Kategorie: Aus dem Leben (Seite 1 von 2)

Woran sollen wir noch glauben?

Die Welt macht uns Angst. Tod, Verlust und die große Frage, was in Zukunft geschehen wird. Diese Unsicherheiten sind der Grund, weshalb sich Menschen seit Jahrtausenden an Götter und andere unsichtbare Mächte wenden. Denn Religionen bieten Sicherheit in einer Welt, die kompliziert und undurchschaubar ist. Egal, ob man das Evangelium oder die Lehren Buddhas betrachtet: Im Wesentlichen liefern alle Religionen Antworten, die Menschen seit Anbeginn der Zeit so dringend suchen. Aber spielen Götter und übermächtige Kräfte heutzutage überhaupt noch eine Rolle? Oder sind Gebetstexte und Mantras längst unseren Enzyklopädien gewichen? 

Kirche als Teil der Kultur

Wenn man mich fragt, wann ich das letzte Mal in der Kirche war, muss ich etwas länger überlegen. Ich bin evangelisch-lutherisch getauft worden und auch, wenn ich der Kirche nach wie vor angehöre, gehe ich nicht hin. Außer jemand wird getauft oder gibt sich das Ja-Wort. Dennoch bin ich nach wie vor ein Teil der Gemeinde und bezahle auch brav meine Kirchensteuer. Ich bin mir sicher, dass ich damit nicht alleine bin. Wahrscheinlich übersteigt die Zahl der christlichen Karteileichen die Anzahl der tatsächlich frommen Gläubigen. Aber warum eigentlich, frage ich mich selbst. Warum trete ich nicht aus? Wieso bin ich weiterhin eine Christin, obwohl ich eigentlich keine bin? 

Vielleicht ist es einfach die Gewohnheit, die mich daran hindert, einen Schlussstrich zu ziehen. Denn die Kirche, oder das Christentum, ist mir vertraut. Schon in der Grundschule habe ich Bibel-Szenen kennengelernt und das Glaubensbekenntnis kann ich seit meiner Konfirmation einwandfrei auswendig aufsagen. Der Glaube ist also nicht nur etwas, wofür sich jeder einzelne bewusst entscheidet. Es ist vielmehr ein Teil der Sozialisation. Eine Kultur. Denn obwohl es mittlerweile so viele Menschen gibt, die nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen, stehen kirchliche Hochzeiten immer noch ganz oben auf der Hitliste. Auch, wenn sich die Zahl der Karteileichen wohl immer mehr anhäuft, brauchen Menschen scheinbar Gottes Segen, wenn es um entscheidende Lebensfragen geht. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht weil es zur Kultur gehört. Vielleicht aber auch aus tiefem Glauben, der immer noch vorhanden ist, aber im Alltag oftmals untergeht. 

Versteckter Glaube

Anders steht es mit Netflix, Amazon und Co. Diese Plattformen liefern uns die unterschiedlichsten Serien und Filme, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind und immer mehr Zeit in Anspruch nehmen. Betrachtet man einmal das breite Angebot, stellt man fest, dass Glaube und Übernatürliches wahnsinnig oft thematisiert werden. Teufel, Hexen, Dämonen und Geheimbünde gehören zum Standard-Repertoire vieler Geschichtenerzähler. Die Welt wird im Fernsehserien oft in Gut und Böse unterteilt. Hauptfigur und Gegenspieler. Helden und Anti-Helden. Oder Gott und Teufel. Diese Gegenpole erklären unser Dasein auf simple Weise und schaffen Orientierung und Sicherheit. Auf Netflix gibt es zum Beispiel eine Serie über den dunklen Lord, der die Hölle regiert und Sterbende zu sich holt. (Hierzu habe ich vor einiger Zeit einen eigenen Blogbeitrag geschrieben. Ihr findet ihn hier.) Glaube und Religion verstecken sich also in fiktiven Erzählungen, die wir uns nach Feierabend bei einer Tüte Chips auf der Couch ansehen.

Doch nicht nur Serien und Filme behandeln religiöse oder gar mystische Themen. Auch Dokumentationen oder Reportagen behandeln Fragen rund um Gott, die Bibel und grundlegende Glaubensfragen. Die Doku-Reihe „Mythen-Jäger“ läuft zum Beispiel im ZDF und geht der Sintflut oder den Überresten des Kreuzes Jesu auf den Grund. Denn weltweit gehen Archäologen oder Hobby-Forscher auf die Suche nach Beweisen dafür, dass Szenen des alten und neuen Testaments tatsächlich stattgefunden haben. Und Millionen schauen ihnen dabei zu. Im TV.

Und auch an anderen Stellen begegnen uns religiöse Symbole immer wieder im Alltag. Albrecht Dürers betende Hände oder die Hand der Fatima sind zwei Beispiele von Tattoo-Motiven, die heutzutage hoch im Trend liegen. Diese Symbole sollen den Träger schützen und/oder den starken Glauben verdeutlichen. Außerdem haben sich religiöse Inhalte längst in unseren Sprachgebrauch eingebrannt. Wir rufen „Oh Gott“, wenn wir uns erschrecken oder sagen „In Teufels Namen“, wenn wir uns über etwas aufregen. Außerdem wissen wir alle, dass uns das „Schicksal manchmal Schnippchen schlägt“ oder dass „Karma regelt“.

Wenn ich über all diese Details nachdenke, dann wird mir klar, dass kein Wikipedia und kein Lehrbuch Religionen ersetzen kann. Denn wir wissen nicht, was in Zukunft geschieht. Und wir wissen auch nicht, was mit unseren Seelen nach dem Tod passiert. Diese Fragen, die uns Menschen seit Jahrtausenden plagen, kann die Wissenschaft nicht beantworten. Noch nicht, jedenfalls. Und so lange glauben wir eben, was wir glauben wollen.

Über’s Kinderkriegen

Für die meisten Leute ist es die Wunschvorstellung einer glücklichen Zukunft: Haus, Garten, Hund und zwei Kinder. Am besten noch Junge und Mädchen, damit die stolzen Eltern sowohl beim Fußballtraining als auch beim Tanzunterricht zugucken können. Ein Traum.

Für mich aber nicht. Denn Immobilien sind überteuert, Hunde finde ich total nervig und außerdem habe ich vor längerer Zeit entschieden, dass ich nur ein Kind möchte. Eine Kleinfamilie, quasi. Mein Partner sieht das genauso. Trotzdem machen wir uns schon jetzt darauf gefasst, dass in naher Zukunft Nachfragen zu einem Geschwisterkind auftauchen werden. Fragen wie: „Na, wann kommt denn das Zweite?“ haben wir wahrscheinlich alle schon einmal gestellt und auch ich muss mir da an die eigene Nase fassen. Umso mehr bin ich gespannt, wie man auf unsere Antwort reagiert. Denn die lautet, dass es kein Geschwisterkind geben wird.

Andere wissen’s immer besser

Egal für welchen Lebensweg sich ein Paar entscheidet, oft wird er von Dritten beurteilt und bewertet. Ganz automatisch wissen andere immer besser, welche Option die einzig richtige ist. Daher rechne ich schon jetzt mit einschlägigen Argumenten, die behaupten, dass Einzelkinder immer einsam oder verwöhnt sind und wir unserer Tochter mit der Entscheidung keinen Gefallen tun würden.

Doch nicht nur Paare mit einem Kind bekommen häufig den (nicht ganz so teuren) Rat ihres Umfelds aufgezwungen. Auch Eltern, die mehr als drei Kinder haben, werden nicht selten für ihre Familiensituation kritisiert. „Können die nicht verhüten?“ oder „Haben die keinen anderen Lebensinhalt?“ sind sicher nur zwei Beispiele von Aussagen, die Eltern von Großfamilien ertragen müssen.

Kritisiert werden auch (hauptsächlich) Frauen oder Paare, die sich bewusst gegen das Kinderkriegen entscheiden. Aber nicht jeder braucht Nachwuchs, um ein glückliches Leben führen zu können. Manche Leute haben eben andere Ziele auf ihrer Agenda stehen. Und das ist auch gut so.

Ähnlich (aber deutlich schwieriger) verhält es sich mit Leuten, die ungewollt kinderlos sind. Nicht alle, die ein Kind möchten, können diesen Wunsch wahr werden lassen. Medizinische Gründe oder finanzielle Probleme können einem Kinderwunsch im Weg stehen und Paare sehr belasten. Ständige Nachfragen von Verwandten und Bekannten, wann „es denn endlich soweit sei“, sind für Betroffene sicher verletzend und nur schwer auszuhalten.

Wir bleiben drei

Wir, für unseren Fall, sind perfekt zu dritt. Unser Baby ist ein absolutes Wunschkind und mein Partner und ich sind glücklicher denn je, seit unsere Tochter auf der Welt ist. Trotzdem wollen wir uns beide in naher Zukunft beruflich weiterentwickeln und außerdem einige Länder und Orte bereisen, die noch auf unserer Liste stehen (Slowenien, Schottland, Südamerika…). Alles Dinge, die mit einem Kind zwar kompliziert, aber durchaus machbar sind. Zudem haben wir, ganz salopp gesagt, nicht dauernd Lust auf Kindergeschrei um uns herum.

Natürlich werden wir dafür sorgen, dass unsere Tochter auch ohne Geschwister eine glückliche Kindheit haben wird. Denn wie bei allen anderen Eltern auch, wird unser Kind immer an erster Stelle stehen. Und ich freue mich schon jetzt tierisch darauf, mit meiner Tochter stundenlang Playmobil zu spielen, ihr aus verschiedenen Büchern vorzulesen oder gemeinsam die Natur zu erkunden.

Trotzdem möchte ich in Zukunft genug Zeit haben, um neben meiner Hauptaufgabe als Mama noch in viele andere Rollen schlüpfen zu können. Und wer weiß: Vielleicht haben wir ein paar Jahren ja doch noch Lust, unsere kleine Familie zu erweitern. Das steht momentan aber noch absolut in den Sternen und ist nichts, was Dritte aktuell zu kümmern hat.

Fazit

Ob und wie viele Kinder perfekt zur Lebensplanung passen, muss jeder für sich selbst entscheiden. 1, 2 oder 3 spielt keine Rolle. Denn in dieser Frage gibt es kein richtig oder falsch und schon gar kein Schema F. Wir alle (mich eingeschlossen) sollten daran denken, wenn wir ein Paar oder eine junge Frau das nächste mal zum Thema Familienplanung befragen wollen.

Meist dichter als Denker

Puh. Nachdem ich mich heute etwa zehn Minuten lang mit den Kommentaren mancher Social-Media-Nutzer auseinandergesetzt habe, muss ich erstmal Luft holen. Denn die derzeitige Corona-Krise bringt deutschlandweit nicht nur Solidarität und kreative Lösungswege hervor, sondern leider auch viel Dummheit.

Kommentare im Internet: Fluch statt Segen

Auf der Facebook-Seite einer örtlichen Behörde kann man in diesen Tagen vergnügt mitverfolgen, was einige unserer lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger von der Corona-Krise und den damit einhergehenden Schutzmaßnahmen halten: Nämlich nichts.

Ein Nutzer schreibt: „Ich werde definitiv keine tragen und mich kann auch keiner dafür bestrafen. Es reicht wenn sich 90% von euch verarschen lassen seid 5 Wochen und keine Maske und jetzt sowas, nicht mit mir.“ Ein anderer Nutzer kommentiert: „Corona Ausbruch Dez 2019. Maskenpflicht ende Apr.2020 Genau mein Humor“

Wenn ich diese Zeilen lese, kommt mir direkt mein Frühstück wieder hoch. Denn solche vermeintlichen „Argumente“ entziehen sich nicht nur jeder logischen Grundlage, sondern sind grammatikalisch so grauenvoll, dass ich Augenschmerzen bekomme. Denn von einer ordentlichen Rechtschreibung haben manche Nachfahren der einstigen „Dichter und Denker“ anscheinend noch nichts gehört.

Fake News und Verschwörungstheorien

Damit aber nicht genug. Denn während die einen ungefragt ihre Meinung im Netz verbreiten, teilen die anderen dubiose Verschwörungstheorien mit ihren Mitmenschen. Diese Theorien kommen oft daher mit einer Grafik, die eigentlich nichts mit dem Thema zu tun hat, aber professionell aussieht. Hat ja auch irgendein professioneller Typ bei Google gefunden und dann mit einer abstrusen Erklärung und ohne Quellenangabe auf Facebook bereitgestellt.

Klar, dass Annette und Hans-Günther das gut finden. Was wissen denn schon Virologen, Epidemiologen oder andere Experten? Die lügen doch nur und haben sich weltweit gegen uns verschworen. Sie wollen die Wirtschaft kaputt machen! Und unsere Freiheit! Jeder weiß doch, dass die Grippe viel schlimmer ist! Gut, dass es irgendeinen fremden Typen auf Facebook gibt, der die Wahrheit kennt und mit seinen Verschwörungs-Kumpels teilt.

Neben Grafiken, die weder einen genauen Sachbezug haben noch Zusammenhänge aufklären, werden Fake-News-Beiträge häufig mit Überschriften wie „Denkt doch mal nach“ oder „Wacht endlich auf “ begleitet. Erinnert ein bisschen an Propaganda-Geschwafel, oder? Solche Meinungsmacher und Verschwörungstheoretiker provozieren gezielt, indem sie an den Verstand ihrer Mitmenschen appellieren. Und klar, genau das sollte man vom Land der Dichter und Denker auch erwarten können. Sehe ich genauso. Aber schonungslos jede Verschwörungstheorie zu teilen, ohne deren Logik, Glaubwürdigkeit oder Quellenangabe zu hinterfragen, hat leider nur wenig mit Verstand zu tun.

Grundrechte sind kein Freifahrtschein für egoistisches Verhalten

Immer wieder lese ich darüber hinaus von Menschen, die sich über derzeitige Grundrechtseinschränkungen beschweren. Natürlich – das muss auch ich zugeben – sind wir durch das aktuelle Kontaktverbot in wichtigen Rechten eingeschränkt. Denn unter den momentanen Umständen können wir unsere gewohnte Freiheit nicht komplett ausleben. Wer allerdings behauptet, dass der Staat mit den aktuellen Maßnahmen den Bogen überspannt oder die Verfassung missachtet, dem unterstelle ich gerne, das Grundgesetz nie gelesen zu haben. Denn Grundrechte können vom Staat durchaus eingeschränkt werden, wenn dies zum Schutze anderer erforderlich ist.

Unser Rechtsstaat bewegt sich – wie es sich für einen ordentlichen Rechtsstaat eben gehört – auf dem Boden der Verhältnismäßigkeit. Sprich: Maßnahmen müssen immer einen legitimen Zweck verfolgen (= Pandemie bekämpfen), geeignet sein (=Mundschutz tragen schützt andere vor Ansteckung, Kontaktverbot verringert Ansteckungsketten), erforderlich sein (= 154.000 Krankheitsfälle in Deutschland) und außerdem angemessen sein.

Und wenn ich beispielsweise nach Spanien schaue, dann bin ich sicher, dass die deutsche Regierung mehr als angemessen handelt. Denn spanischen Bürgerinnen und Bürgern wird es frühestens ab Anfang Mai wieder gestattet sein, das Haus zu verlassen, um spazieren zu gehen. Die Spanier sitzen also seit mehreren Wochen in ihren Wohnungen fest und dürfen nicht raus. Und in Deutschland beschweren sich Annette und Hans-Günther bei einer Kugel Eis darüber, welch unverhältnismäßige Maßnahmen die Regierung uns nur aufzwingen will.

Fazit

Uns geht es gut. Zu gut, wie mir scheint. Denn dass wir in Deutschland (in Hinblick auf Krankheits- und Todesfälle) relativ glimpflich davonkommen, haben wir nicht nur unserer Politik, sondern auch unserem vorbildlichen Gesundheitswesen zu verdanken. Ich wünschte, das könnten alle sehen und begreifen. Nur leider sind viele (natürlich nicht alle) Bürgerinnen und Bürger in Deutschland so knallhart verwöhnt, dass sie nicht anerkennen können, wie glücklich wir uns für unsere Privilegien schätzen können. Schade eigentlich. Denn dem Land der Dichter und Denker hätte ich etwas mehr Verstand zugetraut.

Ach, übrigens: Weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die irgendwelche Sachen ohne Quellenangabe im Internet verbreiten, hier der Link zu meinem Beitragsbild: https://bilder.bild.de/fotos-skaliert/schiller–und–goethe-die-groesste-bromance-der-literatur-im-check-201186228-63382128/2,c=0,h=720.bild.jpg

Schwangerschaft und Geburt in Zeiten der Corona-Krise

Die Schwangerschaft sollte für werdende Mütter eigentlich eine schöne Zeit sein. Entspannt für das Baby einkaufen, einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen und schließlich gemeinsam mit dem Partner die Entbindung erleben. Was aber, wenn das alles nicht mehr geht? Das neuartige Corona-Virus stellt besonders Schwangere vor viele Herausforderungen. Und Ängste.

Zukunftssorgen und Geburt ohne Partner

Zwar gehören gesunde Schwangere nicht zur Risikogruppe, dennoch gibt es einige Themen, die werdende Mütter in Zeiten von Covid-19 plagen. Denn manche Kliniken verbieten es den werdenden Vätern, bei der Entbindung ihrer Kinder dabei zu sein. Zu groß sei die Gefahr der Ansteckung im Kreißsaal. Auch auf den Wochenstationen ist deutschlandweit derzeit kein oder kaum Besuch gestattet. Doch damit nicht genug. Auch Geburtsvorbereitungs- oder Stillkurse dürfen nicht mehr stattfinden, da Mindestabstände nicht eingehalten werden können und auch hier die Gefahr einer Übertragung des Virus zu hoch ist. Dadurch fühlen sich viele Schwangere alleine gelassen und mit großen Sorgen konfrontiert. Hinzu kommen Ängste über die Zukunft und die Frage, in welche unberechenbare Situation die Kinder geboren werden.

So erlebe ich die Corona-Krise

In einigen Wochen werde ich mein erstes Kind zur Welt bringen. Natürlich plagen mich viele Sorgen in Hinblick auf die momentane Situation, denn eine Geburt ohne meinen Partner kann ich mir nur schwer vorstellen. Außerdem mache ich mir Gedanken darüber, welche langfristigen gesellschaftlichen Folgen die Pandemie haben wird. Stürzen wir wirtschaftlich in eine Rezession? Sind Lebensmittel auf Dauer knapp, wenn Regale ständig leergekauft werden? Ist die Zukunft meines Kindes gesichert?

Trotz aller Ängste versuche ich positiv zu bleiben. Kleine Dinge mehr wertzuschätzen. Und die guten Seiten der momentanen Ausgangsbeschränkungen anzuerkennen. Denn vor der Corona-Krise wollte ich nach der Geburt weitgehend auf Besuch im Krankenhaus verzichten. Jetzt, da mir die Entscheidung vielleicht genommen wird, bin ich traurig. Denn die Vorstellung, dass mich niemand besuchen darf und ich die ersten Tage alleine auf der Wochenstation verbringen muss, gefällt mir gar nicht. Ich freue mich außerdem wahnsinnig darauf, wenn ich wieder die Möglichkeit habe, mit Freunden und Familie zusammen zu kommen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Ein Privileg, das ich bisher für selbstverständlich gehalten habe.

Außerdem nutze ich die freie Zeit, um mich auf mein Baby und das Muttersein vorzubereiten. Ich kann in aller Ruhe Ratgeber lesen, das Kinderzimmer renovieren und Babyklamotten sortieren. Dinge, die vielleicht zu kurz kommen würden, wenn ich weiterhin täglich unterwegs wäre. Zudem gehe ich häufiger spazieren als sonst. Ein großer Vorteil, denn Bewegung tut mir und dem Baby gut.

Auch Melli erzählt von ihren Erfahrungen

In einem Interview habe ich Melli zum Thema befragt, denn sie ist derzeit ebenfalls schwanger. Wir beide haben uns während eines Geburtsvorbereitungskurses kennengelernt, der aufgrund der Corona-Pandemie leider unterbrochen werden musste. Welche Sorgen sie plagen und wie sie versucht, mit der momentanen Lage umzugehen, erfahrt ihr hier:

Stelle dich bitte kurz vor. Wie alt bist du? Hast du bereits Kinder? 

Ich heiße Melli, bin 33 Jahre alt und stolze Mama einer 2,5-jährigen Tochter.

Die momentane Corona-Krise ist besonders für Schwangere eine schwere Zeit. Plagen dich Sorgen?

Oh ja, ich habe große Sorgen. Ich gehöre der sogenannten Risikogruppe an, da ich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn) habe und noch bis Januar 2020 mit Immunsuppressiva behandelt wurde. Schon zu Beginn der Therapie hieß es, ich müsse mich besonders vor Atemwegserkrankungen schützen und ggf. sofort zum Arzt gehen, da das Risiko, dass es in eine Lungenentzündung umschwenken kann, größer sei. Die Therapie wurde jetzt nur pausiert, da zum einen mein gesundheitlicher Zustand dies zuließ und zum anderen, damit das Baby mit einem gesunden Immunsystem auf die Welt kommen kann. Dementsprechend sind meine Sorgen und Ängste recht groß, weil ich natürlich nicht einschätzen kann, wie mein Körper mit einem solchen Virus zurechtkommen würde. Man hat Angst, für seine Kinder nicht da sein zu können.

Auch mache ich mir Gedanken, wem ich mein Kind während der Geburt anvertrauen soll, da Großeltern eigentlich nicht in Frage kommen dürfen, aber alle anderen potentielle Überträger sind und uns oder mich in Gefahr bringen könnten. Jedoch finde ich die Ausgangsbeschränkungen, die Schließung der Schulen und Kitas sehr sinnvoll und sie nehmen mir etwas die Sorge, dass mein Mann (Lehrer) oder mein Kind das Virus mit nach Hause bringen könnten.

Hast du dich bei deiner Entbindungsklinik darüber informiert, ob dein Mann bei der Geburt dabei sein darf? Bist du mit deren Lösung zufrieden?

Ja, das verfolge ich natürlich recht aktiv mit. Rein rechnerisch wäre es in sechs Wochen bei mir so weit. Ich habe in meiner Klinik angerufen und nachgefragt. Noch dürfe der Vater im Kreißsaal dabei sein, wenn die Geburt losgehe und die Mutter selbst in den Kreißsaal komme. Vorher müsse man jedoch alleine bleiben. Ich wünsche mir einfach nur, dass ich eine schnelle und komplikationslose Geburt habe und nicht eingeleitet werden muss. Dann kann ich mit dieser Regelung sehr gut leben. Je nachdem, wie es mir nach der Geburt geht, spiele ich mit dem Gedanken, mich auf eigene Verantwortung früher entlassen zu lassen.

Ich finde, schwieriger ist es manchmal schon vorher, also bevor die eigentliche Geburt losgeht. Wenn ich an meine erste Geburt denke, war mein Mann, bis ich in den Kreißsaal durfte, meine größte und einzige Unterstützung. Ich wurde eingeleitet und hatte nach zehn Minuten einen regelrechten Wehensturm, sodass ich irgendwann auch meine Atmung nicht mehr kontrollieren konnte, weil mir die Pausen fehlten. Als ich endlich dann in den Kreißsaal durfte, war der Muttermund bereits 7cm geöffnet. Deshalb finde ich, dass diese Regelung nur gut ist, wenn man auch im Falle einer Einleitung, nicht alleine gelassen wird.

Außerdem hoffe ich, dass die Väter weiterhin mit im Kreißsaal bleiben dürfen. Die Vorstellung, dass man nach der Geburt des Kindes diese Freude nicht mit dem Vater teilen kann, finde ich sehr traurig. Auch erscheint mir ein Ausschluss des Vaters von der Geburt unsinnig, da, sollte der Vater wirklich Träger oder Covid-19-positiv sein, auch die Mutter davon betroffen wäre. Die Gebärende würde in so einem Fall das Klinikpersonal genauso anstecken.

Hast du Tipps für andere werdende Mamis, um in der schwierigen Zeit nicht den Mut zu verlieren?

Tatsächlich sind viele mitschwangere Mütter in meinem Umfeld gerade auch sehr besorgt. Wir bauen uns alle mit dem Gedanken auf, dass es früher gar nicht so üblich war, dass der Vater oder eine andere Person bei der Geburt dabei war. Unsere Mütter haben es auch „alleine“ geschafft. Die Hebammen unterstützen in diesem Fall noch mehr. Generell besteht ja auch keine große Gefahr für gesunde Mütter und Neugeborene. Auch müssen wir uns dankbar zeigen, dass man sich im heutigen Zeitalter über Videotelefonie trotzdem sehr nahe sein kann. Wir müssen diese Isolation ansonsten als geschenkte Zeit sehen, sich als Familie kennenzulernen (immerhin zieht ja ein neues Familienmitglied ein) und auch selbst ohne Störfaktoren in die neuen Herausforderungen hineinzuwachsen.

Ich hätte es nie geglaubt, wenn ich es selbst nicht erlebt hätte, aber der beste Ratgeber sind die eigenen mütterlichen Instinkte. Alles, was sich richtig anfühlt, ist richtig und wenn man das Gefühl hat, es stimmt etwas nicht, dann stimmt auch etwas nicht. Ansonsten wäre mein Rat allen werdenden Müttern, einfach sich und der Natur zu vertrauen. Wir Frauen sind dafür geschaffen, Mutter zu werden und alles regelt sich von alleine. Und irgendwann kommt auch wieder die Zeit, in der wir allen Freunden und Verwandten den neuen Erdenbürger stolz zeigen und in die Arme geben dürfen. Bis dahin bleiben wir in unserer kleinen, gesunden Familie und sind dankbar, dass wir alle beisammen sein dürfen.

Schmeiß‘ dein Studium!

Man kann viele tolle Pläne für die berufliche Zukunft haben: Eine eigene Software-Firma gründen, selbstgebaute Hausboote verkaufen oder nach Südamerika auswandern und Alpakas streicheln. Studieren ist jedenfalls nicht immer die beste Idee. Wer also schon immer an die Uni wollte, sollte sich das besser zweimal überlegen.

Geht Probieren über Studieren?

Laut des Statistischen Bundesamtes waren im vergangenen Wintersemester insgesamt  2.897.300 Menschen an deutschen Universitäten und Hochschulen immatrikuliert. Diese Zahl, die auf den ersten Blick vielleicht harmlos aussieht, hat es ordentlich in sich. Denn wer heute versucht, nach seinem Bachelorstudium an einen Job zu kommen, braucht eine hohe Frustrationstoleranz. Die Konkurrenz ist riesig und wer keine Berufserfahrung vorweisen kann, hat sowieso schlechte Karten.

Darüber hinaus sind Studienangebote heutzutage so facettenreich, dass junge Menschen Probleme haben, ihre Stärken und Schwächen richtig einzusortieren. Während unsere Großeltern früher einfach Ingenieure wurden, muss man sich heutzutage entscheiden, ob man Maschinenbauingenieur, Berechnungsingenieur, Wirtschaftsingenieur oder „Life Science Engineer“ (m/w/d) werden will. Eine schwere Entscheidung, wenn man bedenkt, dass junge Menschen heutzutage nicht einmal mehr wissen, welche Hobbys ihnen Spaß machen.

Und wo ist der Fachkräftemangel, von dem immer alle reden?

Den Fachkräftemangel gibt es. Genauso wie es den Klimawandel gibt. Und dieser ist auch nicht „von den Chinesen erfunden“. Naja, ein bisschen vielleicht. Das Problem: Deutschland hat sich klar zu einer Nation der Akademiker und Theoretiker entwickelt. Entworfen und geplant wird im Inland, produziert im Ausland.

Für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden sich immer weniger Menschen. Denn besonders Arbeit, die mit den Händen geleistet wird, ist kaum noch etwas wert. Und zwar nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern auch auf dem Papier. Der große Audi darf gerne vor der Tür stehen, aber wenn ich zum Friseur gehe, im Supermarkt einkaufe oder meine Fließen verlegen lasse, dann soll das bitte möglichst wenig kosten. Traurig.

Der ultimative Ratschlag?

Wer das eigene Studium schon länger hasst, sollte schmeißen. Zweifelnden Schulabgängern kann ich sagen: Studiert nicht! Macht eine solide Ausbildung und werdet Spezialisten auf einem Gebiet, das euch Freude bereitet. Berufe, die handwerkliches Geschick verlangen, sind auf dem Markt so gefragt wie nie! Denn schon allein für die Renovierung des Badezimmers warten Kunden mitunter Monate auf einen freien Termin. Und wer nicht gerne hämmert oder schweißt, der könnte sich in sozialen Berufen ausprobieren: Denn gut ausgebildete Pflegekräfte sind heutzutage Gold wert. Aber auch Leute mit einer kreativen Ader können die richtige Ausbildung finden: Beispielsweise als Maskenbildner, Bühnenbildner oder Mediengestalter.

Wofür ihr euch auch entscheidet, ich wünsche viel Erfolg!

Muttergefühle

Da ist es. Dieses kleine Gefühl in meinem Bauch. Ein Kribbeln, das ein bisschen an einen großen Ausflug erinnert, auf den man sich seit Monaten freut. Trotzdem reicht der Vergleich nicht ansatzweise aus, um zu beschreiben, welches Glück ich empfinde.

Nur noch 102 Tage, verrät der Kalender. Dann sind die vierzig Schwangerschaftswochen endlich vorbei und wir lernen dich kennen. Dich kleinen Menschen. Und es wird sich alles verändern, sagen sie. Es wird die anstrengendste und schönste Zeit zugleich.

Aber wie bereitet man sich auf einen solchen Lebensabschnitt vor? Reicht es aus, tonnenweise Kleidung, Schnuller und Windeln anzuschaffen? Oder braucht das Elternsein etwas mehr Vorbereitung? Zwar ist klar, dass uns Frauen das Muttersein irgendwie im Blut liegt. Dass wir Instinkte entwickeln, die wir vorher noch gar nicht kannten. Dass wir Gefühle entwickeln, die uns bis dato fremd waren. Aber all diese Instinkte und Gefühle erklären mir sicher nicht, wie lange abgepumpte Muttermilch im Kühlschrank haltbar ist oder welche Kleidung ich meinem Neugeborenen bei dreißig Grad im Schatten anziehen muss.

Und dann ist da noch das sogenannte Wochenbett. Wochenbett deswegen, weil Mutter und Kind nach der Geburt für ein paar Wochen im Bett bleiben sollten. Sich von den Strapazen erholen. Aber wie soll man sich erholen, wenn man befürchtet, dass die eigene Wohnung zukünftig häufiger besucht wird, als der Nürnberger Zoo? Familie, Freunde und Bekannte. Sicher, jeder will das Baby kennenlernen. Und das kann ich gut nachvollziehen. Aber möchte man als Neu-Mama überhaupt Besuch, wenn die Haare in fettigen Strähnen an der Wange kleben? Oder die Wohnung einer verwilderten Studentenbude gleicht – mit schmutzigen Klamotten und leeren Verpackungen vom China-Take-Away?

Buh. Irgendwie gruselt es mich. Was wohl alles auf mich zukommen wird? Dann aber streichle ich sanft über meinen Bauch, der sich stolz nach oben wölbt, und weiß: Nur Muttergefühle. Mehr brauche ich nicht, um das alles zu schaffen.

Happy new…

…Februar! Naja, zumindest in ein paar Tagen. Der Januar ist fast vorbei und das Leben hat seinen normalen Ablauf wiedergefunden. Wie viele Leute wohl bereits zur Zigarette gegriffen haben? Oder wie oft der Vorsatz, endlich mehr Sport zu machen, schon dem Sofa gewichen ist? Ich für meinen Teil verzichte gerne auf Neujahrsvorsätze. Naja, zumindest auf solche. Eine Sache habe ich mir dennoch für das Jahr 2020 vorgenommen: Ein bisschen gemeiner werden.

Wer jetzt glaubt, ich würde eine Karriere als Profi-Gangsterin anstreben, liegt nicht ganz richtig. Aber auch nicht unbedingt falsch. Was ich im neuen Jahr endlich besser machen will? Mir nicht mehr alles gefallen lassen!

Willkommen in der Ellebogengesellschaft!

„Ellebogengesellschaft“. Was für ein komisches Wort. Ich bin sicher, dass dieser Begriff eine deutsche Besonderheit ist. Denn hierzulande fährt man wirklich gerne mal die Ellebogen aus. Egal ob an der Supermarktkasse oder im Jurastudium: Die Deutschen wollen immer die Nase vorne haben und den anderen bloß nichts gönnen. Und ich neuerdings auch.

Ein solches Ego-Verhalten liegt mir nicht im Blut. Ich bin zu nett, zu freundlich, zu verständnisvoll. Und ich sage zu selten nein. Fasse nach, wenn man mir mehr Lasagne anbietet. Selbst dann, wenn ich satt bin. Sage nichts, wenn jemand meine Gefühle verletzt und Grenzen überschreitet.

Natürlich wäre ein Leben in einer Regenbogengesellschaft besser. Ein Leben voller Menschen, die es gut meinen. Die ohne Hintergedanken miteinander umgehen. Die immer Liebe verbreiten. Hach, das wäre schön. Aber diese Gesellschaft existiert nicht. Noch nicht zumindest. Und so lange sich Menschen an der Supermarktkasse streiten, um gute Kinoplätze konkurrieren und beim Bewerbungsverfahren schummeln, muss ich mich anpassen. Ein bisschen gemein werden, eben.

In diesem Sinne: Happy New 2020!

Umweltsünderin

Vergib mir Herr, denn ich habe gesündigt. Ich habe eine Flugreise gemacht. Bin mit dem Jet auf eine ferne Insel geflogen, habe unfassbar viele Kilometer hinter mich gebracht und deswegen auch massiv CO2 verursacht. Mist.

„Flight-Shame“ ist das neue Unwort

Fernreisen. Was vor einigen Jahren noch als ein aufregendes Erlebnis junger Menschen verstanden wurde, gilt jetzt schon fast als Tabu. „Flight-Shame“, zu deutsch „Flug-Scham“, hat schon jetzt das große Potential, Unwort des Jahres zu werden. Im Genaueren bedeutet der Begriff, dass Personen sich für ihre Flugreisen rechtfertigen müssen, ja teilweise sogar dafür schämen. Denn durch den Flug wird, wie oben bereits erwähnt, viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Und das, wie wir alle wissen, ist schlecht für unser globales Klima.

Was also tun? Sich in die Ecke stellen und schämen? Keinem vom Flug erzählen – oder besser noch: niemals mehr fliegen? Die Antwort ist natürlich, wie eigentlich fast alles im Leben, weder schwarz noch weiß. Jemanden für seine Reise zu verurteilen wäre genauso falsch, wie Flugreisen generell zu verbieten. Denn was solche Reisen fördern – und da versteht mich sicher jeder, der bereits andere Länder besucht hat – das Miteinander. Toleranz, Kulturerlebnisse und Interesse aneinander sind einige Stichpunkte, die an einem jeden Reisenden haften bleiben. In einer Zeit in der Rassismus und Fremdenfeindlichkeit langsam wieder Einzug in Parlamente halten, ist es umso wichtiger, dass wir über unseren eigenen Tellerrand hinausblicken und andere Kulturen wertschätzen. Das geht am besten, wenn man diese Kulturen auch im echten Leben kennenlernt.

Aber das ist der Umwelt doch egal?!

Klar, das ist der Umwelt egal. Beziehungsweise dem Klima. Der Flieger setzt trotzdem CO2 frei. Es braucht also einen Weg, um einen Ausgleich zu schaffen. Eine Balance – wenn man so will. Wie die aussieht, muss letztendlich jeder für sich entscheiden. Das Bewusstsein dafür, welche Verantwortung man nach einem Flug tragen muss, sollte den Anfang machen. Ich in meinem Fall werde via Atmosfair meinen Flug kompensieren. Ich werde also einen Betrag (errechnet an der von mir verursachten CO2-Menge) an die Organisation spenden. Mit den Geldern werden dann weltweite Projekte gefördert, welche die Menge an Kohlenstoffdioxid an einer anderen Stelle einsparen.

Man könnte jetzt behaupten, dass ich es mir damit besonders leicht mache. Ein Privileg der kapitalistischen Gesellschaft quasi. Ich treibe was ich will, und am Ende steck ich jemanden ein bisschen Geld in die Tasche. So auf die Art: „80 Euro, dann ist dat Ding aber jut bezahlt“. Aber nö nö! So wird das nicht laufen. Denn ich werde weiterhin in meinem Alltag möglichst auf Plastik verzichten, die regionale Landwirtschaft unterstützen und meinen Bedarf an Strom und Wasser niedrig halten. Außerdem habe ich vor, die nächsten Jahre auf jeden Fall in der Nähe Urlaub zu machen.

Mai (von Mailab) hat in einem ihrer Videos ein klasse Beispiel gebracht. Nehmen wir Person A. Person A hat Müll in den Wald geschmissen, obwohl er sich normalerweise für Umweltschutz einsetzt. Person B hat auch Müll in den Wald geschmissen, leugnet das aber. Und Person C hat ebenfalls Müll in den Wald geschmissen, steht aber offen und ehrlich dazu, dass ihm das egal ist. Eigentlich müssten wir C hassen, weil sein Verhalten unvorbildlich und echt uncool ist. Aber: Eigentlich finden wir Person C ganz sympathisch, weil wer wenigstens ehrlich war. Und Person B ist ein Lügner, aber das lassen wir auch noch irgendwie durchgehen. Schließlich scheint er zu wissen, dass sein Verhalten falsch war. Wen wir aber gar nicht abkönnen, ist Person A! Denn A ist offensichtlich ein Heuchler – und wir hassen Heuchler mehr als Lügner! Aber… STOP. Wir sollten C hassen, weil er offensichtlich keinen Bock auf Umweltschutz hat. Person A hat einen Fehler gemacht, aber wenigstens ist ihm der Fehler bewusst.

„Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser kluge Satz, der schon in der Bibel stand bla bla, hat bis heute nicht an Bedeutung verloren. Denn wir sind alle keine Heiligen, jeder von uns ist Klimasünder. Sich für ein bewussteres Leben einzusetzen bedeutet nicht, dass man ab sofort in einer Waldbaracke hausen muss. Es bedeutet auch nicht, dass man nie mehr Fleisch essen oder fliegen darf. Denn es bedeutet in erster Linie nur, dass man trotz des westlichen Lebensstils irgendwie versucht, ein besserer Mensch zu sein.

Ein Leben in der Vorstadt

Wir alle haben ein Zuhause. Eine Heimat, einen Hafen, eine Herkunft. Was für Spongebob Bikini Bottom oder für Frodo das Auenland abbildet, ist für mich ein spießiger Vorort im Süden Nürnbergs. Spießig deshalb, weil der Besitz eines Reihenmittelhauses genauso zum Standard gehört wie die Mitgliedschaft im Sportverein. Hier aufgewachsen, müssten diese Ziele eigentlich auch auf meiner Agenda stehen. Aber statt mich auf dieses Leben einzulassen, träume ich lieber von einer zauberhaften Altbauwohnung in der Stadt. Was aber, wenn ich hier niemals wegkommen werde?

Umziehen auf eigene Gefahr! 

Wer in einem Vorort oder im Dorf aufgewachsen ist, der kennt die Regeln: Du bist Mitglied im Verein, wohnst bis zum Ende des Studiums bei deinen Eltern und wenn du auf eigenen Beinen stehen willst, holst du dir eine Wohnung in der Nähe. In die Stadt umziehen ist nur für ganz Mutige eine Option. Denn wer einmal das Schiff verlässt, der kommt nie mehr zurück. Zumindest stellt man sich das so vor. Denn hat jemand erstmal die Entscheidung getroffen, in die große Welt zu ziehen und die Heimat zu verlassen, werden tägliche Besuche bei Vorort-Freunden immer seltener.  

In historischen Romanen wird oft von Helden berichtet, die es in die Ferne zieht. Sie reisen nach Spanien, Indien oder sogar zur Antarktis. Für jene die in einem Vorort – oder gar auf dem Land – aufgewachsen sind, reicht also schon die Großstadt, um sich wie ein Abenteurer zu fühlen. Was tun, wenn man nicht den Mut hat, ein Abenteurer zu sein?

J wie Jogginghose

Man kennt sich im Vorort. Jedes Geheimnis das du erzählst, ist eine Woche später kein Geheimnis mehr, sondern gehört selbstverständlich zum wöchentlichen Tratsch. Die Vorstellung, bei jedem Gang vor die Tür einen kurzen Plausch zu halten, ist eigentlich ganz nett. Es gibt dennoch gewisse Situationen, in welchen man aber nicht gesehen werden will. Wenn ich morgens ungewaschen und in Jogginghose in den Supermarkt renne, will ich nicht, dass mich jemand kennt oder am besten noch meine Produktwahl kommentiert. Wie angenehm ist nur der Gedanke, in einer Welt zu leben, in der man anonym einkaufen kann. Das würde mein Leben an manchen Tagen wirklich sehr erleichtern.

Ständig von den selben Leuten umgeben zu sein, macht es außerdem schwer, neue Freunde zu finden. Immer in den gleichen Kreisen unterwegs zu sein ist schön, weil es Halt gibt, aber man verpasst auch viele Chancen. Neue Bekanntschaften zu schließen erweitert unseren Horizont und ist die Grundlage für neue Erfahrungen.

Forever and never

Für immer gefangen im System: So oder zumindest so ähnlich könnte man den Zustand beschreiben, den Vororte in Deutschland aufweisen. In jeder zweiten deutschen Fernsehserie geht es um eine Gruppe Jugendlicher, die krampfhaft versucht, dem tristen Vorstadt-Alltag zu entkommen. Meistens gelingt das nicht. Und wenn doch, dann zieht es die Protagonisten nach einigen Tagen, Monaten oder Jahren wieder zurück in die Heimat.

Denn es ist der Charme vieler Vororte, dem man mit der Zeit erliegt. Es sind Eigenschaften wie Gemütlichkeit, Gemeinschaft und Geselligkeit, von denen ein jeder Vorort lebt. Sich von ihm abzuwenden ist also nicht nur mutig, sondern in gewisser Weise auch ein Bruch mit diesen Eigenschaften. Wir sind hier aufgewachsen und wir definieren diesen Ort. Dieser muss aber nicht statisch sein – neue Menschen können das Leben mitgestalten und formen. Wir freuen uns über jeden, der sich unserer Gemeinschaft anschließen möchte. Und genau deswegen bin ich ehrlich gesagt froh, dass die Altbauwohnung nur ein Träumchen ist. Denn ich bin hier daheim. In der Vorstadt.

In Teufels Namen!

Er ist das Böse in Person: Der Teufel. Als Gottes Gegenspieler hat er im Christentum eine besondere Rolle inne, denn wer zu Lebzeiten ein schlechter Mensch war, muss nach dem Tod bei ihm ausharren. Schon Goethes Faust verkaufte seine Seele an den Höllenboten und auch heute noch prägt der gefallene Engel, bekannt auch als Luzifer, unseren Sprachgebrauch. Wir kommen in Teufels Küche, sind nach einem Streit fuchsteufelswild und wir wissen, dass der Teufel manchmal im Detail steckt. Aber wer ist er heute für uns, dieser Teufel?

Der Teufel feiert sein Comeback

Ich kenne niemanden, der nach nach so langer Zeit ein vergleichbar beeindruckendes Comeback feiert, wie Satan höchstpersönlich. Bei der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“ wird der Teufel – hier genannt „der dunkle Lord“ angebetet und von seiner Anhängerschaft regelrecht angeschmachtet. Aber auch bei Amazon hat der Teufel seinen eigenen Auftritt und wandelt, weil es ihm in der Hölle dann doch zu langweilig war, auf der Erde herum. Dort verdreht er unzähligen Frauen den Kopf. Aber Egal ob bei Amazon oder Netflix: Luzifer ist wieder im Trend. Nur erscheint er uns Zuschauern mittlerweile nicht mehr furchteinflößend, sondern harmlos und sympathisch – ja fast sogar menschlich.

Während gottesfürchtige Menschen Jahrtausende lang vor ihm Angst hatten, wird der Teufel heutzutage gefeiert wie ein Popstar. Gut sieht er aus, der Lucifer von Amazon. Und Muskeln hat er auch noch. Da kann so manche Zuschauerin (oder auch so mancher Zuschauer) schnell schwach werden. In die Hölle zu kommen wäre also irgendwie ein Segen. Aber natürlich nur theoretisch. Den Teufel gibt es ja eigentlich gar nicht.

Machen wir uns über Religionen lustig?

Dass der Teufel das aktuelle Sexsymbol Nummer eins ist, sagt mit Sicherheit eine Menge über uns aus. Religionen sind uns fremd geworden, sie existieren meist nur noch auf dem Papier oder in der Erinnerung an unsere Konfirmation von vor über zehn Jahren. In die Kirche gehen wir nicht – außer jemand heiratet oder wird getauft. Und auch so möchten wir uns nicht wirklich mit Religionen oder biblischen Botschaften beschäftigen. Warum auch? Wir wissen es heute doch sowieso besser!

Aber wie sortieren wir das ein? Machen wir uns über den Teufel lustig? Oder gar über Religionen? Oder ist doch noch ein wenig Respekt übrig geblieben? Ich kann diese Frage leider nicht beantworten. Was ich allerdings vermute, ist, dass wir mit der Kirche doch nicht so abgeschlossen haben, wie wir es vielleicht gerne hätten. Nach wie vor sind religiöse – in diesem Fall christliche – Symbole und Figuren in unserem modernen Alltag allgegenwärtig. Sie bestimmen vielleicht nicht unser Leben, aber sie gestalten es entscheidend mit. Die zehn Gebote beispielsweise haben sich in unsere Köpfe genauso gebrannt wie das Bewusstsein dafür, unseren Nächsten genauso zu lieben wie uns selbst. Das mag im echten Leben zwar nicht immer funktionieren, aber der Wille zählt.

In Wahrheit nur ein Schrei nach Sicherheit?

Vielleicht ist der aktuelle „Teufelskult“ auch nur ein Schrei nach Sicherheit. Wir brauchen Sinngebung und Autoritäten in einer Welt, die zu schnell an uns vorüberzieht und alle Möglichkeiten offen lässt. Manche suchen diese Elemente im Kirchenbesuch, andere im Netflix-Programm. Wer sich bewusst mit den Themenstellungen verschiedener Fernsehinhalte auseinandersetzt, merkt schnell, dass Glaube und Übersinnliches immer noch ganz oben auf der Liste stehen. Ergo: Wir wollen das sehen. Wir wollen uns mit diesen scheinbar altmodischen Themenstellungen auseinandersetzen.

Ich möchte jetzt allerdings auch nicht den Teufel an die Wand malen. Es ist gut, dass wir in einer Welt leben, in der jeder Mensch die Wahl hat, ob und wie er seinen Glauben ausleben will. Gottseidank!

Zu den beiden Serien:

Chilling Adventures of Sabrina: Die Serie erzählt die Geschichte der Halbhexe Sabrina Spellman, die ihre Identität als verwaiste Tochter eines Hexenmeisters und einer sterblichen Mutter finden muss. Sabrina lebt in Greendale mit ihren Tanten: der freundlichen Hilda, der strengen und stolzen Zelda und ihrem schelmischen Cousin Ambrose. Sabrina besucht die Akademie der Unsichtbaren Künste, wo sie zur Hexe ausgebildet wird. Zu ihren größten Gegenspielern gehören der Hohepriester Pater Blackwood und der Dunkle Lord (Teufel).

Lucifer: Der Teufel herrscht über die Hölle. Seine Macht ist unbegrenzt, dennoch langweilt er sich so sehr, dass er beschließt, den Höllenort zu verlassen und sich unter die Menschheit zu mischen. Voller Abenteuerdrang macht er sich auf den Weg nach Los Angeles und lässt für die Schönheit der kalifornischen Metropole sein eigenes Königreich im Stich. Anstatt Chaos und Verwüstung unter den Erdlingen zu verbreiten, eröffnet Lucifer einen Nachtclub und verbündet sich mit dem Los Angeles Police Department, um den bösen und kriminellen Menschen in der Stadt das Handwerk zu legen. 

(Auszüge Wikipedia)