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Fremde Freundschaften

Sie war neu im Ort. Kürzlich erst war sie hergezogen. Hatte sich außer grünen Vorhängen nichts gekauft, denn sie hatte schon alles besessen. Von der Couch bis hin zu den Cocktailgläsern hatte sie alles aus der alten Wohnung mitgenommen. Etwas hatte sie dennoch vermisst. Eine Sache, die man nicht im Supermarkt kaufen konnte und auch nicht beim Möbelgeschäft um die Ecke. 

„Ich brauche Freunde.“, sagte sie leise zu sich selbst und schaute dabei vom Balkon aus hinweg über die Dächer ihres neuen Heimartortes. Ja. Freunde waren es, die sie brauchte. Sie hatte schon keine gehabt, als sie noch woanders gewohnt hatte. Doch innerlich sehnte sie sich nach Freundschaft. Nach einer Person zum Reden, Lachen und Weinen. Nach einer Person zum Nägel lackieren und zum Ausgehen am Abend. In Gedanken versunken schenkte sie sich ein Glas des besten Discounter-Rotweins ein, den sie finden konnte, und setzte sich auf ihren alten Gartenstuhl. „Die Wohnung ist ja ganz schön.“, dachte sie, „aber viel zu einsam. Ich werde mir wohl endlich Freunde suchen müssen.“

Und so kam es, dass sie einige Tage später am Dorffest teilnahm, in der Hoffnung auf neue Bekanntschaften zu treffen. Sie besorgte sich ein Bier, setzte sich auf eine freie Bank und wartete. Sie wartete, weil sie erwartete, dass man sie wohl ansprechen würde. Doch niemand kam. „Sind die denn alle nicht an neuen Freundschaften interessiert?“, fragte sie sich selbst und hielt Ausschau.

Und da sah sie sie. Perfekt! Die Frau sah aus, wie eine perfekte Freundin eben auszusehen hatte! Also sprang sie auf, um die Fremde anzusprechen und sie zu sich einzuladen. Zuhause hatte sie ja noch den Discounter-Rotwein geöffnet im Kühlschrank stehen.

Und so kam es, dass sie mit der Fremden Rotwein trank, sich unterhielt und lachte. Sie lackierten sich sogar die Nägel gegenseitig. „Besser kann es nicht sein.“, kicherte sie und fühlte sich gut dabei. Denn sie glaubte, die eine Sache gefunden zu haben, die es nirgends zu kaufen gab. Wenige Zeit später verließ die fremde neue Freundin ihre Wohnung. Doch mit ihr verschwanden auch Wertsachen aus der alten Kommode im Flur, sowie ein rosa Sparschwein, das auf ebendieser Kommode gestanden hatte.

Und so kam es, dass sie plötzlich traurig war. Sie hatte sich getäuscht in der Fremden. Sie war doch perfekt! Und dennoch war sie nichts als jemand, der seine Chance wohl zu gut genutzt hatte. Enttäuscht schenkte sie sich den letzten Tropfen Wein ins Glas und dachte daran, dass ihr etwas fehlte.

Eine Sache, die es weder im Supermarkt noch im Möbelgeschäft um die Ecke zu kaufen gab. Wahre Freundschaft. Diese war wohl schwerer zu finden als sie angenommen hatte. „Die Wohnung ist ja ganz schön. Aber ziemlich einsam. Ich brauche Freunde, denen ich blind vertrauen kann. Es muss nicht immer Tage geben, an denen wir lachen oder weinen können gemeinsam. Oder an denen wir uns viel zu sagen haben. Wir müssen uns einfach nur vertrauen können.“, dachte sie und sah dabei hinweg über die Dächer ihres neuen Heimatortes.

Von Natur aus

Gegen jedes Leiden wächst ein Kraut
Und ohne Kraut wächst jedes Leiden
Wir reißen es trotzdem aus dem Boden
Und machen die Wälder platt
Wir sägen Bäume und wollen alles roden
Am Ende bleibt kein Blatt.

Ein Leben in der Vorstadt

Wir alle haben ein Zuhause. Eine Heimat, einen Hafen, eine Herkunft. Was für Spongebob Bikini Bottom oder für Frodo das Auenland abbildet, ist für mich ein spießiger Vorort im Süden Nürnbergs. Spießig deshalb, weil der Besitz eines Reihenmittelhauses oft genauso zum Standard gehört wie die Mitgliedschaft im Sportverein. Hier aufgewachsen, müssten diese Ziele eigentlich auch auf meiner Agenda stehen. Aber statt mich auf dieses Leben einzulassen, träume ich lieber von einer zauberhaften Altbauwohnung in der Stadt. Was aber, wenn ich hier niemals wegkommen werde?

Umziehen auf eigene Gefahr! 

Wer in einem Vorort aufgewachsen ist, der kennt die Regeln: Du bist Mitglied im Verein, wohnst bis zum Ende des Studiums bei deinen Eltern und wenn du auf eigenen Beinen stehen willst, holst du dir eine Wohnung in der Nähe. In die Stadt umziehen hingegen ist nur für ganz Mutige eine Option. Denn wer einmal das Schiff verlässt, der kommt nie mehr zurück. Zumindest stellt man sich das hier vor. Denn hat jemand erstmal die Entscheidung getroffen, in die große Welt zu ziehen und die Heimat zu verlassen, werden tägliche Besuche bei Vorort-Freunden immer seltener.  

In historischen Romanen wird oft von Helden berichtet, die es in die Ferne zieht. Sie reisen nach Spanien, Indien oder sogar bis zur Antarktis. Für jene die in einem Vorort – oder gar auf dem Land – aufgewachsen sind, reicht also schon die Großstadt, um sich wie ein Abenteurer zu fühlen. Was tun, wenn man nicht den Mut hat, ein Abenteurer zu sein?

J wie Jogginghose

Man kennt sich im Vorort. Jedes Geheimnis das du erzählst, ist eine Woche später kein Geheimnis mehr, sondern gehört genauso zum wöchentlichen Tratsch wie das neue Auto des Nachbarn. Die Vorstellung, bei jedem Gang vor die Tür einen kurzen Plausch zu halten, ist eigentlich ganz nett. Es gibt dennoch gewisse Situationen, in welchen man eben nicht gesehen werden will. Wenn ich also morgens ungewaschen und in Jogginghose in den Supermarkt renne, will ich nicht, dass mich jemand kennt oder am besten noch meine Produktwahl kommentiert. Wie angenehm ist nur der Gedanke, in einer Welt zu leben, in der man anonym bleiben kann. Das würde mein Leben an manchen Tagen wirklich sehr erleichtern.

Ständig von den selben Leuten umgeben zu sein, macht es außerdem schwer, neue Freunde zu finden. Immer in den gleichen Kreisen unterwegs zu sein ist schön, weil es Halt gibt, aber man verpasst auch viele Chancen. Neue Bekanntschaften zu schließen erweitert unseren Horizont und ist die Grundlage für Neugierde und neue Erfahrungen.

Forever and never

Für immer gefangen im System: So oder zumindest so ähnlich könnte man den Zustand beschreiben, den Vororte in Deutschland aufweisen. In jeder zweiten deutschen Fernsehserie geht es um eine Gruppe Jugendlicher, die krampfhaft versucht, dem tristen Vorstadt-Alltag zu entkommen. Meistens gelingt das nicht. Und wenn doch, dann zieht es sie nach einigen Tagen, Monaten oder Jahren wieder zurück in die Heimat.

Denn es ist der Charme vieler Vororte, dem man mit der Zeit unterliegt. Es sind Eigenschaften wie Gemütlichkeit, Gemeinschaft und Geselligkeit, von denen ein jeder Vorort lebt. Sich von ihm abzuwenden wäre also nicht nur mutig, sondern in gewisser Weise auch ein Bruch mit diesen Eigenschaften. Wir sind hier aufgewachsen und wir definieren diesen Ort. Dieser muss aber nicht statisch sein – neue Menschen können das Leben mitgestalten und formen. Wir freuen uns über jeden, der sich unserer Gemeinschaft anschließen möchte. Und genau deswegen bin ich ehrlich gesagt froh, dass die Altbauwohnung nur ein Träumchen ist. Denn ich bin hier daheim. In der Vorstadt.

Neuer Mut im Sommer

Wir saßen am Fluss und grillten Bockwürste. Die Jungs hatten nur ihre Unterhosen an und sprangen mutig in den Fluss, um sich abzukühlen. Wir Mädchen hingegen fröstelten schon beim Anblick des noch kalten Wassers. Die Schule hatten wir heute allesamt geschwänzt, denn die Sonne schien hell und wir wollten lieber Spaß haben, als im stickigen Klassenraum zu sitzen. Also schmuggelten wir Dosenbier und eine Schachtel Zigaretten an unseren Eltern vorbei und packten alles in eine alte Stofftasche. Eine Stunde später saßen wir am Fluss.

Unsere Eltern hatten uns schon vor Tagen vor der tosenden Strömung gewarnt. Denn aufgrund des starken Niederschlags war der Fluss zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahrenquelle geworden. Das interessierte uns allerdings kein Stück. Naja, die Jungs zumindest nicht. Wir Mädchen hatten sowieso kein Interesse daran, uns ausziehen und in das kalte Nass zu springen. Wir sahen lieber zu. 

Außer Natalie. Sie war schon immer ein bisschen sonderbar, denn sie wollte immer genau das tun, was die Jungs taten. Deshalb gab sie sich nicht mit Zuschauen am Flussufer zufrieden und zog sich die Klamotten aus. Bis auf die Unterwäsche. Dann hüpfte sie ins Wasser und lies sich mit der Strömung treiben. Als wir Natalie nach einiger Zeit aus den Augen verloren, wurden einige von uns nervös. Wo war sie hin? Ich ärgerte mich über sie, denn ihr ständiger Drang sich gegenüber den Jungs zu behaupten hatte sie schon mehrmals in Schwierigkeiten gebracht. Was sollten wir ihren Eltern sagen? Wie könnten wir das erklären?

Während ich mich in Gedanken verlor und über mögliche Ausreden nachdachte, hörte ich meine Freunde im Hintergrund hitzig diskutieren. Ihre Stimmen lösten in meinem Kopf aber nur ein dumpfes Pochen aus, sodass ich mir schließlich die Ohren zuhielt. So muss ich wohl einige Zeit dagestanden haben. Ich kann nicht sagen, ob es Minuten waren oder nur Sekunden. 

Plötzlich packte mich jemand an der Schulter und schüttelte mich so lange, bis ich wieder ganz bei mir war. Es war Natalie. Sie nahm mich bei der Hand und führte mich über die weiche Wiese zum Steg. Dort hatte sie eine alte Flaschenpost gefunden, deren Inhalt längst vergilbt war. „Ich glaube hier ist eine Karte versteckt. Lass sie uns ansehen und gemeinsam den Schatz finden.“ Grinsend hielt mir Natalie die grüne Flasche ins Gesicht und ich verstand in jenem Moment, dass Natalie genauso war, wie man im Sommer sein musste: Mutig und abenteuerlustig.

Trenn‘ dich vom Schicksal

„Neuer Schlafplatz? Sieht unbequem aus. Wünsch‘ dir trotzdem ’ne gute Nacht!“, rief mir der alte Harry zu, während er wie jeden Abend pünktlich um halb acht seine Ladentür abschloss, um den wohlverdienten Feierabend anzutreten. Wir beide hatten uns schon einige Monate nicht mehr gesehen, denn den Winter über kam ich in einer Einrichtung für Obdachlose unter. Jetzt im Mai waren die Tage wieder länger und die steigenden Temperaturen machten das Schlafen unter freiem Himmel endlich angenehmer. Gemütlich war es trotzdem nicht auf der Straße. Auch nicht im Sommer. Nie.

Ich richtete meinen grünen Schlafsack für die Nacht her und benutzte eine kaputte Strickmütze als Kissen. Der Schlafsack begleitete mich schon seit beinahe zehn Jahren. Das alte Ding hatte früher meinem Vater gehört. Während seiner Dienste beim Militär hatte er den das Ding regelmäßig benutzt. Der Stoff war immer noch robust und hielt mich ausreichend warm. Der Schlafsack war also nicht nur ein bisschen Stoff; es war gleichzeitig das Einzige, das mir von meinem Vater geblieben war. Das Einzige, das mich an ihn erinnerte. Mein Vater war zu Lebzeiten ein angesehener Mann gewesen, der es beruflich zu viel gebracht hatte. Außerdem ging er jeden Sonntag in die Kirche. Ein Vorbild.

Ich war dennoch ein wenig froh, dass er nicht mehr unter uns weilte. Denn hätte er mich – diese jämmerliche Gestalt die ich doch war – so gesehen, hätte das ihm vermutlich das Herz gebrochen. Früher wollte ich immer so werden wie er. Ich wollte einen Job, eine Familie, ein Haus. Aber alles was ich jetzt habe sind ein alter Schlafsack und eine kaputte Mütze. Nichts davon hätte ihn stolz gemacht.

Früher hatte ich anderen Menschen für alles die Schuld gegeben. Für mein zerbrochenes Leben, meine Einsamkeit und mein jämmerliches Dasein. Ich beschuldigte sie alle: Vom Vermieter bis hin zur Sachbearbeiterin des Arbeitsamtes. Manchmal gab ich sogar dem Schicksal die Schuld an meinem miesen Leben. Aber letztendlich spielte das alles keine Rolle mehr. Ich lebte auf der Straße und das würde ich vermutlich so lange tun, bis sie mich in endlich wegschaffen und in ein Armenbegräbnis werfen konnten.

Ich legte mich in mein improvisiertes Bett und schloss die Augen. Das Einschlafen viel mir schwer. Ich konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. Die grölenden Jugendlichen und die fahrenden Autos waren nicht der Grund, denn an solche Geräusche hatte ich mich längst gewöhnt. Was mich hingegen tatsächlich wach hielt war die Erkenntnis, dass sich dringend etwas ändern musste in meinem Leben. Das ich etwas ändern musste. Dieser Gedanke hielt sich so hartnäckig, dass ich ihn schließlich ernst nahm. Ich brauchte wieder einen vernünftigen Job. Und vor allem eine eigene Wohnung. Aber wie sollte das gehen? Wie konnte ich wieder zurück ins Leben finden? Wie bekommt man eine Anstellung, wenn man weder über ordentliche Kleidung, geschweige denn über einen Computer verfügte? Ich besaß ja nicht mehr als das bisschen Stoff, das ich am Leibe trug. Der Gedanke also, gleich morgen früh zum Amt zu laufen, ließ mich schließlich müde werden.

„Guten Morgen! Was in aller Welt tust ’n da?“, wollte Harry von mir wissen, als er früh am Morgen sein Geschäft aufschloss und mich beim Aufräumen beobachtete. Ich erzählte ihm von meiner Entschlossenheit mir endlich einen Job zu suchen und mich um eine Wohnung zu kümmern. Harry, den ich mittlerweile seit vielen Jahren kannte, verzog kurz sein faltiges Gesicht und meinte schließlich: „Klasse Idee. Bekannter von mir sucht noch dringend Hilfe für die Bäckerei, da hat erst einer seine Lehre geschmissen. Wenn du möchtest, leg ich ’n gutes Wort für dich ein.“

Ich brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, dass Harry mir gerade die Aussicht auf einen Job gegeben hatte. Ich war sprachlos, denn dieses Angebot kam unerwartet. „Das würdest du für mich tun? Obwohl ich auf der Straße lebe und zu nichts tauge? Obwohl ich schrecklich aussehe?“, fragte ich meinen alten Freund. „Red‘ keinen Quatsch. Bist doch ’ne gute Seele! Und hässlich bist du noch lange nicht. Da habe ich schon Schlimmere vor meiner Ladentür herumlungern sehen“, gab er zurück, ehe er losprustete. Sein Blick verriet mir aber, dass er tatsächlich glaubte, was er da von sich gab.

Harry dachte das also wirklich. Er hielt mich für eine gute Seele. Hatte er recht? Vielleicht war ich ja gar nicht so jämmerlich, wie ich immer dachte. Von der einen auf die andere Sekunde sah ich die Welt mit völlig anderen Augen. Sie erschien mir plötzlich bunt. Lebendig. Hoffnungsvoll. Ich war in diesem Moment die wohl glücklichste Frau auf der ganzen Welt. Mein Vater wäre stolz gewesen.

Wann geht uns ein Licht auf?

Wer von euch kennt Greta? Die 16-Jährige Klimaaktivistin mit Asperger-Syndrom und den zwei geflochtenen Zöpfen? Das Mädchen dessen Video um die Welt geht? Das sich vor verschlafene Regierungsmitglieder verschiedener Länder stellt und versucht sie wachzurütteln? Genau die! Und über die reden wir jetzt. Greta Thunberg hat beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos folgendes gesagt:

Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Dass ihr so handelt als würde euer Haus in Flammen stehen, denn das tut es.

Greta THunberg (VIdeo)

In einem weiteren Interview sagt Greta etwas, das mich fast sprachlos gemacht hat:

Wir müssen erkennen, dass wir in einer akuten Krise stecken. Und in einer Krise handelt und denkt man anders, als man es normalerweise tun würde.

GReta Thunberg (VIDEO)

Und damit trifft Greta den Nagel auf den Kopf. Denn wir Menschen ziehen uns regelmäßig irgendwelche apokalyptischen Blockbuster rein, angefangen bei „I am Legend“ bis hin zu „Bird Box“, und essen dabei unsere Tüte Chips mit einer Seelenruhe, als wären solche Weltuntergangs-Szenarien nur ausgedacht. Nein. Wir befinden uns bereits in so einem Szenario. In einer Krise. Und es ist dieselbe Krise wie im Film. Nur wir checken es einfach nicht. Wir merken es nicht. Wir sehen es nicht. 

Es muss erst ein Teenager um die Ecke kommen, damit wir das verstehen. Wir Menschen haben über die Jahre erstklassiges Wissen über unsere Umwelt gesammelt und dennoch tun wir nichts, um sie zu schützen. Es siegt dann das Zwei-Euro-Fleisch aus dem Discounter. Aber wenn wir wirklich so weitermachen wollen, wenn wir dieses Leben wirklich leben wollen, dann müssen wir uns der Konsequenzen bewusst sein. Wir werden immer mehr Menschen und Ressourcen werden gleichzeitig immer knapper. Haben wir überhaupt noch ein Recht auf diesen wahnsinnigen Konsum?

Ich bin wirklich keine Heilige, auch ich habe meine Klimasünden. Ich fliege alle zwei Jahre in den Urlaub und ich habe ein Auto, das ich auch regelmäßig benutze. Aber ich bin dennoch immer darum bemüht, wenigstens bei den kleinen Dingen im Alltag etwas klimabewusster zu werden. Ich verzichte weitgehend auf Plastik und versuche mein Obst und Gemüse immer regional zu kaufen. Ich kaufe mir keine 45 Cent Milch, sondern gebe dafür gerne mehr Geld aus. 

Ich bin teilweise schockiert, wenn ich sehe was so manche Menschen täglich einkaufen. Abgesehen davon, dass das meiste Zeug wahnsinnig ungesund ist, ist es vor allem doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt. Da frage ich mich: muss das wirklich sein? Ich will hier niemanden angreifen und es ist auch nicht meine Absicht euch zu sagen, wie ihr euer Leben führen sollt. Aber bitte, wenn ihr euch jetzt angesprochen fühlt, dann denkt mal darüber nach warum. Habt gerne ein schlechtes Gewissen.

Und wer glaubt, er könne mit seinem Einkauf sowieso nichts bewirken, denn es seien allein die Produzenten, die sich ändern müssten, den möchte ich kurz aufklären. Denn das Angebot im Supermarkt und darüber hinaus (Autobranche, Stromanbieter etc.) wird durch die Nachfrage der Konsumenten bestimmt. Anbieter richten ihre Produkte an unseren Bedürfnissen aus, um den Absatz zu maximieren. Wenn wir aber verweigern, weiterhin in Plastik gepackte Gurken zu kaufen, dann werden sie auf kurz oder lang aus den Läden verschwinden. Wir Konsumenten haben nämlich mehr Macht, als wir es uns selbst zutrauen. Um es mit Gretas Worten zu sagen: „You are never too small to make a difference“.

Wir müssen reden!

Wir müssen über Feminismus reden! Dringend. Denn wir haben unendlich viele Gründe dazu. Und genau diejenigen, die spätestens in dieser Sekunde mit den Augen rollen oder keine Lust mehr haben weiterzulesen, sollten jetzt ganz aufmerksam sein. Und wer nicht genau weiß, was denn so alles unter dem Begriff Feminismus verstanden wird, hier eine Definition:

Feminismus ist ein Oberbegriff für gesellschaftliche, politische und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die, basierend auf der kritischen Analyse von Geschlechterordnungen, für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen sowie gegen Sexismus eintreten und diese Ziele durch entsprechende Maßnahmen umzusetzen versuchen. (Quelle: Wikipedia)

Warum das alles?

Wir leben doch in einer modernen Gesellschaft, in der es den Frauen an nichts fehlt? Frauen werden hier gut behandelt und dürfen studieren gehen und wählen dürfen sie sowieso. Feministen wollen stattdessen durchsetzen, dass Frauen überrepräsentiert werden und das ist ungerecht den Männern gegenüber. Außerdem ist der Feminismus eine „männerhassende Bewegung“. Genau so argumentieren Menschen im Internet, die sich klar gegen feministische Ströme aussprechen. Vielleicht mag auf den ersten Blick wahr sein was sie sagen. Aber schauen wir doch einmal genauer hin, ob solche Argumentationen auch auf den zweiten Blick Bestand haben.

Frauen werden gut behandelt

Richtet man den Blick auf andere Kulturen, jenseits der westlichen und modernen Welt, findet man schnell Grausamkeit, wenn man sich mit der Behandlung junger Frauen und Mädchen auseinandersetzt. Ehen im Kindesalter, Beschneidungen und brutale Gruppenvergewaltigungen… Die Liste ist lang. Dennoch dürfen wir nicht anfangen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dadurch, dass wir in einer zivilisierten Gesellschaft leben, sind solche Dinge natürlich undenkbar und kommen in unserer Kultur glücklicherweise (so gut wie) nicht vor.

Dennoch werden Frauen täglich in unserer Gesellschaft als Sexobjekt dargestellt und schlechter behandelt als Männer. Frag doch mal deine Freundinnen, ob ihnen schon mal jemand ungefragt an den Hintern gefasst hat? Vielleicht lachst du darüber, aber die Sache ist ernster als du denkst. Ich möchte nicht ständig von fremden Männern angefasst werden. Dennoch passiert das andauernd. Und schau dich doch mal um, wenn du das nächste Mal zum Amt o.Ä. gehst. Hast du da schon jemals einen Flyer gesehen, für Männer die Opfer von häuslicher Gewalt wurden? Ein Männerhaus? Ich persönlich noch nicht. Aber schau doch mal einen Tatort oder einen anderen beliebigen Krimi im TV an und sag mir, wie oft dort eine Frau gespielt wird, die Opfer ihres handgreiflichen Ehemanns wurde? Oft. Und oft werden solche asymmetrischen Beziehungen zwischen Mann und Frau im Fernsehen auch noch romantisiert. Das beginnt teilweise schon bei Kinderfilmen, wie beispielsweise die Schöne und das Biest.

Hier möchte ich gleich sagen, dass Feminismus bedeutet, dass es genauso ein Gesprächsthema sein muss, wenn Männer von ihren Frauen geschlagen werden. Auch Frauen können aggressiv und handgreiflich sein. Das ist keine Verhaltensweise, die nur Männer an den Tag legen! Dennoch passiert häufiger der umgekehrte Fall. Ich bin zwar kein Psychologe, der die Neigung zu aggressivem Verhalten vorhersagen kann, aber ich glaube nicht, dass Männer grundsätzlich gewaltbereiter oder böser sind als Frauen. Frauen sind nur häufiger unterwürfiger und lassen sich das gefallen, meiner Meinung nach. Weil sie leider oft sowohl psychisch als auch finanziell von ihren Männern abhängig sind und sich nicht trauen, eigene Stärke zu zeigen.

Frauen dürfen Karriere machen und wählen gehen

Ja. Das dürfen sie durchaus. Laut Grundgesetz (Art. 3 Abs. II) darf kein Mensch aufgrund seines Geschlechts besser oder schlechter gestellt werden als ein anderer Mensch. Das heißt im Klartext, dass eine Frau beim Bewerbungsprozess die gleiche Chance bekommen muss, wie ein männlicher Kandidat. Und dass Frauen das gleiche Gehalt bekommen müssten, wie ihre männlichen Arbeitskollegen. Dass dies aber nicht der Fall ist, ist ein offenes Geheimnis. 

Ein weiteres offenes Geheimnis ist, dass Frauen seltener in Führungspositionen arbeiten als ihre männlichen Kollegen. Ihr glaubt das nicht? Dann schaut doch mal in euer berufliches Umfeld und denkt über das Verhältnis von Frauen und Männern nach, die eine wichtige Rolle bei Entscheidungsfindungen einnehmen. Ihr glaubt es immer noch nicht? Dann schaut doch mal auf RTL „Undercover Boss“ an und sagt mir, wie oft da eine Frau als Chef teilnimmt? Ich denke ich schätze nicht schlecht, wenn ich behaupte, dass die Quote in diesem Fall gegen null geht.

Frauen sollen durch z.B. die Frauenquote überrepräsentiert werden

Die Angst, Frauen würden nur eingestellt werden, um die Quote zu erfüllen und Männern würde man dann die Chance auf den Job verwehren, setze ich gerne auf die Liste der Ammenmärchen. Denn nur weil Frauen stärker werden, heißt das nicht automatisch, dass Männer schwächer werden. Frauen müssen aber generell mehr gefördert werden als Männer. Aber nicht in dem was sie tun oder nicht tun, sondern sie müssen darin gefördert werden, mehr an sich selbst zu glauben. Jede Frau wird sich an einem gewissen Punkt in ihrem Leben überlegen, ob sie sich lieber für Kind oder Karriere entscheiden will. Aber warum denn eigentlich, in Gottesnamen? Männer müssen sich doch auch nicht entscheiden! Dennoch sind Männer auch Eltern und damit genauso in der Pflicht, die Kinderbetreuung aktiv mitzugestalten und zu organisieren.

Darüber hinaus bekommen wir, und das gilt für Jungen genauso wie für Mädchen, in der Kindheit genau vorgeschrieben, wie wir uns entsprechend unseres Geschlechts zu verhalten haben. Mädchen tragen rosa Kleidchen, gehen zum Tanzen und sehen hübsch aus. Jungen hingegen sind die Entdecker, die schlauen Kerlchen und die Fußballspieler. Deswegen entwickeln wir im Laufe unserer Sozialisation feste Rollenbilder. Und die sind so fest, dass sie zu brechen schon fast lächerlich erscheint. Aber warum eigentlich? Wer hat das festgelegt? Ein Mädchen kann genauso gut Autos mögen und Physik studieren. Genauso wie ein Junge tanzen darf oder später Erzieher wird oder Design studiert. Denn dass Jungen und Mädchen gleich schlau sind, weiß doch hoffentlich jeder. Dennoch kenne ich unendlich viele Namen männlicher Wissenschaftler (sowohl aktuelle als auch historische), kaum aber den Namen einer Wissenschaftlerin. Und um nochmal auf die Kulturen jenseits der westlichen Welt zurückzukommen: wie sollen denn dort Frauen in der Öffentlichkeit ernstgenommen werden, wenn das nicht mal bei uns richtig funktioniert? Wir sollten in dieser Hinsicht ein Vorbild werden.

Feminismus ist eine männerhassende Bewegung

Dieser Abschnitt ist mir besonders wichtig, weil ich klarstellen will, dass unter Gleichheit verstanden wird, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Frauen, Männer, diverse Menschen. Alle. Auch du!

Feministinnen und Feministen hassen Männer nicht, im Gegenteil: sie machen sich stark dafür, dass Männer auch sensibel sein dürfen oder Schminke tragen dürfen oder auch nur ein rosa Hemd, ohne ausgelacht und als Tunte oder Schwächling bezeichnet zu werden. Wir wollen, dass die Persönlichkeit eines jeden Menschen im Mittelpunkt steht. Nicht das Geschlecht, das Aussehen und auch nicht die sexuelle Orientierung. Wir wollen, dass alle Menschen lieb zu einander sind. Ergo: Jeder, der für Gleichberechtigung eintritt, ist Feminist oder Feministin. Und, oh Wunder, das kostet uns sogar keinen einzigen Cent. #bittedanke


Du bist kostbar

Du selbst, genauso wie jeder andere im ganzen Universum, verdienst deine Liebe und Zuneigung
(Buddha)

Vergrabe mich unter deiner unendlichen Weisheit und deinen schönen Zähnen, die du so liebevoll und ordentlich putzt als wären Sie ein kostbarer Lackschuh aus einem vornehmen Laden, der nur an Helden verkauft. Zeig mir verstohlene Orte, die außer dir noch kein Lebender gesehen hat. Zu denen du hingehst, wenn du einsam bist und zu viele Filme darüber gesehen hast, was Liebe ist.

Beerdige mich in deinen alten Sachen und deinen neuen Vorhängen, die so weich sind und gründlich als wäre sie kostbare Seide aus einem fernen Land, in dem nur Reiche leben. Zeig mir kleine Wohnzimmer, in denen außer uns noch kein Mensch gelebt hat. In denen wir wohnen, wenn wir einander brauchen und zu oft darüber nachgedacht haben, was Liebe ist.

Ersticke mich mit deinen schmutzigen T-Shirts und deinen blauen Nachthemden, die du immer so sorgsam zusammenfaltest als wären Sie ein kostbares Kostüm aus einer anderen Welt, die nur Romantiker hereinlässt. Zeig mir fremde Träume, die außer dir noch keiner geträumt hat. Zu denen du hingehst, wenn du an mich denkst und wissen willst, was Liebe ist.

Ich bin doch kein Roboter

Wie wird aus mir trotzdem eine schlaue Mathematikerin?

„Mathe ist einfach. Das kann jeder schaffen.“ Das versichert Mathematikprofessor Herold Dehling in einem Interview gegenüber der ZEIT. Ich frage mich, ob das stimmt. Wird Mathe tatsächlich immer schwerer bewertet als es eigentlich ist? Kann das wirklich jeder schaffen? Mir persönlich hat die Mathematik den Schulalltag schwer gemacht. Vielen anderen vermutlich auch.

Aber was ist Mathe überhaupt? „Na Rechnen!“ Wird der Durchschnittsbürger antworten. „Die Lehre der Mengen!“, würde mein Matheprof sagen. „Das Erkennen von Mustern.“, sagt mein Freund. Und damit hat er eigentlich recht.

Nur da beginnt das Problem. Denn wie würde der perfekte Mathematiker aussehen? Naja, wie ein Computer vermutlich. Oder ein Roboter. Denn der erkennt Muster ohne Probleme. Eigentlich ist das quasi seine einzige Aufgabe. Nullen und Einsen, und so weiter.

Doch wie hilft mir das weiter? Denn in der Mathe-Klausur  bin ich trotzdem auf mich gestellt und muss auf meine eigenen Fähigkeiten vertrauen. Doch da fällt mir ein, was ich eigentlich mit dem Computer gemeinsam habe. Auch das menschliche Gehirn mag Muster. Zumindest die Muster, die es schon einmal gesehen hat. Zahlreiche Studien belegen, dass das menschliche Gehirn bei der Wahrnehmung auf Erinnerungen zurückgreift und sie mit neuen Informationen vergleicht. Stellen wir eine Übereinstimmung fest, erkennen wir die neue Information und ordnen sie ein.

Das heißt im Klartext: man muss Mathe einfach üben. Muster immer wieder sehen und durchspielen, um sie leichter zu erkennen. Vermutlich hat er also recht, der Herr Dehling. Mathe kann jeder schaffen. Nur man muss eben bereit sein, einen gewissen Aufwand zu betreiben. Dass mich das nicht freut, ist ja auch klar. Irgendwie hatte ich auf einen kleinen Zaubertrick gehofft, um aus mir ein Mathe-Genie zu machen. Aber was soll’s. Dann werd ich mal loslegen und üben. Meine nächste Mathe-Klausur ist schließlich schon am Dienstag.

Spaghetti und Salat: Schaurige Studentenküche

Eingeweicht ist halb gespült. Das gilt übrigens auch für’s Spaghetti-Sieb.

Kochen. Für viele die absolute Entspannung. Karotten schälen, Schnitzel klopfen oder Teig kneten wirkt für manche Menschen meditativ. Yoga für Hungrige, sozusagen. Für andere wiederum, ist kochen ein wahrer Spaß. Aufregend, abwechslungsreich und super spannend. Echte Koch-Junkies bekommen eine Gänsehaut, wenn das Fleisch in der Pfanne brät und sind unendlich stolz, wenn es am Ende innen leicht rosa und außen schön kross ist.

Dann gibt es da mich. Ich kann: nichts. Ok, Nudeln kochen bekomme ich noch geradeso hin. Warum mich der liebe Gott nicht mit dem nötigen Talent ausgestattet hat, weiß ich auch nicht so genau. Genau genommen hat er mich mit einem derart krassen Untalent bestraft, dass man das fast gar nicht erzählen darf.

Ich erinnere mich an die letzte Mahlzeit, die von mir gekocht wurde. Es gab Spaghetti Bolognese, oder zumindest so etwas Ähnliches. Bis auf die Tatsache, dass ich die halbe Küche abgefackelt habe und am Ende die komplett verbrannten Topflappen wegwerfen musste (was kostet die Welt?), hat die Sauce nach absolut NICHTS geschmeckt. Gut, dass ich Besuch da hatte. Peinlich berührt, habe ich dann versucht die Situation irgendwie zu retten, und hab dafür umso mehr Essig in den Salat geschüttet. Ein Geschmacksausgleich, quasi. Wie das Endergebnis dann geschmeckt hat, könnt ihr euch ja denken.

Immerhin habe ich genug Alternativen, was mein täglich Brot betrifft. Die Uni Kantine, zum Beispiel. Ich steh sowieso total auf lapprige Schnitzel und faden Kartoffelsalat. Perfekt also. Und dann gibt es da noch meinen Freund. Der kann gut kochen, also wirklich jetzt. Ganz ohne Quatsch, seine Lasagne ist ein Traum. Ich hoffe ich kann ihn für immer behalten, denn in den nächsten fünfzig Jahren werde ich sicher kein Kochbuch in die Hand nehmen!