Autor: Jacqueline (Seite 1 von 4)

Ein Leben in der Vorstadt

Wir alle haben ein Zuhause. Eine Heimat, einen Hafen, eine Herkunft. Was für Spongebob Bikini Bottom oder für Frodo das Auenland abbildet, ist für mich ein spießiger Vorort im Süden Nürnbergs. Spießig deshalb, weil der Besitz eines Reihenmittelhauses oft genauso zum Standard gehört wie die Mitgliedschaft im Sportverein. Hier aufgewachsen, müssten diese Ziele eigentlich auch auf meiner Agenda stehen. Aber statt mich auf dieses Leben einzulassen, träume ich lieber von einer zauberhaften Altbauwohnung in der Stadt. Was aber, wenn ich hier niemals wegkommen werde?

Umziehen auf eigene Gefahr! 

Wer in einem Vorort aufgewachsen ist, der kennt die Regeln: Du bist Mitglied im Verein, wohnst bis zum Ende des Studiums bei deinen Eltern und wenn du auf eigenen Beinen stehen willst, holst du dir eine Wohnung in der Nähe. In die Stadt umziehen hingegen ist nur für ganz Mutige eine Option. Denn wer einmal das Schiff verlässt, der kommt nie mehr zurück. Zumindest stellt man sich das hier vor. Denn hat jemand erstmal die Entscheidung getroffen, in die große Welt zu ziehen und die Heimat zu verlassen, werden tägliche Besuche bei Vorort-Freunden immer seltener.  

In historischen Romanen wird oft von Helden berichtet, die es in die Ferne zieht. Sie reisen nach Spanien, Indien oder sogar bis zur Antarktis. Für jene die in einem Vorort – oder gar auf dem Land – aufgewachsen sind, reicht also schon die Großstadt, um sich wie ein Abenteurer zu fühlen. Was tun, wenn man nicht den Mut hat, ein Abenteurer zu sein?

J wie Jogginghose

Man kennt sich im Vorort. Jedes Geheimnis das du erzählst, ist eine Woche später kein Geheimnis mehr, sondern gehört genauso zum wöchentlichen Tratsch wie das neue Auto des Nachbarn. Die Vorstellung, bei jedem Gang vor die Tür einen kurzen Plausch zu halten, ist eigentlich ganz nett. Es gibt dennoch gewisse Situationen, in welchen man eben nicht gesehen werden will. Wenn ich also morgens ungewaschen und in Jogginghose in den Supermarkt renne, will ich nicht, dass mich jemand kennt oder am besten noch meine Produktwahl kommentiert. Wie angenehm ist nur der Gedanke, in einer Welt zu leben, in der man anonym bleiben kann. Das würde mein Leben an manchen Tagen wirklich sehr erleichtern.

Ständig von den selben Leuten umgeben zu sein, macht es außerdem schwer, neue Freunde zu finden. Immer in den gleichen Kreisen unterwegs zu sein ist schön, weil es Halt gibt, aber man verpasst auch viele Chancen. Neue Bekanntschaften zu schließen erweitert unseren Horizont und ist die Grundlage für Neugierde und neue Erfahrungen.

Forever and never

Für immer gefangen im System: So oder zumindest so ähnlich könnte man den Zustand beschreiben, den Vororte in Deutschland aufweisen. In jeder zweiten deutschen Fernsehserie geht es um eine Gruppe Jugendlicher, die krampfhaft versucht, dem tristen Vorstadt-Alltag zu entkommen. Meistens gelingt das nicht. Und wenn doch, dann zieht es sie nach einigen Tagen, Monaten oder Jahren wieder zurück in die Heimat.

Denn es ist der Charme vieler Vororte, dem man mit der Zeit unterliegt. Es sind Eigenschaften wie Gemütlichkeit, Gemeinschaft und Geselligkeit, von denen ein jeder Vorort lebt. Sich von ihm abzuwenden wäre also nicht nur mutig, sondern in gewisser Weise auch ein Bruch mit diesen Eigenschaften. Wir sind hier aufgewachsen und wir definieren diesen Ort. Dieser muss aber nicht statisch sein – neue Menschen können das Leben mitgestalten und formen. Wir freuen uns über jeden, der sich unserer Gemeinschaft anschließen möchte. Und genau deswegen bin ich ehrlich gesagt froh, dass die Altbauwohnung nur ein Träumchen ist. Denn ich bin hier daheim. In der Vorstadt.

Die Mobilmachung

Er blickte auf seine Armbanduhr. Noch eine Stunde. Eine Stunde noch. Dann würde sich alles verändern. Alles! Schulschluss, Sommerferien und Verabschiedung. Im Klassenraum roch es nach Schweiß, Nervosität und Butterbrot. Ja eine Stunde noch, dann würden sich alle bereit machen. Vorbereiten auf das, was bald kommen würde: Die Zukunft. Genauso hatte er sich das vorgestellt. So musste es sich anfühlen, wenn man die Kontrolle besaß. Den Mut hatte, etwas Neues zu beginnen. Einen Schritt zu gehen, mit der Vergangenheit abzurechnen und mit der Schule für immer abzuschließen!

Ein leichtes Kribbeln machte sich in ihm breit. Würde denn auch alles so funktionieren wie er es geplant hatte? Oder würde alles aus dem Ruder laufen und er würde seine Entscheidung bitter bereuen? Nein. Bestimmt nicht. Er hatte so viel Zeit in seinen Plan investiert – es musste einfach klappen.

Interessiert blickte der Junge durch den Raum. Anhand der Gesten seiner Mitschüler konnte er deren Gefühle geradezu perfekt deuten. Er kannte sie alle ja schließlich gut genug. Sie waren ungeduldig, denn die Hitze im Klassenraum legte sich über ihre müden Körper. Aber die Sehnsucht nach den Sommerferien und einer neuen Zukunft hielt sie wach. Noch eine Stunde. Fast vier Jahre lang hatte er mit ihnen lernen, leben und leiden müssen. Vor allem leiden. Nie zuvor hatte er so leiden müssen wie in den letzten Schuljahren. Aber das war nun endlich vorbei!

Vorsichtig stand er auf und verließ den Raum. Alleine. Das war jetzt genau richtig. Die Situation war einfach zu ungewohnt. Generell hatte er während seiner Schulzeit viel Ungewohntes erlebt, was jedoch nach einiger Zeit zur völligen Gewohnheit wurde! Er hatte wilde Gefühle erlebt. Gefühle, die wie Wasserwellen aggressiv an Schiffen brachen und Gefühle, die mehr brannten als jedes Feuer dieser Welt. Doch nun kam die Veränderung. Etwas Neues. Fünf Minuten noch. Nur fünf, dann würde sich alles verändern.

Langsam fingen seine Mitschüler an, ihre Rucksäcke zu packen und sich gegenseitig schöne Sommerferien zu wünschen. Währenddessen hielt der Junge noch einmal vor der Tür inne. Bis er losstürmte und mit dem Revolver seines Vaters alle Zukunftsträume niederschoss.

Diese Erzählung ist meine allererste Kurzgeschichte. Zwar ist sie nicht – wie die anderen der Sammlung – extra für den Monat Juli geschrieben worden, aber sie hat sich diesen Platz verdient. Denn sie ist der Grund, weshalb ich überhaupt mit dem Schreiben anfing.

Neuer Mut im Sommer

Wir saßen am Fluss und grillten Bockwürste. Die Jungs hatten nur ihre Unterhosen an und sprangen mutig in den Fluss, um sich abzukühlen. Wir Mädchen hingegen fröstelten schon beim Anblick des noch kalten Wassers. Die Schule hatten wir heute allesamt geschwänzt, denn die Sonne schien hell und wir wollten lieber Spaß haben, als im stickigen Klassenraum zu sitzen. Also schmuggelten wir Dosenbier und eine Schachtel Zigaretten an unseren Eltern vorbei und packten alles in eine alte Stofftasche. Eine Stunde später saßen wir am Fluss.

Unsere Eltern hatten uns schon vor Tagen vor der tosenden Strömung gewarnt. Denn aufgrund des starken Niederschlags war der Fluss zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahrenquelle geworden. Das interessierte uns allerdings kein Stück. Naja, die Jungs zumindest nicht. Wir Mädchen hatten sowieso kein Interesse daran, uns ausziehen und in das kalte Nass zu springen. Wir sahen lieber zu. 

Außer Natalie. Sie war schon immer ein bisschen sonderbar, denn sie wollte immer genau das tun, was die Jungs taten. Deshalb gab sie sich nicht mit Zuschauen am Flussufer zufrieden und zog sich die Klamotten aus. Bis auf die Unterwäsche. Dann hüpfte sie ins Wasser und lies sich mit der Strömung treiben. Als wir Natalie nach einiger Zeit aus den Augen verloren, wurden einige von uns nervös. Wo war sie hin? Ich ärgerte mich über sie, denn ihr ständiger Drang sich gegenüber den Jungs zu behaupten hatte sie schon mehrmals in Schwierigkeiten gebracht. Was sollten wir ihren Eltern sagen? Wie könnten wir das erklären?

Während ich mich in Gedanken verlor und über mögliche Ausreden nachdachte, hörte ich meine Freunde im Hintergrund hitzig diskutieren. Ihre Stimmen lösten in meinem Kopf aber nur ein dumpfes Pochen aus, sodass ich mir schließlich die Ohren zuhielt. So muss ich wohl einige Zeit dagestanden haben. Ich kann nicht sagen, ob es Minuten waren oder nur Sekunden. 

Plötzlich packte mich jemand an der Schulter und schüttelte mich so lange, bis ich wieder ganz bei mir war. Es war Natalie. Sie nahm mich bei der Hand und führte mich über die weiche Wiese zum Steg. Dort hatte sie eine alte Flaschenpost gefunden, deren Inhalt längst vergilbt war. „Ich glaube hier ist eine Karte versteckt. Lass sie uns ansehen und gemeinsam den Schatz finden.“ Grinsend hielt mir Natalie die grüne Flasche ins Gesicht und ich verstand in jenem Moment, dass Natalie genauso war, wie man im Sommer sein musste: Mutig und abenteuerlustig.

In Teufels Namen!

Er ist das Böse in Person: Der Teufel. Als Gottes Gegenspieler hat er im Christentum eine besondere Rolle inne, denn wer zu Lebzeiten ein schlechter Mensch war, muss nach dem Tod bei ihm ausharren. Schon Goethes Faust verkaufte seine Seele an den Höllenboten und auch heute noch prägt der gefallene Engel, bekannt auch als Luzifer, unseren Sprachgebrauch. Wir kommen in Teufels Küche, sind nach einem Streit fuchsteufelswild und wir wissen, dass der Teufel manchmal im Detail steckt. Aber wer ist er heute für uns, dieser Teufel?

Der Teufel feiert sein Comeback

Ich kenne niemanden, der nach nach so langer Zeit ein vergleichbar beeindruckendes Comeback feiert, wie der Satan höchstpersönlich. Bei der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“ wird der Teufel – hier genannt „der dunkle Lord“ angebetet und von seiner Anhängerschaft regelrecht angeschmachtet. Aber auch bei Amazon hat der Teufel seinen eigenen Auftritt und wandelt, weil es ihm in der Hölle dann doch zu langweilig war, auf der Erde herum. Dort verdreht er unzähligen Frauen den Kopf. Aber Egal ob bei Amazon oder Netflix: Luzifer ist wieder im Trend. Nur erscheint er uns Zuschauern mittlerweile nicht mehr furchteinflößend, sondern harmlos und sympathisch – ja fast sogar menschlich.

Während gottesfürchtige Menschen Jahrtausende lang vor ihm Angst hatten, wird der Teufel heutzutage gefeiert wie ein Popstar. Gut sieht er aus, der Lucifer von Amazon, und Muskeln hat er auch noch. Da kann so manche Zuschauerin – oder eben auch so mancher Zuschauer – mal schnell schwach werden. In die Hölle zu kommen wäre also irgendwie ein Segen. Aber natürlich nur theoretisch. Den Teufel gibt es ja eigentlich gar nicht.

Machen wir uns über Religionen lustig?

Dass der Teufel das aktuelle Sexsymbol Nummer eins ist, sagt mit Sicherheit eine Menge über uns aus. Religionen sind uns fremd geworden, sie existieren meist nur noch auf dem Papier oder in der Erinnerung an unsere Konfirmation von vor über zehn Jahren. In die Kirche gehen wir nicht – außer jemand heiratet oder wird getauft – und auch so möchten wir uns nicht wirklich mit Religionen oder biblischen Botschaften beschäftigen. Warum auch? Wir wissen es heute doch sowieso besser!

Aber wie sortieren wir das ein? Machen wir uns über den Teufel lustig? Oder gar über Religionen? Oder ist doch noch ein wenig Respekt übrig geblieben? Ich kann die Frage nicht beantworten. (Das habt ihr hoffentlich auch nicht erwartet, oder?) Was ich allerdings vermute, ist, dass wir mit der Kirche doch nicht so abgeschlossen haben, wie wir es vielleicht gerne hätten. Nach wie vor sind religiöse – in diesem Fall – christliche Symbole und Figuren in unserem modernen Alltag allgegenwärtig. Sie bestimmen vielleicht nicht unser Leben, aber sie gestalten es entscheidend mit. Die zehn Gebote beispielsweise haben sich in unsere Köpfe genauso gebrannt wie das Bewusstsein dafür, unseren Nächsten genauso zu lieben wie uns selbst. Das mag im echten Leben zwar nicht immer funktionieren, aber der Wille zählt.

In Wahrheit nur ein Schrei nach Sicherheit?

Vielleicht ist der aktuelle „Teufelskult“ auch nur ein Schrei nach Sicherheit. Wir brauchen Sinngebung und Autoritäten in einer Welt, die zu schnell an uns vorüberzieht und alle Möglichkeiten offen lässt. Manche suchen diese Elemente im Kirchenbesuch, andere im Netflix-Programm. Wer sich bewusst mit den Themenstellungen verschiedener Fernsehinhalte auseinandersetzt, merkt schnell, dass Glaube und Übersinnliches immer noch ganz oben auf der Liste stehen. Ergo: Wir wollen das sehen. Wir wollen uns mit diesen scheinbar altmodischen Themenstellungen auseinandersetzen.

Ich möchte jetzt allerdings auch nicht den Teufel an die Wand malen. Es ist gut, dass wir in einer Welt leben, in der jeder Mensch die Wahl hat, ob und wie er seinen Glauben ausleben will. Gottseidank!

Hier die beiden benannten Serien

Sabrina die Hexe gehört der „Kirche der Nacht“ an, die den Teufel verehrt und seinen Willen befolgt. Bei ihrer Satanischen Taufe muss sie sich verpflichten, dem Dunklen Lord auf ewig zu dienen.
Lucifer herrscht über die Hölle. Seine Macht ist unbegrenzt, dennoch langweilt er sich so sehr, dass er beschließt, seinen Höllenort zu verlassen und sich unter die Menschheit zu mischen. 

Trenn‘ dich vom Schicksal

„Neuer Schlafplatz? Sieht unbequem aus. Wünsch‘ dir trotzdem ’ne gute Nacht!“, rief mir der alte Harry zu, während er wie jeden Abend pünktlich um halb acht seine Ladentür abschloss, um den wohlverdienten Feierabend anzutreten. Wir beide hatten uns schon einige Monate nicht mehr gesehen, denn den Winter über kam ich in einer Einrichtung für Obdachlose unter. Jetzt im Mai waren die Tage wieder länger und die steigenden Temperaturen machten das Schlafen unter freiem Himmel endlich angenehmer. Gemütlich war es trotzdem nicht auf der Straße. Auch nicht im Sommer. Nie.

Ich richtete meinen grünen Schlafsack für die Nacht her und benutzte eine kaputte Strickmütze als Kissen. Der Schlafsack begleitete mich schon seit beinahe zehn Jahren. Das alte Ding hatte früher meinem Vater gehört. Während seiner Dienste beim Militär hatte er den das Ding regelmäßig benutzt. Der Stoff war immer noch robust und hielt mich ausreichend warm. Der Schlafsack war also nicht nur ein bisschen Stoff; es war gleichzeitig das Einzige, das mir von meinem Vater geblieben war. Das Einzige, das mich an ihn erinnerte. Mein Vater war zu Lebzeiten ein angesehener Mann gewesen, der es beruflich zu viel gebracht hatte. Außerdem ging er jeden Sonntag in die Kirche. Ein Vorbild.

Ich war dennoch ein wenig froh, dass er nicht mehr unter uns weilte. Denn hätte er mich – diese jämmerliche Gestalt die ich doch war – so gesehen, hätte das ihm vermutlich das Herz gebrochen. Früher wollte ich immer so werden wie er. Ich wollte einen Job, eine Familie, ein Haus. Aber alles was ich jetzt habe sind ein alter Schlafsack und eine kaputte Mütze. Nichts davon hätte ihn stolz gemacht.

Früher hatte ich anderen Menschen für alles die Schuld gegeben. Für mein zerbrochenes Leben, meine Einsamkeit und mein jämmerliches Dasein. Ich beschuldigte sie alle: Vom Vermieter bis hin zur Sachbearbeiterin des Arbeitsamtes. Manchmal gab ich sogar dem Schicksal die Schuld an meinem miesen Leben. Aber letztendlich spielte das alles keine Rolle mehr. Ich lebte auf der Straße und das würde ich vermutlich so lange tun, bis sie mich in endlich wegschaffen und in ein Armenbegräbnis werfen konnten.

Ich legte mich in mein improvisiertes Bett und schloss die Augen. Das Einschlafen viel mir schwer. Ich konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. Die grölenden Jugendlichen und die fahrenden Autos waren nicht der Grund, denn an solche Geräusche hatte ich mich längst gewöhnt. Was mich hingegen tatsächlich wach hielt war die Erkenntnis, dass sich dringend etwas ändern musste in meinem Leben. Das ich etwas ändern musste. Dieser Gedanke hielt sich so hartnäckig, dass ich ihn schließlich ernst nahm. Ich brauchte wieder einen vernünftigen Job. Und vor allem eine eigene Wohnung. Aber wie sollte das gehen? Wie konnte ich wieder zurück ins Leben finden? Wie bekommt man eine Anstellung, wenn man weder über ordentliche Kleidung, geschweige denn über einen Computer verfügte? Ich besaß ja nicht mehr als das bisschen Stoff, das ich am Leibe trug. Der Gedanke also, gleich morgen früh zum Amt zu laufen, ließ mich schließlich müde werden.

„Guten Morgen! Was in aller Welt tust ’n da?“, wollte Harry von mir wissen, als er früh am Morgen sein Geschäft aufschloss und mich beim Aufräumen beobachtete. Ich erzählte ihm von meiner Entschlossenheit mir endlich einen Job zu suchen und mich um eine Wohnung zu kümmern. Harry, den ich mittlerweile seit vielen Jahren kannte, verzog kurz sein faltiges Gesicht und meinte schließlich: „Klasse Idee. Bekannter von mir sucht noch dringend Hilfe für die Bäckerei, da hat erst einer seine Lehre geschmissen. Wenn du möchtest, leg ich ’n gutes Wort für dich ein.“

Ich brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, dass Harry mir gerade die Aussicht auf einen Job gegeben hatte. Ich war sprachlos, denn dieses Angebot kam unerwartet. „Das würdest du für mich tun? Obwohl ich auf der Straße lebe und zu nichts tauge? Obwohl ich schrecklich aussehe?“, fragte ich meinen alten Freund. „Red‘ keinen Quatsch. Bist doch ’ne gute Seele! Und hässlich bist du noch lange nicht. Da habe ich schon Schlimmere vor meiner Ladentür herumlungern sehen“, gab er zurück, ehe er losprustete. Sein Blick verriet mir aber, dass er tatsächlich glaubte, was er da von sich gab.

Harry dachte das also wirklich. Er hielt mich für eine gute Seele. Hatte er recht? Vielleicht war ich ja gar nicht so jämmerlich, wie ich immer dachte. Von der einen auf die andere Sekunde sah ich die Welt mit völlig anderen Augen. Sie erschien mir plötzlich bunt. Lebendig. Hoffnungsvoll. Ich war in diesem Moment die wohl glücklichste Frau auf der ganzen Welt. Mein Vater wäre stolz gewesen.

Oh Mann!

„Du schreibst so viel über tolle Frauen. Warum machst du nicht mal einen Blogbeitrag über uns?“ Diese Frage hat mir ein Mann letztens gestellt und sie todernst gemeint. Recht hat er auf jeden Fall, denn auf meinem Blog sollte definitiv mehr über Männer geschrieben werden. Großartige Männer. Männer, die unseren Respekt verdienen. Et voila….

Jan Böhmermann

Jan Böhmermann nimmt kein Blatt vor den Mund. Und deswegen mag ich ihn. Er steht gern im Mittelpunkt, aber seine Absichten sind nicht egoistisch. Er vereint Witz und Ernsthaftigkeit mit so einer Leichtigkeit, dass man meinen könnte, er hätte die Satire erfunden. Er ist also für mich mehr als ein komischer Kerl aus dem TV. Er ist der Botschafter der jungen Generation.

Barack Obama

Obama wird weltweit gefeiert wie ein Superstar. Und das obwohl er ein (ehemaliger) Politiker ist. Er hat uns gezeigt, dass man mit Toleranz, Nächstenliebe und Diplomatie Länder zusammenhalten kann. Dass man mit all diesen Eigenschaften Hoffnung unter die Menschen bringt. Er hat uns gezeigt, dass wir Randgruppen aktiv in unseren Alltag integrieren müssen. Dass wir sie hören müssen – und sehen. Seine Familie war aber trotz der stressigen Zeit als Präsident der USA immer an erster Stelle gestanden. Obama ist also nicht nur ein toller Dad, sondern auch ein super Vorbild.

Frank Thelen

Viele kennen Frank aus dem Fernsehen. Die Höhle der Löwen ist eins der erfolgreichsten Formate mit Franks Beteiligung. Der Unternehmer hat sich in seinem vergleichsweise jungen Alter ein großes Business-Netzwerk aufgebaut und liefert durch seine vielen Projekte (besonders Start-Ups) einen wichtigen Beitrag für die deutsche Wirtschaft. Denn besonders soziale, faire oder gesundheitsfördernde Geschäftsideen bringt der 43-Jährige weiter voran. Sein scharfer Sinn für gesellschaftliche Entwicklungen und vorne dran die Digitalisierung machen ihm zum Elon Musk Deutschlands.

Leonardo DiCaprio

Leonardo DiCaprio steht nicht auf dieser Liste, weil er so ein Frauenschwarm ist (Ok, vielleicht ein bisschen). Er steht hier, weil er aktiv und mit viel Herzblut gegen den Klimawandel kämpft. Er unterstützt sämtliche Projekte und Unternehmungen, um nachfolgenden Generationen eine bessere und sauberere Welt zu hinterlassen. Er ruht sich also nicht auf seinem Erfolg aus, sondern motiviert andere Menschen, mehr auf die Umwelt Acht zu geben. Ein echter Superman.

Freddie Mercury

Wer nicht viel auf die Meinung anderer gibt und sein eigenes Ding durchzieht, gelangt an inneren Frieden mit sich selbst. Naja, zumindest glauben das die meisten. Freddie Mercury, der verstorbene Sänger der Band Queen, hat jedoch Zeit seines Lebens mit sich selbst gehadert. Auf der Suche nach der Liebe und dem Sinn des Lebens, hat er aber immer das getan, wonach ihm der Sinn stand und was ihm sein Herz vorgab. Sein musikalisches Superhirn hat darüber hinaus Songs auf den Weg gebracht, die die Jahrzehnte überdauert haben und es weiterhin tun werden. Genie und Vorbild vereint in einer Person.

Alle Männer

Wir Frauen bewundern euch. Ihr seid furchtlos, tapfer aber trotzdem liebenswert. Ihr entsorgt die Spinnen, vor denen wir Angst haben und ihr seid immer da, wenn wir eine starke Schulter brauchen. Ihr richtet uns unsere Smartphones ein, ihr repariert unsere Computer. Ihr fahrt so gut Auto, als hättet ihr nie etwas anderes getan. Für euer räumliches Verständnis und die Mordsgeduld bewundern wir euch. Ihr seid unser Ruhepol, wenn wir zu viel reden. Ihr seid unser Sprachrohr, wenn wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Ihr seid toll. Ihr seid Männer.

Mit der U-Bahn

Wenn ich mit der U-Bahn reise
Über viele U-Bahn-Gleise
Dann schau ich raus
Und sehr nur Grau
Kein buntes Haus.

Und wenn ich in der U-Bahn sitze
In der U-Bahn-Sitze-Ritze
Dann schlaf ich ein
Und seh nur Schwarz
Das soll so sein.

Und wenn ich aus der U-Bahn steige
Auf die U-Bahn-Steige zeige
Dann lauf ich schnell 
Und seh das Licht
Als wärs ganz hell.

Du starkes Stück!

Wir reden viel über Hate im Internet. Über Ungerechtigkeit und Missverständnisse. Heute lasse ich die schlechten Vibes mal beiseite und konzentriere mich auf das, was ich wirklich stark finde: Frauen. Berühmte Frauen im Fernsehen, die diesem Hass entgegentreten und normale Frauen im Alltag, die mich schwer beeindrucken. Lasst uns also einen Moment Zeit nehmen, und alle Frauen feiern, die jeden Tag aufs neue ihren Mann stehen.

Palina Rojinski 

Die russisch-deutsche Moderatorin hat es nicht leicht: Oft wird sie – vor allem im Internet – von Fremden angeschmachtet und einzig und allein auf ihr Aussehen reduziert. Auf ihre Brüste, um genau zu sein. Palina hat sich das nicht gefallen lassen und deshalb widerlichen Internet-Trollen einen Streich gespielt: Auf Instagram veröffentlichte die 34-Jährige das Foto eines Männer-Hinterns, der so gut in Szene gesetzt war, dass User ihn für Palinas Oberweite hielten. Den Fake klärte Palina kurze Zeit später auf, mit der Aussage, sie wolle nicht mehr länger nur auf Ihre Oberweite reduziert werden und bekämpfe deshalb „das Perverse mit dem Perversen“. Capeau, Palina!

Meghan, Duchess of Sussex

Auch Meghan hat es nicht leicht. Zwar hat sich die ehemalige Schauspielerin einen der begehrtesten Männer der Welt geangelt und lebt in einem Traumschloss, aber dieses neue Leben wird ihr nicht so recht gegönnt. Meghan sei hinterlistig, Meghan wolle nur im Mittelpunkt stehen, Meghan verderbe Harry. Immer wieder wird sie darüber hinaus mit Kate verglichen: Sei sie doch nicht so anmutig und damenhaft wie ihre Schwägerin. Aber sind wir doch mal ehrlich: Als geschiedene Frau und Tochter einer Afroamerikanerin waren diese Anschuldigungen eigentlich schon vorprogrammiert. Ich finde es stark, dass Meghan weiterhin mit einem wahnsinnigen Selbstbewusstsein zu sich und zu ihrer Liebe mit Harry steht. Eine Prinzessin, die nicht gerettet werden muss.

Bibi

Bianca Heinicke, bekannt als Bibi von „BibisBeautyPalace“, wurde durch ihren Youtube-Kanal quasi über Nacht berühmt. Zunächst veröffentlichte sie Videos zu den Themen Kosmetik, Lifestyle und Mode, später kamen Comedy-Einheiten dazu. Jetzt konzentriert sich Bibi aber auf ihr Familienleben und arbeitet hauptsächlich als Influencerin auf Instagram. Und auch hier – wie sollte es auch anders sein – beginnt der Hate vieler User im Internet. Bibi sei naiv, dumm und vor allem zu jung um schon Mutter zu sein. Woher diese Hasstiraden immer rühren – ich kann es mir nur vage denken. Vielleicht ist es Neid, vielleicht aber auch einfach Frustration. Bianca hat sich mit ihren 26 Jahren wirklich einen Namen gemacht und ist mit dem was sie tut super erfolgreich. Eine junge Unternehmerin, die Baby und Business unter einen Hut bekommt. Meine Bewunderung hat sie!

Greta Thunberg

Greta habe ich bereits einen ganzen Artikel gewidmet, deswegen soll dieser Absatz aber nicht kürzer ausfallen als die anderen. Greta, die erst 16 Jahre alt ist aber bereits eine ganze politische Bewegung ins Leben gerufen hat, ist für mich eine Inspiration. Wir können von ihr wahnsinnig viel lernen. Sie ist geduldig, klug und engagiert. Das sollen die Erwachsenen ihr erst einmal nachmachen. Greta Thunberg ist mittlerweile sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Ich finde es steht außer Frage, dass sie diese Auszeichnung auch verdient hat. Ich bin gespannt, wohin die Reise gehen wird. Aber weit mit Sicherheit: Denn wer tausende junge Menschen mobilisieren kann, der kann noch viel mehr. Fazit: Make The World Greta Again!

Demi Lovato

In der Reihe der inspirierenden Frauen darf eine nicht fehlen: Demi Lovato. Die Amerikanerin trifft zwar nicht ganz meinen Musikgeschmack, aber sie schafft es trotzdem auf die Hit-List der starken Frauen. Die junge Sängerin und Schauspielerin steht offen zu ihrer Mobbing-Vergangenheit und ihren psychischen Problemen. Sie ermutigt andere Prominente, ebenso über ihre schicksalhaften Erlebnisse zu sprechen. Gerade die Hollywood-Welt scheint nach außen unverwundbar und perfekt zu sein. Ich denke, dass es daher besonders schwer ist, in so einer Welt offen seine Schwächen zu zeigen und trotzdem jeden Tag im Rampenlicht zu stehen. Keep on rockin‘, Demi!

Du

Du machst die Wäsche, du gehst einkaufen, du putzt die Wohnung. Du gehst arbeiten, du verdienst Geld, du machst Geschäfte. Du gehst ins Fitnessstudio oder Laufen. Du hilfst alten Menschen und kümmerst dich um die Kinder. Du behauptest dich täglich aufs neue gegenüber der Welt. Du schlichtest Streit, du sorgst für Harmonie. Du planst alles durch von A bis Z oder lässt dich gerne auch mal treiben. Deinen Kalender hast du immer mit dabei, damit du auch nichts vergisst. Du hinterfragst Dinge, du siehst den wahren Charakter der Menschen. Du kaufst dir oft neue Schuhe oder neue Klamotten, aber hast deine Finanzen top im Griff. Du hast morgens Probleme aufzustehen, oder abends Probleme einzuschlafen. Du lächelst, wenn man dich dazu auffordert, aber du liebst es, böse zu gucken. Leute denken du wärst krank, wenn du mal ungeschminkt aus dem Haus gehst. Du bist aber trotzdem immer super gestylt, weil es dir Spaß macht und du dich gerne ausprobierst. Du bist eine Frau. Du bist ein echt starkes Stück!

#girlssupportgirls

Sonnensturm im Sommer

Ein warmer Wind weht durch das Haar,
Die Locken umspielen das zarte Gesicht.
Ich sehe sie vorbeiziehen,
Graziös und leicht,
Entlang der leeren Straße.
Ihre Augen leuchten gefährlich gelb,
Meine Kehle brennt.
Wie ein Sonnensturm im Sommer.

Von kleinen Ängsten und großen Pflichten

Ich sitze auf dem Schlafzimmerboden. Dabei sortiere ich die Socken meiner zwei Töchter. Schön. Ich kann mir wirklich keine bessere Beschäftigung für diesen Ostersonntag vorstellen. Aber als Mutter muss man eben vielen Pflichten nachkommen. Das tun die meisten Mütter auch gern, dazu noch mit unglaublich viel Herzblut. Als Mutter liebt man es, sich um alles zu kümmern. Bei mir ist das nicht anders. Socken sortieren gehört allerdings nicht dazu. Gibt es eine schlimmere, schwerere, ja vielleicht sogar herausforderndere Aufgabe als unsortierte Socken?

Blau – blau, schwarz – schwarz, rosa – rosa. Wo ist die zweite gelbe Socke? Ich bin so versunken in diese anspruchslose Akkordarbeit, dass ich mich beinahe in meinen Gedanken verliere. Das Gebrüll meiner jüngsten Tochter reißt mich schließlich aus meiner Tagträumerei. Mama! Karotta ist tot! Tot, tot, tot.

Der Schock sitzt tief. Die Kinder weinen bitterlich und ich versuche die Situation unter Kontrolle zu behalten. Einen kühlen Kopf zu bewahren. Alles für die Bestattung vorzubereiten. Karotta bekommt zwei Stunden später  eine angemessene Beerdigung, wie es sich für einen Hasen an Ostern eben gehört. Ein alter Schuhkarton dient als kleiner Sarg und die Mädchen haben Blumen gesammelt, um das Grab hübsch zu schmücken. Während ich meine Grabrede zum besten gebe, steht mein Mann nur da und schaut gelangweilt zum Haus unserer Nachbarn. Ich lasse mich davon allerdings nicht ablenken und konzentriere mich stattdessen auf meinen Monolog. Richtig vorbereiten konnte ich diesen ja nicht gerade, weshalb ich mich einfach an eine Trauerrede vor drei Jahren erinnere. Karotta hatte zwar nicht annähernd genauso viel erlebt wie die dahingeschiedene Frau Heinrich, aber sie war dennoch eine mindestens genauso standhafte Persönlichkeit gewesen. Zumindest im Vergleich zu anderen Hasen.

Dennoch ärgert es mich, dass ich mich wieder alleine um das Drama kümmern muss. Mein Mann war zwar nicht gerade für seine Feinfühligkeit bekannt, von einer vermeintlichen Redseligkeit ganz zu schweigen, aber er hätte mich doch ein wenig mehr unterstützen können in dieser unangenehmen Sache. Ja, denn genau das war es. Unangenehm. Der Tod kommt immer unpassend und unbequem, wann es ihm eben passt. Er fragt nicht: „Hallo hübsches Fräulein, wann würd’s denn gehen? Sollen’s lieber die Masern sein nächste Woche oder wollen’s lieber noch a bisserl warten? So beim Segeltörn mit 75?“ Gleiches gilt natürlich auch für Karotta, oder eben jedes andere Haustier. Den Rest des Lebens entscheiden wir aus einem Katalog heraus. Nur der Tod, der ist ganz schön eigen.

Mit dem Ende meiner Rede und dem Verbuddeln des Hasen-Sargs ist das Thema zu meiner Enttäuschung aber noch nicht erledigt. Ist Karotta jetzt im Hasenhimmel? Bekommt sie da gutes Futter? Oder muss sie da Salat essen? Mama, Salat schmeckt nicht. 

Hasenhimmel. Wer hat sich das nur wieder ausgedacht? Der Hase ist jetzt nirgends, außer in unserem Garten und zieht wahrscheinlich dabei noch irgendwelche Viecher an. Es gibt keinen Himmel. Früher war ich davon überzeugt, aus Karotta könnte irgendwann eine Nacktschnecke werden. Oder aus Frau Heinrich der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Diese Hoffnung habe ich aber aufgegeben. Denn wie schon gesagt, da ist nichts. Nichts, außer Dreck und Dunkelheit. Aber das kann man einem fünfjährigen Kind wohl nur schlecht genauso sagen.

Nun ist es meine älteste Tochter, die mich aus meinen Gedanken reißt. Ob es Karotten gibt, müsse sie jetzt dringend wissen. Weil falls nicht, würde sie welche auf das Grab legen. Karotta schmeckt ja sonst nichts. Wie ich sie so ansehe, mit ihren goldenen Locken und ihren kleinen Sommersprossen, kann ich einfach nicht anders. Karotta geht es gut, glaub mir. Sie bekommt jede Menge Karotten. Soviel, dass sie die gar nicht alle alleine essen kann. Aber das macht nichts, denn sie wird im Hasenhimmel ganz schnell Freunde finden, mit denen sie teilen kann. 

Diese Worte klingen seltsam falsch und mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Als meine Töchter jedoch diesen frechen Blick aufsetzen und sich wissend zunicken, werde ich mir einer Sache bewusst: Es sind die Erwachsenen, die Angst haben. Nicht die Kinder.