Schlagwort: GLÜCK

Trenn‘ dich vom Schicksal

„Neuer Schlafplatz? Sieht unbequem aus. Wünsch‘ dir trotzdem ’ne gute Nacht!“, rief mir der alte Harry zu, während er wie jeden Abend pünktlich um halb acht seine Ladentür abschloss, um den wohlverdienten Feierabend anzutreten. Wir beide hatten uns schon einige Monate nicht mehr gesehen, denn den Winter über kam ich in einer Einrichtung für Obdachlose unter. Jetzt im Mai waren die Tage wieder länger und die steigenden Temperaturen machten das Schlafen unter freiem Himmel endlich angenehmer. Gemütlich war es trotzdem nicht auf der Straße. Auch nicht im Sommer. Nie.

Ich richtete meinen grünen Schlafsack für die Nacht her und benutzte eine kaputte Strickmütze als Kissen. Der Schlafsack begleitete mich schon seit beinahe zehn Jahren. Das alte Ding hatte früher meinem Vater gehört. Während seiner Dienste beim Militär hatte er den das Ding regelmäßig benutzt. Der Stoff war immer noch robust und hielt mich ausreichend warm. Der Schlafsack war also nicht nur ein bisschen Stoff; es war gleichzeitig das Einzige, das mir von meinem Vater geblieben war. Das Einzige, das mich an ihn erinnerte. Mein Vater war zu Lebzeiten ein angesehener Mann gewesen, der es beruflich zu viel gebracht hatte. Außerdem ging er jeden Sonntag in die Kirche. Ein Vorbild.

Ich war dennoch ein wenig froh, dass er nicht mehr unter uns weilte. Denn hätte er mich – diese jämmerliche Gestalt die ich doch war – so gesehen, hätte das ihm vermutlich das Herz gebrochen. Früher wollte ich immer so werden wie er. Ich wollte einen Job, eine Familie, ein Haus. Aber alles was ich jetzt habe sind ein alter Schlafsack und eine kaputte Mütze. Nichts davon hätte ihn stolz gemacht.

Früher hatte ich anderen Menschen für alles die Schuld gegeben. Für mein zerbrochenes Leben, meine Einsamkeit und mein jämmerliches Dasein. Ich beschuldigte sie alle: Vom Vermieter bis hin zur Sachbearbeiterin des Arbeitsamtes. Manchmal gab ich sogar dem Schicksal die Schuld an meinem miesen Leben. Aber letztendlich spielte das alles keine Rolle mehr. Ich lebte auf der Straße und das würde ich vermutlich so lange tun, bis sie mich in endlich wegschaffen und in ein Armenbegräbnis werfen konnten.

Ich legte mich in mein improvisiertes Bett und schloss die Augen. Das Einschlafen viel mir schwer. Ich konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. Die grölenden Jugendlichen und die fahrenden Autos waren nicht der Grund, denn an solche Geräusche hatte ich mich längst gewöhnt. Was mich hingegen tatsächlich wach hielt war die Erkenntnis, dass sich dringend etwas ändern musste in meinem Leben. Das ich etwas ändern musste. Dieser Gedanke hielt sich so hartnäckig, dass ich ihn schließlich ernst nahm. Ich brauchte wieder einen vernünftigen Job. Und vor allem eine eigene Wohnung. Aber wie sollte das gehen? Wie konnte ich wieder zurück ins Leben finden? Wie bekommt man eine Anstellung, wenn man weder über ordentliche Kleidung, geschweige denn über einen Computer verfügte? Ich besaß ja nicht mehr als das bisschen Stoff, das ich am Leibe trug. Der Gedanke also, gleich morgen früh zum Amt zu laufen, ließ mich schließlich müde werden.

„Guten Morgen! Was in aller Welt tust ’n da?“, wollte Harry von mir wissen, als er früh am Morgen sein Geschäft aufschloss und mich beim Aufräumen beobachtete. Ich erzählte ihm von meiner Entschlossenheit mir endlich einen Job zu suchen und mich um eine Wohnung zu kümmern. Harry, den ich mittlerweile seit vielen Jahren kannte, verzog kurz sein faltiges Gesicht und meinte schließlich: „Klasse Idee. Bekannter von mir sucht noch dringend Hilfe für die Bäckerei, da hat erst einer seine Lehre geschmissen. Wenn du möchtest, leg ich ’n gutes Wort für dich ein.“

Ich brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, dass Harry mir gerade die Aussicht auf einen Job gegeben hatte. Ich war sprachlos, denn dieses Angebot kam unerwartet. „Das würdest du für mich tun? Obwohl ich auf der Straße lebe und zu nichts tauge? Obwohl ich schrecklich aussehe?“, fragte ich meinen alten Freund. „Red‘ keinen Quatsch. Bist doch ’ne gute Seele! Und hässlich bist du noch lange nicht. Da habe ich schon Schlimmere vor meiner Ladentür herumlungern sehen“, gab er zurück, ehe er losprustete. Sein Blick verriet mir aber, dass er tatsächlich glaubte, was er da von sich gab.

Harry dachte das also wirklich. Er hielt mich für eine gute Seele. Hatte er recht? Vielleicht war ich ja gar nicht so jämmerlich, wie ich immer dachte. Von der einen auf die andere Sekunde sah ich die Welt mit völlig anderen Augen. Sie erschien mir plötzlich bunt. Lebendig. Hoffnungsvoll. Ich war in diesem Moment die wohl glücklichste Frau auf der ganzen Welt. Mein Vater wäre stolz gewesen.

Du bist kostbar

Du selbst, genauso wie jeder andere im ganzen Universum, verdienst deine Liebe und Zuneigung
(Buddha)

Vergrabe mich unter deiner unendlichen Weisheit und deinen schönen Zähnen, die du so liebevoll und ordentlich putzt als wären Sie ein kostbarer Lackschuh aus einem vornehmen Laden, der nur an Helden verkauft. Zeig mir verstohlene Orte, die außer dir noch kein Lebender gesehen hat. Zu denen du hingehst, wenn du einsam bist und zu viele Filme darüber gesehen hast, was Liebe ist.

Beerdige mich in deinen alten Sachen und deinen neuen Vorhängen, die so weich sind und gründlich als wäre sie kostbare Seide aus einem fernen Land, in dem nur Reiche leben. Zeig mir kleine Wohnzimmer, in denen außer uns noch kein Mensch gelebt hat. In denen wir wohnen, wenn wir einander brauchen und zu oft darüber nachgedacht haben, was Liebe ist.

Ersticke mich mit deinen schmutzigen T-Shirts und deinen blauen Nachthemden, die du immer so sorgsam zusammenfaltest als wären Sie ein kostbares Kostüm aus einer anderen Welt, die nur Romantiker hereinlässt. Zeig mir fremde Träume, die außer dir noch keiner geträumt hat. Zu denen du hingehst, wenn du an mich denkst und wissen willst, was Liebe ist.

Gute Vorsätze für’s neue Jahr: 3 Gründe, warum wir sie gleich über Bord werfen sollten

Das neue Jahr kommt. Und es kommt meistens plötzlich. Damit auch eine Liste mit Vorsätzen, die wir in den kommenden zwölf Monaten umsetzen wollen. Bei manchen ist die Liste lang, bei wiederum anderen enthält sie nur einen Punkt. Endlich mit dem Rauchen aufzuhören landet sicher auch dieses Mal unter den Top 10 der guten Vorsätze. Warum wir aber ohne Vorsätze langfristig glücklicher werden, lest ihr hier.

EINS – Wir halten sie eh nicht ein

Na? Hast du 2018 endlich mit dem Rauchen aufgehört, dich im Fitness-Studio angemeldet oder früher angefangen für die Prüfungen zu lernen? Wer solche Fragen mit einem klaren Nein beantworten kann, weiß in seinem Inneren, dass sich auch Vorsätze für 2019 irgendwann in Schall und Rauch auflösen werden. Dann ist es plötzlich Juni und man hat ein schlechtes Gewissen. Außerdem fühlt man sich unter Druck gesetzt. Das hilft einem dann meistens auch nicht entscheidend weiter und man beschließt, es mit den Vorsätzen für den Rest des Jahres wohl lieber sein zu lassen.

ZWEI – Vorsätze sind meist nur wage formuliert

„Ich möchte mich gesünder ernähren“ oder „Ich möchte häufiger meine Eltern besuchen“ sind Formulierungen, die eigentlich alles sagen aber gleichzeitig auch nichts. Begriffe wie wenigerhäufiger oder gesünder sind meistens reine Auslegungssache. Nimmt man sich also vor für Klausuren häufiger zu lernen, und tut dies vielleicht einmal öfter als im Jahr davor, hat man vielleicht seinen Vorsatz eingehalten, aber wirklich geändert hat man sich nicht. Und dann hat man ebenfalls wieder ein schlechtes Gewissen.

DREI – Wir sind nicht perfekt

Man kann leider kein perfekter Mensch werden. Aber ein glücklicher Mensch werden liegt sehr wohl im Bereich des Machbaren. Selbst wenn wir es schaffen, frei von Lastern zu sein und uns in unserem Körper immer wohl fühlen, sind wir nicht automatisch glücklich. Das heißt, dass wir uns nicht permanent verbessern müssen und uns dabei einem strengen Plan unterziehen sollten. Wir dürfen auch mal auf der Couch bleiben oder ein Bier trinken, wenn uns gerade danach ist, ohne dieses lästige schlechte Gewissen haben zu müssen. Am Ende des Jahres zählt nämlich nicht, wie gut du deine Vorsätze umgesetzt hast, sondern ob 2019 ein schönes Jahr für dich gewesen ist.

Und jetzt?

Diese Aufzählung ist keine Aufforderung, nicht mehr an sich zu arbeiten. Wenn es etwas gibt, das dich an dir stört oder ernsthaft gesundheitsschädlich ist, dann ändere es! Aber nehme nicht das neue Jahr als Vorwand, sondern arbeite das ganze Jahr über an deinen Zielen. Am besten setzt du sie step-by-step um. Wie wäre es, wenn du deinen Zigarettenkonsum monatlich verringerst, anstatt sofort radikal damit aufzuhören? Oder wenn du an einem Tag in der Woche naschen darfst, ohne ganz darauf zu verzichten? Und selbst wenn das mit dem Naschen schon nach ein paar Wochen wieder vergessen ist: sei’s drum. Am Ende landen wir immer wieder in unserer Komfortzone, denn so sind wir Menschen.

In diesem Sinne wünsche ich euch schon jetzt (ein wenig verfrüht) einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich hoffe, dass 2019 das Jahr eures Lebens wird. Ganz ohne schlechtem Gewissen.

Waldsterben – warum wir nicht schätzen was doch so wichtig für uns ist

Wir sollten uns die Zeit nehmen und öfter in den Wald gehen.

Jeder kennt das Gefühl: gut riechende Luft, knacksende Äste, singende Vögel und friedliche Stimmung. Wir alle lieben den Wald. Er entspannt uns, lässt uns runter kommen und puscht uns auf. Ein Spaziergang durch den Wald stärkt unser Immunsystem und lässt uns mal den Kopf frei bekommen. Weg vom Alltag und weg vom Stress. Zudem weiß jedes Kind, dass Bäume den Sauerstoff produzieren, den wir zum Leben brauchen und dass Wälder (vor allem in urbanen Gegenden) die einzigen natürlichen Okösysteme darstellen, die der Erde noch geblieben sind.

Man kann sich jetzt also die Frage stellen, warum wir so rücksichtslos die Lungen unseres Planeten abholzen und gigantisch große Regenwälder zunichte machen, doch die Antwort ist allen klar. Wir brauchen Rohstoffe. Und damit ist nicht nur das Holz gemeint, das wir für unsere neue schicke Wohnzimmereinrichtung brauchen. Damit sind auch Nahrungsmittel gemeint, deren Anbau mit den steigenden Bevölkerungszahlen immer mehr Platz benötigt. Aber das Problem geht noch viel weiter. Unser Problem ist nicht nur, dass wir die Wälder abholzen. Unser Problem ist, dass wir sie kaum noch betreten.

Wir haben aufgehört, den Wald zu schätzen

Was für unsere Vorfahren Heimat und Lebensraum war, ist für uns nicht mehr von Bedeutung. Schon das Gassi gehen mit dem Hund kostet uns Überwindung und ist vom nationalen Volkssport zum notwendingen Übel geworden. Unseren Sport erledigen wir heutzutage im Fitness-Studio und zahlen dafür auch noch Geld, obwohl der Wald eigentlich vor der Nase ist (ausgenommen von Stadtbewohnern). Im Sommer gehen wir lieber in den Freizeitpark und fahren Wildwasserbahn, anstatt im Wald zu wandern oder dort ein Buch zu lesen. Warum also bleibt der Wald die meiste Zeit leer? Was sind die Gründe für unsere ganz gezielte Waldvermeidung? Unser Alltag, vermutlich. Wir haben keine Zeit mehr für den Wald – er passt nicht in unser hektisches Leben. Wir gehen zur Arbeit, machen Termine aus, treffen Bekannte, gehen zum Sportverein und Abends legen wir uns ins Bett, ohne wirklich ein paar Minuten Zeit für uns gehabt zu haben. Die Deutschen sind busy. Und so war es bei mir auch – bis vor Kurzem jedenfalls. Denn nach dem Ende eines sich lange hinziehenden Lernmarathons, hatte ich plötzlich Zeit. Zeit für mich – und den Wald. Ist der Wald also ein Privileg geworden? Ich hoffe nicht. Denn wir brauchen die Wälder. Für unsere Gesundheit und für unsere Zufriedenheit. Wie wär’s also mit einem kleinen Waldspaziergang? Ich glaube, die zwanzig Minuten darf man sich doch gönnen.