Er ist das Böse in Person: Der Teufel. Als Gottes Gegenspieler hat er im Christentum eine besondere Rolle inne, denn wer zu Lebzeiten ein schlechter Mensch war, muss nach dem Tod bei ihm ausharren. Schon Goethes Faust verkaufte seine Seele an den Höllenboten und auch heute noch prägt der gefallene Engel, bekannt auch als Luzifer, unseren Sprachgebrauch. Wir kommen in Teufels Küche, sind nach einem Streit fuchsteufelswild und wir wissen, dass der Teufel manchmal im Detail steckt. Aber wer ist er heute für uns, dieser Teufel?

Der Teufel feiert sein Comeback

Ich kenne niemanden, der nach nach so langer Zeit ein vergleichbar beeindruckendes Comeback feiert, wie der Satan höchstpersönlich. Bei der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“ wird der Teufel – hier genannt „der dunkle Lord“ angebetet und von seiner Anhängerschaft regelrecht angeschmachtet. Aber auch bei Amazon hat der Teufel seinen eigenen Auftritt und wandelt, weil es ihm in der Hölle dann doch zu langweilig war, auf der Erde herum. Dort verdreht er unzähligen Frauen den Kopf. Aber Egal ob bei Amazon oder Netflix: Luzifer ist wieder im Trend. Nur erscheint er uns Zuschauern mittlerweile nicht mehr furchteinflößend, sondern harmlos und sympathisch – ja fast sogar menschlich.

Während gottesfürchtige Menschen Jahrtausende lang vor ihm Angst hatten, wird der Teufel heutzutage gefeiert wie ein Popstar. Gut sieht er aus, der Lucifer von Amazon, und Muskeln hat er auch noch. Da kann so manche Zuschauerin – oder eben auch so mancher Zuschauer – mal schnell schwach werden. In die Hölle zu kommen wäre also irgendwie ein Segen. Aber natürlich nur theoretisch. Den Teufel gibt es ja eigentlich gar nicht.

Machen wir uns über Religionen lustig?

Dass der Teufel das aktuelle Sexsymbol Nummer eins ist, sagt mit Sicherheit eine Menge über uns aus. Religionen sind uns fremd geworden, sie existieren meist nur noch auf dem Papier oder in der Erinnerung an unsere Konfirmation von vor über zehn Jahren. In die Kirche gehen wir nicht – außer jemand heiratet oder wird getauft – und auch so möchten wir uns nicht wirklich mit Religionen oder biblischen Botschaften beschäftigen. Warum auch? Wir wissen es heute doch sowieso besser!

Aber wie sortieren wir das ein? Machen wir uns über den Teufel lustig? Oder gar über Religionen? Oder ist doch noch ein wenig Respekt übrig geblieben? Ich kann die Frage nicht beantworten. (Das habt ihr hoffentlich auch nicht erwartet, oder?) Was ich allerdings vermute, ist, dass wir mit der Kirche doch nicht so abgeschlossen haben, wie wir es vielleicht gerne hätten. Nach wie vor sind religiöse – in diesem Fall – christliche Symbole und Figuren in unserem modernen Alltag allgegenwärtig. Sie bestimmen vielleicht nicht unser Leben, aber sie gestalten es entscheidend mit. Die zehn Gebote beispielsweise haben sich in unsere Köpfe genauso gebrannt wie das Bewusstsein dafür, unseren Nächsten genauso zu lieben wie uns selbst. Das mag im echten Leben zwar nicht immer funktionieren, aber der Wille zählt.

In Wahrheit nur ein Schrei nach Sicherheit?

Vielleicht ist der aktuelle „Teufelskult“ auch nur ein Schrei nach Sicherheit. Wir brauchen Sinngebung und Autoritäten in einer Welt, die zu schnell an uns vorüberzieht und alle Möglichkeiten offen lässt. Manche suchen diese Elemente im Kirchenbesuch, andere im Netflix-Programm. Wer sich bewusst mit den Themenstellungen verschiedener Fernsehinhalte auseinandersetzt, merkt schnell, dass Glaube und Übersinnliches immer noch ganz oben auf der Liste stehen. Ergo: Wir wollen das sehen. Wir wollen uns mit diesen scheinbar altmodischen Themenstellungen auseinandersetzen.

Ich möchte jetzt allerdings auch nicht den Teufel an die Wand malen. Es ist gut, dass wir in einer Welt leben, in der jeder Mensch die Wahl hat, ob und wie er seinen Glauben ausleben will. Gottseidank!

Hier die beiden benannten Serien

Sabrina die Hexe gehört der „Kirche der Nacht“ an, die den Teufel verehrt und seinen Willen befolgt. Bei ihrer Satanischen Taufe muss sie sich verpflichten, dem Dunklen Lord auf ewig zu dienen.
Lucifer herrscht über die Hölle. Seine Macht ist unbegrenzt, dennoch langweilt er sich so sehr, dass er beschließt, seinen Höllenort zu verlassen und sich unter die Menschheit zu mischen.