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Schwangerschaft und Geburt in Zeiten der Corona-Krise

Die Schwangerschaft sollte für werdende Mütter eigentlich eine schöne Zeit sein. Entspannt für das Baby einkaufen, einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen und schließlich gemeinsam mit dem Partner die Entbindung erleben. Was aber, wenn das alles nicht mehr geht? Das neuartige Corona-Virus stellt besonders Schwangere vor viele Herausforderungen. Und Ängste.

Zukunftssorgen und Geburt ohne Partner

Zwar gehören gesunde Schwangere nicht zur Risikogruppe, dennoch gibt es einige Themen, die werdende Mütter in Zeiten von Covid-19 plagen. Denn manche Kliniken verbieten es den werdenden Vätern, bei der Entbindung ihrer Kinder dabei zu sein. Zu groß sei die Gefahr der Ansteckung im Kreißsaal. Auch auf den Wochenstationen ist deutschlandweit derzeit kein oder kaum Besuch gestattet. Doch damit nicht genug. Auch Geburtsvorbereitungs- oder Stillkurse dürfen nicht mehr stattfinden, da Mindestabstände nicht eingehalten werden können und auch hier die Gefahr einer Übertragung des Virus zu hoch ist. Dadurch fühlen sich viele Schwangere alleine gelassen und mit großen Sorgen konfrontiert. Hinzu kommen Ängste über die Zukunft und die Frage, in welche unberechenbare Situation die Kinder geboren werden.

So erlebe ich die Corona-Krise

In einigen Wochen werde ich mein erstes Kind zur Welt bringen. Natürlich plagen mich viele Sorgen in Hinblick auf die momentane Situation, denn eine Geburt ohne meinen Partner kann ich mir nur schwer vorstellen. Außerdem mache ich mir Gedanken darüber, welche langfristigen gesellschaftlichen Folgen die Pandemie haben wird. Stürzen wir wirtschaftlich in eine Rezession? Sind Lebensmittel auf Dauer knapp, wenn Regale ständig leergekauft werden? Ist die Zukunft meines Kindes gesichert?

Trotz aller Ängste versuche ich positiv zu bleiben. Kleine Dinge mehr wertzuschätzen. Und die guten Seiten der momentanen Ausgangsbeschränkungen anzuerkennen. Denn vor der Corona-Krise wollte ich nach der Geburt weitgehend auf Besuch im Krankenhaus verzichten. Jetzt, da mir die Entscheidung vielleicht genommen wird, bin ich traurig. Denn die Vorstellung, dass mich niemand besuchen darf und ich die ersten Tage alleine auf der Wochenstation verbringen muss, gefällt mir gar nicht. Ich freue mich außerdem wahnsinnig darauf, wenn ich wieder die Möglichkeit habe, mit Freunden und Familie zusammen zu kommen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Ein Privileg, das ich bisher für selbstverständlich gehalten habe.

Außerdem nutze ich die freie Zeit, um mich auf mein Baby und das Muttersein vorzubereiten. Ich kann in aller Ruhe Ratgeber lesen, das Kinderzimmer renovieren und Babyklamotten sortieren. Dinge, die vielleicht zu kurz kommen würden, wenn ich weiterhin täglich unterwegs wäre. Zudem gehe ich häufiger spazieren als sonst. Ein großer Vorteil, denn Bewegung tut mir und dem Baby gut.

Auch Melli erzählt von ihren Erfahrungen

In einem Interview habe ich Melli zum Thema befragt, denn sie ist derzeit ebenfalls schwanger. Wir beide haben uns während eines Geburtsvorbereitungskurses kennengelernt, der aufgrund der Corona-Pandemie leider unterbrochen werden musste. Welche Sorgen sie plagen und wie sie versucht, mit der momentanen Lage umzugehen, erfahrt ihr hier:

Stelle dich bitte kurz vor. Wie alt bist du? Hast du bereits Kinder? 

Ich heiße Melli, bin 33 Jahre alt und stolze Mama einer 2,5-jährigen Tochter.

Die momentane Corona-Krise ist besonders für Schwangere eine schwere Zeit. Plagen dich Sorgen?

Oh ja, ich habe große Sorgen. Ich gehöre der sogenannten Risikogruppe an, da ich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn) habe und noch bis Januar 2020 mit Immunsuppressiva behandelt wurde. Schon zu Beginn der Therapie hieß es, ich müsse mich besonders vor Atemwegserkrankungen schützen und ggf. sofort zum Arzt gehen, da das Risiko, dass es in eine Lungenentzündung umschwenken kann, größer sei. Die Therapie wurde jetzt nur pausiert, da zum einen mein gesundheitlicher Zustand dies zuließ und zum anderen, damit das Baby mit einem gesunden Immunsystem auf die Welt kommen kann. Dementsprechend sind meine Sorgen und Ängste recht groß, weil ich natürlich nicht einschätzen kann, wie mein Körper mit einem solchen Virus zurechtkommen würde. Man hat Angst, für seine Kinder nicht da sein zu können.

Auch mache ich mir Gedanken, wem ich mein Kind während der Geburt anvertrauen soll, da Großeltern eigentlich nicht in Frage kommen dürfen, aber alle anderen potentielle Überträger sind und uns oder mich in Gefahr bringen könnten. Jedoch finde ich die Ausgangsbeschränkungen, die Schließung der Schulen und Kitas sehr sinnvoll und sie nehmen mir etwas die Sorge, dass mein Mann (Lehrer) oder mein Kind das Virus mit nach Hause bringen könnten.

Hast du dich bei deiner Entbindungsklinik darüber informiert, ob dein Mann bei der Geburt dabei sein darf? Bist du mit deren Lösung zufrieden?

Ja, das verfolge ich natürlich recht aktiv mit. Rein rechnerisch wäre es in sechs Wochen bei mir so weit. Ich habe in meiner Klinik angerufen und nachgefragt. Noch dürfe der Vater im Kreißsaal dabei sein, wenn die Geburt losgehe und die Mutter selbst in den Kreißsaal komme. Vorher müsse man jedoch alleine bleiben. Ich wünsche mir einfach nur, dass ich eine schnelle und komplikationslose Geburt habe und nicht eingeleitet werden muss. Dann kann ich mit dieser Regelung sehr gut leben. Je nachdem, wie es mir nach der Geburt geht, spiele ich mit dem Gedanken, mich auf eigene Verantwortung früher entlassen zu lassen.

Ich finde, schwieriger ist es manchmal schon vorher, also bevor die eigentliche Geburt losgeht. Wenn ich an meine erste Geburt denke, war mein Mann, bis ich in den Kreißsaal durfte, meine größte und einzige Unterstützung. Ich wurde eingeleitet und hatte nach zehn Minuten einen regelrechten Wehensturm, sodass ich irgendwann auch meine Atmung nicht mehr kontrollieren konnte, weil mir die Pausen fehlten. Als ich endlich dann in den Kreißsaal durfte, war der Muttermund bereits 7cm geöffnet. Deshalb finde ich, dass diese Regelung nur gut ist, wenn man auch im Falle einer Einleitung, nicht alleine gelassen wird.

Außerdem hoffe ich, dass die Väter weiterhin mit im Kreißsaal bleiben dürfen. Die Vorstellung, dass man nach der Geburt des Kindes diese Freude nicht mit dem Vater teilen kann, finde ich sehr traurig. Auch erscheint mir ein Ausschluss des Vaters von der Geburt unsinnig, da, sollte der Vater wirklich Träger oder Covid-19-positiv sein, auch die Mutter davon betroffen wäre. Die Gebärende würde in so einem Fall das Klinikpersonal genauso anstecken.

Hast du Tipps für andere werdende Mamis, um in der schwierigen Zeit nicht den Mut zu verlieren?

Tatsächlich sind viele mitschwangere Mütter in meinem Umfeld gerade auch sehr besorgt. Wir bauen uns alle mit dem Gedanken auf, dass es früher gar nicht so üblich war, dass der Vater oder eine andere Person bei der Geburt dabei war. Unsere Mütter haben es auch „alleine“ geschafft. Die Hebammen unterstützen in diesem Fall noch mehr. Generell besteht ja auch keine große Gefahr für gesunde Mütter und Neugeborene. Auch müssen wir uns dankbar zeigen, dass man sich im heutigen Zeitalter über Videotelefonie trotzdem sehr nahe sein kann. Wir müssen diese Isolation ansonsten als geschenkte Zeit sehen, sich als Familie kennenzulernen (immerhin zieht ja ein neues Familienmitglied ein) und auch selbst ohne Störfaktoren in die neuen Herausforderungen hineinzuwachsen.

Ich hätte es nie geglaubt, wenn ich es selbst nicht erlebt hätte, aber der beste Ratgeber sind die eigenen mütterlichen Instinkte. Alles, was sich richtig anfühlt, ist richtig und wenn man das Gefühl hat, es stimmt etwas nicht, dann stimmt auch etwas nicht. Ansonsten wäre mein Rat allen werdenden Müttern, einfach sich und der Natur zu vertrauen. Wir Frauen sind dafür geschaffen, Mutter zu werden und alles regelt sich von alleine. Und irgendwann kommt auch wieder die Zeit, in der wir allen Freunden und Verwandten den neuen Erdenbürger stolz zeigen und in die Arme geben dürfen. Bis dahin bleiben wir in unserer kleinen, gesunden Familie und sind dankbar, dass wir alle beisammen sein dürfen.

Wann geht uns ein Licht auf?

Wer von euch kennt Greta? Die 16-Jährige Klimaaktivistin mit Asperger-Syndrom und den zwei geflochtenen Zöpfen? Das Mädchen dessen Video um die Welt geht? Das sich vor verschlafene Regierungsmitglieder verschiedener Länder stellt und versucht sie wachzurütteln? Genau die! Und über die reden wir jetzt. Greta Thunberg hat beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos folgendes gesagt:

Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Dass ihr so handelt als würde euer Haus in Flammen stehen, denn das tut es.

Greta THunberg (VIdeo)

In einem weiteren Interview sagt Greta etwas, das mich fast sprachlos gemacht hat:

Wir müssen erkennen, dass wir in einer akuten Krise stecken. Und in einer Krise handelt und denkt man anders, als man es normalerweise tun würde.

GReta Thunberg (VIDEO)

Und damit trifft Greta den Nagel auf den Kopf. Denn wir Menschen ziehen uns regelmäßig irgendwelche apokalyptischen Blockbuster rein, angefangen bei „I am Legend“ bis hin zu „Bird Box“, und essen dabei unsere Tüte Chips mit einer Seelenruhe, als wären solche Weltuntergangs-Szenarien nur ausgedacht. Nein. Wir befinden uns bereits in so einem Szenario. In einer Krise. Und es ist dieselbe Krise wie im Film. Nur wir checken es einfach nicht. Wir merken es nicht. Wir sehen es nicht. 

Es muss erst ein Teenager um die Ecke kommen, damit wir das verstehen. Wir Menschen haben über die Jahre erstklassiges Wissen über unsere Umwelt gesammelt und dennoch tun wir nichts, um sie zu schützen. Es siegt dann das Zwei-Euro-Fleisch aus dem Discounter. Aber wenn wir wirklich so weitermachen wollen, wenn wir dieses Leben wirklich leben wollen, dann müssen wir uns der Konsequenzen bewusst sein. Wir werden immer mehr Menschen und Ressourcen werden gleichzeitig immer knapper. Haben wir überhaupt noch ein Recht auf diesen wahnsinnigen Konsum?

Ich bin wirklich keine Heilige, auch ich habe meine Klimasünden. Ich fliege alle zwei Jahre in den Urlaub und ich habe ein Auto, das ich auch regelmäßig benutze. Aber ich bin dennoch immer darum bemüht, wenigstens bei den kleinen Dingen im Alltag etwas klimabewusster zu werden. Ich verzichte weitgehend auf Plastik und versuche mein Obst und Gemüse immer regional zu kaufen. Ich kaufe mir keine 45 Cent Milch, sondern gebe dafür gerne mehr Geld aus. 

Ich bin teilweise schockiert, wenn ich sehe was so manche Menschen täglich einkaufen. Abgesehen davon, dass das meiste Zeug wahnsinnig ungesund ist, ist es vor allem doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt. Da frage ich mich: muss das wirklich sein? Ich will hier niemanden angreifen und es ist auch nicht meine Absicht euch zu sagen, wie ihr euer Leben führen sollt. Aber bitte, wenn ihr euch jetzt angesprochen fühlt, dann denkt mal darüber nach warum. Habt gerne ein schlechtes Gewissen.

Und wer glaubt, er könne mit seinem Einkauf sowieso nichts bewirken, denn es seien allein die Produzenten, die sich ändern müssten, den möchte ich kurz aufklären. Denn das Angebot im Supermarkt und darüber hinaus (Autobranche, Stromanbieter etc.) wird durch die Nachfrage der Konsumenten bestimmt. Anbieter richten ihre Produkte an unseren Bedürfnissen aus, um den Absatz zu maximieren. Wenn wir aber verweigern, weiterhin in Plastik gepackte Gurken zu kaufen, dann werden sie auf kurz oder lang aus den Läden verschwinden. Wir Konsumenten haben nämlich mehr Macht, als wir es uns selbst zutrauen. Um es mit Gretas Worten zu sagen: „You are never too small to make a difference“.