Kategorie: Gedichte und Prosa

Mit der U-Bahn

Wenn ich mit der U-Bahn reise
Über viele U-Bahn-Gleise
Dann schau ich raus
Und sehr nur Grau
Kein buntes Haus.

Und wenn ich in der U-Bahn sitze
In der U-Bahn-Sitze-Ritze
Dann schlaf ich ein
Und seh nur Schwarz
Das soll so sein.

Und wenn ich aus der U-Bahn steige
Auf die U-Bahn-Steige zeige
Dann lauf ich schnell 
Und seh das Licht
Als wärs ganz hell.

Sonnensturm im Sommer

Ein warmer Wind weht durch das Haar,
Die Locken umspielen das zarte Gesicht.
Ich sehe sie vorbeiziehen,
Graziös und leicht,
Entlang der leeren Straße.
Ihre Augen leuchten gefährlich gelb,
Meine Kehle brennt.
Wie ein Sonnensturm im Sommer.

Vernebelte Weisheiten

Weisheiten sind schmerzerfüllt,
Sie haben Narben.
Weisheiten sind vernebelt,
Sie geben Erinnerungen.
Weisheiten sind allgegenwärtig,
Sie haben Wissen.
Weisheiten sind liebevoll,
Sie geben ein Stück vom Glück.

Dein Lied

Ich habe dein Lied gehört,
Es war hübsch.
Ich habe dein Lied eingeatmet,
Es gab mir Kraft.
Ich wollte dein Lied behalten,
Aber es war vergänglich.

Flüchtiges Gefühl

Ein kurzer Duft und sanfte Schmerzen,
Ich trage es in meinem Herzen.
Wie Wind der schnell vorüberzieht,
Ein Dieb der vor Bestrafung flieht.
Die Haut fühlt sich wie Seide an, 
Weshalb ich nur dran denken kann.
Ich bin nicht sicher, ist es Liebe?
Sind es vielleicht nur meine Triebe?
In meinem Kopf herrscht ein Gewühl,
Dabei war’s nur ein flüchtiges Gefühl.

Du bist kostbar

Du selbst, genauso wie jeder andere im ganzen Universum, verdienst deine Liebe und Zuneigung
(Buddha)

Vergrabe mich unter deiner unendlichen Weisheit und deinen schönen Zähnen, die du so liebevoll und ordentlich putzt als wären Sie ein kostbarer Lackschuh aus einem vornehmen Laden, der nur an Helden verkauft. Zeig mir verstohlene Orte, die außer dir noch kein Lebender gesehen hat. Zu denen du hingehst, wenn du einsam bist und zu viele Filme darüber gesehen hast, was Liebe ist.

Beerdige mich in deinen alten Sachen und deinen neuen Vorhängen, die so weich sind und gründlich als wäre sie kostbare Seide aus einem fernen Land, in dem nur Reiche leben. Zeig mir kleine Wohnzimmer, in denen außer uns noch kein Mensch gelebt hat. In denen wir wohnen, wenn wir einander brauchen und zu oft darüber nachgedacht haben, was Liebe ist.

Ersticke mich mit deinen schmutzigen T-Shirts und deinen blauen Nachthemden, die du immer so sorgsam zusammenfaltest als wären Sie ein kostbares Kostüm aus einer anderen Welt, die nur Romantiker hereinlässt. Zeig mir fremde Träume, die außer dir noch keiner geträumt hat. Zu denen du hingehst, wenn du an mich denkst und wissen willst, was Liebe ist.

Quarzgraue Innenwände

Die Menschen sind unsicher und verzweifelt, weil sie keine kryptischen Klebezettel haben mit möglichen Ausgängen aus den zahllosen Aufgaben und den ungeplanten Abgabeterminen, die sie sich selbst überlegt haben. Es ist dieselbe anspruchslose und graue Beschäftigung, die sie morgens zu früh aufwachen und abends zu spät einschlafen lässt. Sie haben immer zu viel davon und bilden sich ein, dass man ihnen die Arbeit einreden will, als wäre sie eine olympische Goldmedaille. Dabei haben sie schon fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Außer der echten Zufriedenheit, die sie in anderen suchen, aber niemals in sich selbst.

Sie rennen mit ihren telegrauen Kopfhörern durch die verkehrsgrauen Bahnhofshallen und versuchen den Zug zu erwischen, der sie in ein glücklicheres Leben transportiert. Wo es endlose all-you-can-eat Buffets gibt und keine Uhren. Aber sie steigen niemals ein, sondern essen das $12 Bio-Butterbrot aus irgendeinem Hinterhof-Laden und trinken den doppelten Espresso mit zu viel Süßstoff, den sie aufgrund ihrer Schlaflosigkeit sowieso nicht hätten kaufen sollen. Sie fahren jeden Tag mit der gleichen Bahn in das gleiche graue Gebäude und hoffen, dass sich der Boden auftut und ein Lachen herauskommt.

Aber anstatt sich hinzusetzen und sich daran zu erinnern, wer sie wirklich sind, suchen sie in alten Kisten nach khakigrauem Plakatpapier, weil sie denken, dass sie all ihre Probleme mit einer Mindmap lösen können. Dabei ist die Wahrheit direkt vor ihnen, hinter den ganzen Fenstern, die sie verdunkeln, damit niemals Sonne auf den Bildschirm scheint, weil sie sonst die duzend Stapel Arbeit nicht mehr sehen können. Stattdessen starren sie auf quarzgraue Innenwände, die genauso leer sind wie ihre Herzen.

Er hatte Recht, als er damals behauptete, dass man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist. Aber diese Oberfläche sieht nicht aus wie die Salonmöbel aus den Sommerferien. Denn sie haben sich nicht darum bemüht, diese Oberfläche mit einem Stoff zu überziehen. Sondern sie haben sie leer gelassen, damit sie das Grau wiedererkennen. Denn sie kennen dafür unendliche Namen, aber für Grün kennen sie keinen einzigen.

Keine Zeit

Zeit ist das was uns leitet,
Uns durchs Leben stets begleitet.
Was uns führt und was uns schafft,
Was uns zu einem Menschen macht.
Was uns kostet und an uns nagt,
Was niemals jemand hinterfragt.
Was uns schickt und oft auch knickt,
Wenn die Uhr erneut schneller tickt.
Ist es an der Zeit, die Zeit zu vergessen?