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Zehn Tage Russland

Es gibt Menschen, die möchten eine Woche lang wandern im Harz. Oder die Alpen überqueren bis nach Meran. Und es gibt im Vergleich dazu noch viel mehr Menschen, die möchten sich an der Costa Brava sonnen oder in Venedig Tauben jagen. Und dann gibt es mich. Ich wollte schon immer unbedingt nach Russland. 

Warum ich das möchte? Ich könnte jetzt von den Moskauer Zwiebeltürmen schwärmen oder von richtigem Wodka. Aber das wäre vermutlich alles frech gelogen. Denn in Wahrheit möchte ich mich auf die Spuren eines besonderen Mädchens begeben, um mehr über die Umstände ihres tragischen Schicksals zu lernen. Anastasia.

Meine Mutter sagt, das sei keine anständige Beschäftigung für einen jungen Mann in seinen Zwanzigern. Ich solle doch lieber Sport machen und eine Frau kennenlernen. Dass ich noch nie zuvor eine wirkliche Freundin hatte, störte meine Mutter offensichtlich mehr als es mich selbst störte. Denn ich hatte im Augenblick meine Gedanken bei einer anderen jungen Frau. Als Kind sah ich das erste mal einen Disneyfilm über sie. Seitdem ließ mich ihre Geschichte nicht mehr los. Auch meiner besten Freundin war mein Ausflug nach Russland ein Dorn im Auge. Einem Geist würde ich hinterher jagen, denn das Kind wäre damals mit seiner Familie gestorben, meinte sie. Das sei längst bewiesen.

Mir war klar, dass Anastasia heute längst nicht mehr leben würde, selbst wenn ihr damals eine Flucht geglückt wäre. Dennoch lässt mich die Vorstellung nicht mehr los, wie ich durch die Straßen von Moskau ziehe und ihr in jeder Ecke, in jedem Laden und an jedem U-Bahn-Gleis begegnen könnte. Wie sie aussah wusste ich zwar nicht, aber in meinem Kopf hatte sich längst ein wunderhübsches Gesicht abgezeichnet. So schön und vollkommen, dass jeder unterlassene Versuch sie zu treffen eine Schande gewesen wäre.

Denn dass es für mich hier keine passende Frau gab, war nicht von der Hand zu weisen. Ich war nicht besonders gutaussehend und viele Macken hatte ich obendrein. Die Frauen meiner Fakultät beachteten mich nicht im geringsten und in der Nachbarschaft gab es auch niemanden. Meine beste Freundin war die einzige weibliche Person, die außer meiner Mutter Teil an meinem Leben hatte. Aber mit ihr eine Beziehung zu führen, wäre wahrscheinlich einfach nur lächerlich gewesen. Man kann mit niemanden ein Bett teilen, mit dem man sich schon im Sandkasten um eine Schaufel gestritten hatte. Und man konnte erst recht nicht mit jemanden ein Bett teilen, der wusste, dass man abends vor dem Zähneputzen dreimal blinzeln musste, weil man sonst einen Albtraum befürchtete.

Wir fuhren gemeinsam zum Flughafen. Meine beste Freundin begleitete mich, um sich noch persönlich für die nächsten Tage zu verabschieden. Das Flugzeug könnte ja abstürzen oder ich könnte einem Anschlag zum Opfer fallen. Es wäre möglich, dass wir uns nie wieder sehen würden. Unfug! Das war natürlich alles unbegründet und so versicherte ich ihr, dass ich wohlbehalten zurückkehren würde. Sodann verlies ich die Halle in Richtung meines Terminals.

Als ich zehn Tage später aus Russland heimkehrte, war ich zu einer Erkenntnis gelangt. Es war, als hätte mir jemand endlich die Augen geöffnet. Ich war um den halben Globus geflogen, um eine Person zu finden, die gar nicht existierte. Dabei wartete zu Hause eine andere Frau, die viel schöner war als alle Damen die ich in Russland getroffen hatte. Mit Freude im Herzen rannte ich auf die Ankunftshalle zu, um meine beste Freundin in die Arme zu schließen und ihr zu sagen, dass ich mich wie ein blinder und dummer Hund benommen hatte.

Ich blickte mich um, konnte ich hübsches Gesicht aber nirgends entdecken. In der Halle warteten einige Menschen auf die ankommenden Passagiere, um sie in Empfang zu nehmen. Sie war nicht unter ihnen. Hinter dem Gepäckband traf ich jedoch meine Mutter. Jene schien sich nicht besonders über meine Rückkehr zu freuen, denn ihr Blick war finster und traurig. Als ich Mutter fragte, wo denn meine beste Freundin geblieben sei, zog sie mich in näher zu sich und erzählte mir, dass Anna vor wenigen Tagen bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

NEW YORK, NEW YORK

Schon Frank Sinatra besingt in seinem weltberühmten Song die Weltmetropole New York City und Rapper wie Jay Z tun es ihm nach. Im Wesentlichen geht es immer um Eines: Das erreichen, was sonst nirgendwo möglich ist. Glücklich werden in einer Stadt die niemals schläft und in der jeder das große Geld machen kann. New York ist die Stadt, die nicht nur gerne besungen wird, sondern auch viele Schauplätze für Filme und Serien bietet. Von Spiderman über Sex and the City, bis hin zu den Ghostbusters oder How I met your mother. Alle sind sie in New York daheim. Ich wollte der Sache vom „großen Traum“ mal auf den Grund gehen und habe die Stadt letzten Sommer für einige Tage besucht.

Los ging es Ende August mit dem Flugzeug – und das obwohl ich ewig nicht geflogen bin und deshalb sehr nervös war. Gefühlte 13282367 Stunden später (in Wahrheit waren es vielleicht 9), kamen wir am JFK Airport an. Mit der U-Bahn ging es dann weiter Richtung Harlem, denn dort lag unser B&B. Ja Harlem. Jetzt wundert ihr euch vielleicht. Ich gebe zu, die Gegend hat nicht den besten Ruf, aber trotzdem haben wir uns sehr wohl gefühlt. Unser Gastgeber war super freundlich und sehr darum bemüht, uns über Ausflugsziele und sonstiges Insider-Wissen zu beraten. Nachdem wir total erschöpft unsere erste Nacht im Apartment verbracht hatten, stand für uns am nächsten Tag zunächst nur eine Sache auf der Liste: der Times Square. Logisch. Die vielen Displays, Werbeanzeigen, Stores und vor allem Menschen sind genau das, was man sich unter New York City eben so vorstellt. Glitzer, Glamor und Fame – das haben wir erwartet. Die Realität aber, sah zu unserer Verwunderung nicht ganz so aus wie vorgestellt. Wo fange ich an diesem Punkt also an zu erzählen? Bei der Stadt an sich vielleicht. New York, liebe Leser, ist das reinste Drecksloch. Es stinkt wirklich an jeder Ecke, da der Müll einfach vor sich hingammelt und das niemanden wirklich kümmert. Die Tatsache, dass sich die Hitze im Sommer zwischen den Hochhäusern staut, macht das nicht gerade besser. Im Gegenteil. Man verlässt das Haus und fühlt sich wie in der Sauna. Auf diesen Umstand reagieren die New Yorker natürlich, was zur Folge hat, dass einen innen (egal ob Laden, Restaurant oder Museum) eine Vollklimatisierung erwartet, die mich teilweise hat glauben lassen ich wäre am Nordpol angekommen. Doch die Stadt stinkt nicht nur – sie ist auch genauso schmutzig wie sie riecht. Und genauso wie sie schmutzig ist, ist sie überfüllt. Eine Masse an Menschen wie ich sie noch nie gesehen habe (obwohl das ja eigentlich von vornherein klar war).

So. Jetzt denkt ihr wahrscheinlich, dass ich New York nicht leiden kann und der Urlaub der größte Reinfall war. Doch das stimmt nicht. Was ich sagen kann, ist, dass mich diese Stadt gefangen hat. Für immer wahrscheinlich. New York ist die Stadt, der ich mein Herz längst geschenkt habe. Zu der ich immer wieder zurück kehren werde, jedenfalls solange das Geld reicht. Und warum? Nicht wegen dem Times Square oder den ganzen coolen Shopping Läden. Nein. Sondern wegen den Menschen, der Mentalität. In New York kannst du sein wer du bist und dennoch wirst du immer dazugehören. Egal ob jung oder alt, Hipster oder Spießer, Skater oder Bürohengst, Straßenkünstler oder Hot Dog Verkäufer. Hier ist jeder offen, cool drauf und absolut willkommen. „Du bist anders?“ – Nicht hier! Die New Yorker lieben ihre Vielfalt und wissen sie ganz genau zu schätzen. Dieses Lebensgefühl trifft einen an jeder Ecke und in jeder Situation wieder. Beim Einkaufen, beim Spazieren oder sonstwo – ich habe noch nie so viele verschiedene und vor allem freundliche Menschen auf einmal gesehen. Klar, wird den Amis oft nachgesagt, ihre Freundlichkeit sei rein oberflächlich. Aber dieses Gefühl hatte ich damals nicht. Was ich an der Stadt aber auch liebe, sind ihre vielen verschiedenen und absolut coolen Plätze. Denn neben den bekannten Sehenswürdigkeiten im Zentrum Manhattans oder an der Wall Street bzw. Ground Zero, hat die Stadt noch viel mehr zu bieten. Shoppen gehen in Soho, Pizza essen in Little Italy oder lesen im Washington Square Park. Es gibt wirklich unglaublich viel zu entdecken und zu unternehmen. Doch was mich an der Stadt wohl am meisten begeistert hat, ist ihre Dimension. NYC ist riesig. Und damit meine ich nicht München-oder-Berlin-riesig. Damit meine ich riesig-riesig. Alles erscheint absolut überdimensional. Alleine mit der Subway den Central Park entlang zu fahren (ohne zu halten) dauert ca. 20 Minuten. (Für alle die vorhaben NYC auch irgendwann zu bereisen, schaut euch die Stadt mal von oben an! Tickets für das Empire State Building sind zwar nicht so billig, aber es lohnt sich auf alle Fälle.) Während unseres Aufenthalts sind wir die meiste Zeit zu Fuß unterwegs gewesen und ich kann euch sagen, dass wir uns echt die Sohlen platt gelaufen sind. Alleine durch das Zentrum der Stadt zu laufen dauert ewig. (Die unendlich vielen Kalorien, die wir uns durch das ganze Fast Food Zeugs reingeschaufelt haben, haben wir locker wieder abgelaufen. Ja, wir haben wirklich nur Fast Food gegessen. Es schmeckt auch einfach sehr viel besser als daheim in Deutschland.) Und jetzt muss man noch überlegen, dass ich hier im weitesten Sinne allein von Manhattan geschrieben habe. Doch zu der Stadt gehören noch weitere vier Stadtteile, die ich mir leider nicht angesehen habe. Ich war zwar auf der Brooklyn – Bridge und bin mal kurz mit der Fähre nach Staten Island gefahren, aber dabei ist es leider geblieben. Schade eigentlich. Ich glaube Williamsborgh in Brooklyn soll ein ziemlich cooles Viertel sein (Two Broke Girls spielt dort). Aber wie gesagt, dies soll nicht mein letzter New York Aufenthalt gewesen sein – ich hoffe noch das ein oder andere Mal rüber fliegen zu können.

Ich denke, Frank hatte mit seiner Aussage, dass man es dort zu etwas bringen kann durchaus recht. Vielleicht kann man heute zwar nicht mehr so einfach vom Tellerwäscher zum Millionär werden – aber ich glaube man kann eine Person werden, die aufhört sich selbst Grenzen zu setzen. Denn in New York gibt es keine Grenzen. Es gibt eigentlich all das, was es woanders vermutlich nicht gibt.