Kategorie: Kommentar

Viele Stücke vom selben Kuchen

Wer Soziologie studiert, der beschäftigt sich früher oder später mit rätselhaften Begriffen wie „Allokation“ oder „Probleme öffentlicher Gemeingüter“. In der Regel ist damit nichts anderes gemeint als die faire Gestaltung unseres täglichen Zusammenlebens. Das fängt schon bei der Bahnhofstoilette an und zieht sich über die Mehrwertsteuer hin zum Abitur. Doch wer entscheidet eigentlich, was fair ist? Und warum reden hauptsächlich Forscher über Fairness und nicht schon Kindergartenkinder?

Was gut für alle ist, ist nicht immer gut für jeden 

Ressourcen sind knapp. Das ist keine Überraschung, auch kein Geheimnis. Wir baden nicht alle in endlos viel Geld und können uns nicht alle ein Haus auf dem Land kaufen. Denn wenn das so wäre, bräuchten wir ja auch keine Volkswirtschaft. Diese lebt nämlich von der Verteilung knapper Ressourcen. Land, Besitz, Bildung. Jeder soll ein ein Stück vom Kuchen abbekommen, quasi. Dass die Kuchenstücke nicht immer gleich groß sind und manche nur Krümel abbekommen, während andere vergnügt in die Mitte beißen, ist leider unfair. Wir selbst, und damit meine ich hauptsächlich uns Otto Normalverbraucher, haben aber das Bewusstsein für die Knappheit von Ressourcen verloren. Denn wenn wir durch den Supermarkt laufen, leiden wir eher an einer Reizüberflutung statt an einer Dankbarkeit für die fleißigen Landwirte. Deshalb beschäftigen sich hauptsächlich Forscher mit der Frage, wie man knappe Ressourcen fair verteilen kann. Das Problem: Die sind auch nur Menschen und können sich deshalb keine 82 Millionen Bürger*innen im Detail anschauen und überlegen, was das Beste für jeden ist. Sondern immer nur, was das Beste für alle ist. Aber was gut für alle ist, ist nicht immer gut für jeden. 

Aber was ist eigentlich gut für jeden?

Dass wir nicht alle in Geld schwimmen oder ein Landhaus besitzen können, haben wir ja bereits erörtert. Der Anspruch sollte also nicht sein, dass wir alle wunschlos glücklich sind. Aber eine allgemein faire Verteilung – das wär’s doch. Eine sichere Bleibe, genug Geld für Essen und ein Zugang zu Bildung, Kultur und nicht zuletzt medizinischer Versorgung wären bereits ausreichend. Menschen die ihre Miete nicht mehr bezahlen können, Rentner die in Mülltonnen nach Leergut suchen oder Kinder in Armut beweisen jedoch, dass wir uns von der fairen Verteilung immer weiter wegbewegen. 

Ein weiteres Beispiel: Immer mehr Schulabgänger entscheiden sich dafür ein Studium zu beginnen. Die Gründe sind laut Handelsblatt unterschiedlich: Die Berufsaussichten für Akademiker sind gut und sowohl Arbeitswelt als auch Gesellschaft haben sich verändert. Das ist auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass in Deutschland geplant, gezeichnet und entworfen wird. Aber letztendlich nicht produziert. Das wird hauptsächlich aus Kostengründen im Ausland gemacht. Und die Akademiker, die dann in Deutschland planen, zeichnen und entwerfen, verdienen gutes Geld. Während viele, die noch echter Handarbeit nachgehen, vom Mindestlohn leben müssen und ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Die Schere zwischen Arm und Reich wird also wirklich immer größer. Dabei sind auch für Handwerker die Jobaussichten – zumindest in der Theorie – super gut. Denn Haare schneiden sich genauso wenig von selbst wie sich Fließen von alleine verlegen. Es wird also früher oder später ein enormes Ungleichgewicht entstehen; und dann sitzen gut bezahlte Akademiker unter ihren teuren Dächern und starren die Löcher an, die niemand stopfen kann.

Der Kommunismus ist kein Erlöser

Dass uns nur noch eine Planwirtschaft erlösen kann, streite ich an dieser Stelle aber auch gerne ab. Wir brauchen die Volkswirtschaft. Sie bestimmt selbst, welche Ressourcen wir wo und wann sinnvoll einsetzen können. Was fair ist. Doch wie überall braucht es auch hier gute Spielregeln. Denn wenn diese fehlen und sich niemand mehr verantwortlich fühlt, dann bricht das System zusammen. Und natürlich macht diese Spielregeln der Staat. Er legt den Mindestlohn fest, er subventioniert Landwirte und er bestimmt letztlich den Steuersatz. Aber vielleicht sollten wir der „unsichtbaren Hand des Marktes“ mehr Selbstbestimmung zuschreiben. Denn niemand mag zu viele Spielregeln.  

Wenn wir also schon im Kindergarten feststellen, dass jeder andere Talente hat, die sich super ergänzen lassen, hätten wir vielleicht schon gewonnen. Und wenn wir dann auch noch lernen, dass jede Kartoffel einen Preis hat, der jenseits des Kassenzettels Menschen versorgen muss, könnten wir vielleicht in einer faireren Welt leben. Für beides braucht es aber vor allem Eines: gegenseitige Wertschätzung. 

Umweltsünderin

Vergib mir Herr, denn ich habe gesündigt. Ich habe eine Flugreise gemacht. Bin mit dem Jet auf eine ferne Insel geflogen, habe unfassbar viele Kilometer hinter mich gebracht und deswegen auch massiv CO2 verursacht. Mist.

„Flight-Shame“ ist das neue Unwort

Fernreisen. Was vor einigen Jahren noch als ein aufregendes Erlebnis junger Menschen verstanden wurde, gilt jetzt schon fast als Tabu. „Flight-Shame“, zu deutsch „Flug-Scham“, hat schon jetzt das große Potential, Unwort des Jahres zu werden. Im Genaueren bedeutet der Begriff, dass Personen sich für ihre Flugreisen rechtfertigen müssen, ja teilweise sogar dafür schämen. Denn durch den Flug wird, wie oben bereits erwähnt, viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Und das, wie wir alle wissen, ist schlecht für unser globales Klima.

Was also tun? Sich in die Ecke stellen und schämen? Keinem vom Flug erzählen – oder besser noch: niemals mehr fliegen? Die Antwort ist natürlich, wie eigentlich fast alles im Leben, weder schwarz noch weiß. Jemanden für seine Reise zu verurteilen wäre genauso falsch, wie Flugreisen generell zu verbieten. Denn was solche Reisen fördern – und da versteht mich sicher jeder, der bereits andere Länder besucht hat – das Miteinander. Toleranz, Kulturerlebnisse und Interesse aneinander sind einige Stichpunkte, die an einem jeden Reisenden haften bleiben. In einer Zeit in der Rassismus und Fremdenfeindlichkeit langsam wieder Einzug in Parlamente halten, ist es umso wichtiger, dass wir über unseren eigenen Tellerrand hinausblicken und andere Kulturen wertschätzen. Das geht am besten, wenn man diese Kulturen auch im echten Leben kennenlernt.

Aber das ist der Umwelt doch egal?!

Klar, das ist der Umwelt egal. Beziehungsweise dem Klima. Der Flieger setzt trotzdem CO2 frei. Es braucht also einen Weg, um einen Ausgleich zu schaffen. Eine Balance – wenn man so will. Wie die aussieht, muss letztendlich jeder für sich entscheiden. Das Bewusstsein dafür, welche Verantwortung man nach einem Flug tragen muss, sollte den Anfang machen. Ich in meinem Fall werde via Atmosfair meinen Flug kompensieren. Ich werde also einen Betrag (errechnet an der von mir verursachten CO2-Menge) an die Organisation spenden. Mit den Geldern werden dann weltweite Projekte gefördert, welche die Menge an Kohlenstoffdioxid an einer anderen Stelle einsparen.

Man könnte jetzt behaupten, dass ich es mir damit besonders leicht mache. Ein Privileg der kapitalistischen Gesellschaft quasi. Ich treibe was ich will, und am Ende steck ich jemanden ein bisschen Geld in die Tasche. So auf die Art: „80 Euro, dann ist dat Ding aber jut bezahlt“. Aber nö nö! So wird das nicht laufen. Denn ich werde weiterhin in meinem Alltag möglichst auf Plastik verzichten, die regionale Landwirtschaft unterstützen und meinen Bedarf an Strom und Wasser niedrig halten. Außerdem habe ich vor, die nächsten Jahre auf jeden Fall in der Nähe Urlaub zu machen.

Mai (von Mailab) hat in einem ihrer Videos ein klasse Beispiel gebracht. Nehmen wir Person A. Person A hat Müll in den Wald geschmissen, obwohl er sich normalerweise für Umweltschutz einsetzt. Person B hat auch Müll in den Wald geschmissen, leugnet das aber. Und Person C hat ebenfalls Müll in den Wald geschmissen, steht aber offen und ehrlich dazu, dass ihm das egal ist. Eigentlich müssten wir C hassen, weil sein Verhalten unvorbildlich und echt uncool ist. Aber: Eigentlich finden wir Person C ganz sympathisch, weil wer wenigstens ehrlich war. Und Person B ist ein Lügner, aber das lassen wir auch noch irgendwie durchgehen. Schließlich scheint er zu wissen, dass sein Verhalten falsch war. Wen wir aber gar nicht abkönnen, ist Person A! Denn A ist offensichtlich ein Heuchler – und wir hassen Heuchler mehr als Lügner! Aber… STOP. Wir sollten C hassen, weil er offensichtlich keinen Bock auf Umweltschutz hat. Person A hat einen Fehler gemacht, aber wenigstens ist ihm der Fehler bewusst.

„Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser kluge Satz, der schon in der Bibel stand bla bla, hat bis heute nicht an Bedeutung verloren. Denn wir sind alle keine Heiligen, jeder von uns ist Klimasünder. Sich für ein bewussteres Leben einzusetzen bedeutet nicht, dass man ab sofort in einer Waldbaracke hausen muss. Es bedeutet auch nicht, dass man nie mehr Fleisch essen oder fliegen darf. Denn es bedeutet in erster Linie nur, dass man trotz des westlichen Lebensstils irgendwie versucht, ein besserer Mensch zu sein.

Wann geht uns ein Licht auf?

Wer von euch kennt Greta? Die 16-Jährige Klimaaktivistin mit Asperger-Syndrom und den zwei geflochtenen Zöpfen? Das Mädchen dessen Video um die Welt geht? Das sich vor verschlafene Regierungsmitglieder verschiedener Länder stellt und versucht sie wachzurütteln? Genau die! Und über die reden wir jetzt. Greta Thunberg hat beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos folgendes gesagt:

Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Dass ihr so handelt als würde euer Haus in Flammen stehen, denn das tut es.

Greta THunberg (VIdeo)

In einem weiteren Interview sagt Greta etwas, das mich fast sprachlos gemacht hat:

Wir müssen erkennen, dass wir in einer akuten Krise stecken. Und in einer Krise handelt und denkt man anders, als man es normalerweise tun würde.

GReta Thunberg (VIDEO)

Und damit trifft Greta den Nagel auf den Kopf. Denn wir Menschen ziehen uns regelmäßig irgendwelche apokalyptischen Blockbuster rein, angefangen bei „I am Legend“ bis hin zu „Bird Box“, und essen dabei unsere Tüte Chips mit einer Seelenruhe, als wären solche Weltuntergangs-Szenarien nur ausgedacht. Nein. Wir befinden uns bereits in so einem Szenario. In einer Krise. Und es ist dieselbe Krise wie im Film. Nur wir checken es einfach nicht. Wir merken es nicht. Wir sehen es nicht. 

Es muss erst ein Teenager um die Ecke kommen, damit wir das verstehen. Wir Menschen haben über die Jahre erstklassiges Wissen über unsere Umwelt gesammelt und dennoch tun wir nichts, um sie zu schützen. Es siegt dann das Zwei-Euro-Fleisch aus dem Discounter. Aber wenn wir wirklich so weitermachen wollen, wenn wir dieses Leben wirklich leben wollen, dann müssen wir uns der Konsequenzen bewusst sein. Wir werden immer mehr Menschen und Ressourcen werden gleichzeitig immer knapper. Haben wir überhaupt noch ein Recht auf diesen wahnsinnigen Konsum?

Ich bin wirklich keine Heilige, auch ich habe meine Klimasünden. Ich fliege alle zwei Jahre in den Urlaub und ich habe ein Auto, das ich auch regelmäßig benutze. Aber ich bin dennoch immer darum bemüht, wenigstens bei den kleinen Dingen im Alltag etwas klimabewusster zu werden. Ich verzichte weitgehend auf Plastik und versuche mein Obst und Gemüse immer regional zu kaufen. Ich kaufe mir keine 45 Cent Milch, sondern gebe dafür gerne mehr Geld aus. 

Ich bin teilweise schockiert, wenn ich sehe was so manche Menschen täglich einkaufen. Abgesehen davon, dass das meiste Zeug wahnsinnig ungesund ist, ist es vor allem doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt. Da frage ich mich: muss das wirklich sein? Ich will hier niemanden angreifen und es ist auch nicht meine Absicht euch zu sagen, wie ihr euer Leben führen sollt. Aber bitte, wenn ihr euch jetzt angesprochen fühlt, dann denkt mal darüber nach warum. Habt gerne ein schlechtes Gewissen.

Und wer glaubt, er könne mit seinem Einkauf sowieso nichts bewirken, denn es seien allein die Produzenten, die sich ändern müssten, den möchte ich kurz aufklären. Denn das Angebot im Supermarkt und darüber hinaus (Autobranche, Stromanbieter etc.) wird durch die Nachfrage der Konsumenten bestimmt. Anbieter richten ihre Produkte an unseren Bedürfnissen aus, um den Absatz zu maximieren. Wenn wir aber verweigern, weiterhin in Plastik gepackte Gurken zu kaufen, dann werden sie auf kurz oder lang aus den Läden verschwinden. Wir Konsumenten haben nämlich mehr Macht, als wir es uns selbst zutrauen. Um es mit Gretas Worten zu sagen: „You are never too small to make a difference“.

Wir müssen reden!

Wir müssen über Feminismus reden! Dringend. Denn wir haben unendlich viele Gründe dazu. Und genau diejenigen, die spätestens in dieser Sekunde mit den Augen rollen oder keine Lust mehr haben weiterzulesen, sollten jetzt ganz aufmerksam sein. Und wer nicht genau weiß, was denn so alles unter dem Begriff Feminismus verstanden wird, hier eine Definition:

Feminismus ist ein Oberbegriff für gesellschaftliche, politische und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die, basierend auf der kritischen Analyse von Geschlechterordnungen, für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen sowie gegen Sexismus eintreten und diese Ziele durch entsprechende Maßnahmen umzusetzen versuchen. (Quelle: Wikipedia)

Warum das alles?

Wir leben doch in einer modernen Gesellschaft, in der es den Frauen an nichts fehlt? Frauen werden hier gut behandelt und dürfen studieren gehen und wählen dürfen sie sowieso. Feministen wollen stattdessen durchsetzen, dass Frauen überrepräsentiert werden und das ist ungerecht den Männern gegenüber. Außerdem ist der Feminismus eine „männerhassende Bewegung“. Genau so argumentieren Menschen im Internet, die sich klar gegen feministische Ströme aussprechen. Vielleicht mag auf den ersten Blick wahr sein was sie sagen. Aber schauen wir doch einmal genauer hin, ob solche Argumentationen auch auf den zweiten Blick Bestand haben.

Frauen werden gut behandelt

Richtet man den Blick auf andere Kulturen, jenseits der westlichen und modernen Welt, findet man schnell Grausamkeit, wenn man sich mit der Behandlung junger Frauen und Mädchen auseinandersetzt. Ehen im Kindesalter, Beschneidungen und brutale Gruppenvergewaltigungen… Die Liste ist lang. Dennoch dürfen wir nicht anfangen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dadurch, dass wir in einer zivilisierten Gesellschaft leben, sind solche Dinge natürlich undenkbar und kommen in unserer Kultur glücklicherweise (so gut wie) nicht vor.

Dennoch werden Frauen täglich in unserer Gesellschaft als Sexobjekt dargestellt und schlechter behandelt als Männer. Frag doch mal deine Freundinnen, ob ihnen schon mal jemand ungefragt an den Hintern gefasst hat? Vielleicht lachst du darüber, aber die Sache ist ernster als du denkst. Ich möchte nicht ständig von fremden Männern angefasst werden. Dennoch passiert das andauernd. Und schau dich doch mal um, wenn du das nächste Mal zum Amt o.Ä. gehst. Hast du da schon jemals einen Flyer gesehen, für Männer die Opfer von häuslicher Gewalt wurden? Ein Männerhaus? Ich persönlich noch nicht. Aber schau doch mal einen Tatort oder einen anderen beliebigen Krimi im TV an und sag mir, wie oft dort eine Frau gespielt wird, die Opfer ihres handgreiflichen Ehemanns wurde? Oft. Und oft werden solche asymmetrischen Beziehungen zwischen Mann und Frau im Fernsehen auch noch romantisiert. Das beginnt teilweise schon bei Kinderfilmen, wie beispielsweise die Schöne und das Biest.

Hier möchte ich gleich sagen, dass Feminismus bedeutet, dass es genauso ein Gesprächsthema sein muss, wenn Männer von ihren Frauen geschlagen werden. Auch Frauen können aggressiv und handgreiflich sein. Das ist keine Verhaltensweise, die nur Männer an den Tag legen! Dennoch passiert häufiger der umgekehrte Fall. Ich bin zwar kein Psychologe, der die Neigung zu aggressivem Verhalten vorhersagen kann, aber ich glaube nicht, dass Männer grundsätzlich gewaltbereiter oder böser sind als Frauen. Frauen sind nur häufiger unterwürfiger und lassen sich das gefallen, meiner Meinung nach. Weil sie leider oft sowohl psychisch als auch finanziell von ihren Männern abhängig sind und sich nicht trauen, eigene Stärke zu zeigen.

Frauen dürfen Karriere machen und wählen gehen

Ja. Das dürfen sie durchaus. Laut Grundgesetz (Art. 3 Abs. II) darf kein Mensch aufgrund seines Geschlechts besser oder schlechter gestellt werden als ein anderer Mensch. Das heißt im Klartext, dass eine Frau beim Bewerbungsprozess die gleiche Chance bekommen muss, wie ein männlicher Kandidat. Und dass Frauen das gleiche Gehalt bekommen müssten, wie ihre männlichen Arbeitskollegen. Dass dies aber nicht der Fall ist, ist ein offenes Geheimnis. 

Ein weiteres offenes Geheimnis ist, dass Frauen seltener in Führungspositionen arbeiten als ihre männlichen Kollegen. Ihr glaubt das nicht? Dann schaut doch mal in euer berufliches Umfeld und denkt über das Verhältnis von Frauen und Männern nach, die eine wichtige Rolle bei Entscheidungsfindungen einnehmen. Ihr glaubt es immer noch nicht? Dann schaut doch mal auf RTL „Undercover Boss“ an und sagt mir, wie oft da eine Frau als Chef teilnimmt? Ich denke ich schätze nicht schlecht, wenn ich behaupte, dass die Quote in diesem Fall gegen null geht.

Frauen sollen durch z.B. die Frauenquote überrepräsentiert werden

Die Angst, Frauen würden nur eingestellt werden, um die Quote zu erfüllen und Männern würde man dann die Chance auf den Job verwehren, setze ich gerne auf die Liste der Ammenmärchen. Denn nur weil Frauen stärker werden, heißt das nicht automatisch, dass Männer schwächer werden. Frauen müssen aber generell mehr gefördert werden als Männer. Aber nicht in dem was sie tun oder nicht tun, sondern sie müssen darin gefördert werden, mehr an sich selbst zu glauben. Jede Frau wird sich an einem gewissen Punkt in ihrem Leben überlegen, ob sie sich lieber für Kind oder Karriere entscheiden will. Aber warum denn eigentlich, in Gottesnamen? Männer müssen sich doch auch nicht entscheiden! Dennoch sind Männer auch Eltern und damit genauso in der Pflicht, die Kinderbetreuung aktiv mitzugestalten und zu organisieren.

Darüber hinaus bekommen wir, und das gilt für Jungen genauso wie für Mädchen, in der Kindheit genau vorgeschrieben, wie wir uns entsprechend unseres Geschlechts zu verhalten haben. Mädchen tragen rosa Kleidchen, gehen zum Tanzen und sehen hübsch aus. Jungen hingegen sind die Entdecker, die schlauen Kerlchen und die Fußballspieler. Deswegen entwickeln wir im Laufe unserer Sozialisation feste Rollenbilder. Und die sind so fest, dass sie zu brechen schon fast lächerlich erscheint. Aber warum eigentlich? Wer hat das festgelegt? Ein Mädchen kann genauso gut Autos mögen und Physik studieren. Genauso wie ein Junge tanzen darf oder später Erzieher wird oder Design studiert. Denn dass Jungen und Mädchen gleich schlau sind, weiß doch hoffentlich jeder. Dennoch kenne ich unendlich viele Namen männlicher Wissenschaftler (sowohl aktuelle als auch historische), kaum aber den Namen einer Wissenschaftlerin. Und um nochmal auf die Kulturen jenseits der westlichen Welt zurückzukommen: wie sollen denn dort Frauen in der Öffentlichkeit ernstgenommen werden, wenn das nicht mal bei uns richtig funktioniert? Wir sollten in dieser Hinsicht ein Vorbild werden.

Feminismus ist eine männerhassende Bewegung

Dieser Abschnitt ist mir besonders wichtig, weil ich klarstellen will, dass unter Gleichheit verstanden wird, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Frauen, Männer, diverse Menschen. Alle. Auch du!

Feministinnen und Feministen hassen Männer nicht, im Gegenteil: sie machen sich stark dafür, dass Männer auch sensibel sein dürfen oder Schminke tragen dürfen oder auch nur ein rosa Hemd, ohne ausgelacht und als Tunte oder Schwächling bezeichnet zu werden. Wir wollen, dass die Persönlichkeit eines jeden Menschen im Mittelpunkt steht. Nicht das Geschlecht, das Aussehen und auch nicht die sexuelle Orientierung. Wir wollen, dass alle Menschen lieb zu einander sind. Ergo: Jeder, der für Gleichberechtigung eintritt, ist Feminist oder Feministin. Und, oh Wunder, das kostet uns sogar keinen einzigen Cent. #bittedanke


Ein Häppchen zum Feierabend

Nothing but Netflix and Chill.

Das Brot ist geschmiert, das Bierchen kalt. Entspannt setzen wir uns auf das Sofa. Das ist der Moment, auf den wir den ganzen Tag gewartet haben. Fernseher an…

Es laufen die Nachrichten: Tagesschau mit Susanne Daubner. Während wir die letzten acht oder neun Stunden im Büro verbracht haben, ist wieder viel passiert auf der Welt. Unfälle, Erdbeben, Terror. Das will ich alles gar nicht sehen, schon gleich gar nicht wenn ich meinen Feierabend gemütlich verbringen will.

Also schalten wir um. Netflix. Natürlich schauen wir unsere Serie weiter. Es geht darin um ein Drogenkartell, das übermächtig ist und seine Finger überall im Spiel hat. Wenn es sein muss, wird auch mal jemand zur Strecke gebracht. Viel besser. Ist ja alles nicht echt. Wir lehnen uns zurück, genießen unser Gelbwurstbrot und sind froh, dass wir von den schlimmen Dingen dieser Welt nichts mitbekommen.

Waldsterben – warum wir nicht schätzen was doch so wichtig für uns ist

Wir sollten uns die Zeit nehmen und öfter in den Wald gehen.

Jeder kennt das Gefühl: gut riechende Luft, knacksende Äste, singende Vögel und friedliche Stimmung. Wir alle lieben den Wald. Er entspannt uns, lässt uns runter kommen und puscht uns auf. Ein Spaziergang durch den Wald stärkt unser Immunsystem und lässt uns mal den Kopf frei bekommen. Weg vom Alltag und weg vom Stress. Zudem weiß jedes Kind, dass Bäume den Sauerstoff produzieren, den wir zum Leben brauchen und dass Wälder (vor allem in urbanen Gegenden) die einzigen natürlichen Okösysteme darstellen, die der Erde noch geblieben sind.

Man kann sich jetzt also die Frage stellen, warum wir so rücksichtslos die Lungen unseres Planeten abholzen und gigantisch große Regenwälder zunichte machen, doch die Antwort ist allen klar. Wir brauchen Rohstoffe. Und damit ist nicht nur das Holz gemeint, das wir für unsere neue schicke Wohnzimmereinrichtung brauchen. Damit sind auch Nahrungsmittel gemeint, deren Anbau mit den steigenden Bevölkerungszahlen immer mehr Platz benötigt. Aber das Problem geht noch viel weiter. Unser Problem ist nicht nur, dass wir die Wälder abholzen. Unser Problem ist, dass wir sie kaum noch betreten.

Wir haben aufgehört, den Wald zu schätzen

Was für unsere Vorfahren Heimat und Lebensraum war, ist für uns nicht mehr von Bedeutung. Schon das Gassi gehen mit dem Hund kostet uns Überwindung und ist vom nationalen Volkssport zum notwendingen Übel geworden. Unseren Sport erledigen wir heutzutage im Fitness-Studio und zahlen dafür auch noch Geld, obwohl der Wald eigentlich vor der Nase ist (ausgenommen von Stadtbewohnern). Im Sommer gehen wir lieber in den Freizeitpark und fahren Wildwasserbahn, anstatt im Wald zu wandern oder dort ein Buch zu lesen. Warum also bleibt der Wald die meiste Zeit leer? Was sind die Gründe für unsere ganz gezielte Waldvermeidung? Unser Alltag, vermutlich. Wir haben keine Zeit mehr für den Wald – er passt nicht in unser hektisches Leben. Wir gehen zur Arbeit, machen Termine aus, treffen Bekannte, gehen zum Sportverein und Abends legen wir uns ins Bett, ohne wirklich ein paar Minuten Zeit für uns gehabt zu haben. Die Deutschen sind busy. Und so war es bei mir auch – bis vor Kurzem jedenfalls. Denn nach dem Ende eines sich lange hinziehenden Lernmarathons, hatte ich plötzlich Zeit. Zeit für mich – und den Wald. Ist der Wald also ein Privileg geworden? Ich hoffe nicht. Denn wir brauchen die Wälder. Für unsere Gesundheit und für unsere Zufriedenheit. Wie wär’s also mit einem kleinen Waldspaziergang? Ich glaube, die zwanzig Minuten darf man sich doch gönnen.