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Der Brief einer Schwester

Vor wenigen Jahren baten wir Großtante Elfriede darum, ein paar Geschichten über unseren Großvater aufzuschreiben. Wir wollten aus den gesammelten Anekdoten einen Liedtext dichten und diesen dann bei seiner runden Geburtstagsfeier zum besten geben.

Großtante Elfriede reagierte auf unsere Anfrage und setzte einen Brief auf, der so manches Abenteuer beinhaltete. Der zweiseitige Text umfasste von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter viele Etappen, die Opas Leben auf einem Stück Papier beschrieben. Und weil Papier verbrennen, zerreißen oder vergilben kann, möchte ich einige Auszüge hier festhalten:

„Wilhelm ist damals im Alter von drei Jahren alleine mit dem Zug nach Berlin gefahren. Die Mutter war mit ihm zu Bekannten gegangen und er hatte im Garten warten müssen. Wahrscheinlich langweilte er sich und so ging er alleine in Richtung Bahnhof. Da er noch so klein war, folgte er einfach den Erwachsenen durch die Sperre ins Abteil.“

„Jeden Tag spielte Wilhelm mit anderen Kindern Beruf. Mal war er Dachdecker, mal Schornsteinfeger und mal kletterte er deshalb sogar auf das Dach hinauf. Die Nachbarn bekamen jedes Mal einen Schrecken.“

„Nach dem Krieg sangen Wilhelm und ich zusammen in einem Chor. Dort lernten wir viele neue Menschen kennen und verbrachten lustige Abende gemeinsam. Wilhelm hätte auch heute noch das Talent dazu, allerdings weigert er sich, noch einmal vor Publikum aufzutreten.“

„Nachdem Wilhelm eine Anstellung in einer Schreinerei fand, traf er seine große Liebe und wurde in der Nähe von Erlangen sesshaft. Unsere Familie hatte schon damals gute Beziehungen zum Bürgermeister, weshalb sich Wilhelm später auch in der Politik engagierte. Ich höre ihm immer gerne zu, wenn er von damals erzählt.“

„Einen Bruder zu haben ist das schönste auf der Welt. Denn man hat immer einen Verbündeten, mit dem man alles gemeinsam machen kann. Gemeinsam die Hausaufgaben verweigern, gemeinsam im Verein tätig sein und gemeinsam Geburtstag feiern.“

Die Erzählung beruht auf wahren Begebenheiten, wurde aber für den Blogbeitrag inhaltlich leicht abgeändert.

Die Teerose

Die Teerose hat mir sehr gut geschmeckt
(unbezahlte Werbung)

Meine erste Buchempfehlung auf ichlesedas.de liegt mir besonders am Herzen. Denn die Teerose, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, hat eigentlich alles was ein gutes Buch haben muss. Eine mittellose Protagonistin, die sich von niemandem etwas sagen lässt und schließlich zur Großunternehmerin wird. Eine Verliebtheit, bei der es kein happy End gibt. Eine Freundschaft, die stärker ist als alles andere. Und eine Geschichte, die zu Tränen rührt.

Ich muss sagen, dass ich überhaupt kein Fan von vorhersehbaren Geschichten bin. Wenn ich am Anfang des Buchs schon das Ende vorhersehen kann *gähn*. Das war bei der Teerose glücklicherweise zu keiner Zeit der Fall. Ich wurde immer wieder aufs neue von der Geschichte überrascht und habe die Kühnheit der Autorin sehr bewundert. Die Teerose ist der erste Teil einer Trilogie. Die beiden anderen Teile heißen die Winterrose und die Wildrose und sind auf alle Fälle genauso lesenswert. Jedes Buch ist einem Geschwisterteil gewidmet und erzählt dessen Lebensgeschichte. Die Handlungen spielen zu stürmischen Zeiten: Sowohl die Angst vor Jack the Ripper als auch neue Erkenntnisse in der Wissenschaft sorgen für viel Gesprächsstoff auf den Straßen Londons, wo die drei Geschwister zuhause sind. Schauplatz der Bücher sind aber mehrere Länder und Kontinente; Leser bereisen mithilfe der Geschichten also die ganze Welt. Daumen hoch!

ichlesedas und was liest du?


Damit ihr in Zukunft auch büchermäßig nicht unterversorgt seid, werde ich hier regelmäßig verschiedene Buchempfehlungen posten. Aktuell liegen haufenweise ungelesene Bücher auf meinem Schreibtisch, die ich nach der aktuellen Prüfungszeit sofort in Angriff nehmen werde! Auf der Warteliste stehen mitunter Krimis und vor allem historische Romane. Ich bin gespannt und werde euch berichten.

Super schönes Serienwetter!

Na? Immer noch kalt draußen? Immer noch Prüfungszeit? Für alle, die lieber eingekuschelt auf dem Sofa sitzen anstatt zu lernen oder außen durch den Matsch zu laufen, habe ich ein paar tolle Serienempfehlungen vorbereitet. Damit aber auch wirklich keiner zu kurz kommt, stelle ich euch Serien verschiedener Plattformen vor.

Netflix: Der Mord an Gianni Versace

Fangen wir mal gleich mit Netflix an, denn ich denke, dass die meisten von euch hier ihre Serien suchten. Pardon, anschauen. Seit wenigen Tagen ist auf Netflix die zweite Staffel von American Crime Story online. Aber keine Panik, die einzelnen Staffeln der Serie haben eine in sich abgeschlossene Handlung, weshalb ihr die erste also nicht kennen müsst. In der aktuellen Staffel wird der Mord am Star-Designer Gianni Versace nachgestellt. Dieser wurde in den 1990er Jahren vor seiner protzigen Villa in Miami Beach urplötzlich von einem Unbekannten erschossen. Die Hauptrolle hat Versace in der Serie allerdings nicht inne. Dafür aber sein Mörder, ein gewisser Andrew Cunanan, der sich in der Schwulenszene des modernen Amerika einen Namen gemacht hat und neben Versace noch andere Männer auf dem Gewissen hat. Andrews Welt wird dominiert von teuren Klamotten, schicken Autos und eiskaltem Hass. Eine glamouröse Mordserie.

Sky: Sharp Objects

Mit einer Mordserie machen wir gleich weiter, diese ist aber alles andere als elegant. In der Serie Sharp Objects verschwinden im verschlafenen Wind Gap (Missouri) nacheinander zwei junge Mädchen. Die forsche Journalistin Camille, die in Wind Gap ihre Kindheit verbracht hat, wird von ihrem Chef dorthin geschickt, um über die mysteriösen Umstände zu berichten. Camille ist allerdings nicht besonders begeistert, da sie keine wirklich schönen Erinnerungen an ihre Kindheit hat. Dennoch macht sie sich auf den Weg in ihre Heimatstadt. Dort trifft sie auf ihre Mutter. Diese ist eine melancholische Frau im mittleren Alter, die außer ihrem altehrwürdigen Haus und ihrer jüngsten Tochter Amma keinen Sinn im Leben zu haben scheint. Im Laufe der Recherchen kommen immer mehr Grausamkeiten ans Licht. Eine Thriller-Serie, die sowohl Mitleid als auch Entsetzen auslöst.

Amazon Prime: Goliath

Meine letzte Empfehlung ist keine wirkliche Neuerscheinung. Goliath gibt es schon seit 2016 und mittlerweile sind bereits zwei Staffeln erschienen. Dennoch möchte ich euch die Serie vorstellen. Billy McBride ist ein alter und versoffener Kerl, der die beste Zeit seines Lebens bereits hinter sich hat. In seiner Vergangenheit war er ein angesehener Anwalt, jetzt allerdings haust er in einem schäbigen Motel an der Küste Kaliforniens und vertreibt sich die Zeit in einer Kneipe. Zu seiner Überraschung wird er von der gutaussehenden Strafanwältin „Patty“ darum gebeten, ihm bei einer Zivilklage gegen seine frühere Kanzlei zu unterstützen, die eine große Rüstungsfirma vertritt und einen Mord vertuschen will. Billy hat zwar zunächst keine Lust, lässt sich aber auf einen Deal mit Patty ein, da er eigentlich nichts zu verlieren hat. Die Serie hat ihren Namen sicherlich von dem biblischen Showdown zwischen David und Goliath. Ein Alkoholiker und eine Blondine: Haben die beiden überhaupt eine Chance vor Gericht? Eine etwas außergewöhnlichere Anwaltserie.

Also los geht’s! Schnappt euch eine heiße Tasse Kakao, eure Lieblings-Decke und dann ab auf’s Sofa. Und wenn ihr jetzt maßlos enttäuscht seid, weil ihr schon alle Serien gesehen habt, dann solltet ihr vielleicht doch mal an die frische Luft. Mich eingeschlossen.

Wann geht uns ein Licht auf?

Wer von euch kennt Greta? Die 16-Jährige Klimaaktivistin mit Asperger-Syndrom und den zwei geflochtenen Zöpfen? Das Mädchen dessen Video um die Welt geht? Das sich vor verschlafene Regierungsmitglieder verschiedener Länder stellt und versucht sie wachzurütteln? Genau die! Und über die reden wir jetzt. Greta Thunberg hat beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos folgendes gesagt:

Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Dass ihr so handelt als würde euer Haus in Flammen stehen, denn das tut es.

Greta THunberg (VIdeo)

In einem weiteren Interview sagt Greta etwas, das mich fast sprachlos gemacht hat:

Wir müssen erkennen, dass wir in einer akuten Krise stecken. Und in einer Krise handelt und denkt man anders, als man es normalerweise tun würde.

GReta Thunberg (VIDEO)

Und damit trifft Greta den Nagel auf den Kopf. Denn wir Menschen ziehen uns regelmäßig irgendwelche apokalyptischen Blockbuster rein, angefangen bei „I am Legend“ bis hin zu „Bird Box“, und essen dabei unsere Tüte Chips mit einer Seelenruhe, als wären solche Weltuntergangs-Szenarien nur ausgedacht. Nein. Wir befinden uns bereits in so einem Szenario. In einer Krise. Und es ist dieselbe Krise wie im Film. Nur wir checken es einfach nicht. Wir merken es nicht. Wir sehen es nicht. 

Es muss erst ein Teenager um die Ecke kommen, damit wir das verstehen. Wir Menschen haben über die Jahre erstklassiges Wissen über unsere Umwelt gesammelt und dennoch tun wir nichts, um sie zu schützen. Es siegt dann das Zwei-Euro-Fleisch aus dem Discounter. Aber wenn wir wirklich so weitermachen wollen, wenn wir dieses Leben wirklich leben wollen, dann müssen wir uns der Konsequenzen bewusst sein. Wir werden immer mehr Menschen und Ressourcen werden gleichzeitig immer knapper. Haben wir überhaupt noch ein Recht auf diesen wahnsinnigen Konsum?

Ich bin wirklich keine Heilige, auch ich habe meine Klimasünden. Ich fliege alle zwei Jahre in den Urlaub und ich habe ein Auto, das ich auch regelmäßig benutze. Aber ich bin dennoch immer darum bemüht, wenigstens bei den kleinen Dingen im Alltag etwas klimabewusster zu werden. Ich verzichte weitgehend auf Plastik und versuche mein Obst und Gemüse immer regional zu kaufen. Ich kaufe mir keine 45 Cent Milch, sondern gebe dafür gerne mehr Geld aus. 

Ich bin teilweise schockiert, wenn ich sehe was so manche Menschen täglich einkaufen. Abgesehen davon, dass das meiste Zeug wahnsinnig ungesund ist, ist es vor allem doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt. Da frage ich mich: muss das wirklich sein? Ich will hier niemanden angreifen und es ist auch nicht meine Absicht euch zu sagen, wie ihr euer Leben führen sollt. Aber bitte, wenn ihr euch jetzt angesprochen fühlt, dann denkt mal darüber nach warum. Habt gerne ein schlechtes Gewissen.

Und wer glaubt, er könne mit seinem Einkauf sowieso nichts bewirken, denn es seien allein die Produzenten, die sich ändern müssten, den möchte ich kurz aufklären. Denn das Angebot im Supermarkt und darüber hinaus (Autobranche, Stromanbieter etc.) wird durch die Nachfrage der Konsumenten bestimmt. Anbieter richten ihre Produkte an unseren Bedürfnissen aus, um den Absatz zu maximieren. Wenn wir aber verweigern, weiterhin in Plastik gepackte Gurken zu kaufen, dann werden sie auf kurz oder lang aus den Läden verschwinden. Wir Konsumenten haben nämlich mehr Macht, als wir es uns selbst zutrauen. Um es mit Gretas Worten zu sagen: „You are never too small to make a difference“.

Der Junge mit dem Zuckerherz

Wenn man verliebt ist, dann pocht das Herz. Und man bekommt schwitzige Hände und sagt dumme Sachen. Diese Dinge hatte Valentin in einer Zeitschrift für Erwachsene gelesen, welche seine Schwester heimlich unterm Bett aufbewahrte.

Valentin setzte sich auf seinen Schreibtischstuhl und machte eine Liste. Valentin machte immer Listen, denn das hatte er von seinem Opa gelernt. Mit dem Lineal zeichnete er gerade Linien auf das Papier, bis aus den einzelnen Bleistiftstrichen eine Tabelle wurde. Dann trug er alle Merkmale verliebter Menschen darin ein und überprüfte, ob sie auf ihn zutrafen.

Das pochende Herz und die schweißnassen Hände konnte er abhaken. Bei den dummen Sachen, die Verliebte von sich gaben, war er sich nicht so sicher. Denn er überlegte immer ganz genau, bevor er etwas sagte. Das war bei Jule nicht anders. Er war zwar unsterblich in sie verliebt, aber das ließ ihn ja noch lange nicht dumm werden. So was geht ja auch gar nicht, dachte er sich. Entweder man ist immer dumm, oder man ist es eben nicht.

Insgesamt vier der fünf Merkmale der Verliebtheit konnte Valentin abhaken. Dennoch war er nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, denn es war ja schließlich nicht ganz eindeutig. Trotzdem beschloss er, für Jule in den Laden zu fahren und Süßkram in Herzform sowie eine schöne rote Blume zu kaufen. Denn das sollten Verliebte laut der Zeitschrift tun, um dem Gegenüber ihre Zuneigung deutlich zu machen.

Nutzen Sie den Valentinstag als gute Gelegenheit und überraschen Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin mit kleinen Geschenken. So zeigen Sie Ihre romantische Seite und können von sich überzeugen.

Diese Passage aus der Zeitschrift hatte Valentin auswendig gelernt, denn sie war mit Abstand die wichtigste. Da Valentin nie unvorbereitet aus dem Haus ging, steckte er vorsichtshalber eine weitere Liste ein, um die Einzelheiten von Jules Reaktion dokumentieren zu können. Außerdem hatte Valentin bereits sichergestellt, dass die Eltern seiner Auserwählten nicht daheim sein würden. Er wusste, dass die beiden nie vor zwei Uhr Nachmittags die Backstube verließen. Das hatte er beobachtet. Allerdings musste er sich beeilen, denn er hatte nicht mehr viel Zeit. Der Zeiger hatte die Eins bereits überschritten.

Bei ihr angekommen, stellte er sein blaues Fahrrad im tiefen Schnee ab und bereitete alles für das Zusammentreffen vor. Jule wusste zwar nicht, dass er sie besuchen wollte, aber das würde die Überraschung ja umso größer machen. Gerade als Valentin auf die Haustüre zugehen wollte, sah er Jule hinter dem Küchenfenster stehen. Aber sie war nicht alleine, denn sie schien sich mit jemandem zu unterhalten. Das ist bestimmt nur ihre Muttersie muss wohl heute früher nach Hause gekommen sein. Das war Valentins erster Gedanke. Er wusste genau, dass Mütter besser nicht bei einer Liebeserklärung dabei sein sollten. Wenn er Jule später heiraten würde, hätte er ja noch genug Zeit ihre Mutter kennenzulernen.

Leise schlich er sich also hinter einen großen Baum und beschloss, das Mädchen zunächst vorsichtig durch das Küchenfenster zu beobachten. Vielleicht musste ihre Mutter ja nochmal los. Einkaufen? Da die Möglichkeit bestand, entschied sich Valentin noch etwas abzuwarten. Zwar war ihm in seiner dünnen Jacke ein wenig kalt, aber das war es ihm wert. Was tut man nicht alles für die Liebe?

Das Warten sollte allerdings nicht von langer Dauer sein, denn Valentin sah Jule wenige Minuten später lachend aus der Haustüre treten. Wie Valentin richtig vermutet hatte, folgte ihr einige Sekunden später jemand über die Schwelle. Es aber nicht Jules Mutter, die dort mit ihr nach außen ging. Es war ein Junge, etwa in Valentins Alter. Die beiden hatten viel zu scherzen und schienen sich gut zu verstehen. Gerade als Valentin zu den beiden hingehen wollte, machte ihm der fremde Junge einen Strich durch die Rechnung. Denn er holte Süßkram in Herzform und eine rote Rose aus seiner Tasche und überreichte beides dem überraschten Mädchen.

Valentin brauchte keine Liste, um Jules Reaktion richtig schlussfolgern zu können. Sie war an dem Jungen interessiert, das war mehr als eindeutig. Also warf er seine beiden Papierfetzen in den Schnee und schwang sich auf sein altes Fahrrad. Wütend trat Valentin in die Pedale und redete sich ein, gar nicht in Jule verliebt zu sein. Der letzte Punkt auf seiner Liste hatte ja sowieso von Anfang an gefehlt.

Wir müssen reden!

Wir müssen über Feminismus reden! Dringend. Denn wir haben unendlich viele Gründe dazu. Und genau diejenigen, die spätestens in dieser Sekunde mit den Augen rollen oder keine Lust mehr haben weiterzulesen, sollten jetzt ganz aufmerksam sein. Und wer nicht genau weiß, was denn so alles unter dem Begriff Feminismus verstanden wird, hier eine Definition:

Feminismus ist ein Oberbegriff für gesellschaftliche, politische und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die, basierend auf der kritischen Analyse von Geschlechterordnungen, für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen sowie gegen Sexismus eintreten und diese Ziele durch entsprechende Maßnahmen umzusetzen versuchen. (Quelle: Wikipedia)

Warum das alles?

Wir leben doch in einer modernen Gesellschaft, in der es den Frauen an nichts fehlt? Frauen werden hier gut behandelt und dürfen studieren gehen und wählen dürfen sie sowieso. Feministen wollen stattdessen durchsetzen, dass Frauen überrepräsentiert werden und das ist ungerecht den Männern gegenüber. Außerdem ist der Feminismus eine „männerhassende Bewegung“. Genau so argumentieren Menschen im Internet, die sich klar gegen feministische Ströme aussprechen. Vielleicht mag auf den ersten Blick wahr sein was sie sagen. Aber schauen wir doch einmal genauer hin, ob solche Argumentationen auch auf den zweiten Blick Bestand haben.

Frauen werden gut behandelt

Richtet man den Blick auf andere Kulturen, jenseits der westlichen und modernen Welt, findet man schnell Grausamkeit, wenn man sich mit der Behandlung junger Frauen und Mädchen auseinandersetzt. Ehen im Kindesalter, Beschneidungen und brutale Gruppenvergewaltigungen… Die Liste ist lang. Dennoch dürfen wir nicht anfangen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dadurch, dass wir in einer zivilisierten Gesellschaft leben, sind solche Dinge natürlich undenkbar und kommen in unserer Kultur glücklicherweise (so gut wie) nicht vor.

Dennoch werden Frauen täglich in unserer Gesellschaft als Sexobjekt dargestellt und schlechter behandelt als Männer. Frag doch mal deine Freundinnen, ob ihnen schon mal jemand ungefragt an den Hintern gefasst hat? Vielleicht lachst du darüber, aber die Sache ist ernster als du denkst. Ich möchte nicht ständig von fremden Männern angefasst werden. Dennoch passiert das andauernd. Und schau dich doch mal um, wenn du das nächste Mal zum Amt o.Ä. gehst. Hast du da schon jemals einen Flyer gesehen, für Männer die Opfer von häuslicher Gewalt wurden? Ein Männerhaus? Ich persönlich noch nicht. Aber schau doch mal einen Tatort oder einen anderen beliebigen Krimi im TV an und sag mir, wie oft dort eine Frau gespielt wird, die Opfer ihres handgreiflichen Ehemanns wurde? Oft. Und oft werden solche asymmetrischen Beziehungen zwischen Mann und Frau im Fernsehen auch noch romantisiert. Das beginnt teilweise schon bei Kinderfilmen, wie beispielsweise die Schöne und das Biest.

Hier möchte ich gleich sagen, dass Feminismus bedeutet, dass es genauso ein Gesprächsthema sein muss, wenn Männer von ihren Frauen geschlagen werden. Auch Frauen können aggressiv und handgreiflich sein. Das ist keine Verhaltensweise, die nur Männer an den Tag legen! Dennoch passiert häufiger der umgekehrte Fall. Ich bin zwar kein Psychologe, der die Neigung zu aggressivem Verhalten vorhersagen kann, aber ich glaube nicht, dass Männer grundsätzlich gewaltbereiter oder böser sind als Frauen. Frauen sind nur häufiger unterwürfiger und lassen sich das gefallen, meiner Meinung nach. Weil sie leider oft sowohl psychisch als auch finanziell von ihren Männern abhängig sind und sich nicht trauen, eigene Stärke zu zeigen.

Frauen dürfen Karriere machen und wählen gehen

Ja. Das dürfen sie durchaus. Laut Grundgesetz (Art. 3 Abs. II) darf kein Mensch aufgrund seines Geschlechts besser oder schlechter gestellt werden als ein anderer Mensch. Das heißt im Klartext, dass eine Frau beim Bewerbungsprozess die gleiche Chance bekommen muss, wie ein männlicher Kandidat. Und dass Frauen das gleiche Gehalt bekommen müssten, wie ihre männlichen Arbeitskollegen. Dass dies aber nicht der Fall ist, ist ein offenes Geheimnis. 

Ein weiteres offenes Geheimnis ist, dass Frauen seltener in Führungspositionen arbeiten als ihre männlichen Kollegen. Ihr glaubt das nicht? Dann schaut doch mal in euer berufliches Umfeld und denkt über das Verhältnis von Frauen und Männern nach, die eine wichtige Rolle bei Entscheidungsfindungen einnehmen. Ihr glaubt es immer noch nicht? Dann schaut doch mal auf RTL „Undercover Boss“ an und sagt mir, wie oft da eine Frau als Chef teilnimmt? Ich denke ich schätze nicht schlecht, wenn ich behaupte, dass die Quote in diesem Fall gegen null geht.

Frauen sollen durch z.B. die Frauenquote überrepräsentiert werden

Die Angst, Frauen würden nur eingestellt werden, um die Quote zu erfüllen und Männern würde man dann die Chance auf den Job verwehren, setze ich gerne auf die Liste der Ammenmärchen. Denn nur weil Frauen stärker werden, heißt das nicht automatisch, dass Männer schwächer werden. Frauen müssen aber generell mehr gefördert werden als Männer. Aber nicht in dem was sie tun oder nicht tun, sondern sie müssen darin gefördert werden, mehr an sich selbst zu glauben. Jede Frau wird sich an einem gewissen Punkt in ihrem Leben überlegen, ob sie sich lieber für Kind oder Karriere entscheiden will. Aber warum denn eigentlich, in Gottesnamen? Männer müssen sich doch auch nicht entscheiden! Dennoch sind Männer auch Eltern und damit genauso in der Pflicht, die Kinderbetreuung aktiv mitzugestalten und zu organisieren.

Darüber hinaus bekommen wir, und das gilt für Jungen genauso wie für Mädchen, in der Kindheit genau vorgeschrieben, wie wir uns entsprechend unseres Geschlechts zu verhalten haben. Mädchen tragen rosa Kleidchen, gehen zum Tanzen und sehen hübsch aus. Jungen hingegen sind die Entdecker, die schlauen Kerlchen und die Fußballspieler. Deswegen entwickeln wir im Laufe unserer Sozialisation feste Rollenbilder. Und die sind so fest, dass sie zu brechen schon fast lächerlich erscheint. Aber warum eigentlich? Wer hat das festgelegt? Ein Mädchen kann genauso gut Autos mögen und Physik studieren. Genauso wie ein Junge tanzen darf oder später Erzieher wird oder Design studiert. Denn dass Jungen und Mädchen gleich schlau sind, weiß doch hoffentlich jeder. Dennoch kenne ich unendlich viele Namen männlicher Wissenschaftler (sowohl aktuelle als auch historische), kaum aber den Namen einer Wissenschaftlerin. Und um nochmal auf die Kulturen jenseits der westlichen Welt zurückzukommen: wie sollen denn dort Frauen in der Öffentlichkeit ernstgenommen werden, wenn das nicht mal bei uns richtig funktioniert? Wir sollten in dieser Hinsicht ein Vorbild werden.

Feminismus ist eine männerhassende Bewegung

Dieser Abschnitt ist mir besonders wichtig, weil ich klarstellen will, dass unter Gleichheit verstanden wird, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Frauen, Männer, diverse Menschen. Alle. Auch du!

Feministinnen und Feministen hassen Männer nicht, im Gegenteil: sie machen sich stark dafür, dass Männer auch sensibel sein dürfen oder Schminke tragen dürfen oder auch nur ein rosa Hemd, ohne ausgelacht und als Tunte oder Schwächling bezeichnet zu werden. Wir wollen, dass die Persönlichkeit eines jeden Menschen im Mittelpunkt steht. Nicht das Geschlecht, das Aussehen und auch nicht die sexuelle Orientierung. Wir wollen, dass alle Menschen lieb zu einander sind. Ergo: Jeder, der für Gleichberechtigung eintritt, ist Feminist oder Feministin. Und, oh Wunder, das kostet uns sogar keinen einzigen Cent. #bittedanke


Du bist kostbar

Du selbst, genauso wie jeder andere im ganzen Universum, verdienst deine Liebe und Zuneigung
(Buddha)

Vergrabe mich unter deiner unendlichen Weisheit und deinen schönen Zähnen, die du so liebevoll und ordentlich putzt als wären Sie ein kostbarer Lackschuh aus einem vornehmen Laden, der nur an Helden verkauft. Zeig mir verstohlene Orte, die außer dir noch kein Lebender gesehen hat. Zu denen du hingehst, wenn du einsam bist und zu viele Filme darüber gesehen hast, was Liebe ist.

Beerdige mich in deinen alten Sachen und deinen neuen Vorhängen, die so weich sind und gründlich als wäre sie kostbare Seide aus einem fernen Land, in dem nur Reiche leben. Zeig mir kleine Wohnzimmer, in denen außer uns noch kein Mensch gelebt hat. In denen wir wohnen, wenn wir einander brauchen und zu oft darüber nachgedacht haben, was Liebe ist.

Ersticke mich mit deinen schmutzigen T-Shirts und deinen blauen Nachthemden, die du immer so sorgsam zusammenfaltest als wären Sie ein kostbares Kostüm aus einer anderen Welt, die nur Romantiker hereinlässt. Zeig mir fremde Träume, die außer dir noch keiner geträumt hat. Zu denen du hingehst, wenn du an mich denkst und wissen willst, was Liebe ist.

Quarzgraue Innenwände

Die Menschen sind unsicher und verzweifelt, weil sie keine kryptischen Klebezettel haben mit möglichen Ausgängen aus den zahllosen Aufgaben und den ungeplanten Abgabeterminen, die sie sich selbst überlegt haben. Es ist dieselbe anspruchslose und graue Beschäftigung, die sie morgens zu früh aufwachen und abends zu spät einschlafen lässt. Sie haben immer zu viel davon und bilden sich ein, dass man ihnen die Arbeit einreden will, als wäre sie eine olympische Goldmedaille. Dabei haben sie schon fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Außer der echten Zufriedenheit, die sie in anderen suchen, aber niemals in sich selbst.

Sie rennen mit ihren telegrauen Kopfhörern durch die verkehrsgrauen Bahnhofshallen und versuchen den Zug zu erwischen, der sie in ein glücklicheres Leben transportiert. Wo es endlose all-you-can-eat Buffets gibt und keine Uhren. Aber sie steigen niemals ein, sondern essen das $12 Bio-Butterbrot aus irgendeinem Hinterhof-Laden und trinken den doppelten Espresso mit zu viel Süßstoff, den sie aufgrund ihrer Schlaflosigkeit sowieso nicht hätten kaufen sollen. Sie fahren jeden Tag mit der gleichen Bahn in das gleiche graue Gebäude und hoffen, dass sich der Boden auftut und ein Lachen herauskommt.

Aber anstatt sich hinzusetzen und sich daran zu erinnern, wer sie wirklich sind, suchen sie in alten Kisten nach khakigrauem Plakatpapier, weil sie denken, dass sie all ihre Probleme mit einer Mindmap lösen können. Dabei ist die Wahrheit direkt vor ihnen, hinter den ganzen Fenstern, die sie verdunkeln, damit niemals Sonne auf den Bildschirm scheint, weil sie sonst die duzend Stapel Arbeit nicht mehr sehen können. Stattdessen starren sie auf quarzgraue Innenwände, die genauso leer sind wie ihre Herzen.

Er hatte Recht, als er damals behauptete, dass man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist. Aber diese Oberfläche sieht nicht aus wie die Salonmöbel aus den Sommerferien. Denn sie haben sich nicht darum bemüht, diese Oberfläche mit einem Stoff zu überziehen. Sondern sie haben sie leer gelassen, damit sie das Grau wiedererkennen. Denn sie kennen dafür unendliche Namen, aber für Grün kennen sie keinen einzigen.

Von schlechten Vorsätzen

Es ist Dienstag. Der erste Dienstag im neuen Jahr, denn gestern war Silvester. Ich habe lange gefeiert und bin erst vor wenigen Stunden mit leichten Kopfschmerzen nach Hause gekommen. Vielleicht hätte ich ein oder zwei Gläser Wein weniger trinken sollen, aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Der komplette Tag ist so gut wie verschwendet und ich werde wohl nichts weiter tun als die halbe Discounter-Lasagne von September aufzutauen, um wenigstens  eine Kleinigkeit zu essen.  Dass ich nicht gerade gut in das neue Jahr gekommen bin, ist kein besonders großes Geheimnis. Ich war ohne Begleitung auf der Feier von irgendeinem Bekannten meiner Cousine. Mitten in einer Menge von bedeutungslosen Personen, die bedeutungsloses Zeug geredet haben und spät Nachts bedeutungslosen Sex hatten. Und ich hab mir ein Glas Wein nach dem anderen reingeschüttet, um die Einsamkeit wenigstens ein bisschen zu ertragen. Aber immerhin hatte ich mein Handy dabei und konnte online mitverfolgen, wie andere Leute aus meinem Semester richtigen – also echten – Spaß hatten.

Ein schrilles Klingeln reist mich aus meinen Gedanken. War das schon der Ofen? Ich bin mir nicht sicher, denn ich habe das Geräusch noch nicht so oft gehört. Da das Gedröhne immer penetranter wird und nicht mehr aufhören will, fange ich an mein Schlafzimmer in allen Ecken zu durchsuchen. Was könnte das sein? Als ich gerade dabei bin, auf meinem Nachttisch nachzusehen, entdecke ich die Ursache meiner inzwischen mittelstarken Kopfschmerzen: Mein Handy. Ich muss wohl gestern beschwipst meinen Klingelton geändert haben, denn diese seltsam nervige Feuerwehrsirene hätte ich im nüchternen Zustand sicher nicht eingestellt. Ich erinnere mich allerdings wieder daran, dass ich vorhin das Handy versteckt habe, um nicht mit dem seltsamen Typen schreiben zu müssen, dem ich gestern meine Nummer gegeben hatte. Da ich allerdings den Namen meiner Cousine auf dem Display lese,  nehme ich den Anruf an.

„Hi, bist du wieder nüchtern? Hör mal zu, ich hab Neuigkeiten: Die Tante Rosie macht jetzt Yoga. Und die Lotte hat auch schon gesagt, dass sie ab nächster Woche abnehmen will und nur noch Vollkornnudeln kocht, weil die genauso satt machen und auch ganz bestimmt genauso gut schmecken wie die normalen Nudeln, also du weißt schon die mit Weizen halt, aber die sind auf jeden Fall gesünder!“, erzählt mir meine Cousine am Telefon in einer Schnelligkeit, als hätte sie noch nie etwas von der sogenannten Atmung gehört. Da ich keine Lust habe, mir auch noch anzuhören was der Rest der Verwandtschaft in diesem Jahr alles besser machen will, verabschiede ich mich mit einem kurzen Tschüss und lege auf.

„Pah, Vollkornnudeln. Das einzige, auf das ich dieses Jahr verzichten werde, ist mein verdammtes Telefon!“, sage ich aus Spaß zu meinem Kater und werfe das Smartphone auf mein Boxspringbett. Obwohl ich das eigentlich überhaupt nicht ernst gemeint habe, gefällt mir der Gedanke irgendwie. Denn egal ob der bedeutungslose Flirt von gestern oder eben meine Cousine: Sie alle haben meine Handynummer und damit die ultimative Möglichkeit, mich rund um die Uhr zu nerven. Denn ich bin so süchtig nach dem Teil, dass ich es kaum aus der Hand legen kann. „Was meinst du, Apollo? Ist das eine gute Idee, mein Handy einfach mal für ein Jahr lang auszulassen?“, will ich von ihm wissen. Ein leises Miau genügt und ich habe meine Antwort. Entschlossen nehme ich also mein Handy und gehe damit auf den Speicher. Ein letzter Post, ein letzter Hinweis an Freunde und Verwandte und schon wird das Ding für die nächsten 365 Tage in irgendeiner Kiste verschwinden. Also schreibe ich:

Handy ab sofort aus. Zeit wird künftig sinnvoller investiert!

Es dauert keine zwei Minuten, schon erscheinen etliche Kommentare und Nachrichten auf meinem Display:

Hat die Telekom wieder was verbockt? 

Freut mich, dass du endlich schwanger bist! 

Oh, machst du jetzt doch die Weltreise?

Ich bin über die Nachrichten so verärgert, dass ich mich in meinem Entschluss noch einmal bestärkt fühle. Unglaublich, dass es mittlerweile so unnormal ist, wenn jemand einfach mal das Handy ausmacht. Also: Weg mit dem Ding!

Einen Monat später sitze ich in der Küche und habe Langeweile. Der letzte Teil meiner Krimiserie ist zu Ende gelesen, meine Cousine hat kurzfristig abgesagt, im TV läuft nichts und –  so Gott will – ich habe immer noch kein Handy! Die ersten  drei Wochen sind eigentlich wie im Flug vergangen und ich habe mein Telefon überhaupt nicht vermisst. Im Gegenteil: Ich habe viel häufiger das Haus verlassen, um mich mit anderen zu treffen oder habe den Nachmittag alleine mit Lesen zugebracht. Jetzt allerdings sitze ich hier und weiß nichts mit mir anzufangen. Als Kind hätte ich mit Sicherheit irgendeine Beschäftigung gefunden. Jetzt, als erwachsene Frau, bin ich mit der Langeweile komplett überfordert. Dennoch bin ich fest entschlossen, das Projekt „handylos“ weiterhin durchzuziehen und mich auf wichtigere Dinge zu fokussieren. In den Urlaub fahren zum Beispiel. Denn seit ich kaum noch die Urlaubsbilder meiner Freunde sehen kann, zieht es mich umso mehr in die Ferne. Im alten Jahr war ich von jedem Gardasee „Schnappschuss“ und jeder Außenansicht des Hamburger Michels genervt. Jetzt vermisse ich es.

Weitere zwei Monate später ist das erste Quartal des neuen Jahres schon wieder vorbei und mein Smartphone längst in Vergessenheit geraten. Mittlerweile habe ich sogar aufgehört über den Verlust (falls man das so nennen kann) nachzudenken und angefangen mein handyfreies Leben zu genießen. Ich verabrede mich deshalb spontan mit meiner Cousine in einer Bar. Wir setzen uns an den Tresen, bestellen zwei Flaschen Bier und besprechen, wo wir im Herbst Urlaub machen wollen. Dass ich gerne nach Kuba möchte und sie lieber nach Schweden, macht die Sache nicht gerade einfach, aber immerhin scheint uns der Gesprächsstoff nicht auszugehen. „Die Lotte war auch schon in Schweden und die hat gesagt, dass es da voll schön ist und ich glaub ihr das, weil die schon an voll vielen Orten war.“, versucht sie mich zu überzeugen. Doch ich habe mitten im Satz aufgehört zuzuhören, da etwas anderes meine Aufmerksamkeit beansprucht. Ein junger Mann kommt schnurstracks auf mich zu und wendet keine Sekunde lang den Blick von mir ab. Ich werde ganz aufgeregt, denn mich hat schon lange kein Mann mehr angesprochen. Und schon gar kein so gut aussehender wie dieser! Meistens wurde ich auf Tinder oder irgendeiner anderen bescheuerten Plattform geschmacklos angebaggert. Wie gut, dass ich mich Anfang des Jahres gegen mein Smartphone entschieden habe! Ich streiche mir nervös durch das Haar und setze mich aufrecht hin, da der Fremde mittlerweile neben mir Platz genommen hat. Er lächelt mich charmant an, macht mir ein Kompliment zu meiner Frisur und fragt schließlich: „Bekomme ich deine Handynummer?“