung vielleicht genommen wird, bin ich traurig. Denn die Vorstellung, dass mich niemand besuchen darf und ich die ersten Tage alleine auf der Wochenstation verbringen muss, gefällt mir gar nicht. Ich freue mich außerdem wahnsinnig darauf, wenn ich wieder die Möglichkeit habe, mit Freunden und Familie zusammen zu kommen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Ein Privileg, das ich bisher für selbstverständlich gehalten habe.

Außerdem nutze ich die freie Zeit, um mich auf mein Baby und das Muttersein vorzubereiten. Ich kann in aller Ruhe Ratgeber lesen, das Kinderzimmer renovieren und Babyklamotten sortieren. Dinge, die vielleicht zu kurz kommen würden, wenn ich weiterhin täglich unterwegs wäre. Zudem gehe ich häufiger spazieren als sonst. Ein großer Vorteil, denn Bewegung tut mir und dem Baby gut.

Auch Melli erzählt von ihren Erfahrungen

In einem Interview habe ich Melli zum Thema befragt, denn sie ist derzeit ebenfalls schwanger. Wir beide haben uns während eines Geburtsvorbereitungskurses kennengelernt, der aufgrund der Corona-Pandemie leider unterbrochen werden musste. Welche Sorgen sie plagen und wie sie versucht, mit der momentanen Lage umzugehen, erfahrt ihr hier:

Stelle dich bitte kurz vor. Wie alt bist du? Hast du bereits Kinder? 

Ich heiße Melli, bin 33 Jahre alt und stolze Mama einer 2,5-jährigen Tochter.

Die momentane Corona-Krise ist besonders für Schwangere eine schwere Zeit. Plagen dich Sorgen?

Oh ja, ich habe große Sorgen. Ich gehöre der sogenannten Risikogruppe an, da ich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn) habe und noch bis Januar 2020 mit Immunsuppressiva behandelt wurde. Schon zu Beginn der Therapie hieß es, ich müsse mich besonders vor Atemwegserkrankungen schützen und ggf. sofort zum Arzt gehen, da das Risiko, dass es in eine Lungenentzündung umschwenken kann, größer sei. Die Therapie wurde jetzt nur pausiert, da zum einen mein gesundheitlicher Zustand dies zuließ und zum anderen, damit das Baby mit einem gesunden Immunsystem auf die Welt kommen kann. Dementsprechend sind meine Sorgen und Ängste recht groß, weil ich natürlich nicht einschätzen kann, wie mein Körper mit einem solchen Virus zurechtkommen würde. Man hat Angst, für seine Kinder nicht da sein zu können.

Auch mache ich mir Gedanken, wem ich mein Kind während der Geburt anvertrauen soll, da Großeltern eigentlich nicht in Frage kommen dürfen, aber alle anderen potentielle Überträger sind und uns oder mich in Gefahr bringen könnten. Jedoch finde ich die Ausgangsbeschränkungen, die Schließung der Schulen und Kitas sehr sinnvoll und sie nehmen mir etwas die Sorge, dass mein Mann (Lehrer) oder mein Kind das Virus mit nach Hause bringen könnten.

Hast du dich bei deiner Entbindungsklinik darüber informiert, ob dein Mann bei der Geburt dabei sein darf? Bist du mit deren Lösung zufrieden?

Ja, das verfolge ich natürlich recht aktiv mit. Rein rechnerisch wäre es in sechs Wochen bei mir so weit. Ich habe in meiner Klinik angerufen und nachgefragt. Noch dürfe der Vater im Kreißsaal dabei sein, wenn die Geburt losgehe und die Mutter selbst in den Kreißsaal komme. Vorher müsse man jedoch alleine bleiben. Ich wünsche mir einfach nur, dass ich eine schnelle und komplikationslose Geburt habe und nicht eingeleitet werden muss. Dann kann ich mit dieser Regelung sehr gut leben. Je nachdem, wie es mir nach der Geburt geht, spiele ich mit dem Gedanken, mich auf eigene Verantwortung früher entlassen zu lassen.

Ich finde, schwieriger ist es manchmal schon vorher, also bevor die eigentliche Geburt losgeht. Wenn ich an meine erste Geburt denke, war mein Mann, bis ich in den Kreißsaal durfte, meine größte und einzige Unterstützung. Ich wurde eingeleitet und hatte nach zehn Minuten einen regelrechten Wehensturm, sodass ich irgendwann auch meine Atmung nicht mehr kontrollieren konnte, weil mir die Pausen fehlten. Als ich endlich dann in den Kreißsaal durfte, war der Muttermund bereits 7cm geöffnet. Deshalb finde ich, dass diese Regelung nur gut ist, wenn man auch im Falle einer Einleitung, nicht alleine gelassen wird.

Außerdem hoffe ich, dass die Väter weiterhin mit im Kreißsaal bleiben dürfen. Die Vorstellung, dass man nach der Geburt des Kindes diese Freude nicht mit dem Vater teilen kann, finde ich sehr traurig. Auch erscheint mir ein Ausschluss des Vaters von der Geburt unsinnig, da, sollte der Vater wirklich Träger oder Covid-19-positiv sein, auch die Mutter davon betroffen wäre. Die Gebärende würde in so einem Fall das Klinikpersonal genauso anstecken.

Hast du Tipps für andere werdende Mamis, um in der schwierigen Zeit nicht den Mut zu verlieren?

Tatsächlich sind viele mitschwangere Mütter in meinem Umfeld gerade auch sehr besorgt. Wir bauen uns alle mit dem Gedanken auf, dass es früher gar nicht so üblich war, dass der Vater oder eine andere Person bei der Geburt dabei war. Unsere Mütter haben es auch „alleine“ geschafft. Die Hebammen unterstützen in diesem Fall noch mehr. Generell besteht ja auch keine große Gefahr für gesunde Mütter und Neugeborene. Auch müssen wir uns dankbar zeigen, dass man sich im heutigen Zeitalter über Videotelefonie trotzdem sehr nahe sein kann. Wir müssen diese Isolation ansonsten als geschenkte Zeit sehen, sich als Familie kennenzulernen (immerhin zieht ja ein neues Familienmitglied ein) und auch selbst ohne Störfaktoren in die neuen Herausforderungen hineinzuwachsen.

Ich hätte es nie geglaubt, wenn ich es selbst nicht erlebt hätte, aber der beste Ratgeber sind die eigenen mütterlichen Instinkte. Alles, was sich richtig anfühlt, ist richtig und wenn man das Gefühl hat, es stimmt etwas nicht, dann stimmt auch etwas nicht. Ansonsten wäre mein Rat allen werdenden Müttern, einfach sich und der Natur zu vertrauen. Wir Frauen sind dafür geschaffen, Mutter zu werden und alles regelt sich von alleine. Und irgendwann kommt auch wieder die Zeit, in der wir allen Freunden und Verwandten den neuen Erdenbürger stolz zeigen und in die Arme geben dürfen. Bis dahin bleiben wir in unserer kleinen, gesunden Familie und sind dankbar, dass wir alle beisammen sein dürfen.

Unterwegs in Prag

Prag. Die Traumstadt an der Moldau. Hier schmeckt nicht nur das Essen gut, auch kulturell hat die Hauptstadt der Tschechischen Republik eine Menge zu bieten.

Im letzten Jahr beschlossen eine Freundin und ich, über das Wochenende nach Prag zu fahren. Da wir in Bayern leben, war die Fahrt recht kurz und wir konnten nach zweieinhalb Stunden schon im Hotel einchecken. Gebucht hatten wir über einen Reiseanbieter im Internet.

Angekommen, machten wir es uns im Hotel gemütlich und gingen dann auf die Suche nach einem Restaurant, da wir unfassbar hungrig waren. Ernüchtert mussten wir feststellen, dass die vielen Gastronomiebetriebe der Stadt überfüllt oder überteuert waren. Da wir zu dem Zeitpunkt beide Studentinnen waren und über kein großes Budget verfügten, wurde die Suche nach einem bezahlbaren aber gutem Abendessen zur Herausforderung.

Glücklicherweise war das die einzige negative Erfahrung, die wir während unseres Wochenend-Trips machen mussten. Ansonsten nämlich ist Prag einfach zauberhaft – und kulturell breit aufgestellt. So besuchten wir beispielsweise das Museum für Alchemie, Geister und übernatürliche Wesen. Während unseres Aufenthalts kam ich mir vor wie bei Harry Potter – denn so manches Gässchen in Prag gleicht Schauplätzen des Films. Wie zum Beispiel der Winkelgasse.

Ein weiteres Highlight unserer Reise war eine Fahrt mit dem Sightseeing-Bus. Zwar mussten wir dafür ebenfalls einen ordentlichen Betrag hinlegen – der es auf jeden Fall Wert war! Wir machten es uns auf dem Dach des Doppeldeckers bequem und fuhren im Sonnenschein durch die komplette Stadt. Neben interessanten Fakten über die Geschichte Prags, konnten wir tschechischen Klassik-Komponisten lauschen und vor uns hin träumen.

Zum Abschluss unserer Reise besuchten wir ein Nostalgie-Fotoatelier, das unseren gemeinsamen Urlaub bei einem kleinem Shooting festhielt. Wir wurden in Kleider des 19. Jahrhunderts gehüllt (meine Freundin wählte ein schickes Damenkleid, während ich auf eine dunkle Robe bestand) und anschließend abgelichtet. Ein Spaß!

Allen, die kulturell interessiert sind und sich gerne auf historische Pfade begeben, kann ich einen Besuch in Prag nur ans Herz legen. Hach, da wäre ich jetzt gerne.

Lila, Lila

Mein nächster Tipp ist ein Roman von Martin Suter. „Lila, Lila“ heißt das Buch, das ich an einem Stück verschlungen habe. Denn die Geschichte um David Kern ist nicht nur hoffnungslos romantisch, sondern auch eine Erinnerung daran, dass man die eigene Identität niemals aufgeben darf.

David ist ein Loser. Mit 23 hat er immer noch keinen anständigen Beruf erlernt; seine Abende verbringt er in einer Bar, wo er sich als einfacher Kellner den Lebensunterhalt verdient. Irgendwann wird er einen richtigen Beruf finden, da ist er sich sicher. Das Esquina, wie die Bar genannt wird, ist nur eine kurze Station in seinem Leben. Eigentlich will er weg. 

Doch dann betritt Marie die Bar. Die junge Frau, die hübsch und literarisch interessiert ist, geht David nicht mehr aus dem Kopf. Er versucht zwanghaft ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, steht jedoch immer im Schatten seiner erfolgreichen Freunde, die ebenfalls in der Bar verkehren.

Als David in einem alten Nachtkästchen das Buchmanuskript „Sophie, Sophie“ findet, sieht er seine Chance endlich gekommen. Das Buch handelt von einem gewissen Peter Landwei, der in den 1950er Jahren unsterblich in die junge Sophie verliebt ist und hofft, dass – so Gott will – ihre Liebesgeschichte nicht traurig endet. Da sich Sophie allerdings von ihm abwendet, kündigt er an, sich das Leben zu nehmen. David geht deshalb davon aus, dass der wahre Autor des Werks bereits tot ist. Deshalb überreicht er Marie das Manuskript mit der Behauptung, dass es von ihm verfasst wurde. 

Marie, die David zunächst überreden will, das Buch an einen Verlag zu schicken, handelt schließlich eigenhändig und überreicht das Manuskript einem Frankfurter Verleger. Die dort beschäftigte Lektorin sieht in dem jungen Autor sofort großes Potential und schlägt David eine Zusammenarbeit vor.

Da David fortan nicht nur einfacher Kellner, sondern auch ein vielversprechender Buchautor ist, hat Marie plötzlich Interesse an ihm. So kommt es, dass die beiden ein Paar werden. David baut indessen seine Karriere als Autor aus und reist in verschiedene Kleinstädte, um aus seinem Werk „Lila, Lila“ vorzulesen. Bei jedem Auftritt ereilt ihn aber die Angst, jemand könne ihn als Betrüger entlarven. Lebt der echte Autor noch? Kennt jemand die Wahrheit? Schüchtern und stotternd sitzt der junge Mann also jedes Mal auf dem Sessel und hofft, dass die Leseabende schnell vorbei gehen.

Ob Davids Lüge tatsächlich aufgedeckt wird und ob seine Beziehung zu Marie Zukunft hat, lest ihr am besten selbst…

Schmeiß‘ dein Studium!

Man kann viele tolle Pläne für die berufliche Zukunft haben: Eine eigene Software-Firma gründen, selbstgebaute Hausboote verkaufen oder nach Südamerika auswandern und Alpakas streicheln. Studieren ist jedenfalls nicht immer die beste Idee. Wer also schon immer an die Uni wollte, sollte sich das besser zweimal überlegen.

Geht Probieren über Studieren?

Laut des Statistischen Bundesamtes waren im vergangenen Wintersemester insgesamt  2.897.300 Menschen an deutschen Universitäten und Hochschulen immatrikuliert. Diese Zahl, die auf den ersten Blick vielleicht harmlos aussieht, hat es ordentlich in sich. Denn wer heute versucht, nach seinem Bachelorstudium an einen Job zu kommen, braucht eine hohe Frustrationstoleranz. Die Konkurrenz ist riesig und wer keine Berufserfahrung vorweisen kann, hat sowieso schlechte Karten.

Darüber hinaus sind Studienangebote heutzutage so facettenreich, dass junge Menschen Probleme haben, ihre Stärken und Schwächen richtig einzusortieren. Während unsere Großeltern früher einfach Ingenieure wurden, muss man sich heutzutage entscheiden, ob man Maschinenbauingenieur, Berechnungsingenieur, Wirtschaftsingenieur oder „Life Science Engineer“ (m/w/d) werden will. Eine schwere Entscheidung, wenn man bedenkt, dass junge Menschen heutzutage nicht einmal mehr wissen, welche Hobbys ihnen Spaß machen.

Und wo ist der Fachkräftemangel, von dem immer alle reden?

Den Fachkräftemangel gibt es. Genauso wie es den Klimawandel gibt. Und dieser ist auch nicht „von den Chinesen erfunden“. Naja, ein bisschen vielleicht. Das Problem: Deutschland hat sich klar zu einer Nation der Akademiker und Theoretiker entwickelt. Entworfen und geplant wird im Inland, produziert im Ausland.

Für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden sich immer weniger Menschen. Denn besonders Arbeit, die mit den Händen geleistet wird, ist kaum noch etwas wert. Und zwar nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern auch auf dem Papier. Der große Audi darf gerne vor der Tür stehen, aber wenn ich zum Friseur gehe, im Supermarkt einkaufe oder meine Fließen verlegen lasse, dann soll das bitte möglichst wenig kosten. Traurig.

Der ultimative Ratschlag?

Wer das eigene Studium schon länger hasst, sollte schmeißen. Zweifelnden Schulabgängern kann ich sagen: Studiert nicht! Macht eine solide Ausbildung und werdet Spezialisten auf einem Gebiet, das euch Freude bereitet. Berufe, die handwerkliches Geschick verlangen, sind auf dem Markt so gefragt wie nie! Denn schon allein für die Renovierung des Badezimmers warten Kunden mitunter Monate auf einen freien Termin. Und wer nicht gerne hämmert oder schweißt, der könnte sich in sozialen Berufen ausprobieren: Denn gut ausgebildete Pflegekräfte sind heutzutage Gold wert. Aber auch Leute mit einer kreativen Ader können die richtige Ausbildung finden: Beispielsweise als Maskenbildner, Bühnenbildner oder Mediengestalter.

Wofür ihr euch auch entscheidet, ich wünsche viel Erfolg!

Muttergefühle

Da ist es. Dieses kleine Gefühl in meinem Bauch. Ein Kribbeln, das ein bisschen an einen großen Ausflug erinnert, auf den man sich seit Monaten freut. Trotzdem reicht der Vergleich nicht ansatzweise aus, um zu beschreiben, welches Glück ich empfinde.

Nur noch 102 Tage, verrät der Kalender. Dann sind die vierzig Schwangerschaftswochen endlich vorbei und wir lernen dich kennen. Dich kleinen Menschen. Und es wird sich alles verändern, sagen sie. Es wird die anstrengendste und schönste Zeit zugleich.

Aber wie bereitet man sich auf einen solchen Lebensabschnitt vor? Reicht es aus, tonnenweise Kleidung, Schnuller und Windeln anzuschaffen? Oder braucht das Elternsein etwas mehr Vorbereitung? Zwar ist klar, dass uns Frauen das Muttersein irgendwie im Blut liegt. Dass wir Instinkte entwickeln, die wir vorher noch gar nicht kannten. Dass wir Gefühle entwickeln, die uns bis dato fremd waren. Aber all diese Instinkte und Gefühle erklären mir sicher nicht, wie lange abgepumpte Muttermilch im Kühlschrank haltbar ist oder welche Kleidung ich meinem Neugeborenen bei dreißig Grad im Schatten anziehen muss.

Und dann ist da noch das sogenannte Wochenbett. Wochenbett deswegen, weil Mutter und Kind nach der Geburt für ein paar Wochen im Bett bleiben sollten. Sich von den Strapazen erholen. Aber wie soll man sich erholen, wenn man befürchtet, dass die eigene Wohnung zukünftig häufiger besucht wird, als der Nürnberger Zoo? Familie, Freunde und Bekannte. Sicher, jeder will das Baby kennenlernen. Und das kann ich gut nachvollziehen. Aber möchte man als Neu-Mama überhaupt Besuch, wenn die Haare in fettigen Strähnen an der Wange kleben? Oder die Wohnung einer verwilderten Studentenbude gleicht – mit schmutzigen Klamotten und leeren Verpackungen vom China-Take-Away?

Buh. Irgendwie gruselt es mich. Was wohl alles auf mich zukommen wird? Dann aber streichle ich sanft über meinen Bauch, der sich stolz nach oben wölbt, und weiß: Nur Muttergefühle. Mehr brauche ich nicht, um das alles zu schaffen.

Happy new…

…Februar! Naja, zumindest in ein paar Tagen. Der Januar ist fast vorbei und das Leben hat seinen normalen Ablauf wiedergefunden. Wie viele Leute wohl bereits zur Zigarette gegriffen haben? Oder wie oft der Vorsatz, endlich mehr Sport zu machen, schon dem Sofa gewichen ist? Ich für meinen Teil verzichte gerne auf Neujahrsvorsätze. Naja, zumindest auf solche. Eine Sache habe ich mir dennoch für das Jahr 2020 vorgenommen: Ein bisschen gemeiner werden.

Wer jetzt glaubt, ich würde eine Karriere als Profi-Gangsterin anstreben, liegt nicht ganz richtig. Aber auch nicht unbedingt falsch. Was ich im neuen Jahr endlich besser machen will? Mir nicht mehr alles gefallen lassen!

Willkommen in der Ellebogengesellschaft!

„Ellebogengesellschaft“. Was für ein komisches Wort. Ich bin sicher, dass dieser Begriff eine deutsche Besonderheit ist. Denn hierzulande fährt man wirklich gerne mal die Ellebogen aus. Egal ob an der Supermarktkasse oder im Jurastudium: Die Deutschen wollen immer die Nase vorne haben und den anderen bloß nichts gönnen. Und ich neuerdings auch.

Ein solches Ego-Verhalten liegt mir nicht im Blut. Ich bin zu nett, zu freundlich, zu verständnisvoll. Und ich sage zu selten nein. Fasse nach, wenn man mir mehr Lasagne anbietet. Selbst dann, wenn ich satt bin. Sage nichts, wenn jemand meine Gefühle verletzt und Grenzen überschreitet.

Natürlich wäre ein Leben in einer Regenbogengesellschaft besser. Ein Leben voller Menschen, die es gut meinen. Die ohne Hintergedanken miteinander umgehen. Die immer Liebe verbreiten. Hach, das wäre schön. Aber diese Gesellschaft existiert nicht. Noch nicht zumindest. Und so lange sich Menschen an der Supermarktkasse streiten, um gute Kinoplätze konkurrieren und beim Bewerbungsverfahren schummeln, muss ich mich anpassen. Ein bisschen gemein werden, eben.

In diesem Sinne: Happy New 2020!