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Wir sind kaputt: Von Birkenstocks und 9/11

Irgendwas mit Zwanzig. Das bist du wahrscheinlich, wenn du meinen Blogbeitrag liest. Vielleicht auch ein bisschen älter. Dreißig. Oder Dreiunddreißig. Wie auch immer: Fest steht, dass du mit großer Wahrscheinlichkeit dazugehörst, wenn ich von meiner Generation spreche. Junge Erwachsene, vielleicht schon Eltern, irgendwann geboren zwischen 1980 und 1999. Und genau deshalb weißt du, wie es mir gerade geht. Denn dir geht es genau gleich.

Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen… und lassen das gerne raushängen. Schließlich hat keine Generation vor uns den Fjällräven-Birkenstock-Look jemals so verdammt gut optimiert. Wir sind die, die gerne Gulasch essen und trotzdem eine Buddha-Bowl bestellen. Weil es gesünder ist, klimafreundlicher und so weiter. Wir wissen, wie schädlich Rauchen ist und machen es trotzdem. Aber nur in Gesellschaft, nicht immer. Wir pfeifen auf die „Solange-deine-Füße-unter-meinem-Tisch-sind-Mentalität“ und fragen uns trotzdem ständig, ob wir gute Eltern sind. Oder gute Menschen.

Wir sind kaputt. Nicht von außen, aber ganz bestimmt von innen. Von zwei Jahren Pandemie, klar. Davor sah‘s auch nicht rosig aus für uns, wenn ich das mal so sagen darf. Denn während die Generation meiner Eltern beim Stichwort Einschulung an bunte Tüten und fröhliche Gesichter denkt, denke ich an 9/11. Trümmerhaufen, Tote, Terror. Und der zieht sich durch. Bis jetzt. Darum gehe ich nicht gerne auf Weihnachtsmärkte, oder sonst irgendwohin, wo Menschen sind. Wegen Attentaten, Coroni… und naja, ihr wisst schon. Während Babyboomer (im wahrsten Sinne des Wortes) friedlich Familien gründen und Kinder kriegen konnten, denke ich beim Stichwort Geburt an Wehenschmerzen mit Maske im Gesicht. Allein, versteht sich, weil kommen darf ja keiner. Und ich denke an Birth Strike, weil Babys sowieso dem Klima schaden.

Während ich diesen Text schreibe, der sich anfühlt wie ein schräger Science-Fiction-Krimi und nicht wie mein Leben, so merke ich, wie stolz ich bin. Auf mich. Auf unsere Generation. Weil wir jeden Tag aufstehen und so tun, als wär nix. Überhaupt nix. Als wär diese Welt kein vollkommen kaputter Ort. Nein. Wir machen weiter. Gehen zur Arbeit, schnattern beim Kaffeekränzchen oder spielen das Angelspiel mit unseren Kindern. Ganz normal, was sonst? Wir ignorieren, dass es nicht normal ist, an Weihnachten halbherzig in ein Zoom-Meeting zu grinsen. Genauso wenig wie es normal ist, sich den Weltschmerz einzuverleiben, als wäre er ein Pac-Man-Spiel auf unserem Handy. Das alles ist nicht normal. Nein. Es ist ist kaum zum Aushalten. Und deshalb sei heute stolz auf dich, wenn du irgendwas bist mit Zwanzig. Oder mit Dreißig. Denn du meisterst es gut, dein schwermütiges Leben. Verdammt gut.

So jung sind wir nie mehr!

Und plötzlich war er da. BAM! Der Moment, in dem mir klar wurde, dass meine Jugend vorbei ist. (Naja, zumindest die Zeit als Teenager. Jung bin ich ja trotzdem noch.) Aber jetzt bin ich halt auch erwachsen. So richtig, meine ich.

Klar wurde mir das, als ich an einem herbstlichen Nachmittag durch den Wald stapfte. Vor mir der rollende Kinderwagen, samt schlafendem Baby, und in den Ohren der neue Song von Justin Bieber. Ok, das passt im ersten Moment nicht zusammen. Warte ab.

Denn während ich so vor mich hinlief und heimlich den Track mit summte, viel mir auf, dass ich schon lange in keinem Club mehr gewesen war. Daran war auch nicht Corona Schuld. Oder mein Kind. Im Gegenteil. Ich habe schlicht und ergreifend keinen Bock mehr darauf. Und gebe mein Geld mittlerweile lieber für andere Dinge aus. Wichtigere Dinge. Socken aus Bio-Baumwolle, zum Beispiel. Oder histaminarme Schokolade.

Trotzdem war ich in diesem Moment der Selbsterkenntnis etwas wehleidig. Wo ist sie nur geblieben? Die Jacqueline, die abends unbedingt unter Leute wollte. Die wie selbstverständlich grünen Wackel-Wodka probieren musste. Wo ist sie? Wo? Ist ja nicht so, als hätte sich dieser Stimmungswechsel schon vor Jahren angekündigt. Schließlich weiß ich schon länger, wie man die perfekte Gemüsesuppe kocht oder warum Spülmaschinen Salz benötigen.

Ich glaube, ich habe mein altes Ich bereits vor einigen Jahren verloren. Weit vor der Geburt meiner Tochter. Irgendwo zwischen Uni-Kursen und der fünften Staffel von Game of Thrones. Denn genau das ist es, was ich inzwischen will! Worauf ich Wert lege. Anstatt mir in der Disko die Füße wund zu tanzen, möchte ich lieber ein anregendes Gespräch über Ressourcenknappheit führen, während ich stinkenden Käse futtere. Oder ich möchte einfach allein sein. Auf dem Sofa. Und das ist auch okay so, denke ich. Schließlich entwickelt man sich mit den Jahren weiter. Jeder. Wir alle.

Dennoch muss ich schmunzeln, wenn ich an meine Jugend zurück denke. War doch irgendwie trotzdem schön. Nachts. Am Dönerstand. Oder im vollen Bus. Zwischen aufgedrehten Halbwüchsigen und genervten Schichtarbeitern. Hach, noch einmal Teenager sein…

Vielleicht besser nicht.

Schmeiß‘ dein Studium!

Man kann viele tolle Pläne für die berufliche Zukunft haben: Eine eigene Software-Firma gründen, selbstgebaute Hausboote verkaufen oder nach Südamerika auswandern und Alpakas streicheln. Studieren ist jedenfalls nicht immer die beste Idee. Wer also schon immer an die Uni wollte, sollte sich das besser zweimal überlegen.

Geht Probieren über Studieren?

Laut des Statistischen Bundesamtes waren im vergangenen Wintersemester insgesamt  2.897.300 Menschen an deutschen Universitäten und Hochschulen immatrikuliert. Diese Zahl hat es ordentlich in sich. Denn wer heute versucht, nach dem Bachelorstudium an einen Job zu kommen, braucht eine hohe Frustrationstoleranz. Die Konkurrenz ist riesig und wer keine Berufserfahrung vorweisen kann, hat sowieso schlechte Karten.

Darüber hinaus sind Studienangebote heutzutage so facettenreich, dass junge Menschen Probleme haben, ihre Stärken und Schwächen richtig einzusortieren. Während unsere Großeltern früher einfach Ingenieur/innen wurden, muss man sich heutzutage entscheiden, ob man Maschinenbauingenieur, Berechnungsingenieur, Wirtschaftsingenieur oder „Life Science Engineer“ (m/w/d) werden will. Eine schwere Entscheidung, wenn man bedenkt, dass junge Menschen heutzutage nicht einmal mehr wissen, welche Hobbys ihnen Spaß machen.

Und wo ist der Fachkräftemangel, von dem immer alle reden?

Den Fachkräftemangel gibt es. Genauso wie es den Klimawandel gibt. Und dieser ist auch nicht „von den Chinesen erfunden“. Naja, ein bisschen vielleicht. Das Problem: Deutschland hat sich klar zu einer Nation der Akademiker und Theoretiker entwickelt. Entworfen und geplant wird im Inland, produziert im Ausland.

Für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden sich immer weniger Menschen. Denn besonders Arbeit, die mit den Händen geleistet wird, ist kaum noch etwas wert. Und zwar nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern auch auf dem Papier. Der große Audi darf gerne vor der Tür stehen, aber wenn ich zum Friseur gehe, im Supermarkt einkaufe oder meine Fließen verlegen lasse, dann soll das bitte möglichst wenig kosten. Traurig.

Der ultimative Ratschlag?

Wer das eigene Studium schon länger hasst, sollte schmeißen. Zweifelnden Schulabgängern kann ich sagen: Studiert nicht! Macht eine solide Ausbildung und werdet Spezialisten auf einem Gebiet, das euch Freude bereitet. Berufe, die handwerkliches Geschick verlangen, sind auf dem Markt so gefragt wie nie! Denn schon allein für die Renovierung des Badezimmers warten Kunden mitunter Monate auf einen freien Termin. Und wer nicht gerne hämmert oder schweißt, der könnte sich in sozialen Berufen ausprobieren: Denn gut ausgebildete Pflegekräfte sind heutzutage Gold wert. Aber auch Leute mit einer kreativen Ader können die richtige Ausbildung finden: Beispielsweise als Maskenbildner, Bühnenbildner oder Mediengestalter.

Wofür ihr euch auch entscheidet, ich wünsche viel Erfolg!