Schlagwort: GRAU

Mit der U-Bahn

Wenn ich mit der U-Bahn reise
Über viele U-Bahn-Gleise
Dann schau ich raus
Und sehr nur Grau
Kein buntes Haus.

Und wenn ich in der U-Bahn sitze
In der U-Bahn-Sitze-Ritze
Dann schlaf ich ein
Und seh nur Schwarz
Das soll so sein.

Und wenn ich aus der U-Bahn steige
Auf die U-Bahn-Steige zeige
Dann lauf ich schnell 
Und seh das Licht
Als wärs ganz hell.

Quarzgraue Innenwände

Die Menschen sind unsicher und verzweifelt, weil sie keine kryptischen Klebezettel haben mit möglichen Ausgängen aus den zahllosen Aufgaben und den ungeplanten Abgabeterminen, die sie sich selbst überlegt haben. Es ist dieselbe anspruchslose und graue Beschäftigung, die sie morgens zu früh aufwachen und abends zu spät einschlafen lässt. Sie haben immer zu viel davon und bilden sich ein, dass man ihnen die Arbeit einreden will, als wäre sie eine olympische Goldmedaille. Dabei haben sie schon fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Außer der echten Zufriedenheit, die sie in anderen suchen, aber niemals in sich selbst.

Sie rennen mit ihren telegrauen Kopfhörern durch die verkehrsgrauen Bahnhofshallen und versuchen den Zug zu erwischen, der sie in ein glücklicheres Leben transportiert. Wo es endlose all-you-can-eat Buffets gibt und keine Uhren. Aber sie steigen niemals ein, sondern essen das $12 Bio-Butterbrot aus irgendeinem Hinterhof-Laden und trinken den doppelten Espresso mit zu viel Süßstoff, den sie aufgrund ihrer Schlaflosigkeit sowieso nicht hätten kaufen sollen. Sie fahren jeden Tag mit der gleichen Bahn in das gleiche graue Gebäude und hoffen, dass sich der Boden auftut und ein Lachen herauskommt.

Aber anstatt sich hinzusetzen und sich daran zu erinnern, wer sie wirklich sind, suchen sie in alten Kisten nach khakigrauem Plakatpapier, weil sie denken, dass sie all ihre Probleme mit einer Mindmap lösen können. Dabei ist die Wahrheit direkt vor ihnen, hinter den ganzen Fenstern, die sie verdunkeln, damit niemals Sonne auf den Bildschirm scheint, weil sie sonst die duzend Stapel Arbeit nicht mehr sehen können. Stattdessen starren sie auf quarzgraue Innenwände, die genauso leer sind wie ihre Herzen.

Er hatte Recht, als er damals behauptete, dass man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist. Aber diese Oberfläche sieht nicht aus wie die Salonmöbel aus den Sommerferien. Denn sie haben sich nicht darum bemüht, diese Oberfläche mit einem Stoff zu überziehen. Sondern sie haben sie leer gelassen, damit sie das Grau wiedererkennen. Denn sie kennen dafür unendliche Namen, aber für Grün kennen sie keinen einzigen.