Meist dichter als Denker

Puh. Nachdem ich mich heute etwa zehn Minuten lang mit den Kommentaren mancher Social-Media-Nutzer auseinandergesetzt habe, muss ich erstmal Luft holen. Denn die derzeitige Corona-Krise bringt deutschlandweit nicht nur Solidarität und kreative Lösungswege hervor, sondern leider auch viel Dummheit.

Kommentare im Internet: Fluch statt Segen

Auf der Facebook-Seite einer örtlichen Behörde kann man in diesen Tagen vergnügt mitverfolgen, was einige unserer lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger von der Corona-Krise und den damit einhergehenden Schutzmaßnahmen halten: Nämlich nichts.

Ein Nutzer schreibt: „Ich werde definitiv keine tragen und mich kann auch keiner dafür bestrafen. Es reicht wenn sich 90% von euch verarschen lassen seid 5 Wochen und keine Maske und jetzt sowas, nicht mit mir.“ Ein anderer Nutzer kommentiert: „Corona Ausbruch Dez 2019. Maskenpflicht ende Apr.2020 Genau mein Humor“

Wenn ich diese Zeilen lese, kommt mir direkt mein Frühstück wieder hoch. Denn solche vermeintlichen „Argumente“ entziehen sich nicht nur jeder logischen Grundlage, sondern sind grammatikalisch so grauenvoll, dass ich Augenschmerzen bekomme. Denn von einer ordentlichen Rechtschreibung haben manche Nachfahren der einstigen „Dichter und Denker“ anscheinend noch nichts gehört.

Fake News und Verschwörungstheorien

Damit aber nicht genug. Denn während die einen ungefragt ihre Meinung im Netz verbreiten, teilen die anderen dubiose Verschwörungstheorien mit ihren Mitmenschen. Diese Theorien kommen oft daher mit einer Grafik, die eigentlich nichts mit dem Thema zu tun hat, aber professionell aussieht. Hat ja auch irgendein professioneller Typ bei Google gefunden und dann mit einer abstrusen Erklärung und ohne Quellenangabe auf Facebook bereitgestellt.

Klar, dass Annette und Hans-Günther das gut finden. Was wissen denn schon Virologen, Epidemiologen oder andere Experten? Die lügen doch nur und haben sich weltweit gegen uns verschworen. Sie wollen die Wirtschaft kaputt machen! Und unsere Freiheit! Jeder weiß doch, dass die Grippe viel schlimmer ist! Gut, dass es irgendeinen fremden Typen auf Facebook gibt, der die Wahrheit kennt und mit seinen Verschwörungs-Kumpels teilt.

Neben Grafiken, die weder einen genauen Sachbezug haben noch Zusammenhänge aufklären, werden Fake-News-Beiträge häufig mit Überschriften wie „Denkt doch mal nach“ oder „Wacht endlich auf “ begleitet. Erinnert ein bisschen an Propaganda-Geschwafel, oder? Solche Meinungsmacher und Verschwörungstheoretiker provozieren gezielt, indem sie an den Verstand ihrer Mitmenschen appellieren. Und klar, genau das sollte man vom Land der Dichter und Denker auch erwarten können. Sehe ich genauso. Aber schonungslos jede Verschwörungstheorie zu teilen, ohne deren Logik, Glaubwürdigkeit oder Quellenangabe zu hinterfragen, hat leider nur wenig mit Verstand zu tun.

Grundrechte sind kein Freifahrtschein für egoistisches Verhalten

Immer wieder lese ich darüber hinaus von Menschen, die sich über derzeitige Grundrechtseinschränkungen beschweren. Natürlich – das muss auch ich zugeben – sind wir durch das aktuelle Kontaktverbot in wichtigen Rechten eingeschränkt. Denn unter den momentanen Umständen können wir unsere gewohnte Freiheit nicht komplett ausleben. Wer allerdings behauptet, dass der Staat mit den aktuellen Maßnahmen den Bogen überspannt oder die Verfassung missachtet, dem unterstelle ich gerne, das Grundgesetz nie gelesen zu haben. Denn Grundrechte können vom Staat durchaus eingeschränkt werden, wenn dies zum Schutze anderer erforderlich ist.

Unser Rechtsstaat bewegt sich – wie es sich für einen ordentlichen Rechtsstaat eben gehört – auf dem Boden der Verhältnismäßigkeit. Sprich: Maßnahmen müssen immer einen legitimen Zweck verfolgen (= Pandemie bekämpfen), geeignet sein (=Mundschutz tragen schützt andere vor Ansteckung, Kontaktverbot verringert Ansteckungsketten), erforderlich sein (= 154.000 Krankheitsfälle in Deutschland) und außerdem angemessen sein.

Und wenn ich beispielsweise nach Spanien schaue, dann bin ich sicher, dass die deutsche Regierung mehr als angemessen handelt. Denn spanischen Bürgerinnen und Bürgern wird es frühestens ab Anfang Mai wieder gestattet sein, das Haus zu verlassen, um spazieren zu gehen. Die Spanier sitzen also seit mehreren Wochen in ihren Wohnungen fest und dürfen nicht raus. Und in Deutschland beschweren sich Annette und Hans-Günther bei einer Kugel Eis darüber, welch unverhältnismäßige Maßnahmen die Regierung uns nur aufzwingen will.

Fazit

Uns geht es gut. Zu gut, wie mir scheint. Denn dass wir in Deutschland (in Hinblick auf Krankheits- und Todesfälle) relativ glimpflich davonkommen, haben wir nicht nur unserer Politik, sondern auch unserem vorbildlichen Gesundheitswesen zu verdanken. Ich wünschte, das könnten alle sehen und begreifen. Nur leider sind viele (natürlich nicht alle) Bürgerinnen und Bürger in Deutschland so knallhart verwöhnt, dass sie nicht anerkennen können, wie glücklich wir uns für unsere Privilegien schätzen können. Schade eigentlich. Denn dem Land der Dichter und Denker hätte ich etwas mehr Verstand zugetraut.

Ach, übrigens: Weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die irgendwelche Sachen ohne Quellenangabe im Internet verbreiten, hier der Link zu meinem Beitragsbild: https://bilder.bild.de/fotos-skaliert/schiller–und–goethe-die-groesste-bromance-der-literatur-im-check-201186228-63382128/2,c=0,h=720.bild.jpg

Schwangerschaft und Geburt in Zeiten der Corona-Krise

Die Schwangerschaft sollte für werdende Mütter eigentlich eine schöne Zeit sein. Entspannt für das Baby einkaufen, einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen und schließlich gemeinsam mit dem Partner die Entbindung erleben. Was aber, wenn das alles nicht mehr geht? Das neuartige Corona-Virus stellt besonders Schwangere vor viele Herausforderungen. Und Ängste.

Zukunftssorgen und Geburt ohne Partner

Zwar gehören gesunde Schwangere nicht zur Risikogruppe, dennoch gibt es einige Themen, die werdende Mütter in Zeiten von Covid-19 plagen. Denn manche Kliniken verbieten es den werdenden Vätern, bei der Entbindung ihrer Kinder dabei zu sein. Zu groß sei die Gefahr der Ansteckung im Kreißsaal. Auch auf den Wochenstationen ist deutschlandweit derzeit kein oder kaum Besuch gestattet. Doch damit nicht genug. Auch Geburtsvorbereitungs- oder Stillkurse dürfen nicht mehr stattfinden, da Mindestabstände nicht eingehalten werden können und auch hier die Gefahr einer Übertragung des Virus zu hoch ist. Dadurch fühlen sich viele Schwangere alleine gelassen und mit großen Sorgen konfrontiert. Hinzu kommen Ängste über die Zukunft und die Frage, in welche unberechenbare Situation die Kinder geboren werden.

So erlebe ich die Corona-Krise

In einigen Wochen werde ich mein erstes Kind zur Welt bringen. Natürlich plagen mich viele Sorgen in Hinblick auf die momentane Situation, denn eine Geburt ohne meinen Partner kann ich mir nur schwer vorstellen. Außerdem mache ich mir Gedanken darüber, welche langfristigen gesellschaftlichen Folgen die Pandemie haben wird. Stürzen wir wirtschaftlich in eine Rezession? Sind Lebensmittel auf Dauer knapp, wenn Regale ständig leergekauft werden? Ist die Zukunft meines Kindes gesichert?

Trotz aller Ängste versuche ich positiv zu bleiben. Kleine Dinge mehr wertzuschätzen. Und die guten Seiten der momentanen Ausgangsbeschränkungen anzuerkennen. Denn vor der Corona-Krise wollte ich nach der Geburt weitgehend auf Besuch im Krankenhaus verzichten. Jetzt, da mir die Entscheidung vielleicht genommen wird, bin ich traurig. Denn die Vorstellung, dass mich niemand besuchen darf und ich die ersten Tage alleine auf der Wochenstation verbringen muss, gefällt mir gar nicht. Ich freue mich außerdem wahnsinnig darauf, wenn ich wieder die Möglichkeit habe, mit Freunden und Familie zusammen zu kommen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Ein Privileg, das ich bisher für selbstverständlich gehalten habe.

Außerdem nutze ich die freie Zeit, um mich auf mein Baby und das Muttersein vorzubereiten. Ich kann in aller Ruhe Ratgeber lesen, das Kinderzimmer renovieren und Babyklamotten sortieren. Dinge, die vielleicht zu kurz kommen würden, wenn ich weiterhin täglich unterwegs wäre. Zudem gehe ich häufiger spazieren als sonst. Ein großer Vorteil, denn Bewegung tut mir und dem Baby gut.

Auch Melli erzählt von ihren Erfahrungen

In einem Interview habe ich Melli zum Thema befragt, denn sie ist derzeit ebenfalls schwanger. Wir beide haben uns während eines Geburtsvorbereitungskurses kennengelernt, der aufgrund der Corona-Pandemie leider unterbrochen werden musste. Welche Sorgen sie plagen und wie sie versucht, mit der momentanen Lage umzugehen, erfahrt ihr hier:

Stelle dich bitte kurz vor. Wie alt bist du? Hast du bereits Kinder? 

Ich heiße Melli, bin 33 Jahre alt und stolze Mama einer 2,5-jährigen Tochter.

Die momentane Corona-Krise ist besonders für Schwangere eine schwere Zeit. Plagen dich Sorgen?

Oh ja, ich habe große Sorgen. Ich gehöre der sogenannten Risikogruppe an, da ich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn) habe und noch bis Januar 2020 mit Immunsuppressiva behandelt wurde. Schon zu Beginn der Therapie hieß es, ich müsse mich besonders vor Atemwegserkrankungen schützen und ggf. sofort zum Arzt gehen, da das Risiko, dass es in eine Lungenentzündung umschwenken kann, größer sei. Die Therapie wurde jetzt nur pausiert, da zum einen mein gesundheitlicher Zustand dies zuließ und zum anderen, damit das Baby mit einem gesunden Immunsystem auf die Welt kommen kann. Dementsprechend sind meine Sorgen und Ängste recht groß, weil ich natürlich nicht einschätzen kann, wie mein Körper mit einem solchen Virus zurechtkommen würde. Man hat Angst, für seine Kinder nicht da sein zu können.

Auch mache ich mir Gedanken, wem ich mein Kind während der Geburt anvertrauen soll, da Großeltern eigentlich nicht in Frage kommen dürfen, aber alle anderen potentielle Überträger sind und uns oder mich in Gefahr bringen könnten. Jedoch finde ich die Ausgangsbeschränkungen, die Schließung der Schulen und Kitas sehr sinnvoll und sie nehmen mir etwas die Sorge, dass mein Mann (Lehrer) oder mein Kind das Virus mit nach Hause bringen könnten.

Hast du dich bei deiner Entbindungsklinik darüber informiert, ob dein Mann bei der Geburt dabei sein darf? Bist du mit deren Lösung zufrieden?

Ja, das verfolge ich natürlich recht aktiv mit. Rein rechnerisch wäre es in sechs Wochen bei mir so weit. Ich habe in meiner Klinik angerufen und nachgefragt. Noch dürfe der Vater im Kreißsaal dabei sein, wenn die Geburt losgehe und die Mutter selbst in den Kreißsaal komme. Vorher müsse man jedoch alleine bleiben. Ich wünsche mir einfach nur, dass ich eine schnelle und komplikationslose Geburt habe und nicht eingeleitet werden muss. Dann kann ich mit dieser Regelung sehr gut leben. Je nachdem, wie es mir nach der Geburt geht, spiele ich mit dem Gedanken, mich auf eigene Verantwortung früher entlassen zu lassen.

Ich finde, schwieriger ist es manchmal schon vorher, also bevor die eigentliche Geburt losgeht. Wenn ich an meine erste Geburt denke, war mein Mann, bis ich in den Kreißsaal durfte, meine größte und einzige Unterstützung. Ich wurde eingeleitet und hatte nach zehn Minuten einen regelrechten Wehensturm, sodass ich irgendwann auch meine Atmung nicht mehr kontrollieren konnte, weil mir die Pausen fehlten. Als ich endlich dann in den Kreißsaal durfte, war der Muttermund bereits 7cm geöffnet. Deshalb finde ich, dass diese Regelung nur gut ist, wenn man auch im Falle einer Einleitung, nicht alleine gelassen wird.

Außerdem hoffe ich, dass die Väter weiterhin mit im Kreißsaal bleiben dürfen. Die Vorstellung, dass man nach der Geburt des Kindes diese Freude nicht mit dem Vater teilen kann, finde ich sehr traurig. Auch erscheint mir ein Ausschluss des Vaters von der Geburt unsinnig, da, sollte der Vater wirklich Träger oder Covid-19-positiv sein, auch die Mutter davon betroffen wäre. Die Gebärende würde in so einem Fall das Klinikpersonal genauso anstecken.

Hast du Tipps für andere werdende Mamis, um in der schwierigen Zeit nicht den Mut zu verlieren?

Tatsächlich sind viele mitschwangere Mütter in meinem Umfeld gerade auch sehr besorgt. Wir bauen uns alle mit dem Gedanken auf, dass es früher gar nicht so üblich war, dass der Vater oder eine andere Person bei der Geburt dabei war. Unsere Mütter haben es auch „alleine“ geschafft. Die Hebammen unterstützen in diesem Fall noch mehr. Generell besteht ja auch keine große Gefahr für gesunde Mütter und Neugeborene. Auch müssen wir uns dankbar zeigen, dass man sich im heutigen Zeitalter über Videotelefonie trotzdem sehr nahe sein kann. Wir müssen diese Isolation ansonsten als geschenkte Zeit sehen, sich als Familie kennenzulernen (immerhin zieht ja ein neues Familienmitglied ein) und auch selbst ohne Störfaktoren in die neuen Herausforderungen hineinzuwachsen.

Ich hätte es nie geglaubt, wenn ich es selbst nicht erlebt hätte, aber der beste Ratgeber sind die eigenen mütterlichen Instinkte. Alles, was sich richtig anfühlt, ist richtig und wenn man das Gefühl hat, es stimmt etwas nicht, dann stimmt auch etwas nicht. Ansonsten wäre mein Rat allen werdenden Müttern, einfach sich und der Natur zu vertrauen. Wir Frauen sind dafür geschaffen, Mutter zu werden und alles regelt sich von alleine. Und irgendwann kommt auch wieder die Zeit, in der wir allen Freunden und Verwandten den neuen Erdenbürger stolz zeigen und in die Arme geben dürfen. Bis dahin bleiben wir in unserer kleinen, gesunden Familie und sind dankbar, dass wir alle beisammen sein dürfen.

Schmeiß‘ dein Studium!

Man kann viele tolle Pläne für die berufliche Zukunft haben: Eine eigene Software-Firma gründen, selbstgebaute Hausboote verkaufen oder nach Südamerika auswandern und Alpakas streicheln. Studieren ist jedenfalls nicht immer die beste Idee. Wer also schon immer an die Uni wollte, sollte sich das besser zweimal überlegen.

Geht Probieren über Studieren?

Laut des Statistischen Bundesamtes waren im vergangenen Wintersemester insgesamt  2.897.300 Menschen an deutschen Universitäten und Hochschulen immatrikuliert. Diese Zahl hat es ordentlich in sich. Denn wer heute versucht, nach dem Bachelorstudium an einen Job zu kommen, braucht eine hohe Frustrationstoleranz. Die Konkurrenz ist riesig und wer keine Berufserfahrung vorweisen kann, hat sowieso schlechte Karten.

Darüber hinaus sind Studienangebote heutzutage so facettenreich, dass junge Menschen Probleme haben, ihre Stärken und Schwächen richtig einzusortieren. Während unsere Großeltern früher einfach Ingenieur/innen wurden, muss man sich heutzutage entscheiden, ob man Maschinenbauingenieur, Berechnungsingenieur, Wirtschaftsingenieur oder „Life Science Engineer“ (m/w/d) werden will. Eine schwere Entscheidung, wenn man bedenkt, dass junge Menschen heutzutage nicht einmal mehr wissen, welche Hobbys ihnen Spaß machen.

Und wo ist der Fachkräftemangel, von dem immer alle reden?

Den Fachkräftemangel gibt es. Genauso wie es den Klimawandel gibt. Und dieser ist auch nicht „von den Chinesen erfunden“. Naja, ein bisschen vielleicht. Das Problem: Deutschland hat sich klar zu einer Nation der Akademiker und Theoretiker entwickelt. Entworfen und geplant wird im Inland, produziert im Ausland.

Für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden sich immer weniger Menschen. Denn besonders Arbeit, die mit den Händen geleistet wird, ist kaum noch etwas wert. Und zwar nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern auch auf dem Papier. Der große Audi darf gerne vor der Tür stehen, aber wenn ich zum Friseur gehe, im Supermarkt einkaufe oder meine Fließen verlegen lasse, dann soll das bitte möglichst wenig kosten. Traurig.

Der ultimative Ratschlag?

Wer das eigene Studium schon länger hasst, sollte schmeißen. Zweifelnden Schulabgängern kann ich sagen: Studiert nicht! Macht eine solide Ausbildung und werdet Spezialisten auf einem Gebiet, das euch Freude bereitet. Berufe, die handwerkliches Geschick verlangen, sind auf dem Markt so gefragt wie nie! Denn schon allein für die Renovierung des Badezimmers warten Kunden mitunter Monate auf einen freien Termin. Und wer nicht gerne hämmert oder schweißt, der könnte sich in sozialen Berufen ausprobieren: Denn gut ausgebildete Pflegekräfte sind heutzutage Gold wert. Aber auch Leute mit einer kreativen Ader können die richtige Ausbildung finden: Beispielsweise als Maskenbildner, Bühnenbildner oder Mediengestalter.

Wofür ihr euch auch entscheidet, ich wünsche viel Erfolg!

Muttergefühle

Da ist es. Dieses kleine Gefühl in meinem Bauch. Ein Kribbeln, das ein bisschen an einen großen Ausflug erinnert, auf den man sich seit Monaten freut. Trotzdem reicht der Vergleich nicht ansatzweise aus, um zu beschreiben, welches Glück ich empfinde.

Nur noch 102 Tage, verrät der Kalender. Dann sind die vierzig Schwangerschaftswochen endlich vorbei und wir lernen dich kennen. Dich kleinen Menschen. Und es wird sich alles verändern, sagen sie. Es wird die anstrengendste und schönste Zeit zugleich.

Aber wie bereitet man sich auf einen solchen Lebensabschnitt vor? Reicht es aus, tonnenweise Kleidung, Schnuller und Windeln anzuschaffen? Oder braucht das Elternsein etwas mehr Vorbereitung? Zwar ist klar, dass uns Frauen das Muttersein irgendwie im Blut liegt. Dass wir Instinkte entwickeln, die wir vorher noch gar nicht kannten. Dass wir Gefühle entwickeln, die uns bis dato fremd waren. Aber all diese Instinkte und Gefühle erklären mir sicher nicht, wie lange abgepumpte Muttermilch im Kühlschrank haltbar ist oder welche Kleidung ich meinem Neugeborenen bei dreißig Grad im Schatten anziehen muss.

Und dann ist da noch das sogenannte Wochenbett. Wochenbett deswegen, weil Mutter und Kind nach der Geburt für ein paar Wochen im Bett bleiben sollten. Sich von den Strapazen erholen. Aber wie soll man sich erholen, wenn man befürchtet, dass die eigene Wohnung zukünftig häufiger besucht wird, als der Nürnberger Zoo? Familie, Freunde und Bekannte. Sicher, jeder will das Baby kennenlernen. Und das kann ich gut nachvollziehen. Aber möchte man als Neu-Mama überhaupt Besuch, wenn die Haare in fettigen Strähnen an der Wange kleben? Oder die Wohnung einer verwilderten Studentenbude gleicht – mit schmutzigen Klamotten und leeren Verpackungen vom China-Take-Away?

Buh. Irgendwie gruselt es mich. Was wohl alles auf mich zukommen wird? Dann aber streichle ich sanft über meinen Bauch, der sich stolz nach oben wölbt, und weiß: Nur Muttergefühle. Mehr brauche ich nicht, um das alles zu schaffen.

Happy new…

…Februar! Naja, zumindest in ein paar Tagen. Der Januar ist fast vorbei und das Leben hat seinen normalen Ablauf wiedergefunden. Wie viele Leute wohl bereits zur Zigarette gegriffen haben? Oder wie oft der Vorsatz, endlich mehr Sport zu machen, schon dem Sofa gewichen ist? Ich für meinen Teil verzichte gerne auf Neujahrsvorsätze. Naja, zumindest auf solche. Eine Sache habe ich mir dennoch für das Jahr 2020 vorgenommen: Ein bisschen gemeiner werden.

Wer jetzt glaubt, ich würde eine Karriere als Profi-Gangsterin anstreben, liegt nicht ganz richtig. Aber auch nicht unbedingt falsch. Was ich im neuen Jahr endlich besser machen will? Mir nicht mehr alles gefallen lassen!

Willkommen in der Ellebogengesellschaft!

„Ellebogengesellschaft“. Was für ein komisches Wort. Ich bin sicher, dass dieser Begriff eine deutsche Besonderheit ist. Denn hierzulande fährt man wirklich gerne mal die Ellebogen aus. Egal ob an der Supermarktkasse oder im Jurastudium: Die Deutschen wollen immer die Nase vorne haben und den anderen bloß nichts gönnen. Und ich neuerdings auch.

Ein solches Ego-Verhalten liegt mir nicht im Blut. Ich bin zu nett, zu freundlich, zu verständnisvoll. Und ich sage zu selten nein. Fasse nach, wenn man mir mehr Lasagne anbietet. Selbst dann, wenn ich satt bin. Sage nichts, wenn jemand meine Gefühle verletzt und Grenzen überschreitet.

Natürlich wäre ein Leben in einer Regenbogengesellschaft besser. Ein Leben voller Menschen, die es gut meinen. Die ohne Hintergedanken miteinander umgehen. Die immer Liebe verbreiten. Hach, das wäre schön. Aber diese Gesellschaft existiert nicht. Noch nicht zumindest. Und so lange sich Menschen an der Supermarktkasse streiten, um gute Kinoplätze konkurrieren und beim Bewerbungsverfahren schummeln, muss ich mich anpassen. Ein bisschen gemein werden, eben.

In diesem Sinne: Happy New 2020!

Umweltsünderin

Vergib mir Herr, denn ich habe gesündigt. Ich habe eine Flugreise gemacht. Bin mit dem Jet auf eine ferne Insel geflogen, habe unfassbar viele Kilometer hinter mich gebracht und deswegen auch massiv CO2 verursacht. Mist.

„Flight-Shame“ ist das neue Unwort

Fernreisen. Was vor einigen Jahren noch als ein aufregendes Erlebnis junger Menschen verstanden wurde, gilt jetzt schon fast als Tabu. „Flight-Shame“, zu deutsch „Flug-Scham“, hat das große Potential, Unwort des Jahres zu werden. Im Genaueren bedeutet der Begriff, dass sich Menschen für ihre Flugreisen rechtfertigen müssen. Ja, teilweise sogar dafür schämen. Denn durch den Flug wird, wie oben bereits erwähnt, viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Und das – wie wir natürlich alle wissen – ist schlecht für unser globales Klima.

Was also tun? Sich in die Ecke stellen und schämen? Keinem vom Flug erzählen? Oder besser noch: niemals mehr fliegen? Die Antwort ist natürlich, wie eigentlich fast alles im Leben, weder schwarz noch weiß. Jemanden für seine Reise zu verurteilen wäre genauso falsch, wie Flugreisen generell zu verteufeln. Denn Auslandsreisen fördern das Miteinander. Und die Wertschätzung anderer Kulturen. In einer Zeit, in der Rassismus und Fremdenfeindlichkeit langsam wieder Einzug in Parlamente halten, ist es umso wichtiger, dass wir über unseren eigenen Tellerrand hinausblicken. Das geht am besten, indem man fremde Menschen und deren Lebensweise kennenlernt.

Aber das ist dem Klima doch egal?!

Klar, das ist der Umwelt egal. Beziehungsweise dem Klima. Der Flieger setzt trotzdem CO2 frei. Es braucht also einen Weg, um einen Ausgleich zu schaffen. Eine Balance, wenn man so will. Wie die aussieht, muss letztendlich jede/r für sich entscheiden. Das Bewusstsein dafür, welche Verantwortung nach einem Flug getragen werden muss, sollte den Anfang machen. Ich in meinem Fall habe via Atmosfair (Anzeige) den Flug kompensiert. Ich habe also einen Betrag (errechnet an der von mir verursachten CO2-Menge) an die Organisation gespendet. Mit den Geldern werden weltweit Projekte gefördert, die die Menge an Kohlenstoffdioxid an einer anderen Stelle einsparen.

Man könnte jetzt behaupten, dass ich es mir damit besonders leicht mache. Ein Privileg der kapitalistischen Gesellschaft, quasi. Ich treibe was ich will, und am Ende stecke ich jemanden ein bisschen Geld in die Tasche. So auf die Art: „80 Euro, dann ist dat Ding aber jut bezahlt“. Aber nö nö! So wird das nicht laufen. Denn ich werde weiterhin in meinem Alltag möglichst auf Plastik verzichten, die regionale Landwirtschaft unterstützen und meinen Bedarf an Strom und Wasser niedrig halten. Außerdem habe ich vor, die nächsten Jahre in der Nähe Urlaub zu machen.

Mai von Mailab (Anzeige) hat in einem ihrer Videos ein klasse Beispiel gebracht: Nehmen wir Person A. Person A hat Müll in den Wald geschmissen, obwohl sie sich normalerweise für Umweltschutz einsetzt. Person B hat auch Müll in den Wald geschmissen, leugnet das aber. Und Person C hat ebenfalls Müll in den Wald geschmissen, steht aber offen und ehrlich dazu, dass ihr das egal ist. Eigentlich müssten wir C hassen, weil das Verhalten unvorbildlich und uncool ist. Aber eigentlich finden wir Person C ganz sympathisch, weil sie wenigstens ehrlich war. Person B ist ein/e Lügner/in, aber das lassen wir noch irgendwie durchgehen. Schließlich scheint diese Person zu wissen, dass das Verhalten falsch war. Wen wir aber gar nicht abkönnen, ist Person A! Denn A ist offensichtlich ein/e Heuchler/in! Und wir hassen Heuchler mehr als Lügner! Aber… STOP. Wir sollten C hassen, weil diese Person offensichtlich keinen Bock auf Umweltschutz hat. Person A hat einen Fehler gemacht, ja. Aber wenigstens ist dieser Person der Fehler bewusst.

„Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser kluge Satz, der schon in der Bibel stand bla bla, hat bis heute nicht an Bedeutung verloren. Denn wir sind alle keine Heiligen. Wir alle sind Klimasünder. Sich für ein bewussteres Leben einzusetzen bedeutet nicht, dass man ab sofort in einer Waldbaracke hausen muss. Es bedeutet auch nicht, dass man nie mehr Fleisch essen oder fliegen darf. Denn es bedeutet in erster Linie nur, dass man versucht, ein besserer Mensch zu sein. Irgendwie.

Ein Leben in der Vorstadt

Wir alle haben ein Zuhause. Eine Heimat, einen Hafen, eine Herkunft. Was für Spongebob Bikini Bottom oder für Frodo das Auenland abbildet, ist für mich ein spießiger Vorort im Süden Nürnbergs. Spießig deshalb, weil der Besitz eines Reihenmittelhauses genauso zum Standard gehört wie die Mitgliedschaft im Sportverein. Hier aufgewachsen, müssten diese Ziele eigentlich auch auf meiner Agenda stehen. Aber statt mich auf dieses Leben einzulassen, träume ich lieber von einer zauberhaften Altbauwohnung in der Stadt. Was aber, wenn ich hier niemals wegkommen werde?

Umziehen auf eigene Gefahr! 

Wer in einem Vorort oder im Dorf aufgewachsen ist, der kennt die Regeln: Du bist Mitglied im Verein, wohnst bis zum Ende des Studiums bei deinen Eltern und wenn du auf eigenen Beinen stehen willst, holst du dir eine Wohnung in der Nähe. In die Stadt umziehen ist nur für ganz Mutige eine Option. Denn wer einmal das Schiff verlässt, der kommt nie mehr zurück. Zumindest stellt man sich das so vor. Denn hat jemand erstmal die Entscheidung getroffen, in die große Welt zu ziehen und die Heimat zu verlassen, werden tägliche Besuche bei Vorort-Freunden immer seltener.  

In historischen Romanen wird oft von Helden berichtet, die es in die Ferne zieht. Sie reisen nach Spanien, Indien oder sogar zur Antarktis. Für jene die in einem Vorort – oder gar auf dem Land – aufgewachsen sind, reicht also schon die Großstadt, um sich wie ein Abenteurer zu fühlen. Was tun, wenn man nicht den Mut hat, ein Abenteurer zu sein?

J wie Jogginghose

Man kennt sich im Vorort. Jedes Geheimnis das du erzählst, ist eine Woche später kein Geheimnis mehr, sondern gehört selbstverständlich zum wöchentlichen Tratsch. Die Vorstellung, bei jedem Gang vor die Tür einen kurzen Plausch zu halten, ist eigentlich ganz nett. Es gibt dennoch gewisse Situationen, in welchen man aber nicht gesehen werden will. Wenn ich morgens ungewaschen und in Jogginghose in den Supermarkt renne, will ich nicht, dass mich jemand kennt oder am besten noch meine Produktwahl kommentiert. Wie angenehm ist nur der Gedanke, in einer Welt zu leben, in der man anonym einkaufen kann. Das würde mein Leben an manchen Tagen wirklich sehr erleichtern.

Ständig von den selben Leuten umgeben zu sein, macht es außerdem schwer, neue Freunde zu finden. Immer in den gleichen Kreisen unterwegs zu sein ist schön, weil es Halt gibt, aber man verpasst auch viele Chancen. Neue Bekanntschaften zu schließen erweitert unseren Horizont und ist die Grundlage für neue Erfahrungen.

Forever and never

Für immer gefangen im System: So oder zumindest so ähnlich könnte man den Zustand beschreiben, den Vororte in Deutschland aufweisen. In jeder zweiten deutschen Fernsehserie geht es um eine Gruppe Jugendlicher, die krampfhaft versucht, dem tristen Vorstadt-Alltag zu entkommen. Meistens gelingt das nicht. Und wenn doch, dann zieht es die Protagonisten nach einigen Tagen, Monaten oder Jahren wieder zurück in die Heimat.

Denn es ist der Charme vieler Vororte, dem man mit der Zeit erliegt. Es sind Eigenschaften wie Gemütlichkeit, Gemeinschaft und Geselligkeit, von denen ein jeder Vorort lebt. Sich von ihm abzuwenden ist also nicht nur mutig, sondern in gewisser Weise auch ein Bruch mit diesen Eigenschaften. Wir sind hier aufgewachsen und wir definieren diesen Ort. Dieser muss aber nicht statisch sein – neue Menschen können das Leben mitgestalten und formen. Wir freuen uns über jeden, der sich unserer Gemeinschaft anschließen möchte. Und genau deswegen bin ich ehrlich gesagt froh, dass die Altbauwohnung nur ein Träumchen ist. Denn ich bin hier daheim. In der Vorstadt.

Jagdtrieb

Die Jagd nach guten Büchern und vor allem Krimis hat mich in den letzten Jahren ziemlich erschöpft. Denn Auswahl gibt es reichlich, aber viele Geschichten sind inhaltlich kaum voneinander zu unterscheiden. Eine Leiche am Anfang und ein erfahrener Kommissar, der herausfindet, woher die Leiche am Anfang kommt und wer dafür verantwortlich ist. Wer auf diesen klassischen Kitsch – wie ich es jetzt einfach mal formuliere – steht, der sollte Jadgtrieb von Hendrik Esch auf keinen Fall lesen. Wer das 0815-Bla-Bla aber so langsam satt hat, der sollte schleunigst auf die Pirsch gehen und sich ein Exemplar sichern.

Kurz zum Inhalt: Paul Colossa ist ein junger Anwalt und ein waschechter Münchner. Aufgrund des Selbstmords seines Onkels verlässt Paul allerdings seine Heimat, um in der bayerischen Provinz Neustadt dessen Kanzlei zu übernehmen. Dort lernt er auch die junge Russin Maja kennen, die von ihrem Ex gestalkt wird und nun um Pauls Hilfe bittet. Paul lässt sich natürlich darauf ein, merkt aber langsam, wie der ganze Fall aus dem Ruder läuft…

Als ich das Buch aufgeschlagen habe und mit den ersten beiden Seiten durch war, dachte ich mir nur: Was zur Hölle habe ich da gerade gelesen? Ich hatte am Anfang tatsächlich Schwierigkeiten, mich an den Schreibstil des Autors zu gewöhnen. Denn der ist wirklich sehr außergewöhnlich. Aber bekanntlich gewöhnt sich der Mensch ja an alles, so auch in diesem Fall. Ich habe also weitergelesen und mit jeder Seite konnte ich mich mehr und mehr in die Figur Paul hineinversetzen und letztendlich feststellen: Man muss so verrückt schreiben, wenn man so eine Geschichte erzählt.

Die Geschichte kommt so erfrischend ironisch daher, dass man bei aller Ernsthaftigkeit des Themas irgendwie trotzdem schmunzeln muss. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ebenfalls erfrischend ist die Tatsache, dass die Hauptfigur so wahnsinnig sympathisch ist. Paul Colossa ist meiner Meinung nach total verunsichert in allen Dingen und versucht das permanent zu verstecken. Er ist also ein echter Mensch mit echten Schwächen. Davon möchte ich in Zukunft gerne mehr lesen. Deswegen bleibt eine Frage offen: Wann gibt es eine Fortsetzung?


Der Brief einer Schwester

Vor wenigen Jahren baten wir Großtante Elfriede darum, ein paar Geschichten über unseren Großvater aufzuschreiben. Wir wollten aus den gesammelten Anekdoten einen Liedtext dichten und diesen dann bei seiner runden Geburtstagsfeier zum besten geben.

Großtante Elfriede reagierte auf unsere Anfrage und setzte einen Brief auf, der so manches Abenteuer beinhaltete. Der zweiseitige Text umfasste von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter viele Etappen, die Opas Leben auf einem Stück Papier beschrieben. Und weil Papier verbrennen, zerreißen oder vergilben kann, möchte ich einige Auszüge hier festhalten:

„Wilhelm ist damals im Alter von drei Jahren alleine mit dem Zug nach Berlin gefahren. Die Mutter war mit ihm zu Bekannten gegangen und er hatte im Garten warten müssen. Wahrscheinlich langweilte er sich und so ging er alleine in Richtung Bahnhof. Da er noch so klein war, folgte er einfach den Erwachsenen durch die Sperre ins Abteil.“

„Jeden Tag spielte Wilhelm mit anderen Kindern Beruf. Mal war er Dachdecker, mal Schornsteinfeger und mal kletterte er deshalb sogar auf das Dach hinauf. Die Nachbarn bekamen jedes Mal einen Schrecken.“

„Nach dem Krieg sangen Wilhelm und ich zusammen in einem Chor. Dort lernten wir viele neue Menschen kennen und verbrachten lustige Abende gemeinsam. Wilhelm hätte auch heute noch das Talent dazu, allerdings weigert er sich, noch einmal vor Publikum aufzutreten.“

„Nachdem Wilhelm eine Anstellung als Ingenieur fand, traf er seine große Liebe und wurde in der Nähe von Erlangen sesshaft. Unsere Familie hatte schon damals gute Beziehungen zum Bürgermeister, weshalb sich Wilhelm später auch in der Politik engagierte. Ich höre ihm immer gerne zu, wenn er von damals erzählt.“

Die Erzählung beruht auf wahren Begebenheiten. Namen wurden für den Blogbeitrag abgeändert.

Die Teerose

Meine erste Buchempfehlung auf ichlesedas.de liegt mir besonders am Herzen. Denn die Teerose, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, hat eigentlich alles was ein gutes Buch haben muss: Eine mittellose Protagonistin, die sich von niemandem etwas sagen lässt und schließlich zur Großunternehmerin wird. Eine Verliebtheit, bei der es kein Happy End gibt. Eine Freundschaft, die stärker ist als alles andere. Und eine Geschichte, die zu Tränen rührt.

Ich muss sagen, dass ich überhaupt kein Fan von vorhersehbaren Geschichten bin. Wenn ich am Anfang des Buchs schon das Ende erahnen kann *gähn*. Das war bei der Teerose glücklicherweise zu keiner Zeit der Fall. Ich wurde immer wieder aufs neue von der Geschichte überrascht und habe die Kühnheit der Autorin sehr bewundert. Die Teerose ist der erste Teil einer Trilogie. Die beiden anderen Teile heißen Die Winterrose und Die Wildrose und sind auf alle Fälle genauso lesenswert. Jedes Buch ist einem Geschwisterteil gewidmet und erzählt dessen Lebensgeschichte. Die Handlungen spielen zu stürmischen Zeiten: Sowohl die Angst vor Jack the Ripper als auch neue Erkenntnisse in der Wissenschaft sorgen für viel Gesprächsstoff auf den Straßen Londons, wo die drei Geschwister zuhause sind. Schauplatz der Bücher sind aber unterschiedliche Länder und Kontinente. Leser bereisen mithilfe der Geschichten also die ganze Welt. Daumen hoch!