Wir saßen am Fluss und grillten Bockwürste. Die Jungs hatten nur ihre Unterhosen an und sprangen mutig in den Fluss, um sich abzukühlen. Wir Mädchen hingegen fröstelten schon beim Anblick des noch kalten Wassers. Die Schule hatten wir heute allesamt geschwänzt, denn die Sonne schien hell und wir wollten lieber Spaß haben, als im stickigen Klassenraum zu sitzen. Also schmuggelten wir Dosenbier und eine Schachtel Zigaretten an unseren Eltern vorbei und packten alles in eine alte Stofftasche. Eine Stunde später saßen wir am Fluss.

Unsere Eltern hatten uns schon vor Tagen vor der tosenden Strömung gewarnt. Denn aufgrund des starken Niederschlags war der Fluss zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahrenquelle geworden. Das interessierte uns allerdings kein Stück. Naja, die Jungs zumindest nicht. Wir Mädchen hatten sowieso kein Interesse daran, uns ausziehen und in das kalte Nass zu springen. Wir sahen lieber zu. 

Außer Natalie. Sie war schon immer ein bisschen sonderbar, denn sie wollte immer genau das tun, was die Jungs taten. Deshalb gab sie sich nicht mit Zuschauen am Flussufer zufrieden und zog sich die Klamotten aus. Bis auf die Unterwäsche. Dann hüpfte sie ins Wasser und lies sich mit der Strömung treiben. Als wir Natalie nach einiger Zeit aus den Augen verloren, wurden einige von uns nervös. Wo war sie hin? Ich ärgerte mich über sie, denn ihr ständiger Drang sich gegenüber den Jungs zu behaupten hatte sie schon mehrmals in Schwierigkeiten gebracht. Was sollten wir ihren Eltern sagen? Wie könnten wir das erklären?

Während ich mich in Gedanken verlor und über mögliche Ausreden nachdachte, hörte ich meine Freunde im Hintergrund hitzig diskutieren. Ihre Stimmen lösten in meinem Kopf aber nur ein dumpfes Pochen aus, sodass ich mir schließlich die Ohren zuhielt. So muss ich wohl einige Zeit dagestanden haben. Ich kann nicht sagen, ob es Minuten waren oder nur Sekunden. 

Plötzlich packte mich jemand an der Schulter und schüttelte mich so lange, bis ich wieder ganz bei mir war. Es war Natalie. Sie nahm mich bei der Hand und führte mich über die weiche Wiese zum Steg. Dort hatte sie eine alte Flaschenpost gefunden, deren Inhalt längst vergilbt war. „Ich glaube hier ist eine Karte versteckt. Lass sie uns ansehen und gemeinsam den Schatz finden.“ Grinsend hielt mir Natalie die grüne Flasche ins Gesicht und ich verstand in jenem Moment, dass Natalie genauso war, wie man im Sommer sein musste: Mutig und abenteuerlustig.