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Und plötzlich war alles anders…

Es beginnt mit einem Schrei. Ein Schrei, der dein Leben für immer verändert. Alles umkrempelt und auf den Kopf stellt. Denn ab diesem Schrei wird nichts mehr so sein wie es vorher war. Und doch wird alles schöner werden. Sinnvoller. Liebevoller. Glücklicher. Es ist der erste Schrei deines Babys.

Hallo, neues Leben!

Als wir drei Tage nach der Entbindung unserer Tochter die Geburtsklinik verließen, hatte ich keinen Schimmer, was auf uns zukommen würde. Schlaflose Nächte, körperliche Beschwerden und ein Baby, das manchmal nicht aufhören wollte zu schreien. Zwar hatte ich mir all diese Dinge bereits im Vorfeld ausgemalt, in der Realität trafen sie mich dann aber doch härter als geahnt. Glücklicherweise konnte ich von Anfang an auf die Unterstützung unserer Familie zählen und auch mein Mann war mir im Wochenbett eine wahnsinnige Hilfe. Doch als hätten wir mit einem Neugeborenen nicht schon genug um die Ohren, mussten wir etwa vier Wochen nach der Geburt eine weitere Herausforderung meistern: unseren Umzug in eine neue Wohnung.

Kann das gutgehen? Oder endet der Umzug vielleicht in einer Vollkatastrophe? Denn wie soll man eine Küche planen, wenn man keinen klaren Gedanken fassen kann, weil man in der Nacht zuvor nur vier Stunden geschlafen hat? Oder wann soll man passende Wandfarbe aussuchen, wenn man nicht einmal Zeit hat, um in Ruhe Mittag zu essen?

Tja, so genau weiß ich das auch nicht. Was ich aber weiß, ist, dass wir es geschafft haben. Irgendwie. Denn die Küche ist fertig. Ebenso die Wandfarbe. Und auch alle anderen Möbel stehen da, wo sie hingehören. Auch hier Dank der Hilfe von Freunden und Familie, versteht sich. Denn ohne unsere fleißigen Helferleins würden wir vermutlich immer noch in der kleinen 2-Zimmer-Wohnung hocken und Kisten packen. Noch einmal müssen wir diese Herausforderung aber nicht annehmen. Denn Wochenbett und Umzug: das wuppt man nicht schnell so nebenbei.

Wir sind angekommen

So. Da sind wir nun, in unserem neuen Leben. Plötzlich zu dritt. Plötzlich in neuer Umgebung. Zugegeben, das war am Anfang eine wahnsinnige Umstellung. Vorher der unabhängige „Ich-gucke-den-ganzen-Tag-Netflix-Alltag“ in der gemütlichen Studentenbude. Jetzt der verantwortungsvolle „Ich-wechsle-den-ganzen-Tag-Windeln-Alltag“ in der Familienburg.

Aber hey, besser könnte es nicht sein. Denn wir sind glücklich. Glücklich mit den Windelbergen. Und den ganzen Netflix-Serien, die wir verpassen. Wir sind glücklich mit der Küche. Und den Wandfarben, die wir in Windeseile ausgesucht haben. Wir sind glücklich mit uns. Wir sind angekommen.

Was sollen wir noch glauben?

Die Welt macht uns Angst. Tod, Verlust und die große Frage, was in Zukunft geschehen wird. Diese Unsicherheiten sind der Grund, weshalb sich Menschen seit Jahrtausenden an Götter und andere unsichtbare Mächte wenden. Denn Religionen bieten Sicherheit in einer Welt, die kompliziert und undurchschaubar ist. Egal, ob man das Evangelium oder die Lehren Buddhas betrachtet: Im Wesentlichen liefern alle Religionen Antworten, die Menschen seit Anbeginn der Zeit so dringend suchen. Aber spielen Götter und übermächtige Kräfte heutzutage überhaupt noch eine Rolle? Oder sind im 21. Jahrhundert Gebetstexte und Mantras längst unseren Enzyklopädien gewichen? 

Kirche als Teil der Kultur

Wenn man mich fragt, wann ich das letzte Mal in der Kirche war, muss ich etwas länger überlegen. Ich bin evangelisch-lutherisch getauft worden und auch, wenn ich der Kirche nach wie vor angehöre, gehe ich nicht hin. Außer jemand gibt sich das Ja-Wort. Dennoch bin ich nach wie vor ein Teil der Gemeinde und bezahle auch brav meine Kirchensteuer. Und damit bin ich sicher nicht allein. Wahrscheinlich übersteigen die christlichen Karteileichen die Anzahl der tatsächlich frommen Gläubigen. Aber warum eigentlich, frage ich mich selbst. Warum trete ich nicht aus? Warum bin ich weiterhin eine Christin, obwohl ich eigentlich keine bin?

Vielleicht ist es die Gewohnheit, die mich daran hindert, einen Schlussstrich zu ziehen. Denn die Kirche ist mir vertraut. In der Grundschule habe ich Bibelszenen ausgemalt und das Glaubensbekenntnis kann ich seit meiner Konfirmation einwandfrei auswendig aufsagen. Der Glaube ist also nicht nur etwas, wofür sich jeder einzelne bewusst entscheidet. Er ist vielmehr ein Teil der Sozialisation. Kultur. Denn obwohl es so viele Menschen gibt, die nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen, sind kirchliche Hochzeiten immer noch hoch im Trend. Auch, wenn sich die Menge der Karteileichen weiter anhäuft, brauchen Menschen scheinbar Gottes Segen bei zentralen Lebensfragen. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht weil es zur Kultur gehört. Vielleicht aber auch aus religiösen Gründen, deren Sichtbarkeit im Alltag langsam verloren geht.

Versteckter Glaube

Anders steht es mit Serien und Filmen, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind und immer mehr Zeit in Anspruch nehmen. Betrachtet man das breite Angebot auf Netflix, Amazon und Co., stellt man fest, dass Glaube und Übernatürliches wahnsinnig oft thematisiert werden. Teufel, Hexen, Dämonen und Geheimbünde gehören zum Standard-Repertoire vieler Geschichtenerzähler. Die Welt wird im TV in Gut und Böse unterteilt. Hauptfigur und Gegenspieler. Helden und Anti-Helden. Oder Gott und Teufel. Diese Gegenpole erklären unser Dasein auf simple Weise und schaffen Orientierung sowie Sicherheit. Auf Netflix gibt es zum Beispiel eine Serie über den dunklen Lord, der die Hölle regiert und Sterbende zu sich holt. (Hierzu habe ich vor einiger Zeit einen eigenen Blogbeitrag geschrieben. Ihr findet ihn hier.) Glaube und Religion verstecken sich also in fiktiven Erzählungen, die wir uns nach Feierabend bei einer Tüte Chips auf der Couch reinziehen.

Doch nicht nur Filme zeigen religiöse oder gar mystische Handlungen. Auch Dokumentationen oder Reportagen untersuchen Fragen rund um Gott, die Bibel und grundlegende Glaubensthemen. Die Doku-Reihe „Mythen-Jäger“ läuft im ZDF und geht der Sintflut oder den Überresten des Kreuzes Jesu auf den Grund. Denn weltweit gehen Archäologen oder Hobby-Forscher auf die Suche nach Beweisen dafür, dass Szenen des alten und neuen Testaments tatsächlich stattgefunden haben. Und Millionen schauen ihnen dabei zu. Im TV.

Und auch an anderen Stellen begegnen uns religiöse Symbole im Alltag. Albrecht Dürers betende Hände oder die Hand der Fatima sind zwei Beispiele von Tattoo-Motiven, die häufig gestochen werden. Diese Symbole legen wortwörtlich die „schützende Hand“ auf ihre Träger. Außerdem haben sich religiöse Inhalte längst in unseren Sprachgebrauch eingebrannt. Wir rufen „Oh Gott“, wenn wir uns erschrecken oder sagen „In Teufels Namen“, wenn wir uns über etwas aufregen. Außerdem wissen wir alle, dass das „Schicksal manchmal Schnippchen schlägt“ oder dass „Karma regelt“.

Glaub doch, was du willst

Fragt man eine beliebige Person aus dem Freundeskreis, ob sie oder er gläubig ist, so erhält man meist eine ähnliche Antwort. Viele Menschen (der westlichen Welt), haben ihre eigene Vorstellung von Göttlichkeit und dem Sinn des Lebens. Sie glauben an eine höhere Macht, die unser Leben wesentlich beeinflusst und über allen Dingen steht. Definieren lässt sich die Macht aber nicht genau. Einig sind sich jedoch fast alle darüber, dass die Liebe zu anderen Menschen im Vordergrund des eigenen Handelns stehen sollte. Ganz im Sinne aller großen Weltreligionen.

Wenn ich über diese Details nachdenke, dann wird mir klar, dass weder Wikipedia noch Brockhaus Religionen ersetzen können. Wir wissen nicht, was in Zukunft geschehen wird. Und wir wissen auch nicht, was mit unseren Seelen nach dem Tod passiert. Diese Fragen, die uns Menschen seit Jahrtausenden plagen, kann die Wissenschaft nicht beantworten. Noch nicht, jedenfalls. Und so lange glauben wir eben, was wir glauben wollen.

Schmeiß‘ dein Studium!

Man kann viele tolle Pläne für die berufliche Zukunft haben: Eine eigene Software-Firma gründen, selbstgebaute Hausboote verkaufen oder nach Südamerika auswandern und Alpakas streicheln. Studieren ist jedenfalls nicht immer die beste Idee. Wer also schon immer an die Uni wollte, sollte sich das besser zweimal überlegen.

Geht Probieren über Studieren?

Laut des Statistischen Bundesamtes waren im vergangenen Wintersemester insgesamt  2.897.300 Menschen an deutschen Universitäten und Hochschulen immatrikuliert. Diese Zahl, die auf den ersten Blick vielleicht harmlos aussieht, hat es ordentlich in sich. Denn wer heute versucht, nach seinem Bachelorstudium an einen Job zu kommen, braucht eine hohe Frustrationstoleranz. Die Konkurrenz ist riesig und wer keine Berufserfahrung vorweisen kann, hat sowieso schlechte Karten.

Darüber hinaus sind Studienangebote heutzutage so facettenreich, dass junge Menschen Probleme haben, ihre Stärken und Schwächen richtig einzusortieren. Während unsere Großeltern früher einfach Ingenieure wurden, muss man sich heutzutage entscheiden, ob man Maschinenbauingenieur, Berechnungsingenieur, Wirtschaftsingenieur oder „Life Science Engineer“ (m/w/d) werden will. Eine schwere Entscheidung, wenn man bedenkt, dass junge Menschen heutzutage nicht einmal mehr wissen, welche Hobbys ihnen Spaß machen.

Und wo ist der Fachkräftemangel, von dem immer alle reden?

Den Fachkräftemangel gibt es. Genauso wie es den Klimawandel gibt. Und dieser ist auch nicht „von den Chinesen erfunden“. Naja, ein bisschen vielleicht. Das Problem: Deutschland hat sich klar zu einer Nation der Akademiker und Theoretiker entwickelt. Entworfen und geplant wird im Inland, produziert im Ausland.

Für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden sich immer weniger Menschen. Denn besonders Arbeit, die mit den Händen geleistet wird, ist kaum noch etwas wert. Und zwar nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern auch auf dem Papier. Der große Audi darf gerne vor der Tür stehen, aber wenn ich zum Friseur gehe, im Supermarkt einkaufe oder meine Fließen verlegen lasse, dann soll das bitte möglichst wenig kosten. Traurig.

Der ultimative Ratschlag?

Wer das eigene Studium schon länger hasst, sollte schmeißen. Zweifelnden Schulabgängern kann ich sagen: Studiert nicht! Macht eine solide Ausbildung und werdet Spezialisten auf einem Gebiet, das euch Freude bereitet. Berufe, die handwerkliches Geschick verlangen, sind auf dem Markt so gefragt wie nie! Denn schon allein für die Renovierung des Badezimmers warten Kunden mitunter Monate auf einen freien Termin. Und wer nicht gerne hämmert oder schweißt, der könnte sich in sozialen Berufen ausprobieren: Denn gut ausgebildete Pflegekräfte sind heutzutage Gold wert. Aber auch Leute mit einer kreativen Ader können die richtige Ausbildung finden: Beispielsweise als Maskenbildner, Bühnenbildner oder Mediengestalter.

Wofür ihr euch auch entscheidet, ich wünsche viel Erfolg!

Ein Leben in der Vorstadt

Wir alle haben ein Zuhause. Eine Heimat, einen Hafen, eine Herkunft. Was für Spongebob Bikini Bottom oder für Frodo das Auenland abbildet, ist für mich ein spießiger Vorort im Süden Nürnbergs. Spießig deshalb, weil der Besitz eines Reihenmittelhauses genauso zum Standard gehört wie die Mitgliedschaft im Sportverein. Hier aufgewachsen, müssten diese Ziele eigentlich auch auf meiner Agenda stehen. Aber statt mich auf dieses Leben einzulassen, träume ich lieber von einer zauberhaften Altbauwohnung in der Stadt. Was aber, wenn ich hier niemals wegkommen werde?

Umziehen auf eigene Gefahr! 

Wer in einem Vorort oder im Dorf aufgewachsen ist, der kennt die Regeln: Du bist Mitglied im Verein, wohnst bis zum Ende des Studiums bei deinen Eltern und wenn du auf eigenen Beinen stehen willst, holst du dir eine Wohnung in der Nähe. In die Stadt umziehen ist nur für ganz Mutige eine Option. Denn wer einmal das Schiff verlässt, der kommt nie mehr zurück. Zumindest stellt man sich das so vor. Denn hat jemand erstmal die Entscheidung getroffen, in die große Welt zu ziehen und die Heimat zu verlassen, werden tägliche Besuche bei Vorort-Freunden immer seltener.  

In historischen Romanen wird oft von Helden berichtet, die es in die Ferne zieht. Sie reisen nach Spanien, Indien oder sogar zur Antarktis. Für jene die in einem Vorort – oder gar auf dem Land – aufgewachsen sind, reicht also schon die Großstadt, um sich wie ein Abenteurer zu fühlen. Was tun, wenn man nicht den Mut hat, ein Abenteurer zu sein?

J wie Jogginghose

Man kennt sich im Vorort. Jedes Geheimnis das du erzählst, ist eine Woche später kein Geheimnis mehr, sondern gehört selbstverständlich zum wöchentlichen Tratsch. Die Vorstellung, bei jedem Gang vor die Tür einen kurzen Plausch zu halten, ist eigentlich ganz nett. Es gibt dennoch gewisse Situationen, in welchen man aber nicht gesehen werden will. Wenn ich morgens ungewaschen und in Jogginghose in den Supermarkt renne, will ich nicht, dass mich jemand kennt oder am besten noch meine Produktwahl kommentiert. Wie angenehm ist nur der Gedanke, in einer Welt zu leben, in der man anonym einkaufen kann. Das würde mein Leben an manchen Tagen wirklich sehr erleichtern.

Ständig von den selben Leuten umgeben zu sein, macht es außerdem schwer, neue Freunde zu finden. Immer in den gleichen Kreisen unterwegs zu sein ist schön, weil es Halt gibt, aber man verpasst auch viele Chancen. Neue Bekanntschaften zu schließen erweitert unseren Horizont und ist die Grundlage für neue Erfahrungen.

Forever and never

Für immer gefangen im System: So oder zumindest so ähnlich könnte man den Zustand beschreiben, den Vororte in Deutschland aufweisen. In jeder zweiten deutschen Fernsehserie geht es um eine Gruppe Jugendlicher, die krampfhaft versucht, dem tristen Vorstadt-Alltag zu entkommen. Meistens gelingt das nicht. Und wenn doch, dann zieht es die Protagonisten nach einigen Tagen, Monaten oder Jahren wieder zurück in die Heimat.

Denn es ist der Charme vieler Vororte, dem man mit der Zeit erliegt. Es sind Eigenschaften wie Gemütlichkeit, Gemeinschaft und Geselligkeit, von denen ein jeder Vorort lebt. Sich von ihm abzuwenden ist also nicht nur mutig, sondern in gewisser Weise auch ein Bruch mit diesen Eigenschaften. Wir sind hier aufgewachsen und wir definieren diesen Ort. Dieser muss aber nicht statisch sein – neue Menschen können das Leben mitgestalten und formen. Wir freuen uns über jeden, der sich unserer Gemeinschaft anschließen möchte. Und genau deswegen bin ich ehrlich gesagt froh, dass die Altbauwohnung nur ein Träumchen ist. Denn ich bin hier daheim. In der Vorstadt.

Wann geht uns ein Licht auf?

Wer von euch kennt Greta? Die 16-Jährige Klimaaktivistin mit Asperger-Syndrom und den zwei geflochtenen Zöpfen? Das Mädchen dessen Video um die Welt geht? Das sich vor verschlafene Regierungsmitglieder verschiedener Länder stellt und versucht sie wachzurütteln? Genau die! Und über die reden wir jetzt. Greta Thunberg hat beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos folgendes gesagt:

Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Dass ihr so handelt als würde euer Haus in Flammen stehen, denn das tut es.

Greta THunberg (VIdeo)

In einem weiteren Interview sagt Greta etwas, das mich fast sprachlos gemacht hat:

Wir müssen erkennen, dass wir in einer akuten Krise stecken. Und in einer Krise handelt und denkt man anders, als man es normalerweise tun würde.

GReta Thunberg (VIDEO)

Und damit trifft Greta den Nagel auf den Kopf. Denn wir Menschen ziehen uns regelmäßig irgendwelche apokalyptischen Blockbuster rein, angefangen bei „I am Legend“ bis hin zu „Bird Box“, und essen dabei unsere Tüte Chips mit einer Seelenruhe, als wären solche Weltuntergangs-Szenarien nur ausgedacht. Nein. Wir befinden uns bereits in so einem Szenario. In einer Krise. Und es ist dieselbe Krise wie im Film. Nur wir checken es einfach nicht. Wir merken es nicht. Wir sehen es nicht. 

Es muss erst ein Teenager um die Ecke kommen, damit wir das verstehen. Wir Menschen haben über die Jahre erstklassiges Wissen über unsere Umwelt gesammelt und dennoch tun wir nichts, um sie zu schützen. Es siegt dann das Zwei-Euro-Fleisch aus dem Discounter. Aber wenn wir wirklich so weitermachen wollen, wenn wir dieses Leben wirklich leben wollen, dann müssen wir uns der Konsequenzen bewusst sein. Wir werden immer mehr Menschen und Ressourcen werden gleichzeitig immer knapper. Haben wir überhaupt noch ein Recht auf diesen wahnsinnigen Konsum?

Ich bin wirklich keine Heilige, auch ich habe meine Klimasünden. Ich fliege alle zwei Jahre in den Urlaub und ich habe ein Auto, das ich auch regelmäßig benutze. Aber ich bin dennoch immer darum bemüht, wenigstens bei den kleinen Dingen im Alltag etwas klimabewusster zu werden. Ich verzichte weitgehend auf Plastik und versuche mein Obst und Gemüse immer regional zu kaufen. Ich kaufe mir keine 45 Cent Milch, sondern gebe dafür gerne mehr Geld aus. 

Ich bin teilweise schockiert, wenn ich sehe was so manche Menschen täglich einkaufen. Abgesehen davon, dass das meiste Zeug wahnsinnig ungesund ist, ist es vor allem doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt. Da frage ich mich: muss das wirklich sein? Ich will hier niemanden angreifen und es ist auch nicht meine Absicht euch zu sagen, wie ihr euer Leben führen sollt. Aber bitte, wenn ihr euch jetzt angesprochen fühlt, dann denkt mal darüber nach warum. Habt gerne ein schlechtes Gewissen.

Und wer glaubt, er könne mit seinem Einkauf sowieso nichts bewirken, denn es seien allein die Produzenten, die sich ändern müssten, den möchte ich kurz aufklären. Denn das Angebot im Supermarkt und darüber hinaus (Autobranche, Stromanbieter etc.) wird durch die Nachfrage der Konsumenten bestimmt. Anbieter richten ihre Produkte an unseren Bedürfnissen aus, um den Absatz zu maximieren. Wenn wir aber verweigern, weiterhin in Plastik gepackte Gurken zu kaufen, dann werden sie auf kurz oder lang aus den Läden verschwinden. Wir Konsumenten haben nämlich mehr Macht, als wir es uns selbst zutrauen. Um es mit Gretas Worten zu sagen: „You are never too small to make a difference“.

Wir müssen reden!

Wir müssen über Feminismus reden! Dringend. Denn wir haben unendlich viele Gründe dazu. Und genau diejenigen, die spätestens in dieser Sekunde mit den Augen rollen oder keine Lust mehr haben weiterzulesen, sollten jetzt ganz aufmerksam sein. Und wer nicht genau weiß, was denn so alles unter dem Begriff Feminismus verstanden wird, hier eine Definition:

Feminismus ist ein Oberbegriff für gesellschaftliche, politische und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die, basierend auf der kritischen Analyse von Geschlechterordnungen, für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen sowie gegen Sexismus eintreten und diese Ziele durch entsprechende Maßnahmen umzusetzen versuchen. (Quelle: Wikipedia)

Warum das alles?

Wir leben doch in einer modernen Gesellschaft, in der es den Frauen an nichts fehlt? Frauen werden hier gut behandelt und dürfen studieren gehen und wählen dürfen sie sowieso. Feministen wollen stattdessen durchsetzen, dass Frauen überrepräsentiert werden und das ist ungerecht den Männern gegenüber. Außerdem ist der Feminismus eine „männerhassende Bewegung“. Genau so argumentieren Menschen im Internet, die sich klar gegen feministische Ströme aussprechen. Vielleicht mag auf den ersten Blick wahr sein was sie sagen. Aber schauen wir doch einmal genauer hin, ob solche Argumentationen auch auf den zweiten Blick Bestand haben.

Frauen werden gut behandelt

Richtet man den Blick auf andere Kulturen, jenseits der westlichen und modernen Welt, findet man schnell Grausamkeit, wenn man sich mit der Behandlung junger Frauen und Mädchen auseinandersetzt. Ehen im Kindesalter, Beschneidungen und brutale Gruppenvergewaltigungen… Die Liste ist lang. Dennoch dürfen wir nicht anfangen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dadurch, dass wir in einer zivilisierten Gesellschaft leben, sind solche Dinge natürlich undenkbar und kommen in unserer Kultur glücklicherweise (so gut wie) nicht vor.

Dennoch werden Frauen täglich in unserer Gesellschaft als Sexobjekt dargestellt und schlechter behandelt als Männer. Frag doch mal deine Freundinnen, ob ihnen schon mal jemand ungefragt an den Hintern gefasst hat? Vielleicht lachst du darüber, aber die Sache ist ernster als du denkst. Ich möchte nicht ständig von fremden Männern angefasst werden. Dennoch passiert das andauernd. Und schau dich doch mal um, wenn du das nächste Mal zum Amt o.Ä. gehst. Hast du da schon jemals einen Flyer gesehen, für Männer die Opfer von häuslicher Gewalt wurden? Ein Männerhaus? Ich persönlich noch nicht. Aber schau doch mal einen Tatort oder einen anderen beliebigen Krimi im TV an und sag mir, wie oft dort eine Frau gespielt wird, die Opfer ihres handgreiflichen Ehemanns wurde? Oft. Und oft werden solche asymmetrischen Beziehungen zwischen Mann und Frau im Fernsehen auch noch romantisiert. Das beginnt teilweise schon bei Kinderfilmen, wie beispielsweise die Schöne und das Biest.

Hier möchte ich gleich sagen, dass Feminismus bedeutet, dass es genauso ein Gesprächsthema sein muss, wenn Männer von ihren Frauen geschlagen werden. Auch Frauen können aggressiv und handgreiflich sein. Das ist keine Verhaltensweise, die nur Männer an den Tag legen! Dennoch passiert häufiger der umgekehrte Fall. Ich bin zwar kein Psychologe, der die Neigung zu aggressivem Verhalten vorhersagen kann, aber ich glaube nicht, dass Männer grundsätzlich gewaltbereiter oder böser sind als Frauen. Frauen sind nur häufiger unterwürfiger und lassen sich das gefallen, meiner Meinung nach. Weil sie leider oft sowohl psychisch als auch finanziell von ihren Männern abhängig sind und sich nicht trauen, eigene Stärke zu zeigen.

Frauen dürfen Karriere machen und wählen gehen

Ja. Das dürfen sie durchaus. Laut Grundgesetz (Art. 3 Abs. II) darf kein Mensch aufgrund seines Geschlechts besser oder schlechter gestellt werden als ein anderer Mensch. Das heißt im Klartext, dass eine Frau beim Bewerbungsprozess die gleiche Chance bekommen muss, wie ein männlicher Kandidat. Und dass Frauen das gleiche Gehalt bekommen müssten, wie ihre männlichen Arbeitskollegen. Dass dies aber nicht der Fall ist, ist ein offenes Geheimnis. 

Ein weiteres offenes Geheimnis ist, dass Frauen seltener in Führungspositionen arbeiten als ihre männlichen Kollegen. Ihr glaubt das nicht? Dann schaut doch mal in euer berufliches Umfeld und denkt über das Verhältnis von Frauen und Männern nach, die eine wichtige Rolle bei Entscheidungsfindungen einnehmen. Ihr glaubt es immer noch nicht? Dann schaut doch mal auf RTL „Undercover Boss“ an und sagt mir, wie oft da eine Frau als Chef teilnimmt? Ich denke ich schätze nicht schlecht, wenn ich behaupte, dass die Quote in diesem Fall gegen null geht.

Frauen sollen durch z.B. die Frauenquote überrepräsentiert werden

Die Angst, Frauen würden nur eingestellt werden, um die Quote zu erfüllen und Männern würde man dann die Chance auf den Job verwehren, setze ich gerne auf die Liste der Ammenmärchen. Denn nur weil Frauen stärker werden, heißt das nicht automatisch, dass Männer schwächer werden. Frauen müssen aber generell mehr gefördert werden als Männer. Aber nicht in dem was sie tun oder nicht tun, sondern sie müssen darin gefördert werden, mehr an sich selbst zu glauben. Jede Frau wird sich an einem gewissen Punkt in ihrem Leben überlegen, ob sie sich lieber für Kind oder Karriere entscheiden will. Aber warum denn eigentlich, in Gottesnamen? Männer müssen sich doch auch nicht entscheiden! Dennoch sind Männer auch Eltern und damit genauso in der Pflicht, die Kinderbetreuung aktiv mitzugestalten und zu organisieren.

Darüber hinaus bekommen wir, und das gilt für Jungen genauso wie für Mädchen, in der Kindheit genau vorgeschrieben, wie wir uns entsprechend unseres Geschlechts zu verhalten haben. Mädchen tragen rosa Kleidchen, gehen zum Tanzen und sehen hübsch aus. Jungen hingegen sind die Entdecker, die schlauen Kerlchen und die Fußballspieler. Deswegen entwickeln wir im Laufe unserer Sozialisation feste Rollenbilder. Und die sind so fest, dass sie zu brechen schon fast lächerlich erscheint. Aber warum eigentlich? Wer hat das festgelegt? Ein Mädchen kann genauso gut Autos mögen und Physik studieren. Genauso wie ein Junge tanzen darf oder später Erzieher wird oder Design studiert. Denn dass Jungen und Mädchen gleich schlau sind, weiß doch hoffentlich jeder. Dennoch kenne ich unendlich viele Namen männlicher Wissenschaftler (sowohl aktuelle als auch historische), kaum aber den Namen einer Wissenschaftlerin. Und um nochmal auf die Kulturen jenseits der westlichen Welt zurückzukommen: wie sollen denn dort Frauen in der Öffentlichkeit ernstgenommen werden, wenn das nicht mal bei uns richtig funktioniert? Wir sollten in dieser Hinsicht ein Vorbild werden.

Feminismus ist eine männerhassende Bewegung

Dieser Abschnitt ist mir besonders wichtig, weil ich klarstellen will, dass unter Gleichheit verstanden wird, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Frauen, Männer, diverse Menschen. Alle. Auch du!

Feministinnen und Feministen hassen Männer nicht, im Gegenteil: sie machen sich stark dafür, dass Männer auch sensibel sein dürfen oder Schminke tragen dürfen oder auch nur ein rosa Hemd, ohne ausgelacht und als Tunte oder Schwächling bezeichnet zu werden. Wir wollen, dass die Persönlichkeit eines jeden Menschen im Mittelpunkt steht. Nicht das Geschlecht, das Aussehen und auch nicht die sexuelle Orientierung. Wir wollen, dass alle Menschen lieb zu einander sind. Ergo: Jeder, der für Gleichberechtigung eintritt, ist Feminist oder Feministin. Und, oh Wunder, das kostet uns sogar keinen einzigen Cent. #bittedanke


Ich bin doch kein Roboter

Wie wird aus mir trotzdem eine schlaue Mathematikerin?

„Mathe ist einfach. Das kann jeder schaffen.“ Das versichert Mathematikprofessor Herold Dehling in einem Interview gegenüber der ZEIT. Ich frage mich, ob das stimmt. Wird Mathe tatsächlich immer schwerer bewertet als es eigentlich ist? Kann das wirklich jeder schaffen? Mir persönlich hat die Mathematik den Schulalltag schwer gemacht. Vielen anderen vermutlich auch.

Aber was ist Mathe überhaupt? „Na Rechnen!“ Wird der Durchschnittsbürger antworten. „Die Lehre der Mengen!“, würde mein Matheprof sagen. „Das Erkennen von Mustern.“, sagt mein Freund. Und damit hat er eigentlich recht.

Nur da beginnt das Problem. Denn wie würde der perfekte Mathematiker aussehen? Naja, wie ein Computer vermutlich. Oder ein Roboter. Denn der erkennt Muster ohne Probleme. Eigentlich ist das quasi seine einzige Aufgabe. Nullen und Einsen, und so weiter.

Doch wie hilft mir das weiter? Denn in der Mathe-Klausur  bin ich trotzdem auf mich gestellt und muss auf meine eigenen Fähigkeiten vertrauen. Doch da fällt mir ein, was ich eigentlich mit dem Computer gemeinsam habe. Auch das menschliche Gehirn mag Muster. Zumindest die Muster, die es schon einmal gesehen hat. Zahlreiche Studien belegen, dass das menschliche Gehirn bei der Wahrnehmung auf Erinnerungen zurückgreift und sie mit neuen Informationen vergleicht. Stellen wir eine Übereinstimmung fest, erkennen wir die neue Information und ordnen sie ein.

Das heißt im Klartext: man muss Mathe einfach üben. Muster immer wieder sehen und durchspielen, um sie leichter zu erkennen. Vermutlich hat er also recht, der Herr Dehling. Mathe kann jeder schaffen. Nur man muss eben bereit sein, einen gewissen Aufwand zu betreiben. Dass mich das nicht freut, ist ja auch klar. Irgendwie hatte ich auf einen kleinen Zaubertrick gehofft, um aus mir ein Mathe-Genie zu machen. Aber was soll’s. Dann werd ich mal loslegen und üben. Meine nächste Mathe-Klausur ist schließlich schon am Dienstag.

Spaghetti und Salat: Schaurige Studentenküche

Eingeweicht ist halb gespült. Das gilt übrigens auch für’s Spaghetti-Sieb.

Kochen. Für viele die absolute Entspannung. Karotten schälen, Schnitzel klopfen oder Teig kneten wirkt für manche Menschen meditativ. Yoga für Hungrige, sozusagen. Für andere wiederum ist Kochen ein wahrer Spaß. Aufregend, abwechslungsreich und super spannend. Echte Koch-Junkies bekommen eine Gänsehaut, wenn das Fleisch in der Pfanne brät und sind unendlich stolz, wenn es am Ende innen leicht rosa und außen schön kross ist.

Dann gibt es da mich. Ich kann: nichts. Ok, Nudeln kochen bekomme ich noch geradeso hin. Warum mich der liebe Gott nicht mit dem nötigen Talent ausgestattet hat, weiß ich auch nicht. Genau genommen hat er mich mit einem derart krassen Untalent bestraft, dass man das fast gar nicht erzählen darf.

Ich erinnere mich an die letzte Mahlzeit, die von mir gekocht wurde. Es gab Spaghetti Bolognese, oder zumindest so etwas Ähnliches. Bis auf die Tatsache, dass ich die halbe Küche abgefackelt habe und am Ende die komplett verbrannten Topflappen wegwerfen musste, hat die Sauce nach absolut nichts geschmeckt. Gut, dass ich Besuch da hatte. Peinlich berührt habe ich dann versucht, die Situation irgendwie zu retten. Und hab dafür umso mehr Essig in den Salat geschüttet. Ein Geschmacksausgleich, quasi. Wie das Endergebnis dann geschmeckt hat, könnt ihr euch ja denken.

Immerhin habe ich genug Alternativen, was mein täglich Brot betrifft. Die Uni Kantine zum Beispiel. Ich steh sowieso total auf lapprige Schnitzel und faden Kartoffelsalat. Perfekt also. Und dann gibt es da noch meinen Freund. Der kann gut kochen, also wirklich jetzt. Ganz ohne Quatsch, seine Lasagne ist ein Traum. Ich hoffe ich kann ihn für immer behalten, denn in den nächsten fünfzig Jahren werde ich sicher kein Kochbuch in die Hand nehmen!

Waldsterben

Jeder kennt das Gefühl: Gut riechende Luft, knacksende Äste, singende Vögel und friedliche Stimmung. Wir alle lieben den Wald. Er entspannt uns, lässt uns runter kommen und puscht uns auf. Ein Spaziergang durch den Wald stärkt unser Immunsystem und lässt uns den Kopf frei bekommen. Weg vom Alltag und weg vom Stress. Zudem weiß jedes Kind, dass Bäume den Sauerstoff produzieren, den wir zum Leben brauchen und dass Wälder die einzigen natürlichen Okösysteme darstellen, die der Erde noch geblieben sind.

Man kann sich jetzt also die Frage stellen, warum wir so rücksichtslos die Lungen unseres Planeten abholzen und gigantisch große Regenwälder zunichte machen, doch die Antwort ist allen klar. Wir brauchen Rohstoffe. Und damit ist nicht nur das Holz gemeint, das wir für unsere schicke Wohnzimmereinrichtung brauchen. Damit sind auch Nahrungsmittel gemeint, deren Anbau mit den steigenden Bevölkerungszahlen immer mehr Platz benötigt. Aber das Problem geht noch viel weiter. Die Problematik ist nicht nur, dass wir die Wälder abholzen. Unser Problem ist, dass wir sie kaum noch betreten. Denn wir haben aufgehört, den Wald zu schätzen.

Was für unsere Vorfahren Heimat und Lebensraum war, ist für uns nicht mehr von Bedeutung. Schon das Gassi gehen mit dem Hund kostet uns Überwindung und ist vom nationalen Volkssport zum notwendingen Übel geworden. Den Sport erledigen wir heutzutage im Fitness-Studio und zahlen dafür auch noch Geld, obwohl der Wald eigentlich vor der Nase ist (ausgenommen von Stadtbewohnern). Im Sommer gehen wir lieber in den Freizeitpark und fahren Wildwasserbahn, anstatt im Wald zu wandern oder dort ein Buch zu lesen. Warum also bleibt der Wald die meiste Zeit leer? Was sind die Gründe für unsere ganz gezielte Waldvermeidung?

Unser Alltag, vermutlich. Wir haben keine Zeit mehr für den Wald. Er passt nicht in unser hektisches Leben. Wir gehen zur Arbeit, machen Termine aus, treffen Bekannte, gehen zum Sportverein und Abends legen wir uns ins Bett, ohne wirklich ein paar Minuten Zeit für uns gehabt zu haben. Die Deutschen sind busy. Und so war es bei mir auch – bis vor Kurzem jedenfalls. Denn nach dem Ende eines sich lange hinziehenden Lernmarathons, hatte ich plötzlich Zeit. Zeit für mich. Und den Wald. Ist der Wald also ein Privileg geworden? Ich hoffe nicht. Denn wir brauchen die Wälder. Für unsere Gesundheit und für unsere Zufriedenheit. Wie wär’s also mit einem kleinen Waldspaziergang? Ich glaube, die zwanzig Minuten darf man sich doch gönnen.